John Moses Brunswick

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J. M. Brunswick

John Moses Brunswick (auch J. M. Brunswick) (* 6. Oktober 1819 in Bremgarten/Schweiz; † 25. Juli 1886 in den USA)[1] war ein US-amerikanischer Unternehmer und Gründer der Brunswick Corporation, die als erstes Unternehmen Billardtische in den USA herstellte.[2][1]

Leben[Bearbeiten]

Brunswick entstammt einer jüdisch-schweizerischen Familie. Kurz nach seiner Geburt verstarb seine Mutter und der Vater heiratete erneut. Aus dieser Ehe entstammen eine Halbschwester und die Halbbrüder Joseph, Emanuel, David, Hyman und Solomon.[3]

John emigrierte 1834 im Alter von nur 15 Jahren in die USA, seine Brüder folgten ihm später. John ließ sich zunächst in New York nieder und arbeitete dort eine Zeit lang als Botenjunge für einen deutschen Metzger[2], bevor er in Philadelphia eine vierjährige Anstellung als Auszubildender bei einem Wagenbauer fand. 1839 zog er nach Harrisburg in Pennsylvania wo er als Wagenbauergeselle arbeitete und Louisa Greinet heiratete. Die Brunswicks zogen 1840 nach Cincinnati, Ohio. Er fand bis 1841 Arbeit als Wagenbauer bei mehreren lokalen Unternehmen, als ein bedeutender Wirtschaftsabschwung den Markt für Wagen stark drückte. Während der Depression war er zunächst als Steward auf einem Ohio River Schaufelraddampfer tätig, dann als Handelskaufmann. Obwohl er finanziell florierte, wurde er krank, und, nachdem er mehrere Monate im Bett verbrachte, entschloss er sich 1845 durch seine kumulierenden Handelsgewinne sein eigenes Wagenbaugeschäft zu eröffnen.[4]

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Anfangsjahre als Wagenbauer und Möbeltischler[Bearbeiten]

Auslieferung mit Pferdewagen 1848

Am 15. September 1845 eröffnete J. M. Brunswick in Cincinnati den Betrieb „J. M. Brunswick Manufacturing“ zur Herstellung von Fuhrwerken. Später fügte er der Produktlinie noch den Bau von Schränken, Stühlen und Tischen hinzu.[4]

Bis Mitte der 1840er Jahre hatte sich die Wirtschaftskrise wieder erholt und mit ihm kamen erhöhte Produktionstätigkeiten. In diesem Umfeld begann Brunswick zu gedeihen, und er wurde in den lokalen politischen, religiösen und gesellschaftlichen Kreisen aktiv. Die Legende besagt, dass er, 1845 von einem Freund zu einem üppigen Abendessen eingeladen war, dieser ihn in ein anderes Zimmer führte, wo sein Gastgeber einen schicken, aufwendig gearbeiteten Billardtisch stehen hatte, der aus England importiert worden war. Ihm gefiel die filigrane Arbeit des Tisches und er sagte:[4]

“If it is wood, we can build it, and we can build it better than anyone else!”

„Wenn es aus Holz ist, können wir es auch bauen, und wir können es besser bauen als irgendwer sonst!“

Brunswick Corporation: Abschnitt: History[4]
Brunswick Fabrik in den 1870ern

Brunswick erkannte die Gelegenheit seine Produktpalette erneut zu erweitern und so wurde er zum ersten Billardtischhersteller der USA.[1]

So inspiriert, schaffte er es innerhalb weniger Monate seinen ersten Tisch fertigzustellen. Zufriedene Kunden verhalfen ihn zu einem guten Ruf und innerhalb von zwei Jahren erhielt er Aufträge aus dem ganzen Land. Er sah die Möglichkeit, zu expandieren und gründete Niederlassungen, komplett inklusive großen Billardsalons, in Chicago 1848, New Orleans 1852 und St. Louis 1859. Zu dieser Zeit hatte Brunswick den Wagenbau ganz aufgegeben und sich auf das Billardgeschäft konzentriert, und das nicht nur auf die Spieltische, sondern auch auf Bälle und Queues. Die meisten Billard-Ausrüstung dieser Zeit war grob und unzuverlässig, und so erwarb Brunswick von seinen Mitbewerbern Schiefersteinbrüche und Holzlager, um die Qualität seiner Rohstoffe besser kontrollieren zu können. Er entwickelte auch eine Gummi-Entwicklungsabteilung zur Verbesserung der Banden verbessern, die zu dieser Zeit häufig noch aus Filz und Rosshaar gestopft waren (Stopfbanden).[5]

Ausbau zum Billardtischhersteller[Bearbeiten]

Billard hatte schon lange unter seinem schlechten Ruf gelitten. Sport im Allgemeinen hatte einen begrenzten Massenanreiz in den USA vor den 1850er Jahren. Sportausrüstungen waren aufwendig verziert und wurden für den Verkauf an reiche Menschen konzipiert. Die ersten Tische Brunswicks waren aufwendige Luxusartikel und fanden als solche nur einen begrenzten Markt.[4]

Firmengebäude in der State Street, Chicago 1888

1848 erweitert Brunswick sein Geschäft indem er seinen Halbbrüder David und Emanuel Brunswick, nach Chicago holte um ein Vertriebsbüro und eine Fabrik aufzubauen. Weitere Vertriebsbüros in New Orleans, Louisiana und St. Louis, Missouri wurden von den Dreien eröffnet, während die Halbbrüder Josef und Hyman Brunswick in den Cincinnati Büros des Unternehmens arbeiteten. 1858 wurde das Unternehmen als „JM Brunswick & Brother“ reorganisiert. 1866 wurde die Firma in „JM Brunswick & Brothers“ umbenannt, als Emanuel Brunswick zu Joseph und John Brunswick als Leiter der Firma stieß.[4]

Brunswicks Bereitschaft, zu diversifizieren war mehr als eine Manifestation seines Schaffensstolzes; es war auch ein früher Versuch, seine Produktpalette zu erweitern, um Schwankungen der Konjunktur entgegenzuwirken. Viele Jahre lang gab es nur ein internes Wachstum, in späteren Jahren erwarb die Firma uch außerhalb Unternehmen um seine Produktpalette zu erweitern.[4]

Während der 1870er Jahre verließen die Halbbrüder Brunswick die Firma zu Konkurrenzfirmen und eröffneten eigene Billardsalons in Chicago und San Francisco Es ist nicht ganz geklärt unter welchen Umständen jeder von ihnen die Firma verließ, aber seit 1872 waren Brunswicks Schwiegersohn Moses Bensinger und zwei langjährige Mitarbeiter Vizepräsidenten bei Brunswick.

Firmenzukäufe[Bearbeiten]

In den späten 1860er Jahren wurde der US-Billardmarkt von drei Firmen dominiert: Brunswick, Julius Balkes „Great Western Billiard Manufacture“ (ebenfalls aus Cincinnati) und die in New York ansässige Firma „Phelan & Collender“, die von Michael Phelan und seinem Schwiegersohn H. M. Collender betrieben wurde. 1873 fusionierte Brunswick für 250.000 US$ mit Balge, die „JM Brunswick & Balge Company“ entstand. 1884, nach dem Tod seines Schwiegervaters, fusionierte Collender 1879 für 1.500.000 US$ mit „Brunswick & Balge“ zur „Brunswick-Balke-Collender Company“, die nun zum größten Billard-Equipmenthersteller weltweit avancierte.[4]

Historische Logos der Firmen von John und Emanuel Brunswick
Logo of JM Brunswick & Bro in 1855.jpg
1855 – J.M. Brunswick & Bro
Logo of JM Brunswick & Balke Co in 1874.jpg
1874 – J.M. Brunswick & Balke Co.
Logo of Brunswick Balke Collender Co in 1878.jpg
1878 – Brunswick-Balke-Collender & Co.
Emanuel Brunswick & Co Ad in 1862.jpg
1862 – Emanuel Brunswick & Co.

Tod des Firmengründers[Bearbeiten]

Louis A. Bensinger

Während der Zeit des schnellen Wachstums blieb John Brunswick in Cincinnati, während Bensinger sich zunehmend dem Tagesgeschäft widmete und die Anlagen des Unternehmens in Chicago erheblich erweiterte. Im Juli 1886 starb John Brunswick. Er wurde von H. M. Collender als Präsident, bis zu seinem eigenen Tod 1890, ersetzt. Julius Balke, schon zu krank und zu alt, um die Leitung übernehmen zu können, trat zur Seite und Bensinger wurde Präsident von Brunswick-Balke-Collender.

Ausbau zum Sportgerätehersteller[Bearbeiten]

Hauptartikel: Brunswick Corporation

Sonstiges[Bearbeiten]

Obwohl das genaue Datum nicht bekannt ist, war Abraham Lincoln die erste amerikanische Berühmtheit die einen Brunswick-Tisch besaß. Er beschrieb das Spiel als:

„Health inspiring, scientific game, lending recreation to the otherwise fatigued mind.“

„Gesundheitsinspirierend, wissenschaftliches Spiel und es verleiht dem sonst müde Geist Erholung.“

Abraham Lincoln, ehem. US-Präsident[6]

Andere Berühmtheiten, die einen Brunswick-Tisch besaßen, waren unter anderem: Buffalo Bill, Andrew Carnegie, John D. Rockefeller, William Henry Vanderbilt, Henry Ford, J. P. Morgan, Theodore Roosevelt, Mark Twain, Babe Ruth, Humphrey Bogart, Nat King Cole, James Dean und Frank Sinatra. Auch der Rückzugsort der US-Präsidenten, Camp David, ist mit vier Brunswick-Tischen ausgestattet.[6]

Ehrungen[Bearbeiten]

1990 wurde er posthum in die Hall of Fame des Billiard Congress of America aufgenommen.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Biografie auf: International Jewish Sports Hall of Fame (Memento vom 12. Mai 2013 im Internet Archive)
  2. a b Brunswick Corporation History (Memento vom 27. Juli 2014 im Internet Archive)
  3. Emanuel Brunswick Biografie. (Memento vom 18. Juli 2014 im Internet Archive) Auf: Chicago Billiard Museum. Abgerufen am 20. Januar 2015.
  4. a b c d e f g h Brunswick Corporation (Abschnitt: History) (Memento vom 3. Januar 2015 im Internet Archive) auf: Answers.com. Abgerufen am 19. Januar 2015.
  5. Brunswick – When it comes to the pastimes of Bowling and billiards, this company has long defined the games people play. (Memento vom 22. Januar 2015 im Internet Archive) auf: CNN Money.com, Archiv vom 1. April 2003. Abgerufen am 22. Januar 2015.
  6. a b Brunswick Interactive Timeline, 1850 Abgerufen am 19. Januar 2015.
  7. Hall of Fame Inductees 1985–1991