Hôpital de la Salpêtrière

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Hôpital de la Salpêtrière

Das Nervenkrankenhaus Hôpital de la Salpêtrière in Paris war im 19. Jahrhundert die wohl bekannteste psychiatrische Anstalt Europas. Viele psychiatrische Fachausdrücke wurden hier geprägt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Hôpital de la Salpêtrière wurde auf Veranlassung Ludwig XIV. (1638–1715) zusammen mit dem Hôtel des Invalides als Krankenhaus gebaut. Verantwortlich für das Bauprojekt war Louis Le Vau, Libéral Bruant († 1697) wurde mit dem Entwurf der Kapelle betraut.[1] Der Name stammt von einer früheren Fabrik auf dem Gelände, in der Munitionspulver, das Salpeter enthielt, hergestellt wurde. Die Salpêtrière war ein gigantischer Moloch mitten in Paris mit bis zu 8.000 Patienten. Im Jahre 1656 erbaut, bildete sie das zentrale Element des Hôpital général (Zusammenschluss staatlicher Hospitäler) und galt auch als das „größte Asyl Europas“. Das Hôpital général sollte alle Armen und Bettler aufnehmen und sie somit der Stadt fernhalten. Die Wegsperrung der meisten von ihnen fand aufgrund von richterlichen Anordnungen statt.[1]

Unter den Patienten herrschte eine strenge Hierarchie. Ganz unten, in „Les Loges des Folles“, vegetierten Alte, Bettler, Geschlechtskranke, Prostituierte, gescheiterte Selbstmörder, Epileptiker, Demente und chronisch Kranke im Dunkeln vor sich hin, ganz oben „paradierten die Stars“.

1795 übernahm der Psychiatrie-Reformer Philippe Pinel die Leitung der Klinik.

Für die öffentlich zur Schau gestellten Patientinnen – die mitunter auch perfekte Schauspielerinnen in ihrer Rolle als Hysterikerinnen gewesen waren – und ihre behandelnden Ärzte war eigens ein Amphitheater auf dem Gelände der Salpêtrière gebaut worden.

Die Salpêtrière war Ende des 19. Jahrhunderts das Zentrum einer gynäkologisch definierten Hysterie. Auch Sigmund Freud lernte dort. Er war kurze Zeit Assistent von Charcot (1825–1893, genannt Napoleon der Hysterie). Charcot soll eine Geliebte gehabt haben, eine Patientin namens Jane Avril, die später auch als Modell und Geliebte von Henri Toulouse-Lautrec galt.

1964 wurde das Hôpital de la Salpêtrière mit dem Hôpital Pitié zum „Hôpital de la Pitié-Salpêtrière“, einem Universitätskrankenhaus, zusammengeführt.

Bekannte Ärzte[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Charcot mit Blanche Wittman, der „Königin der Hysterikerinnen“

Literarisch verankert ist die Klinik im Roman „Das Buch von Blanche und Marie“ von Per Olov Enquist (2004, Stockholm). Heldin des Romans ist Blanche Wittman, die „Königin der Hysterikerinnen“. Sie wurde nach dem Tod von Charcot die fiktive Assistentin von Marie Curie, der zweifachen Nobelpreisträgerin (Physik 1903 und Chemie 1911). Der Charakter der Fiktionalität von Blanche Wittmann wird von Enquist ausdrücklich betont und sollte nicht Anlass zu Annahmen geben, darin eine reale Verbindung zwischen der realen Chemikerin und der Romanfigur zu vermuten. Ebenso ist das Krankenhaus ein Aufenthaltsort des Protagonisten in W. G. Sebalds Austerlitz. nach seinem Nervenzusammenbruch als Folge des frühkindlichen Traumas.

Die Salpêtrière diente als Ort der Dreharbeiten für den Film Cléo de 5 à 7.

Berühmte Personen, die in diesem Krankenhaus starben sind u. a.: Josephine Baker und Prinzessin Diana, die hier nach ihrem Autounfall eingeliefert wurde. Eine der berühmtesten Insassinnen war Jeanne de Saint-Rémy.

2007 veröffentlichte Amy May alias Paris Motel das Album „In The Salpêtrière“, das den Namen der Nervenheilanstalt als Metapher nutzt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hôpital de la Salpêtrière – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Hazan, Eric: Die Erfindung von Paris: Kein Schritt ist vergebens, Zürich, 2006, 3-250-10485-X, S. 237-238.

48.8377777777782.3641666666667Koordinaten: 48° 50′ 16″ N, 2° 21′ 51″ O