Iwięcino

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Iwięcino (deutsch Eventin) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört heute zur Landgemeinde (Gmina) Sianów (Zanow) im Kreis Koszalin (Köslin).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Ort Iwięcino in Hinterpommern liegt auf einer Höhe von 15 Metern über dem Meeresspiegel. Das flache Gelände fällt allmählich nach Norden zum Jezioro Bukowo (Buckower See) auf etwas über Meereshöhe ab. In den östlich des Dorfes gelegenen Feldern sind einige Hügel, deren höchste Erhebung 28 Meter erreicht.

Das Dorf erreicht man über die Landstraße 203 die – auch „Küstenstraße“ genannt – von Koszalin (Köslin) über Darłowo (Rügenwalde) nach Ustka (Stolpmünde) führt. [1] Bis zur früheren Kreisstadt Sławno (Schlawe) sind es 30 Kilometer, bis zum jetzigen Kreissitz Koszalin lediglich 18 Kilometer. Bahnstation ist das sieben Kilometer entfernte Skibno (Schübben) an der Bahnstrecke Stargard Szczeciński–Gdańsk.

Nachbargemeinden von Iwięcino sind: im Osten die schon zur Gmina Darłowo gehörende Gemeinde Gleźnowo (Steinort) sowie Bielkowo (Beelkow), im Süden Wierciszewo (Wandhagen) und im Westen Rzepkowo (Repkow). Im Norden grenzt das Dorf an den Jezioro Bukowo (Buckower See).

Das Gebiet von Iwięcino wird vom früher so genannten Bordelbach durchflossen, der bei Wiekowice (Wieck) entspringt und der im Westen und im Süden zum Teil die natürliche Ortsgrenze bildet.

Siedlungsart[Bearbeiten]

Eentin war ursprünglich ein Angerdorf. Zahlreiche Einzelhöfe liegen in der Feldmark. Die meisten Höfe waren in Form von Vierkanthöfen angelegt. Die Gebäude hatten Spitzdächer, die in früheren Zeiten mit Reet vom Buckower See abgedeckt gewesen waren. Später wurden die Reetdächer durch Ziegeldächer ersetzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Dorfkirche von Eventin (September 2008)

Das bis 1945 Eventin (auch: Eventhin, früher: Geventhin) genannte Dorf gehört zu den ältesten Dorfanlagen der Region. Im Jahre 1278 leisten die Bauern den Zehnten an das Kloster Buckow. Im Jahre 1290 bittet Herzog Mestwin II. von Pommerellen Papst Nikolaus IV. um die Bestätigung der Besitzungen des Klosters, wobei auch die Zehntleistung aus „Geventhin“ erwähnt wird.

Die Reformation von 1535 in Pommern kam nur zögerlich nach Eventin. Die Grundherrin der benachbarten Domäne Repkow, Katharina von Bulgrin (ihr waren einige Eventiner Bauern dienstpflichtig), besuchte regelmäßig die Eventiner Dorfkirche, blieb aber der vorreformatorischen Lehre vorerst treu. In der Mitte des 16. Jahrhunderts kommt Eventin mit den anderen Abteidörfern des Klosters Buckow zum Rügenwalder Amt.

Um das Jahr 1784 hatte das Dorf einen Prediger, einen Küster, 16 Bauern, einen Pfarrbauernhof, zwei Landkossäten, fünf Büdner, ein Predigerwitwenhaus und einen Hirtenkaten[2]. 1818 lebten hier 304 Menschen. Die Zahl der Einwohner stieg 1887 auf 687 und sank dann aber wieder bis 1939 auf 541 ab.

Am 5. März 1945 besetzten sowjetische Truppen das Dorf. Im Herbst wurde es unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Vertreibung der deutschen Bevölkerung, die bis 1946 dauerte. Eventin erhielt den polnischen Namen Iwięcino und ist heute Teil der Gmina Sianów im Powiat Koszaliński.

Amtsbezirk Eventin[Bearbeiten]

Eventin bildete bis 1945 zusammen mit den Gemeinden Abtshagen (heute polnisch: Dobiesław), Beelkow (Bielkowo), Wandhagen (Wierciszewo) und Wieck (Wiekowice) den Amtsbezirk Eventin im Landkreis Schlawe i. Pom. im Regierungsbezirk Köslin.

Standesamt Eventin[Bearbeiten]

Alle im Amtsbezirk zusammengeschlossenen Gemeinden bis auf Abtshagen gehörten bis 1945 zum Standesamtsbereich Eventin. Noch vorhandene Standesamtsregister aus dieser Zeit werden heute im Standesamt Sianów (Zanow) und im Staatsarchiv Koszalin (Köslin) aufbewahrt.

Kirche[Bearbeiten]

Kirchspiel[Bearbeiten]

Bis 1945 bildete Eventin mit den Orten Beelkow (heute polnisch: Bielkowo) und Wandhagen (Wierciszewo) ein selbständiges evangelisches Kirchspiel, dessen Bewohner zu über 99 % evangelischer Konfession waren. Es gehörte zum Kirchenkreis Rügenwalde der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute (2008) ist Iwięcino eine Filialgemeinde im katholischen Kirchspiel Dobiesław (Abtshagen). Die hier noch lebenden evangelischen Gemeindeglieder werden vom Pfarramt in Koszalin (Köslin) in der Diözese Pommern-Großpolen der polnischen Evangelisch-Augsburgischen (d.h. lutherischen) Kirche betreut.

Pfarrkirche[Bearbeiten]

Die Dorfkirche Eventin ist ein roter Backsteinbau aus gotischer Zeit. Auf einer Anhöhe gelegen, war sie eine der ältesten und schönsten Kirchen des Kreises, die im 14. Jahrhundert vom Kloster Buckow aus angelegt worden war. Das Gotteshaus enthält eine wertvolle Innenausstattung. Es trägt nach Übernahme durch die Katholische Kirche in Polen im Jahre 1946 den Namen Kirche der Gottesmutter Königin von Polen.

Pfarrer der Kirche 1545 bis 1945[Bearbeiten]

  1. 1545–1589 Johannes Becker
  2. 1589–1614 Gregor Müller
  3. 1614–1630 Christian Müller (Sohn von 2.)
  4. 1631–1656 Petrus Betichius (Betcke)
  5. 1656–1673 Johann Zeidler
  6. 1674–1677 Lukas Vanselow
  7. 1679–1718 Jakob Malichius
  8. 1719–1738 Nikolaus Ernst Witte
  9. 1738–1759 Christian Misch
  10. 1760–1766 Johann Friedrich Behmer
  11. 1766–1774 Christian Friedrich Misch (Sohn von 9.)
  12. 1775–1804 Friedrich Schmidt
  13. 1806–1814 Georg Peter Gieseler
  14. 1814–1836 Johann Heinrich Blume
  15. 1837–1881 Friedrich Wilhelm Mevius
  16. 1881–1899 Karl Ernst August Kühl
  17. 1899–1927 Christoph Splittgerber
  18. 1928–1929 Karl Krüger
  19. 1930–1940 Kurt Koschnik
  20. 1940–1945 Heinz Puttkamer

Schule[Bearbeiten]

Bereits im Jahre 1784 gab es in Eventin eine Schule. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde an der Stelle des vorigen ein neues Schulhaus errichtet, das zweiklassig und mit Lehrerwohnungen ausgestattet war. Es gab bis 1945 zwei Lehrer, die je etwa 50 Kinder unterrichteten. Die Namen der letzten deutschen Schulmeister sind Herbert Knoop und Georg Geier.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ewald Pitzke: Eventin, in: Der Kreis Schlawe – Ein pommersches Heimatbuch. (M. Vollack, Hrsg.), 2. Band: Die Städte und Landgemeinden, Husum 1989, ISBN 3-88042-337-7, S. 884-889.
  • Ernst Müller, Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. 2. Teil, Stettin, 1912

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Straßenkarte Hinterpommern: Köslin - Stolp -Danzig, 9. Auflage, Höfer Verlag, Dietzenbach 2005, ISBN 978-3931-103-14-9.
  2. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 859, Nr. 9. http://books.google.de/books?id=uwk_AAAAcAAJ&pg=PA859

54.2958716.27625315Koordinaten: 54° 18′ N, 16° 17′ O