Juscelino Kubitschek

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Juscelino Kubitschek

Juscelino Kubitschek de Oliveira (* 12. September 1902 in Diamantina, Minas Gerais; † 22. August 1976 bei Resende, Rio de Janeiro) war von 1956–1961 Staatspräsident von Brasilien. Der Name Kubitschek ist die Eindeutschung des Namens seiner Mutter Julia Kubíček (1872–1971), deren Vater ein tschechischer Rom gewesen sein soll. Kubitschek war der bis heute (2012) mutmaßlich weltweit einzige Staatspräsident der Welt, von dem bekannt ist, dass er Roma-Vorfahren gehabt haben soll.[1]

Kubitschek studierte an der Universität von Minas Gerais Medizin und war nach Abschluss seines Studiums in Krankenhäusern in Paris, Wien, Berlin und in Brasilien tätig. 1933 wurde er in die brasilianische Abgeordnetenkammer gewählt. Nach einem Staatsstreich 1937 und der Einrichtung des Estado Novo durch Getúlio Dornelles Vargas verlor Kubitschek seinen Sitz.

Im Jahre 1939 wurde er Bürgermeister von Belo Horizonte, der Hauptstadt von Minas Gerais. Von 1946 bis 1950 war er erneut Abgeordneter und danach, bis 1955 Gouverneur von Minas Gerais. Am 3. Oktober 1955 wurde er als Kandidat einer Mitte-links-Koalition mit dem Slogan „Fünfzig Jahre Fortschritt in fünf Jahren“ mit 36 Prozent der Stimmen zum Staatspräsidenten von Brasilien gewählt.

Am 31. Januar 1956 wurde er als Präsident der Bundesrepublik Brasilien vereidigt.

Seine fünfjährige Präsidentschaft war tatsächlich von Fortschritten geprägt. Sein größtes Projekt war die Gründung von Brasília, der neuen Hauptstadt in der bis dahin menschenleeren Mitte des Landes. Sie wurde am 21. April 1960 eingeweiht. Auch große Straßenprojekte wurden fertiggestellt und die Automobilindustrie Brasiliens wurde während der Präsidentschaft Kubitscheks gegründet. Es gab einen Wirtschaftsboom. Dieser wurde durch den Fall des Kaffeepreises auf dem Weltmarkt Mitte und Ende der 1950er Jahre jedoch stark gebremst. Unter Kubitscheks Präsidentschaft wuchs die Staatsverschuldung Brasiliens auf vier Milliarden US-Dollar an.

Kubitscheks Nachfolger wurde im Jahr 1961 der Populist Jânio Quadros. Als das Militär sich 1964 an die Macht putschte, wurde Kubitschek jegliches politisches Engagement untersagt. Kubitschek ging ins Exil und lebte dann in mehreren Städten Europas und in den USA.

Er kehrte zwar nach Brasilien zurück, auf die Geschicke seines Landes konnte er jedoch keinen Einfluss mehr nehmen. Er wurde 1976 bei einem bis heute nicht geklärten Autounfall getötet. Dreißig Jahre später bereiteten die Regisseure Denis Carvalho, Vinicius Coimbra und Amora Mautner Kubitscheks Biografie für das brasilianische Fernsehen auf. In dem Mehrteiler JK (2006) spielt José Wilker den brasilianischen Präsidenten, während seine Ehefrau Sarah von der Schauspielerin Marília Pêra porträtiert wird.

Ihm zu Ehren tragen in der Hauptstadt Brasília die Juscelino-Kubitschek-Brücke und der Flughafen Brasília seinen Namen. Ebenfalls in Brasília befindet sich das ihm gewidmete Memorial JK, das von Oscar Niemeyer entworfen wurde.

Auszeichnungen (Auswahl) [Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Nereu Ramos Präsident von Brasilien
1956–1961
Jânio Quadros

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Juscelino Kubitschek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen [Bearbeiten]

  1. http://www.thelinguist.com/en/pt/library/item/52932/