Joseph Louis Proust

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Joseph Louis Proust gezeichnet von Ambroise Tardieu (1788–1841) um 1795

Joseph Louis Proust (* 26. September 1754 in Angers; † 5. Juli 1826 ebenda) war ein französischer Chemiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Als dritter Sohn des Apothekers Joseph Proust und seiner Ehefrau Marie Rosalie, geborene Sartre, absolvierte Proust zunächst eine Apothekerausbildung bei seinem Vater.[1] Seine Eltern waren seit dem 30. April 1748 miteinander verheiratet. Er besuchte ein lokales Collège der Oratorianer, Collège des Oratoriens. Hiernach studierte er u.a. in Paris bei Hilaire Marin Rouelle (1718–1779) im Jardin des Plantes Chemie und wurde dessen Schüler. Nach seinem Studium wirkte er zunächst als Lehrer am Lycée du Palais Royal und später in der Funktion als Oberapotheker am Hôpital de la Salpêtrière.

Ende des Jahres 1778 nahm Proust erstmals seine berufliche Tätigkeit in Spanien auf, dem Land, in dem er den größten Teil seines Berufslebens verbringen sollte. Ab 1778 bis 1780 war er als Professor der Chemie im Real Seminario de Vergara tätig. Proust blieb nur kurze Zeit in Vergara und kehrte im Juni 1780 nach Frankreich zurück.

Academia de Artillería de Segovia

Am 11. Dezember 1781 gründete Jean-François Pilâtre de Rozier das erste Museum der Technik (musée technique), in dem er physikalische Experimente und Vorträge über die Naturwissenschaft besonders für das adlige Publikum veranstaltete. Bis 1784 lehrte Proust Chemie am musée technique. In dieser Zeit in Paris war Proust eng mit Pilâtre verbunden und sammelte aerostatische Erfahrungen (Heißluftballon). Beide führten eine Ballonfahrt am 23. Juni 1784 in Versailles durch.

Auf Wunsch der spanischen Regierung des Jahres 1785, und durch eine Vereinbarung zwischen dem spanischen König Karl III. (Spanien) und Frankreichs Ludwig XVI. und auf eine Empfehlung von Antoine Laurent de Lavoisier begann Proust erneut Chemie in Spanien zulehren. Das Angebot bestand aus einem für ihn finanziell einträglichen Posten und so ging er im Jahre 1786 erneut nach Spanien. Er unterrichtete zuerst in Madrid, aber im Jahre 1788 zog er nach Segovia als Professor für Chemie am Real Colegio de Artillería de Segovia, wo die Chemie zu einem Pflichtfach gemacht worden war. Proust lehrte und experimentierte dort und führte darüber hinaus noch geologische und mineralogische Untersuchungen und Analysen für die Regierung durch.

Ab dem Jahre 1791 war er in gleicher Position dann in Salamanca und in Folge, vom April 1799 an, wiederum in der spanischen Hauptstadt tätig. An einem Samstag, dem 30. Juni 1798 heiratete Proust die in Segovia lebende Französin Rose Anne Chêtelain Daubigné († 1817). Beide hatten keine Kinder.

In Madrid stand ihm ein neu organisiertes chemisches Laboratorium, das zu den besten bestehenden Einrichtungen gehörte, zur Verfügung. Dieses Laboratorium wurde während der Besetzung durch napoleonische Truppen zerstört. Proust kehrte schon gegen Ende des Jahres 1806 aus unklaren Gründen nach Frankreich zurück. Er lebte zunächst in bescheidenen Verhältnissen in Craon (Mayenne) und verbrachte viel Zeit in seinem Familienbetrieb, den er im Loire-Tal, Val de Loire übernommen hatte. Proust und seine Frau erkrankten um das Jahr 1810. Sie starb 1817 und Proust verlegte seinen Lebensmittelpunkt erneut nach Angers, wo er im Jahre 1820 die Apotheke von seinem Bruder François Jacques Proust (1756–1808)[2], der in einem schlechten Gesundheitszustand war, übernahm.

Wissenschaftliche Leistungen[Bearbeiten]

Er formulierte das Gesetz der konstanten Proportionen einem der grundlegenden chemischen Prinzipien. Die Formulierung des Gesetzes, in seinen verschiedenen Ausführungen zwischen den Jahren 1794 und 1799, brachte ihn in einem öffentlichen Disput mit einem anderen französischen Chemiker Claude Louis Berthollet der die Variabilität in der Zusammensetzung der Verbindungen verteidigte.

« Lorsque deux ou plusieurs corps simples s’unissent pour former un composé défini, leur combinaison s’effectue toujours selon un même rapport pondéral. »

„Wenn zwei oder mehrere einfache Substanzen eine bestimmte chemische Verbindung bilden, sich kombinieren, ist die Kombination immer entlang eines konstanten Gewichtsverhältnisses bzw. charakteristischen Massenverhältnisses zu verstehen.“

Joseph Louis Proust (1794)

Er beschäftigte sich mit der Chemie des Tannins (1798) und der Citronensäure (1801). Weitere lebensmittelchemische Probleme wurden von ihm aufgegriffen: 1802 gelang ihm der Nachweis von Glucose im Most. Die Kohlenhydratchemie und insbesondere die der Zucker wurde in den Jahren 1806 bis 1809 vertieft. 1818 fand die Käse-Herstellung sein Interesse. Dabei entdeckte er die Aminosäure Leucin.

Proust war einer der führenden Analytiker seiner Zeit und stellte nach ausführlichen Untersuchungen über Kupfercarbonat, Zinnoxide und Eisensulfide das Gesetz der konstanten Proportionen auf (siehe auch Chemische Reaktion).

Außerdem entwickelte er die Schwefelwasserstofffällung als analytische Methode.

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Joseph Louis Proust, David d'Angers (1831).
  • Annales de Historia Natural, zusammen mit Christian Herrgen, Domingo García Fernández und Antonio José Cavanilles, 1799[4]
  • Différentes observations de chimie (1805)
  • Mémoire sur le sucre de raisin (1808)
  • Recherches sur le meilleur emploi des patates, ou pommes de terre, Paris : Mme Huzard, juin 1818, in-8° (ungewiß)
  • Sur une analogie remarquable entre les eaux de quelques parties du golfe de Californie et celles des lacs de Sodome et d’ Urmia en Perse (1821)
  • Sur l’existence vraisemblable du mercure dans les eaux de l’Océan (1821)
  • Essai sur une des causes qui peuvent amener la formation du calcul (1824)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Umfangreiche Biographie von Seymour Mauskopf in englischer Sprache
  2. Genealogie
  3. F. S. Beudant: Proustite, argent antimonié sulfuré en partie, in: Traité Élémentaire de Minéralogie, 2nd Edition, Chez Verdière Libraire-Éditeur, Paris 1832, S. 445-447 (PDF 121,9 kB)
  4. Alexander von Humboldt: Politischer essay über die insel Kuba. Irene Prüfer Leske, S. 318, abgerufen am 27. November 2011 (deutsch, ISBN 9788484542025).