Themar

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Themar
Themar
Deutschlandkarte, Position der Stadt Themar hervorgehoben
50.50416666666710.615833333333330Koordinaten: 50° 30′ N, 10° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Hildburghausen
Höhe: 330 m ü. NHN
Fläche: 20,19 km²
Einwohner: 2969 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 147 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98660
Vorwahl: 036873
Kfz-Kennzeichen: HBN
Gemeindeschlüssel: 16 0 69 051
Stadtgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
98660 Themar
Webpräsenz: www.themar.de
Bürgermeister: Hubert Böse (CDU)
Lage der Stadt Themar im Landkreis Hildburghausen
Ahlstädt Auengrund Bad Colberg-Heldburg Beinerstadt Bischofrod Eisfeld Brünn Dingsleben Ehrenberg Eichenberg Eisfeld Römhild Gompertshausen Grimmelshausen Grub Römhild Hellingen Henfstädt Hildburghausen Kloster Veßra Lengfeld Marisfeld Masserberg Römhild Römhild Nahetal-Waldau Oberstadt Reurieth Römhild Sachsenbrunn Schlechtsart Schleusegrund Schleusingen Schmeheim Schweickershausen St. Bernhard St. Kilian Straufhain Themar Ummerstadt Veilsdorf Römhild Westhausen ThüringenKarte
Über dieses Bild

Themar ist eine Landstadt im Landkreis Hildburghausen im fränkisch geprägten Süden von Thüringen.

Lage[Bearbeiten]

Themar liegt in Südthüringen am Oberlauf der Werra und im Vorland des Thüringer Waldes. Verkehrsmäßig ist Themar an der Bundesstraße 89 und den Landesstraßen 2628 und 2636 gelegen. Eine Bahntrasse führt auch durch die Landstadt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Henfstädt, Oberstadt, Grub, Lengfeld, Kloster Veßra, Grimmelshausen und Beinerstadt im Landkreis Hildburghausen sowie Grabfeld und Leutersdorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt gehören die Ortsteile Wachenbrunn und Tachbach. Urkundlich wurden Wachenbrunn 1220 und Tachbach 891 erstmals erwähnt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Südlich des Ortes Tachbach befand sich auf dem Burgberg eine Burg als Herrensitz. Die strategisch günstige Kuppe war mit einem Ring aus Wall und Graben umgeben. Sieben Gruben auf dem Plateau lassen auf abgetragene Gebäude schließen. Bauliche Reste sind nicht mehr vorhanden,aber der Ringwall.[3]

Hennebergisches Fachwerkhaus mit Gedenktafel für Schultes

Der Ort wurde im Jahre 796 als Tagamari erstmals erwähnt. 1317 wurden ihm die Stadtrechte verliehen. Seit 1200 war der Ort Sitz eines Zentgerichts. Die Teilung der Grafschaft Henneberg 1274 betraf Themar insofern, dass eine Hälfte zu Henneberg-Schleusingen und die andere zu Henneberg-Hartenberg kam. Teilung und spätere Vereinigung brachten den Wechsel des Vogtsitzes im Amt Themar zwischen Osterburg und Themar mit sich.[4]

Themar war 1602–1697 von Hexenverfolgung betroffen. 19 Frauen und fünf Männer gerieten in Hexenprozesse. Ein Mann und acht Frauen wurden hingerichtet, eine starb unter der Folter.[5]

Im Dreißigjährigen Krieg (1634) wurde Themar von den Kroaten fast völlig zerstört. Nach dem Aussterben der Grafen von Henneberg kam die Stadt zusammen mit dem Amt Themar 1660 an Sachsen-Altenburg, das 1672 in Sachsen-Gothaischen Besitz überging. Nach der Teilung von 1680 kam sie an Sachsen-Römhild. Nach dem Aussterben dieser Linie 1710 wurde die Stadt zwischen Sachsen-Gotha und Sachsen-Coburg-Saalfeld aufgeteilt. 1826 fiel sie letztendlich an Sachsen-Meiningen, das 1920 im Land Thüringen aufging.

Die Stadt besaß bis Mitte der 1930er Jahre eine rege, heimatverbundene jüdische Gemeinde, die sich danach aufgrund der NS-Repressalien zunächst durch Auswanderung dezimierte und ab 1942/43 durch Deportationen völlig ausgelöscht wurde.[6] Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Marisfeld beigesetzt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden seit 1940 800 Kriegsgefangene aus den von Deutschland besetzten Ländern sowie Zwangsarbeiter vorwiegend aus der Sowjetunion und Polen im Kalkwerk, in den Holzfabriken August Möller, Wilhelm Stockmar, Julius Wilhelm, Alexander Schwarz, Greifzu & Co. und in der Ziegelei Julius Härter eingesetzt.[7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Themar (grafisch)

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 31. Dezember):

1780 bis 1933

  • 1780: 1050
  • 1833: 1367
  • 1885: 1782
  • 1905: 2756
  • 1910: 2960
  • 1933: 2935

1939 bis 1998

  • 1939: 3218
  • 1994: 3500
  • 1995: 3428
  • 1996: 3410
  • 1997: 3385
  • 1998: 3365

1999 bis 2004

  • 1999: 3289
  • 2000: 3279
  • 2001: 3241
  • 2002: 3169
  • 2003: 3126
  • 2004: 3113

ab 2007

  • 2007: 3052
  • 2008: 3030
  • 2009: 3001
  • 2010: 2961
  • 2011: 2953
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[8][9]
Wbt.: 53,5 % (+1,0 %p)
 %
60
50
40
30
20
10
0
59,2 %
25,7 %
15,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,8 %p
+0,4 %p
+3,4 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b 2004: PDS
Rathaus

Die Stadt besitzt den Status einer kreisangehörigen Gemeinde.

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Themar besteht aus 16 Ratsmitgliedern:

  • CDU: 10 Sitze (±0)
  • LINKE: 4 Sitze (±0)
  • SPD: 2 Sitze (±0)

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber eine rote hohe Zinnenmauer mit sieben verschiedengestaltigen Türmen dahinter, an der Torstelle ein gevierter goldener Schild, im 1. und 4. Feld auf grünem Dreiberg eine schwarze Henne; das 2. und 3. Feld geteilt: oben ein wachsender schwarzer Doppeladler, unten geschacht von Silber und Rot.“

Das älteste Siegel aus dem 15. Jahrhundert enthält bereits eine siebentürmige Mauer, deren Torstelle mit dem gevierten Hennebergischen Wappenschild belegt ist. Die Henne auf dem Dreiberg ist das Familienwappen der Hennberger, der Doppeladler über dem geschachten Feld charakterisiert diese als Reichsvögte und Burggrafen von Würzburg.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Themar unterhält eine Partnerschaft mit Gerbrunn im Landkreis Würzburg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Reste der Stadtbefestigung
  • St. Bartholomäuskirche: Die spätgotische Kirche wurde im 15. und 16. Jahrhundert errichtet. Sie besitzt in ihrem Inneren eine reiche Ausstattung: den Marienaltar, den Apostelaltar, den Wallfahrtsaltar, den Pièta-Altar (Vesperbild) und eine Mondsichelmadonna aus dem 15. Jahrhundert, alles gotische Schnitzwerke. Seit der Reformation evangelische Kirche.
  • Johanneskirche
  • Stadtmauer
  • Rathaus
  • Marktplatz

Gedenkstätte[Bearbeiten]

  • Auf dem Ortsfriedhof erinnert eine Grabstätte mit Gedenkstein an eine namentlich genannte jugoslawische Frau, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt und Opfer der Zwangsarbeit wurde.
  • Vor dem Friedhofseingang steht, auf Bürgerinitiative beruhend, ein Gedenkstein für die „jüdischen Familien von Themar“ und zu Ehren aller Opfer der Diktaturen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Möbelmontage im VEB Südthüringer Möbelwerke (1956)

Themar ist als Unterzentrum eingestuft.

In der Stadt war eine ansehnliche holzverarbeitenden Industrie ansässig, die zu DDR-Zeiten zur über die Bezirksgrenzen hinaus bekannte VEB Südthüringer Möbelwerke in Themar zusammengeschlossen wurde und nach 1990 wieder privatisiert wurde.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Themar

Die Stadt hat einen Bahnhof an der Werrabahn und liegt an der B 89. Themar ist Ausgangspunkt der Bahnstrecke Plaue–Themar. Der Bahnhof ist in das Streckennetz der SüdThüringenBahn eingebunden, tagsüber sind im Stundentakt u.a. Grimmenthal, Meiningen, Eisenach, Hildburghausen und Eisfeld erreichbar, im Zweistundentakt auch Sonneberg und Neuhaus am Rennweg. Auf der Bahnstrecke Plaue-Themar finden zwischen Themar und dem Bahnhof Rennsteig lediglich Sonderfahrten an Feiertagen statt. Im Busverkehr ist Themar in das Netz der WerraBus GmbH integriert.

Medien[Bearbeiten]

In der Nähe des Ortsteils Wachenbrunn befand sich bis ende 2013 eine große Sendeanlage für Mittelwellenrundfunk, die u. a. zur Verbreitung des Programms der Stimme Russlands diente.

Sonstiges[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen mit Bezug zu Themar[Bearbeiten]

  • Johann Adolf von Schultes (1744–1821), Henneberger Geschichtsschreiber, Amtmann in Themar 1770 bis 1803, Gedenktafel am Haus Schuhmarkt 10

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur und Film[Bearbeiten]

  •  Jürgen Mäder et al: 1200 Jahre Themar. Festschrift zur 1200-Jahrfeier der Stadt Themar. Börner PR, 1996, ISBN 978-3-930675-08-1, S. 176.
  • Themar - Stadt der 7 Türme, Dokumentarfilm (2010), Regie: Robert Sauerbrey

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Themar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Themar – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 242.
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 242.
  4. Geschichte von Themar auf der Homepage der Stadt
  5. Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Themar, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 247.
  6. Sharon Meen: Ihre Stimmen leben noch – Jüdisches Leben in Themar. Website, abgerufen am 18. Juni 2011
  7. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 133, ISBN 3-88864-343-0
  8. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&wknr=069&gemnr=69051
  9. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2004&zeigeErg=GEM&wknr=069&gemnr=69051