Russische Literatur

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Der Begriff russischsprachige bzw. russische Literatur bezeichnet die literarischen Werke aus dem russischen Sprachraum der Vergangenheit und Gegenwart. Zur russischen Literatur werden auch nicht-dichterische Werke mit besonderem schriftstellerischem Anspruch gezählt, also Werke der Geschichtsschreibung, der Literaturgeschichte, der Sozialwissenschaften oder der Philosophie, wie auch Tagebücher oder Briefwechsel.

Altrussische Literatur[Bearbeiten]

Die altrussische Literatur ist im mittelalterlichen byzantinischen Schrifttum verwurzelt und wurde vorwiegend auf altostslawisch verfasst. Es wurden häufig religiöse Themen aufgegriffen, wobei besonders das Leben der Heiligen (жития святых) ein populäres Motiv war. Oftmals sind die Autoren der Werke heute nicht mehr bekannt. Beispiele hierfür sind z.B. das „Igorlied“ oder „Das Beten Daniels des Gefangenen“.

Neuere russische Literatur[Bearbeiten]

Alexander Puschkin begründete die neuere russische Literatur. Die folgende Ära wird auch als „goldenes Zeitalter“ der russischen Literatur bezeichnet. Bedeutende russische Schriftsteller aus dieser Epoche sind neben Puschkin beispielsweise Gawriil Derschawin, Michail Lermontow, Nikolai Gogol, Iwan Turgenew, Afanassi Fet, Fjodor Dostojewski, Lew Tolstoi, Nikolai Leskow, Anton Tschechow, Maxim Gorki, Iwan Bunin, Vladimir Nabokov, Michail Bulgakow, Michail Scholochow.

Die ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gelten in der russischen Literatur als silbernes Zeitalter.

Sowjetliteratur[Bearbeiten]

In der Sowjetzeit von 1917 bis 1991 entstand eine eigene Ausprägung der Literatur. Maxim Gorki, Nobelpreisträger Michail Scholochow, Walentin Katajew, Alexei Tolstoi, Wladimir Majakowski, Tschingis Aitmatow oder Ilf und Petrow wurden bedeutende Vertreter der Sowjetliteratur. In der Kinderliteratur sind Samuil Marschak oder Kornei Tschukowski nennenswert. Weitere bekannte Autoren der Epoche sind Anatoli Pristawkin und Walentin Rasputin.

Während der Sozialistische Realismus in der Sowjetunion offiziell gefördert wurde, setzten einige Schriftsteller wie Michail Bulgakow, Boris Pasternak, Andrei Platonow, Ossip Mandelstam, Juri Trifonow, Isaak Babel und Wassili Grossman die Tradition der klassischen russischen Literatur entgegen dem sowjetischen Ideal fort. Häufig wurden ihre Werke erst Jahrzehnte später und in einer zensierten Version veröffentlicht. Die Serapionsbrüder bestanden auf dem Recht, eine eigenständige Literatur unabhängig von der politischen Ideologie hervorzubringen, was sie in Konflikt mit der Regierung brachte. Ebenso wenig tolerierten die Behörden die experimentelle Kunst der Oberiuten.

Auch in der post-stalinistischen Sowjetunion blieb der Sozialistische Realismus der einzige erlaubte Stil; Schriftsteller wie der Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn, Wenedikt Jerofejew oder Leonid Zypkin setzten die Tradition der Untergrundliteratur fort, die oftmals mittels „Samisdat“ verbreitet wurde. Darüber hinaus bewirkten die sowjetischen Behörden beim Nobelpreiskomitee, dass nicht Konstantin Paustowski den Literaturnobelpreis 1965 bekam, sondern der loyale Michail Scholochow.

Die literarischen Genres reichen vom klassischen, realistischen Roman bis zur Science Fiction, deren bekannteste Vertreter die Brüder Boris und Arkadi Strugazki sind.

Emigrierte Schriftsteller wie Nobelpreisträger Iwan Bunin, Alexander Kuprin, Andrei Bely, Marina Zwetajewa oder Vladimir Nabokov waren im Exil erfolgreich.

Zeitgenössische russische Literatur[Bearbeiten]

In der Russischen Literatur der Gegenwart gibt es eine international bekannte Gruppe postmoderner Autoren. In den westlichen Ländern ist vor allem Wladimir Sorokin als russischer Vertreter der Postmoderne bekannt. Weiter sind zu erwähnen Dmitri Prigow, Wladimir Makanin, Alina Wituchnowskaja, Marija Sumnina, Nadeschda Grigorjewa, Sergei Lukjanenko und der populäre Japanologe und Autor historischer Kriminalromane Boris Akunin. Besondere Erwähnung verdient Wiktor Pelewin, dessen Romane realistische moderne Motive mit mystischen Elementen verbinden und so eine skurrile und surreale Märchenwelt zeichnen.

Von den in der Ukraine lebenden russischsprachigen Schriftstellern verdienen Aleksandr Abramovic Bejderman und Andrej Kurkow Beachtung. Im Ausland leben und arbeiten zahlreiche weitere russische Autoren, wie zum Beispiel in Deutschland Boris Falkow, Boris Chasanow, Alexei Schipenko oder Michail Schischkin in der Schweiz.

Neue Realisten[Bearbeiten]

Ab dem Jahr 2000 trat eine neue Generation von russischen Autoren. Vertreter des „Neuen Realismus“ sind Ilja Stogoff, Sachar Prilepin, Alexander Karasjow, Arkadi Babtschenko,[1] Wladimir Lortschenkow, Alexander Snegirjow und der politische Autor Sergej Schargunow.

Aufgewachsen in der Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion schreiben sie über den vom Kapitalismus geprägten Alltag der heutigen russischen Jugend, jedoch ohne die mystischen und surrealistischen Elemente ihrer Vorgänger zu benutzen.

Die neue Generation von Autoren ist als Generation in einem freien Russland aufgewachsen. Sie haben Fremdsprachenkenntnisse, die den Generationen vorher nicht zugänglich waren, leben mit freier Rede ohne Zensur, bereisen die ganze Welt und lesen Bücher, die verboten waren.

In ihren Werken kreieren die „neuen Realisten“ eine neue Art von Literatur. Sie zeigen auf, was in der neuen Gesellschaft falsch ist. Obwohl die Neuen Realisten dabei nicht konform sind, sind sie keine Rebellen im Sinne des 20. Jahrhunderts (z.B. Anarchisten, Hippies, die 1968er). Sie sind Autoren, für die es einen Platz gibt zu predigen: im Journalismus, im sozialem und  politischen Schreiben und in den Medien, wobei aber das “direktes Handeln” im Verantwortungsbereich der Zivilgesellschaft liegt.[2]

Auflagenstärke[Bearbeiten]

1990 verzeichneten Bücher in Russland eine Auflagenstärke von insgesamt 1,6 Mrd. Büchern. 2004 waren es nur noch 562 Millionen. Auflagenstärkste Autorin war dabei Daria Donzowa mit 99 Bänden und einer Auflagenstärke von 18,1 Mill. Büchern.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Petr Jordan: Geschichte der russischen Literatur - nach russischen Quellen. 1. Auflage. Biblio Bazaar, München 2008, ISBN 0559590792
  • Adolf Stender Petersen: Geschichte der russischen Literatur. 5. Auflage. C. H. Beck, München 1993, ISBN 3-406-31557-7
  • Reinhard Lauer: Geschichte der russischen Literatur. C. H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45338-4

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Аристов, Денис (Aristow, Denis) “О природе реализма в современной русской прозе о войне (2000-е годы)”. In: Journal Perm State Pedagogical University. 2011 (2). Abgerufen am 24 April 2013. (ON NATURE OF REALISM IN MODERN RUSSIAN MILITARY FICTION OF 2000-S) (PDF; 231 kB)
  2. Popow, Jewgeni. “Who can follow Gogol’s footsteps”. In: Russia now, 21 April 2009. Abgerufen am 24 April 2013. (PDF; 1,9 MB)