Theodore Roosevelt

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Theodore Roosevelt, Fotoporträt der Pach Brothers (1904)
Unterschrift von Theodore Roosevelt

Theodore Roosevelt, Jr. [ˈθɪədɔɹ ˈɹoʊzəvɛlt] (* 27. Oktober 1858 in New York City; † 6. Januar 1919 in Oyster Bay, New York) war ein US-amerikanischer Politiker und von 1901 bis 1909 der 26. Präsident der Vereinigten Staaten. Unter William McKinley war er ab dem 4. März 1901 für etwa sechs Monate Vizepräsident, bis er nach dem tödlichen Attentat auf McKinley am 14. September 1901 im Alter von 42 Jahren zum Präsidenten vereidigt wurde. Damit gilt Roosevelt, bezogen auf sein Lebensalter bei der Amtseinführung, in der Geschichte der USA als jüngster Inhaber dieses Amtes.

Als Kandidat der Republikanischen Partei wurde er 1904 wiedergewählt, bevor er 1908 vorerst auf die Kandidatur für eine weitere Amtszeit verzichtete und damit 1909 aus dem Amt schied. Sein Nachfolger wurde William Howard Taft, der ebenfalls der Republikanischen Partei angehörte. Mit dessen Politik unzufrieden, kandidierte Roosevelt 1912 erneut – diesmal für die auf seine Initiative neu gegründete Progressive Partei – neben Taft für das US-Präsidentenamt, nachdem die Republikaner nicht ihn, sondern erneut Taft nominiert hatten. Er wie auch Taft unterlagen jedoch bei der Wahl im November 1912 gegen Woodrow Wilson, dem Konkurrenten von der Demokratischen Partei.

Auf internationaler Ebene war Roosevelt im Jahr 1906 als erstem Amerikaner der Friedensnobelpreis zuerkannt worden, nachdem er im Vorjahr mit seiner diplomatischen Initiative maßgeblich zum Ende des Russisch-Japanischen Krieges beigetragen hatte.

Leben bis zur Präsidentschaft[Bearbeiten]

Frühe Jahre und Ausbildung[Bearbeiten]

Theodore Roosevelt wurde 1858 in New York City als Sohn von Theodore Roosevelt (* 22. September 1831; † 9. Februar 1878) und dessen Frau Martha „Mittie“ Bulloch (* 8. Juli 1835; † 14. Februar 1884) in eine sehr vermögende und gesellschaftlich etablierte Familie geboren. Sein Vater, der niederländischer Herkunft war, war ein erfolgreicher und international tätiger Geschäftsmann, den Roosevelt in seiner Jugend auf vielen Reisen nach Europa und Ägypten begleitete. So weilte er u. a. auch einige Monate in Deutschland und sprach auch etwas Deutsch (ebenso wie Französisch und Italienisch). Von 1876 bis 1880 studierte er an der Harvard University, wobei ihn besonders die Naturgeschichte faszinierte. 1882 erschien unter dem Titel „The Naval War of 1812“ sein bis in die moderne Zeit hin gültiges Buch über den Seekrieg zwischen England und den USA, in dem er sein Interesse an der Aufrüstung und Bedeutung der Flotte erstmals zeigte.

Theodore Roosevelt während des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898

Im selben Jahr begann auch die politische Karriere Roosevelts. Er ließ sich als unabhängiger Kandidat bei der Republikanischen Partei für das Abgeordnetenhaus von New York aufstellen und wurde gewählt. Er setzte sich massiv für Reformen ein, wodurch andere Abgeordnete auf ihn aufmerksam wurden. 1884 zog er sich allerdings wieder zurück und blieb für zwei Jahre auf seiner Ranch in North Dakota, um an seinem Buch „Die Eroberung des Westens“ zu arbeiten. 1886 kandidierte er, nominiert von den Republikanern, für das Amt des Bürgermeisters von New York City. Er erzielte offiziell 27 Prozent der Stimmen und verlor somit bei der jedoch von Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl.[1] Im Jahr 1895 wurde er Leiter der New Yorker Polizeibehörde. Mit seinen rigiden Alkoholverboten an Sonntagen macht er sich zwar viele Feinde, behielt jedoch seine konsequente Linie bei. Zwei Jahre später kam er in das Kabinett des Präsidenten William McKinley als Stellvertretender Marineminister. In dieser Position unterstützte er die Forderung nach einem Krieg gegen Spanien, welches sich den Unabhängigkeitsbestrebungen Kubas widersetzte. Am 25. April 1898 begann der Spanisch-Amerikanische Krieg und Roosevelt legte sein Amt als Stellvertretender Marineminister nieder, um eine Kavallerieeinheit zu gründen, der er als Oberst vorstand. Mit seinen Rough Riders, die sich aus verwegenen Cowboys, aber auch aus Sportreitern aus der Ostküsten-Oberschicht zusammensetzten, zeigte er großen Wagemut und Führungskraft; der Einsatz auf Kuba, wo er auch einen Spanier tötete, brachten ihm den Ruf eines Kriegshelden ein. 1898 kandidierte er für das Amt des Gouverneurs des Staates New York und gewann diese Wahl. Sein neues Amt trat er zum 1. Januar 1899 an. Als Gouverneur setzte er sich für Reformen der Arbeitsbedingungen in den Betrieben ein und verbesserte das Versorgungs- und Verkehrssystem.

Roosevelt besaß zeitweise ein Privatvermögen, umgerechnet auf 2010, von 125 Millionen Dollar, das er größtenteils wieder verlor.[2]

Seine wachsende Popularität ließen ihn im Jahr 1900 als idealen Kandidaten für das Amt des US-Vizepräsidenten erscheinen, obwohl vor allem der konservative Parteiflügel Vorbehalte gegen ihn hatte und Roosevelt es zunächst vorzog, aufgrund der größeren Gestaltungsmöglichkeiten Gouverneur zu bleiben. Roosevelt akzeptierte im Sommer 1900 schließlich die Nominierung als Running Mate von Präsident William McKinley, der im November 1900 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde. Roosevelt wurde am 4. März 1901 zum Vizepräsidenten vereidigt.[3] Entsprechend kandidierte er 1900 für keine weitere Amtszeit als Gouverneur mehr; seine Amtsperiode endete turnusgemäß zum Jahreswechsel auf 1901 (damals war der Gouverneur von New York anders als heute auf zwei – und nicht vier – Jahre gewählt).

Präsidentschaft (1901–1909)[Bearbeiten]

Roosevelts Vereidigung zum Präsidenten im September 1901
Roosevelts offizielles Portrait im Weißen Haus
Roosevelt (links) mit seinem späteren Vizepräsidenten Charles W. Fairbanks (1904)

Am 14. September 1901 erlag William McKinley den Folgen eines acht Tage zuvor in Buffalo verübten Attentats. Durch den Tod des Präsidenten rückte Roosevelt automatisch für den Rest der Amtszeit in das höchste Staatsamt auf. Mit 42 Jahren war er damit, bezogen auf sein Lebensalter bei der Amtseinführung, der bisher jüngste amerikanische Präsident. John F. Kennedy war bei seinem Amtsantritt 1961 ein Jahr älter.

Wenig nach seinem Amtsantritt ließ er den Amtssitz des Präsidenten, das Weiße Haus, umfassend restaurieren. Im Rahmen der Renovierungen wurde die ursprüngliche Schlichtheit des Baus wiederhergestellt, gleichzeitig mit dem West Wing ein Seitenflügel hinzugefügt. Mit den zusätzlichen Flächen trug man auch der wachsenden Größe des Präsidentenstabes Rechnung. Im Jahr 1904 waren die Umbauarbeiten abgeschlossen.[4]

Als 1904 erneut Präsidentschaftswahlen anstanden, wurde Roosevelt einstimmig zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner erklärt. Zunächst wurde eine parteiinterne Gegenkandidatur des konservativen Senators Mark Hanna erwartet. Dieser verstarb jedoch im Februar des Jahres, womit Roosevelts Führungsrolle in der Partei nun unumstritten war. Bei der Hauptwahl am 8. November 1904 besiegte er seinen demokratischen Herausforderer Alton B. Parker mit 56,7 Prozent der Stimmen deutlich. Im Wahlmännergremium erhielt er 336 Stimmen, Parker 140. Seine erneute Vereidigung zum Präsidenten fand am 4. März 1905 vor dem Kapitol in Washington statt. Durch die vorangegangene Wahl wurde auch mit Charles W. Fairbanks erstmals seit Roosevelts Aufrücken zum Präsidenten auch das Amt des seit 1901 vakante Vizepräsidenten wieder besetzt. Roosevelt war mit seinem Wahlsieg der erste Präsident, dem nach seinem Aufrücken aus dem Amt des Vizepräsidenten die Wiederwahl gelang. Dies sollte sich 1924, 1948 und 1964 wiederholen.

Noch am Wahlabend kündigte Roosevelt an, die ersten dreieinhalb Jahre im Weißen Haus als komplette Amtszeit zu werten und sich damit 1908 keiner erneuten Wiederwahl zu stellen. Bereits wenig später bedauerte er diese Aussage, letztlich hielt er sich jedoch an die Ankündigung.[5]

Sozial- und Wirtschaftspolitik[Bearbeiten]

Roosevelt begann rasch, seine Ideen im Land zu verwirklichen. Innenpolitisch stärkte er die Arbeitnehmer und setzte sich massiv für die Monopolkontrolle gegenüber Wirtschaftsunternehmen (Trusts) ein; gegen den Eisenbahntrust unter Führung von J. P. Morgan ließ er sogar Staatsklage einreichen. Seine Reformen betrafen die Verwaltungsstrukturen (z. B. Versuch der Etablierung eines unabhängigen Beamtentums), die Wirtschaft sowie die Umweltpolitik. Dabei trat er vor allem denjenigen entgegen, die auf Kosten der Arbeitnehmer reich wurden, und ging damit auch auf Konfrontationskurs mit den meisten Angehörigen seiner eigenen Partei. Als erster Präsident empfing Roosevelt einen Schwarzen (Booker T. Washington) zu einem offiziellen Treffen im Weißen Haus. In seiner Rolle als Präsident war er auch der erste, der sich 1901 in einen Streik von etwa 150.000 Bergleuten in Pennsylvania einmischte; dabei setzte er sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, einen geregelten Achtstundentag sowie bessere Arbeitsschutzbedingungen ein und machte sich für eine Schlichtung zwischen Arbeitgebern und den Arbeitern stark.

Umweltpolitik[Bearbeiten]

Während seiner Amtszeit gründete Roosevelt außerdem eine Reihe von Nationalparks in den USA und gilt daher als früher Verfechter des Naturschutzes. Zu seinen Ehren wurde sein Porträtkopf als einer von vier Präsidenten in den Granit des Mount Rushmore, South Dakota, gehauen und es wurde schließlich 1978 der Theodore-Roosevelt-Nationalpark in North Dakota eingerichtet. Nach North Dakota hatte es ihn auch als jungen Mann oft getrieben, ihm gefielen das harte Leben an der Western Frontier und insbesondere die extremen Naturerlebnisse. Einige Jahre lang besaß er auch eine Ranch dort, die sich aber als ökonomisch nicht tragfähig erwies. Eines seiner zahlreichen Bücher beschäftigt sich mit dem Dasein als Cowboy in North Dakota, wo er auch Dienste als Hilfs-Sheriff leistete.

Außenpolitik[Bearbeiten]

The Big Stick in the Caribbean Sea (‚Der große Knüppel in der Karibik‘): Karikatur auf die Interventionspolitik der USA aus dem Jahr 1904
Präsident Roosevelt (rechts) auf seiner Reise nach Panama 1906, hier auf dem Präsidentenschiff Mayflower

Roosevelts Außenpolitik wird oft mit dem Schlagwort des Big Stick beschrieben. Damit ist ein Ausspruch aus einer seiner Reden aus dem Jahr 1901 gemeint, in der er ein afrikanisches Sprichwort zitierte:

“Speak softly and carry a big stick; you will go far.”

„Sprich sanft und trage einen großen Knüppel, [dann] wirst du weit kommen.“

Dieses Diktum griffen verschiedene Karikaturisten auf, die Roosevelt mit einem großen Knüppel darstellten.

Am 6. Dezember 1904 legte er in der jährlichen Rede vor dem Kongress mit der Roosevelt-Corollary, seinem Zusatz zur Monroe-Doktrin, den Grundstein für eine expansionistischere Außenpolitik innerhalb der westlichen Hemisphäre, wo die Vereinigten Staaten seiner Meinung nach als Polizeigewalt auftreten sollten. Dies war eine Reaktion darauf, dass mehrere europäische Mächte begonnen hatten, militärischen Druck auf lateinamerikanische Staaten auszuüben, die ihnen Geld schuldeten. So wurde z. B. das Deutsche Reich durch Aufbau einer starken amerikanischen Drohkulisse von einem Militäreinsatz gegen Venezuela abgeschreckt, wo man sich aufgrund ausbleibender Schuldenzahlungen schadlos halten wollte.

Mit der Durchsetzung der Route des Panamakanals durch Panama, gegen die in den USA bevorzugte Route durch Nicaragua, dem Abkauf der gescheiterten Panamakanal-Gesellschaft von Frankreich (bis dato teuerster Land-Deal der Geschichte) und der mehr oder weniger offenen Unterstützung der panamaischen Unabhängigkeitsbewegung gegen Kolumbien stärkte er gleichzeitig die militärischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten seines Landes im atlantischen und pazifischen Raum. Als er 1906 die Baustelle des Kanals besuchte, war er der erste amtierende Präsident, der die USA verließ.

Im Jahr 1905 leitete er als Unterhändler die Friedensverhandlungen am Ende des Russisch-Japanischen Krieges im Ostküsten-Badeort Portsmouth. Die mehrmals vor dem Scheitern stehenden Verhandlungen führten insbesondere aufgrund seines diplomatischen Geschicks letztlich zum Vertrag von Portsmouth. 1906 erhielt Roosevelt in Anerkennung seines Beitrags zur Beendigung dieses Krieges den Friedensnobelpreis als erster Amerikaner. 1906 intervenierte er in der ersten Marokkokrise und zeigte auch dort deutlich, wie er die zukünftige Rolle der USA in der Welt sah.

Ende der Präsidentschaft[Bearbeiten]

Bis 1909 verschärfte sich der interne Streit der Republikanischen Partei zwischen progressiven Befürwortern seiner Politik und konservativen Stimmen in der Partei. Roosevelt verzichtete bei der Präsidentschaftswahl 1908 auf eine dritte Amtsperiode und glaubte, in seinem späteren Nachfolger William Howard Taft (den er selbst einige Jahre zuvor als Kriegsminister ins Kabinett geholt hatte) einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. Dieser übernahm am 4. März 1909 das Amt des Präsidenten.

Nach der Zeit im Weißen Haus[Bearbeiten]

Politisches Wirken nach der Präsidentschaft[Bearbeiten]

Ausschnitt aus einer Rede Roosevelts über das „Recht der Bürger“, aufgenommen von Thomas Edison in der New Yorker Carnegie Hall am 12. März 1912. Länge 4:12
Roosevelt mit erlegtem Elefanten in Afrika (ca. 1909)
Roosevelt im Wahlkampf 1912

Nach seiner Entscheidung gegen eine weitere Präsidentschaftskandidatur zog sich Roosevelt für einige Jahre ins Privatleben zurück und unternahm u. a. 1909 unter der Führung von Frederick Courteney Selous, zusammen mit seinem Sohn Kermit, eine ausgedehnte Großwildjagd nach Afrika, über die er wieder ein Buch schrieb. Kermit begleitete den Ex-Präsidenten auch nach Europa, wo die beiden im Mai 1910 bei einer kleinen militärischen Übung in Döberitz bei Berlin mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. zusammentrafen. Am 12. Mai 1910 bekam Theodore Roosevelt von der philosophischen Fakultät der Berliner Universität die Ehrendoktorwürde verliehen [6].

Da Roosevelt mit der Politik seines Nachfolgers Taft nicht zufrieden war, strebte er für die Präsidentschaftswahl 1912 erneut die republikanische Spitzenkandidatur an. Auf der Republican National Convention wurde jedoch Amtsinhaber Taft erneut zum Kandidaten gekürt. Folgend bewarb er sich als Kandidat für die Progressive Partei („Bull Moose Party“). Dies führte zu Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung und zu einem Attentat am 14. Oktober 1912. Obwohl der Schuss aus nächster Nähe abgegeben wurde, erlitt Roosevelt nur eine Fleischwunde und hielt noch eine über 60 Minuten lange Rede, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde.

Die durch das erneute Antreten als Kandidat einer neuen Partei erfolgte Aufteilung der republikanischen Stimmen auf zwei Kandidaten ermöglichte dem Demokraten Woodrow Wilson, in einer Zeit, in der die Republikaner nahezu durchgehend den Präsidenten stellten, seinen ersten Wahlsieg. Jedoch konnte Roosevelt gemeinsam mit seinem Vizepräsidentschaftskandidaten, dem kalifornischen Gouverneur Hiram Johnson, mit 27 Prozent mehr Stimmen als Taft (23 Prozent) auf sich vereinen. Obwohl er sogar die Stimmenmehrheit in Kalifornien erlangte, siegte Wilson mit 41 Prozent und 435 von 531 Elektoren mit deutlichem Abstand.

Außer Roosevelt kandidierte nur sein Verwandter Franklin D. Roosevelt 1940 für eine dritte und 1944 eine vierte Amtszeit für mehr als zwei Amtsperioden – der erste Präsident George Washington hatte seinen Nachfolgern empfohlen, nicht länger als zwei Perioden im Amt zu bleiben. 1951 wurde durch den 22. Zusatzartikel zur Verfassung die Amtsdauer des Präsidenten auf zwei Wahlperioden beschränkt.

Theodore Roosevelt befürwortete bereits 1914 nach Beginn des Ersten Weltkrieges und dessen Eskalation eine Beteiligung der USA an dem Konflikt in Europa. Er kritisierte Präsident Wilson bis zum Kriegseintritt der USA 1917 für dessen Außenpolitik der Neutralität. Obwohl auch Wilson, wie Roosevelt, innenpolitisch für am Progressivismus orientierte Reformen eintrat, trennte beide Politiker eine gegenseitige Abneigung. 1918 stimmte er für eine Intervention in Russland als Reaktion auf die Oktoberrevolution. Außerdem forderte er eine Fortführung des Krieges bis zur bedingungslosen Kapitulation der Mittelmächte. Den von Wilson vorgelegten Vierzehn-Punkte-Plan lehnte Roosevelt entschieden ab.[7][8]

Obwohl die von ihm gegründete Progressive Party 1912 einen hohen Stimmenanteil des Popular Vote eingefahren hatte, erkannte Roosevelt, dass es aufgrund der nur sehr wenigen öffentlichen Ämter, die diese Partei erringen konnte (vornehmlich in Kalifornien), kaum möglich sein würde, sie dauerhaft zu etablieren. Er selbst kehrte dann auch später in die Republikanische Partei zurück. Bei der Präsidentschaftswahl 1916 sprach er sich für den republikanischen Kandidaten Charles Evans Hughes aus, der jedoch Amtsinhaber Wilson in einer äußerst knappen Entscheidung unterlag.

Roosevelt-Rondon-Expedition[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Crew der Roosevelt-Rondon-Expedition in Brasilien, von links: Zahm, Rondon, Kermit, Cherrie, Miller, vier Brasilianer, Roosevelt, Fiala (1914)

1913–1914 beteiligte sich Roosevelt gemeinsam mit seinem Sohn Kermit an einer Expedition des brasilianischen Marschalls Cândido Rondon im Amazonasbecken. Dabei wurde ein Fluss zu Ehren Roosevelts in Rio Roosevelt umbenannt. Der Ex-Präsident erlitt bei dieser Expedition jedoch schwere gesundheitliche Schäden, von denen er sich zeitlebens nicht mehr erholte.

Tod[Bearbeiten]

Um 1918 galt Roosevelt wieder als möglicher Anwärter für die republikanische Präsidentschaftskandidatur im Jahr 1920. Seine Gesundheit bereitete jedoch derartigen Plänen ein Ende: Als Spätfolge der Verletzungen, die er sich bei seiner Expedition im Amazonas zuzog, musste sich der ehemalige Präsident einer Operation unterziehen, die er nur knapp überlebte. Der Tod seines jüngsten Sohnes Quentin, der 1918 in Europa gefallen war, setzte ihm psychisch schwer zu. Am 6. Januar 1919 verstarb Theodore Roosevelt 60-jährig im Schlaf auf seinem Anwesen Sagamore Hill in Oyster Bay auf Long Island.[9]

Politische Nachwirkung[Bearbeiten]

Die vier Präsidenten am Mount Rushmore (von links nach rechts): George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln

Theodore Roosevelt gilt unter Historikern als erster moderner US-Präsident und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit in der amerikanischen Bevölkerung. Durch den politischen Aufstieg der USA zur Weltmacht Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es ihm dem Präsidentenamt nachhaltiges Gewicht zu verleihen. Insbesondere reklamierte er erfolgreich das Recht des Präsidenten, die immer wichtiger werdende Außenpolitik zu formulieren. Obwohl seine Außenpolitik nach Meinung vieler Historiker mehr der weltpolitischen Rolle der Vereinigten Staaten gerecht zu werden zu schien, wird sie durchaus auch als kritisch betrachtet. Schon während seiner Amtszeit sah sich Roosevelt immer wieder mit dem Vorwurf des Imperialismus konfrontiert, obgleich seine Außenpolitik mehr sicherheits- als wirtschaftspolitische Aspekte umfasste. Auch innenpolitisch verhielt er sich keineswegs passiv, Reformen unter dem Schlagwort Square Deal in der Sozial- und Wirtschaftspolitik sind im historischen Kontext von nicht unerheblicher Bedeutung. Sie unterstreichen vor allem die Expansion präsidialer Macht gegenüber dem Kongress, nachdem in den zurückliegenden Jahrzehnten gesetzgeberische Impulse mehr von der Legislative ausgingen. Von den meisten Historikern wird auch Roosevelts fortschrittliche Umweltpolitik als bedeutend angesehen, da sie im Wesentlichen ihrer Zeit weit voraus war (Umweltschutz spielte zu Roosevelts Zeiten praktisch keine politische Rolle). Durch seine Innenpolitik wird Roosevelt häufig als erster progressiver US-Präsident betrachtet, wozu man später insbesondere Woodrow Wilson (New Freedom), Franklin D. Roosevelt (New Deal) und Lyndon B. Johnson (Great Society) zählte.[10][11]

Familie[Bearbeiten]

Familie Roosevelt, fotografiert von den Pach Brothers, 1903

Theodore Roosevelt heiratete 1880 in erster Ehe Alice Hathaway Lee (1861–1884), mit der er eine Tochter hatte:

  1. Alice (1884–1980) ∞ 1906 Mitglied des US-Repräsentantenhauses Nicholas Longworth (1869–1931).

1886 heiratete er in zweiter Ehe Edith Kermit Carow (1861–1948). Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor:

  1. Theodore (1887–1944) ∞ 1910 Eleanor Butler Alexander (1889–1960)
  2. Kermit (1889–1943) ∞ 1914 Belle Wyatt Willard (1892–1968)
  3. Ethel (1891–1977) ∞ 1913 Richard Derby (1881–1963)
  4. Archibald (1894–1979) ∞ 1917 Grace Stackpole Lockwood (1894–1971)
  5. Quentin (1897–1918, gefallen als Jagdpilot im Ersten Weltkrieg)

Theodore Roosevelt war mit dem späteren, den Demokraten angehörden, US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt entfernt verwandt; die beiden waren Cousins fünften Grades.

Der Teddybär[Bearbeiten]

Karikatur von Clifford K. Berryman

Der Teddybär wurde nach ihm benannt. Während eines tagelang erfolglosen Jagdtrips in Mississippi, bei dem sich Roosevelt vorgenommen hatte, einen Bären zu schießen, ließ sich keiner blicken; als dann einer seiner Jagdhelfer doch auf einen eher kleinen Bären stieß (235 Pfund, etwas mehr als zwei Zentner), band er diesen an einen Baum und gab ihn Roosevelt zum Abschuss frei. Roosevelt allerdings weigerte sich, derart zu einer Jagdbeute zu kommen, und verzichtete auf den Abschuss (der Bär wurde dann von einem seiner Helfer mit einem Messer erlegt).

Der Karikaturist Clifford Berryman von der Washington Post stellte den Bären in einer Karikatur rund und niedlich dar, die dann am 16. November 1902 auf der Titelseite der Washington Post erschien mit dem Text „Drawing The Line In Mississippi“. Einige Leser wollten mehr davon sehen. Berryman ließ den Bären in den folgenden Karikaturen immer kleiner, runder und niedlicher werden und brachte ihn auf jeder Abbildung mit dem Präsidenten unter. Da im Amerikanischen der Kurzname für Theodore „Teddy“ ist, hieß der Bär bei den Lesern schnell „Teddy’s Bear“ und wurde endgültig zum „Teddy Bear“.

Zufällig hatte in diesem Winter das deutsche Unternehmen Steiff mit der Produktion von kleinen Bären mit beweglichen Gelenken und einem Knopf im Ohr begonnen, von denen das New Yorker Unternehmen F.A.O. Schwarz 3.000 Stück bestellte. So begann der weltweite Erfolg des Teddybären; schnell verkaufte Steiff das Plüschtier auch im eigenen Land, wo er bis heute unter dem eingedeutschten Namen verkauft wird.

Freimaurerei[Bearbeiten]

Theodore Roosevelt in Freimaurerkleidung im Spokane Masonic Temple 1905
Grabstein Roosevelts

Roosevelt war Freimaurer und besuchte weltweit viele Freimaurerlogen, u. a. in Afrika, Europa und Südamerika. In seinen tausenden von Briefen sind auch freimaurerische Korrespondenzen enthalten.[12]

Am 2. Januar 1901 in die Matinecock Lodge No. 806[13] Long Islands aufgenommen, wurde er am 27. März desselben Jahres zum Gesellen befördert und am 24. April zum Meister erhoben. Ehrenmitglied war er in den Logen Masonic Veterans Association of the Pacific Coast (1901), Illinois Masonic Veterans Association (1903), Pentalpha No. 23 in Washington, D.C. (4. April 1904) und Rienzi in Rom.

„Etwas, was bei der Freimaurerei so anziehend erschien, dass ich die Chance, Freimaurer zu werden, gerne ergriff, ist die Tatsache, dass hier das verwirklicht wird, was eine Regierung oft nur gelobt, nämlich jeden Menschen nach seinen Verdiensten als Mensch zu behandeln.“

Theodore Roosevelt: Rede anlässlich des 150. Jahrestages des Meistergrades George Washingtons (1902)

Die jährliche Inspektion der christlichen Freimaurerorganisation der Knights Templar leitete er am 26. Mai 1902 in der Ellipse des Weißen Hauses. Bei der freimaurerischen Grundsteinlegung des Army War Colleges am 21. Februar 1903 hielt er eine Ansprache und legte am 24. April 1903 den Grundstein des Nordtores des Yellowstone-Nationalparks unter der Schirmherrschaft der Großloge von Montana. Am 14. April 1906 erfolgte durch ihn die freimaurerische Grundsteinlegung des Bürogebäudes des US-Repräsentantenhauses in Washington (D.C.).

Im Bundesstaat Washington legte Roosevelt am 22. Mai 1903 feierlich den Grundstein des Freimaurertempels in Tacoma, am 26. Mai desselben Jahres den des Tempels in Spokane und am 8. Juni 1907 folgte die Grundsteinlegung des Freimaurertempels in der 13. St. und New York Ave. in Washington (D.C.).

Die Gedenkveranstaltung der Großloge von Pennsylvania zum 200. Geburtstag von Benjamin Franklin beehrte er am 19. April 1906. Die Grundsteinlegung des Pilgrim Memorials am 20. August 1907 in Provincetown, Massachusetts besuchte er in freimaurerischer Kleidung. Der Großloge New Yorks stattete er zuletzt am 11. Mai 1917 einen Besuch ab.

In der mit dem Pulitzer-Preis bedachten Biografie von Edmund Morris werden die freimaurerischen Aktivitäten Roosevelts nicht erwähnt.

Kirche[Bearbeiten]

Roosevelt gehörte wie seine Familie der Dutch Reformed Church an. Bis zu einem Alter von 16 Jahren ging er in die Madison Square Presbyterian Church. Später, als Roosevelt in Oyster Bay wohnte, besuchte er mit seiner Frau eine Episkopalkirche. In Washington hingegen besuchte er die Grace Reformed Church.[14]

Als Präsident vertrat er die Trennung von Religion und Staat und hielt es für nicht weise, In God We Trust auf Münzen zu prägen und auf Banknoten zu drucken, da es frevlerisch sei, den Namen einer Gottheit auf etwas so Profanes wie Geld zu schreiben.[15]

Trivia[Bearbeiten]

Nach Theodore Roosevelt ist die 2012 entdeckte Springbarschart Etheostoma teddyroosevelt benannt.[16]

In der Kultur[Bearbeiten]

Roosevelt wird in folgenden Filmen dargestellt oder karikiert:

Kabinett Roosevelt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Kupfer: Lexikon der Nobelpreisträger. Patmos Verlag Düsseldorf 2001
  • Natalie A. Naylor et al.: Theodore Roosevelt: Many-Sided American. – Interlaken, NY: Heart of the Lakes Publishing, 1992
  • Mellander, Gustavo A.; Mellander, Nelly Maldonado & Magoon, Charles Edward; (1999). The Panama Years. Río Piedras, Puerto Rico: Editorial Plaza Mayor. ISBN 1-56328-155-4. OCLC 42970390. A more historical perspective.
  • Mellander, Gustavo A. (1971). The United States in Panamanian Politics: The Intriguing Formative Years. Danville, Ill.: Interstate Publishers. OCLC 138568.
  • Edmund Morris: The Rise of Theodore Roosevelt. (Bd. 1, Pulitzer-Preis)
  • Edmund Morris: Theodore Rex. (= Bd. 2)
  •  Edmund Morris: Colonel Roosevelt. Random House, New York 2010, ISBN 0-375-50487-7. (= Bd. 3)
  • John Morton Blum: The Progressive Presidents: The Lives of Theodore Roosevelt, Woodrow Wilson, Franklin D. Roosevelt, and Lyndon B. Johnson Charles River Editors ISBN 978-0393000634

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Theodore Roosevelt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Theodore Roosevelt – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, New York 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 273
  2. Christian Wernicke: Macht und Millionen – Mitt Romney ist nicht der erste steinreiche Politiker, der amerikanischer Präsident werden will; in Süddeutsche Zeitung vom 27. Januar 2012
  3. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 978-3-406-58742-9 S. 258
  4. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 978-3-406-58742-9 S. 259
  5. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 978-3-406-58742-9 S. 260
  6. Die katholische Wochenzeitschrift Deutscher Haussschatz zitierte damals aus Roosevelts Rede zum Thema „The World Movement“ unter anderem folgende Einschätzung der Weltkultur: „Diejenigen Ideen und Einflüsse in unserem Leben, die wir überhaupt auf andere zurückführen können, sind in der Mehrheit aller Fälle zurückführbar auf die Juden, die Griechen und die Römer. Die Juden steuerten die Religion bei, die der stärkste aller Faktoren in der Einwirkung auf die weitere Entwicklung der Menschheit gewesen ist, aber kein anderer Beitrag der Juden kann sich mit dem messen, was uns die Griechen und Römer hinterlassen haben.“ Deutscher Hausschatz, 36. Jahrgang, Heft 18, Mai 1910, S. 718f
  7. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 978-3-406-58742-9 S. 268/69
  8. American President: Theodore Roosevelt: Life after the presidency
  9. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 978-3-406-58742-9 S. 269
  10. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 978-3-406-58742-9 S. 269
  11. American President: Theodore Roosevelt: Impact and legacy
  12. William R. Denslow, Harry S. Truman: 10,000 Famous Freemasons from K to Z Part Two, Kessinger Publishing, ISBN 1-4179-7579-2
  13. Matinecock Masonic Historical Society
  14. http://www.adherents.com/people/pr/Theodore_Roosevelt.html Religion of Theodore Roosevelt
  15. Reynolds, Ralph C. (1999): In God We Trust: All Others Pay Cash.
  16. New Fish Species Discovered: Roosevelt, Carter, Clinton, Gore and Obama. Sci-news.com vom 19. November 2012. Abgerufen am 7. Juni 2013.