Juli Markowitsch Daniel

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Daniel (links) und Sinjawski (Prozess 1965–1966)

Juli Markowitsch Daniel, Pseudonym Nikolai Arschak/Arzak/Arshak (russisch Юлий Маркович Даниэль; * 15. November 1925 in Moskau; † 30. Dezember 1988 ebenda) war ein russischer Schriftsteller und Übersetzer jüdischer Herkunft, der mit seinen „grotesk-satirischen kritischen“ Erzählungen, „die in ihrer Absurdität den Prinzipien des sozialistischen Realismus widersprechen“[1], dem Samisdat, dem literarischen Untergrund seiner Epoche, zugerechnet wird. Er verbrachte mehrere Jahre in Haft.

Leben[Bearbeiten]

1942 von der Schulbank an die Front gekommen, wurde Daniel schwer verwundet und 1944 wieder demobilisiert. Der junge Kriegsinvalide mit Pension studierte ab 1946 in Charkow und Moskau Pädagogik und unterrichtete anschließend an Schulen in Kaluga und, ab 1954, in Moskau. Er veröffentlichte erste Gedichtübersetzungen und galt schon bald als begabter Übersetzer aus dem Jiddischen und aus slawischen und kaukasischen Sprachen, wobei er auch für regimetreue Blätter arbeiten konnte. Erste Prosa von Daniel kam Anfang der 1960er Jahre unter Pseudonym in Umlauf und wurde im „Westen“ auch veröffentlicht. Vor allem deshalb wurde er 1966 gemeinsam mit seinem Kollegen Andrei Sinjawski zu fünf Jahren verschärfter Lagerhaft verurteilt. Nach verschiedenen Schikanen und einem Gefängnisaufenthalt wegen seiner Proteste[2] 1970 wieder entlassen, ließ er sich in Kaluga nieder, weil ihm die Rückkehr nach Moskau verboten worden war.

Werke[Bearbeiten]

  • Goworit Moskwa (Hier spricht Moskau)
  • Ruki (Die Hände)
  • Iskuplenije (Sühne)
  • Tschelowek is MINAPa (Der Mann aus dem MIN-AP)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus Enzyklopädie, 19. Jahrgang, Band 5 von 1988
  2. Samisdat, abgerufen am 4. Mai 2011