Jonas Fränkel

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Jonas Fränkel (* 12. August 1879 in Krakau; † 4. Juni 1965 in Riedegg bei Thun, ab 1919 heimatberechtigt in Bern) war ein Schweizer Germanist, Hochschullehrer und Herausgeber von Werken Gottfried Kellers.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Fränkel, Sohn jüdischer Eltern, bereitete sich zunächst auf eine Laufbahn als Rabbiner vor, wandte sich dann aber der Philosophie, Literatur und Kunst zu. Er begann sein Studium an der Universität Wien, wo er, seit seiner Schulzeit schwerhörig, wegen der grossen Auditorien den Vorlesungen nicht folgen konnte. Bessere Bedingungen fand er an der Universität Bern, wo Oskar Walzel seine philologische Begabung entdeckte. Fränkel promovierte 1902 mit einer Dissertation über Zacharias Werner. Im Jahre 1909 habilitierte er sich mit einer Studie über Carl Spitteler. Von 1921 bis 1949 lehrte er als ausserordentlicher Professor für neuere deutsche Literatur und vergleichende Literaturgeschichte an der Universität Bern.

Jonas Fränkel hob sich vor allem als Herausgeber von Werken und Briefen deutscher und schweizerischer Dichter hervor. In den Jahren von 1923 bis 1939 beförderte er ausschliesslich durch eigene Arbeit 17 von 22 Bänden der ersten textkritischen Edition von Keller Werken zum Druck. Als er 1939 in seiner Schrift Gottfried Kellers politische Sendung mit dem Nationalsozialismus abrechnete, ergriffen Nazi-Sympathisanten unter seinen akademischen Gegnern die Gelegenheit, um ihm die Weiterarbeit an der Keller-Ausgabe unmöglich zu machen. 1942 entzog ihm die Zürcher Regierung unter Vorwänden alle Arbeitsmöglichkeiten und verwehrte ihm den Zugang zu den Archiven.

Carl Spitteler hatte seinen Freund Fränkel zum Biographen, Nachlassverwalter und Herausgeber seiner Werke bestimmt. Auch hier gelang es Fränkels Gegnern, diesen nach jahrelangen Prozessen und publizistischen Kämpfen an der Ausführung seiner Aufgabe zu hindern.

Im Jahre 1964 wurde Fränkel zum Ehrendoktor der Universität Jena ernannt.

Einige Schriften Fränkels[Bearbeiten]

  • Joseph Viktor Widmann. Drei Studien. Zürich u.a. 1919.
  • Gottfried Kellers politische Sendung. Zürich 1939.
  • Die Gottfried Keller-Ausgabe und die Zürcher Regierung. Eine Abwehr. Zürich o.J. [1942].
  • Spitteler. Huldigungen und Begegnungen. St. Gallen 1945.
  • Spittelers Recht. Dokumente eines Kampfes. Winterthur 1966.
  • Dichtung und Wissenschaft. Heidelberg 1954.

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Linsmayer: „Jonas Fränkel“. In: Literaturszene Schweiz. 157 Kurzporträts von Rousseau bis Gertrud Leutenegger. Zürich 1989, S. 118 f.
  • Rätus Luck: „Carl Spitteler und Jonas Fränkel. Ein Fall und ein Plädoyer“. In: Quarto. Zeitschrift des Schweizerischen Literaturarchivs. Heft 4/5 (1995), S. 150–161.
  • Charles Linsmayer: „,Ein Jude uns unsere grossen Dichter vermitteln! Merci vielmals!‛ Anmerkungen zur Spittelerrezeption und zum Fall Fränkel“. In: Quarto. Zeitschrift des Schweizerischen Literaturarchivs. Heft 4/5 (1995), S. 162–68.
  • Julian Schütt: „,Der Emigrant blockiert unsere Nationaldichter‛. Zum Fall Jonas Fränkel“. S. 177–204 in: Germanistik und Politik. Schweizer Literaturwissenschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Zürich 1996, ISBN 3-905312-04-2
  • Konrad Feilchenfeldt: „Jonas Fränkel. Ein ‚jüdischer Philologe‛ und die säkulare Wissenschaft“. S. 147–152 in: Jüdische Intellektuelle und die Philologien in Deutschland 1871–1933. Hrsg. v. Wilfried Barner und Christoph König. Göttingen 2001, ISBN 3-89244-457-9

Weblinks[Bearbeiten]