Joachim Westphal

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Joachim Westphal

Joachim Westphal (* 1510 in Hamburg; † 16. Januar 1574 ebenda) war ein lutherischer Theologe und Reformator.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn eines armen Zimmermanns geboren, konnte Westphal durch die Hilfe wohlhabender Nachbarn die Nikolaischule seiner Heimatstadt und später die Klosterschule in Lüneburg besuchen. Versehen mit einem Stipendium seiner Vaterstadt studierte er seit 1529 an der Universität Wittenberg bei Martin Luther und Philipp Melanchthon. Auf Empfehlung von Melanchthon wird er, nachdem er am 30. Januar 1532 den akademischen Grad eines Magisters der sieben freien Künste erworben hatte, Lehrer am Johanneum. Westphal kehrte, nachdem er zwei Jahre Konrektor der Anstalt gewesen war, zurück nach Wittenberg um sein Studium fortzusetzen, wo er auch zu den Tischgenossen Luthers gehörte. Als 1535 die Pest ausbrach, verließ er Wittenberg, um andere Universitäten zu besuchen.

Auf seiner Studienreise besuchte er die Universitäten in Erfurt, Heidelberg, Straßburg und Tübingen. Man hatte ihm sogar an der Universität Rostock eine Professur der Theologie geboten, jedoch trat er in seiner Heimatstadt die Nachfolge von Stephan Kempe als Pastor an der Katharinenkirche an. Am 19. April 1541 wurde er von Superintendent Johannes Aepinus in sein Amt eingeführt. Obwohl er schon seit 1562 die Geschäfte von Paul von Eitzen geführt hatte, wurde er nach dessen endgültigen Weggang von Hamburg, erst 1571 als Superintendent von Hamburg am Hamburger Dom ernannt. Ende des Jahres 1573 befiel den lutherischen Streittheologen eine schwere Krankheit, an welcher er im Alter von 64 Jahren verschied.

Wirken[Bearbeiten]

Westphal trat während seiner theologischen Tätigkeit vor allem seit dem Augsburger Interim als Gnesiolutheraner hervor. Die Hamburger Gutachten gegen das Interim und Andreas Osiander sind von ihm mitverfasst. Er kämpfte gegen die Leipziger Artikel und Georg Major, erneuerte ab 1552 den Abendmahlsstreit gegen Johannes Calvin und Théodore de Bèze und wies den mit seiner Flüchtlingsgemeinde an der deutschen Küste befindlichen Johannes á Lasco aus Hamburg aus.

Werke (in Auswahl)[Bearbeiten]

  • Farrago confusanearum et inter se dissidentium opinionum De Coena Domini, ex Sacramentarioru[m] libris congesta, Magdeburg, Rödinger, 1552.
  • Recta fides de coena Domini, ex verbis apostoli Pauli et evangelistarum demonstrata ac communita, [Magdeburg 1553].
  • Briefsammlung des Hamburgischen Superintendenten Joachim Westphal aus den Jahren 1530 bis 1575, bearb. u. erl. v. C.H.W. Sillem, 2 Bde., Hamburg 1903.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kenneth Appold: Westphal, Joachim. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 8, Mohr-Siebeck, Tübingen 2005, Sp. 1500.
  • Irene Dingel: Westphal, Joachim. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 35, de Gruyter, Berlin/New York 2003, ISBN 3-11-017781-1, S. 712–715.
  • Gustav Kawerau: Westphal, Joachim. In: Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (RE). 3. Auflage. Band 21, Hinrichs, Leipzig 1908, S. 185–189.
  • L. u.: Westphal, Joachim (Theologe). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 42, Duncker & Humblot, Leipzig 1897, S. 198–201.
  • Christian Gottlieb Jöcher: Gelehrtenlexikon, Bd. 4, Sp.1914-1918.
  • Wolfgang Klose: Das Wittenberger Gelehrtenstammbuch: das Stammbuch von Abraham Ulrich (1549-1577) und David Ulrich (1580-1623). Halle: Mitteldt. Verl., 1999, ISBN 3-932776-76-3.
  • Joseph N. Tylenda: Calvin and Westphal, in: Wilhelm H. Neuser (Hg.): Calvin's books: Festschrift dedicated to Peter DeKlerk on the occasion of his seventieth birthday, Herrenveen 1997.
  • Herwarth von Schade: Der Briefwechsel zwischen Joachim Westphal, Peter Braubach und Hartmann Beyer. Wittig-Verlag, 1981.
  • Joseph N. Tylenda: The Calvin-Westphal-Exchange. The Genesis of Calvin's Treatises Against Westphal, in: Calvin Theological Journal 9, 1974, S. 182-209.
  • Richard Kruske: Johannes a Lasco und der Sakramentsstreit. ein Beitrag zur Geschichte der Reformationszeit, Leipzig 1901, Nachdruck Aalen 1972 (Studien zur Geschichte der Theologie und der Kirche 7,1).

Weblinks[Bearbeiten]