Kytlice

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Kytlice
Wappen von Kytlice
Kytlice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Děčín
Fläche: 2676,0698[1] ha
Geographische Lage: 50° 48′ N, 14° 32′ O50.80472222222214.525833333333462Koordinaten: 50° 48′ 17″ N, 14° 31′ 33″ O
Höhe: 462 m n.m.
Einwohner: 494 (1. Jan. 2013) [2]
Postleitzahl: 407 45
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Děčín–Varnsdorf
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 5
Verwaltung
Bürgermeister: Josef Janouškovec (Stand: 2007)
Adresse: Kytlice 24
407 45 Kytlice
Gemeindenummer: 562645
Website: www.obec-kytlice.cz
Lageplan
Lage von Kytlice im Bezirk Děčín
Karte

Kytlice (deutsch Kittlitz) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt sieben km nördlich von Nový Bor und gehört dem Okres Děčín an.

Geographie[Bearbeiten]

Kytlice liegt in 462 m ü.M. am Oberlauf der Kamenice (Kamnitz) im Lausitzer Gebirge, dessen südlicher Teil daher auch als Kytlická hornatina (Kittlitzer Bergland) bezeichnet wird. Der vollständig von Wäldern und Bergen umgebene Ort lebt heute v.a. vom Tourismus. Neben dem Stříbrný vrch (Silberberg, 613 m) umgeben der Javor (Ahrenberg, 693 m ), Sokol (Hackelsberg, 668 m) und Malý buk (Kleiner Buchberg, 712 m) den Ort. Bekannte Berge sind außerdem der Stožec (Schöber) (6 km nordöstlich), der Jedlová (Tannenberg) (6 km nordnordöstlich), der Klíč (Kleis) (4 km südöstlich) und der Zlatý vrch (Goldberg) (5 km westlich). An der durch das Kamnitztal führenden Bahnstrecke Děčín–Varnsdorf bestehen in Kytlice und Mlýny zwei Haltestellen.

Geschichte[Bearbeiten]

Kytlice[Bearbeiten]

Kittelwitz entstand 1758 auf dem Gelände des Hüttengutes der aufgegebenen Glashütte Falkenau. Entlang des Weges nach Blottendorf reihten sich südlich die Häuser des Neudorfes hinauf bis in die Berge. Auch entlang des Kirchsteiges nach Ober Preschkau wurden Häuser gebaut. Zwischen 1777 und 1782 erfolgte der Bau einer eigenen Kirche, die zu großen Teilen von Anton Bernhard Gürtler finanziert wurde.

Kittlitz wurde 1848 zu einer selbstständigen Gemeinde, aber bereits 1850 mit Falkenau zur Gemeinde Falkenau vereinigt. Seine Bewohner lebten v.a. von der Glaserzeugung, Glasmalerei und Glasschleiferei. Infolge der Krise des Glasmacherhandwerks wanderten zwischen 1870 und 1880 mehrere Familien nach Deutschland bzw. Brasilien aus. Im Jahre 1900 hatte Kittlitz 1001 Einwohner. Durch den aufkommenden Tourismus wurde das Dorf zu einer beliebten Sommerfrische.

Nach dem 2. Weltkrieg und die Vertreibung erlosch 1948 das Glasmacherhandwerk im Ort. Diese Einwohnerzahl sank um zwei Drittel und viele der Häuser werden nicht mehr bewohnt, sondern dienen als Ferienhäuser. 36 Häuser wurden abgerissen.

Im Winter wird am Stříbrný vrch ein Skilift betrieben.

Dolní Falknov[Bearbeiten]

Am rechten Kamnitzufer entstand 1668 ein Gasthaus, zu dem im Laufe des 18. Jahrhunderts weitere Häuser hinzukamen und zum Dorf Nieder Falkenau wuchsen. Die Schänke, die sich bis 1945 im Besitz der Familie Zippe befand, war auch das Geburtshaus des Naturforschers Franz Xaver Zippe. 1891 wurde am Haus eine Zippe-Gedenktafel angebracht, die 1963 beim Abriss verloren ging. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Nieder Falkenau zu Kittlitz. 1994 wurde für den berühmtesten Sohn des Ortes ein neuer Gedenkstein errichtet. Im Wald verborgen liegt ein Teich, der seit 1907 als Bad genützt wird.

Falknov[Bearbeiten]

Das links der Kamnitz am Hang des Silberberges gelegene Falkenau ist der älteste Ortsteil. Möglicherweise befand sich an seiner Stelle das nach 1471 während der Hussitenkriege wüst gefallene Dorf Neuhausen, dessen Glashütte seit 1443 in Betrieb gestanden war.

1530 errichtete der Glasmacher Paul Schürer aus Aschbergk (Ansprung) in den Wäldern eine Glashütte. Um die Hütte entstand eine Glasmachersiedlung, die von Einwanderern aus Sachsen errichtet wurde. Den Mittelpunkt des Ortes bildete das Hüttenmeistergut zu dem neben einer Brauerei, Mahl- und Brettmühle auch umfangreicher Grundbesitz gehörte. Die seit 1592 geadelten Schierer von Waldheimb/Schürer von Waldheim betrieben die Hütte bis ins 18. Jahrhundert.

Zu dieser Zeit hatte der holzintensive Hüttenbetrieb zu einer Abholzung der umliegenden Wälder geführt und die daraus resultierende Holzteuerung trieb die Produktionskosten in die Höhe und die Familie in das nördliche Waldviertel. Leopold Valentin Schürer veräußerte schließlich 1731 den unrentabler Glashüttenbetrieb. Der Holzmangel verlasste seinen Nachfolger Johann Josef Kittel dann 1750 zur Stilllegung der Hütte. Er parzellisierte das Hüttenmeistergut und verpachtete die Flächen zur Bebauung. Die dadurch entstandene Siedlung Kittelwitz wuchs rasch an.

Mit der Ablösung der Patrimonialherrschaften wurde Falkenau 1848 eine selbstständige Gemeinde und 1850 wurde Kittlitz eingemeindet.

Hillův Mlýn / Mlýny[Bearbeiten]

Das sich entlang der Kamnitz erstreckende Hillemühl hat seinen Ursprung in einer herrschaftlichen Sägemühle der Wartenberger, die um 1550 am linken Kamnitzufer entstand. 1670 ließ der Besitzer der Herrschaft Kamnitz, Johann Oktavian Graf Kinsky, bei der Mühle einen Ort anlegen. Im 18. Jahrhundert kamen eine Mahlmühle und Glasschleiferei hinzu. Aber auch auf dem zur Herrschaft Bürgstein gehörigen rechten Ufer erfolgte eine Besiedlung. Der Ort wuchs weiter nach Osten bis an Nieder Falkenau. Entlang des Flüsschen entstand eine Vielzahl von Glasschleifereien sowie Kuglereien und Farbmühlen, deren Anzahl von 14 im Jahre 1795 innerhalb von 100 Jahren auf 46 anstieg. Der St. Georgenthaler Unternehmer Anton Münzberg errichtete 1824 eine mechanische Spinnerei.

Die Eröffnung der Strecke der Böhmischen Nordbahn von Bodenbach nach Warnsdorf brachte Hillemühl 1869 einen Bahnhalt und 1887 wurde dieser zu einem Bahnhof ausgebaut. 1896 entstand eine Glashütte, die 1928 wieder stillgelegt wurde.

Nach der Ablösung der Grundherrschaften im Jahre 1848 bildete Hillemühl 1. Teil eine selbstständige Gemeinde im Bezirk Tetschen und Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz, während der an Nieder Falkenau grenzende obere Ortsteil als Hillemühl 2. Teil zur Gemeinde Falkenau und damit zum Bezirk Leipa und Gerichtsbezirk Haida gehörte.

1931 entstand das Waldtheater Hillemühl. Sein Gründer war der Glasschleifer Franz Marschner. Nach der Vertreibung, Marschner wurde 1946 ausgewiesen und seine Frau erschlagen, geriet die Waldbühne, auf der zuletzt 1939 gespielt worden war, völlig in Vergessenheit. 1990 wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen. Auf Initiative von Karel Krejčí erfolgte 2003 eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes der Bühnen und Zuschauerplätze. Zum Betrieb gründete sich ein Musik- und Theaterverein.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Kytlice besteht aus den Ortsteilen Dolní Falknov (Nieder Falkenau), Falknov (Falkenau), Hillův Mlýn (Hillemühl 2. Teil ), Kytlice (Kittlitz) und Mlýny (Hillemühl 1. Teil )[3]. Grundsiedlungseinheiten sind Dolní Falknov, Hillův Mlýn, Kytlice und Mlýny[4].

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dolní Falknov, Falknov und Kytlické Mlýny[5].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kirche des Hl. Antonius von Padua, einschiffiger Barockbau von 1776-1782
  • Friedhof mit Grabsteinen der Familie Kittel und Anton Bernhard Gürtler

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Anton Bernhard Gürtler (* 1726 in Kittlitz; † 1791), Bischof von Siena und päpstlicher Nuntius
  • Franz Xaver Zippe (* 1791 in Nieder Falkenau; † 1863), Mineraloge und Geologe
  • Anton Weiss (* 1801 in Kittlitz; † 1851), Lithograph und Blumenmaler
  • Josef Palme (* 1859 in Kittlitz; † 1935), Privatbeamter und Politiker

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/562645/Kytlice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2013 (PDF; 543 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/562645/Obec-Kytlice
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/562645/Obec-Kytlice
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/562645/Obec-Kytlice

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kytlice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien