Jiřetín pod Jedlovou

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Jiřetín pod Jedlovou
Wappen von Jiřetín pod Jedlovou
Jiřetín pod Jedlovou (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Děčín
Fläche: 1136,902[1] ha
Geographische Lage: 50° 53′ N, 14° 35′ O50.87514.575833333333458Koordinaten: 50° 52′ 30″ N, 14° 34′ 33″ O
Höhe: 458 m n.m.
Einwohner: 640 (1. Jan. 2013) [2]
Postleitzahl: 407 56
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Děčín–Varnsdorf
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Josef Zoser (Stand: 2007)
Adresse: Vinařská 32
407 56 Jiřetín pod Jedlovou
Gemeindenummer: 562572
Website: www.jiretin.cz
Lageplan
Lage von Jiřetín pod Jedlovou im Bezirk Děčín
Karte
Kirche in Sankt Georgenthal

Jiřetín pod Jedlovou (deutsch Sankt Georgenthal) ist eine Gemeinde im Lausitzer Gebirge im Böhmischen Niederland in Tschechien. Der Ort mit 587 Einwohnern liegt im Bezirk Okres Děčín, Ústecký kraj liegt auf 458 m ü. M. am Křížová hora (Kreuzberg) auf dem 1764 ein Kreuzweg errichtet wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Nähe von Jiřetín befindet sich der markante Tollenstein (Tolštejn) mit seiner Burgruine sowie der Tannenberg (Jedlová). Die Stadt mit dem regelmäßigen Grundriss sächsischer Bergstädte wurde 1554 durch Georg von Schleinitz gegründet, nachdem dieser 1548 Bergleute aus Sachsen in das so genannte Schleinitzer Ländchen geholt hatte. Die Stadtkirche Zur Heiligen Dreifaltigkeit wurde zwischen 1584–1611 errichtet und im 19. Jahrhundert neogotisch umgestaltet. 1787 erhielt St. Georgenthal Stadtrecht. Georgenthal bildete ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Warnsdorf.

Der Bergbau auf Kupfer, Silber und Zinn in der Umgebung hatte seine Blütezeit bis zum Dreißigjährigen Krieg, ganz eingestellt wurde er 1888. Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde der Stollen des Heiligen Evangelista des Bergwerkes Frisch Glück Erbstolln als Besucherbergwerk eröffnet, das seit 1999 wieder zugänglich ist.

Die Stadt hatte vor 1945 etwa 2500 Einwohner; nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung sank die Einwohnerzahl auf heute knapp 600 und der Ort verlor das Stadtrecht.

Das politische Leben der Stadt in der Zwischenkriegszeit wurde anfangs durch die wichtige Position der Sozialdemokraten, aber auch nach der Abspaltung von Kommunisten (1921) besonders durch die deutsche-soziale Partei beeinflusst. Das Stimmenverhältnis der einzelnen Parteien schwankte, bis es nach 1929 von der Wirtschaftskrise (1934: 256 Arbeitslose bei etwa 2100 Einwohnern) und nach 1933 von der Machtübernahme Hitlers in Deutschland beeinflusst wurde. Im Verlaufe der weiteren Entwicklung entstand anstelle der verbotenen Deutschen Nationalpartei und Deutschen Nationalsozialistischen Partei (1933) die Henleinbewegung, die spätere Sudetendeutsche Partei (1935), die rasch anwuchs. Nach anfänglichen Loyalitätserklärungen bekannte sich die Bewegung 1938 offen zum Nationalsozialismus. Seit der Gemeindewahl am 12. Juni 1938 stand an der Spitze der Stadtvertretung ein Mitglied der SdP.

Nach dem Münchener Abkommen wurde St. Georgenthal von der restlichen ČSR abgetrennt und von der Wehrmacht am 2. Oktober 1938 besetzt. Die bisherigen Vereine und Organisationen wurden aufgelöst und durch neue, nationalsozialistische ersetzt. Die Volkszählung nach der Okkupation am 17. Mai 1939 erfasste in St. Georgenthal 2738 Einwohner. Der Beginn des Kriegs wurde von der Bevölkerung begeistert begrüßt, allmählich zeigte der Krieg jedoch sein wahres Gesicht. Durch das Näherrücken der Front in Schlesien erhielt auch St. Georgenthal Eindrücke des Kriegsgeschehens. Am 23. März 1945 warfen alliierte Flugzeuge Bomben auf die Felder zwischen Grundberg und Lichtenberg, sowie im Wald gegen Oberkreibitz ab. Die sowjetischen Streitkräfte waren am 16. April 1945 bis Bautzen vorgedrungen. Die Front war somit in bedrohliche Nähe gerückt. Der Geschützdonner war deutlich zu hören und nachts das Feuer deutlich zu sehen. Vom Bau-Pionier-Bataillon und weiteren Arbeitskräften wurden im Stadtgebiet neue Panzersperren errichtet, sowie Stellungen in der näheren Umgebung. Außerhalb der Stadt, beiderseits der Tollensteiner Straße, wurde ein Panzergraben ausgehoben. Am 9. Mai 1945 erfolgte der Einmarsch von Sowjetischen Einheiten und der 2. Polnischen Armee.

Teile von Jiřetín und Dolní Podluží vom Kreuzberg gesehen

Die Verwaltung der Stadt wurde 10. Mai 1945 durch den tschechoslowakischen Nationalrat übernommen und der Sicherheitsdienst aufgestellt. Der Status der Deutschen in ČSR wurde nach dem Krieg durch die Beneš-Dekrete geregelt. Die Sudetendeutschen verloren die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft, andere Dekrete legten die Konfiskation des deutschen landwirtschaftlichen und sämtlichen anderen Eigentums gesetzlich fest. Wie überall in der Tschechoslowakei wurden die Deutschen bis zum Verbot weiterer Abschiebungen auf der Potsdamer Konferenz auch aus St. Georgenthal im Zuge sogenannter "wilder" Abschiebungen vertrieben. Trotzdem lebten noch am 12. August 1945 in St. Georgenthal 1058 Sudetendeutsche und 204 deutsche Antifaschisten. Dann wurde das ehemalige Kriegsgefangenenlager Warnsdorf in ein Internierungslager für Deutsche umwandelt. Weitere Transporte von dem Lager wurden mit der Eisenbahn verschickt. Der erste Zug mit Deutschen ging erst am 22. April 1946 ab, der letzte - dreizehnte - am 10. Oktober 1946.

Gleichzeitig mit der Aussiedlung der Deutschen erfolgte die Neubesiedlung der Stadt und naheliegenden Dörfer, aber noch am 18. August 1945 wohnten in Sankt Georgenthal nur 120 Tschechen und 16 Slowaken. Am Tag der Volkszählung lebten in Sankt Georgenthal 857 Personen. Zusammen mit Rozhled (Tollenstein), Lesné (Innozenzidorf) und Jedlová (Tannendorf) betrug die Einwohnerzahl 992 Personen, aber dann ist sie stetig gesunken bis auf 614 am Tage der Volkszählung von 1991.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Luftbild von Jiřetín pod Jedlovou, im Hintergrund Křížová hora und Jedlová

Die Stadt Jiřetín pod Jedlovou besteht aus den Ortsteilen Jiřetín pod Jedlovou (Sankt Georgenthal), Lesné (Innozenzidorf, auch Buschdörfel genannt), Jedlová (Tannendorf) und Rozhled (Tollenstein)[3]. Grundsiedlungseinheiten sind Jedlová, Jiřetín pod Jedlovou, Lesné, Rozhled und Tolštejn[4].

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Jedlová, Jiřetín pod Jedlovou und Rozhled[5]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Emil Brunn: St. Georgenthal. Ein Städtchen im nordböhmischen Niederland (= Niederlandhefte. 13, ZDB-ID 1190171-8). Bund der Niederländer, Böblingen 1981.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jiřetín pod Jedlovou – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/562572/Jiretin-pod-Jedlovou
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2013 (PDF; 543 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/562572/Obec-Jiretin-pod-Jedlovou
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/562572/Obec-Jiretin-pod-Jedlovou
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/562572/Obec-Jiretin-pod-Jedlovou