Jan de Vries (Philologe)

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Jan Pieter Marie Laurens de Vries (* 11. Februar 1890 in Amsterdam; † 23. Juli 1964 in Utrecht), war ein niederländischer germanistischer und skandinavistischer Mediävist und Religionswissenschaftler.

De Vries war einer der fachlich versiertesten Altgermanisten seiner Zeit, seine Beiträge zur sogenannten „Germanischen Altertumskunde“, zur Religions-, Sprach- und Literaturwissenschaft sind wissenschaftliche Standardliteratur und Referenz, wenn auch die Ergebnisse der neueren Forschung teilweise de Vries Schlußfolgerungen revidieren. Besonderes Interesse brachte er der Etymologie, Mythologie, Religionsgeschichte und Ortsnamenforschung entgegen.

Biografie[Bearbeiten]

Jan de Vries studierte in Amsterdam Niederländisch, Altgermanisch, Sanskrit, Prakrit und Pali. Promotion 1915. 1914 bis 1918 Offizier im Ersten Weltkrieg. 1919 bis 1926 Niederländischlehrer an einer höheren Schule in Arnheim. 1926 bis 1945 Ordinarius für germanisches Altertum in Leiden.

Während des Zweiten Weltkrieges sah de Vries die deutsche Besatzung als Möglichkeit der Schaffung einer neuen Ordnung auch in den Niederlanden. Von 1940 bis 1941 war er Vorsitzender des schon seit dem 19. Jahrhundert bestehenden „Algemeen-Nederlands Verbond“, der den kulturellen Austausch zwischen den Niederlanden und Flandern förderte. De Vries war Vizepräsident des unter deutsche Ägide gegründeten „Nederlandse Kultuurraad“ und wurde 1942 zum Leiter eines „Instituts für niederländische Sprache und Volkskultur“ in Den Haag berufen. Er arbeitete mit dem Ahnenerbe der SS zusammen, wurde aber von leitenden Personen misstrauisch behandelt, da er sich gegen eine vom Ahnenerbe propagierte Überlegenheit der „germanischen Rasse“ wandte. Auch betonte de Vries die niederländische Eigenständigkeit in Sprache und Kultur entgegen den pangermanischen Bestrebungen der NS-Ideologie. Im September 1944 verließ de Vries die Niederlande und ging nach Leipzig, wo er bei dem Germanisten und Freund Theodor Frings als Dozent eine Stelle erhielt. Durch die Fürsprache des Leiters der „Germanischen Leitstelle“ des Ahnenerbes der SS, Hans Ernst Schneider erhielt de Vries ein halbjähriges Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das im Frühjahr 1945 noch einmal um sechs Monate verlängert wurde.

1946 verlor de Vries seine Professur in Leiden. Seine Mitgliedschaft in der Königlichen Akademie wurde für verfallen erklärt. Er wurde interniert und 1948 in einem Prozess der geistigen Kollaboration für schuldig befunden; die Haftstrafe war mit der Internierung abgegolten.

Von 1948 bis 1955 arbeitete Jan de Vries als Lehrer. Weiterhin publizierte er in internationalen Fachperiodika, insbesondere deutschsprachigen, zu seinen Forschungsschwerpunkten. In dieser Zeit verfasste er ein Buch zur Keltischen Religion und fertigte die zweite und überarbeitete Auflage seiner „Altgermanischen Religionsgeschichte“, dann die „Altnordischen Literaturgeschichte“ und sein „Altnordisches Etymologisches Wörterbuch“ an.

Seine Beiträge zur Diskussion um die Genese der Germanischen Heldensage schließen sich mit denen von Franz Rolf Schröder, Hermann Schneider und Hans Kuhn in der Abwendung, beziehungsweise Korrektur des von Andreas Heusler entworfenen strengen Systems einer reinen Literarität der Heldensage an. De Vries wie Schröder hoben wieder die mythischen Anbindungen, beziehungsweise die mythische Basis der Heldensage hervor.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Contributions to the study of Othin especially in his relation to agricultural practices in modern popular lore. FFC 94. Helsinki 1931.
  • The problem of Loki. FFC 110, Helsinki 1932.
  • Altgermanische Religionsgeschichte I. Berlin-Leipzig 1935 (3. Aufl. 1970).
  • Altgermanische Religionsgeschichte II. (Grundriß der german. Philol. 12,2), Berlin-Leipzig 1937
  • Altnordische Literaturgeschichte I. (Grundriß der german. Philol. 15), Berlin-Leipzig 1941.
  • Altnordische Literaturgeschichte II. (Grundriß der german. Philol. 16). Berlin 1942.
  • Die geistige Welt der Germanen. Halle a.d. Saale 1943. (3. Aufl. Darmstadt 1964).
  • Etymologisch Woordenboek. Waar komen onze woorden en plaatsnamen vandaan? Utrecht-Antwerpen 1958.
  • Kelten und Germanen. (Bibliotheca Germanica 9). Bern 1960.
  • Altnordisches etymologisches Wörterbuch. Leiden 1961.
  • Keltische Religion. (Die Religionen der Menschheit 18). Stuttgart 1961.
  • Forschungsgeschichte der Mythologie. Orbis academicus I, 7. Verlag Karl Alber, Freiburg/München 1961.
  • Woordenboek der Noord- en Zuidnederlandse plaatsnamen. Utrecht-Antwerpen 1962.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • 1943 Rembrandt-Preis der Stiftung F.V.S., verliehen durch die Hansische Universität Hamburg (überreicht in Hamburg im Herbst 1944)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]