Kai Brodersen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kai Brodersen (* 6. Juni 1958 in Tübingen) ist ein deutscher Althistoriker.

Kai Brodersen, April 2010

Leben[Bearbeiten]

Kai Brodersen, ein Sohn des Chemikers Klaus Brodersen, studierte Alte Geschichte, Klassische Philologie und evangelische Theologie als Stipendiat der Stiftung Maximilianeum und der Studienstiftung des deutschen Volkes in Erlangen, München und Oxford. In München wurde er 1986 promoviert und 1995 habilitiert. Ab 1996 war er ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der Universität Mannheim, an der er mehr als zehn Jahre in der Hochschulleitung tätig war (Studiendekan, Dekan und Haushaltsdekan und sechs Jahre als Prorektor).

Im Dezember 2005 wurde Brodersen vom Universitätsrat der Universität Tübingen zum Rektor gewählt. Der Senat verweigerte jedoch die Bestätigung der Wahl.[1] Im Januar 2008 wählten die Gremien der Universität Erfurt Brodersen einstimmig zum Präsidenten von 2008 bis 2014.[2] Aus gesundheitlichen Gründen konnte er nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren.[3] An der Universität Erfurt ist Brodersen seither zugleich Professor für Antike Kultur.

Brodersen war Gastprofessor an britischen Universitäten, so in Newcastle (2000/01), St. Andrews (2001/02) und Royal Holloway/London (2006/07) sowie Senior Visiting Research Fellow an der University of Oxford (2007/08). Seit 2010 ist er ordentliches Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und der Philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (Leipzig).

Brodersen hat Forschungen zur griechischen und römischen Historiographie und Geographie, zu antiken Inschriften, Orakeln und Wundertexten und zur Wirtschafts- und Wirkungsgeschichte der Antike – einschließlich Asterix – und Übersetzungen antiker Werke und moderner Fachliteratur publiziert. Er ist unter anderem Herausgeber der Buchreihe Geschichte kompakt – Antike und federführender Herausgeber der Zeitschrift Historia.

Brodersen ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Appians Abriß der Seleukidengeschichte und Appians Antiochike, Ed. Maris, München 1989 und 1991
  • mit W. Günther und Hatto H. Schmitt: Historische griechische Inschriften in Übersetzung, 3 Bände, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992–1999
  • Terra Cognita. Studien zur römischen Raumerfassung, Olms, Hildesheim 1995, 2. Auflage 2003
  • Das römische Britannien. Spuren seiner Geschichte, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998
  • mit Bernhard Zimmermann: Metzler Lexikon Antike, Metzler, Stuttgart 1999, 2. Auflage 2006
  • Liebesleiden in der Antike. Parthenios, Erotika Pathemata, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000
  • Virtuelle Antike, Primus, Darmstadt 2000
  • Asterix und seine Zeit, C. H. Beck, München 2001 [3. Auflage 2008]
  • Große Reden. Von der Antike bis heute, Primus, Darmstadt 2002, Neuausgabe Hohe, Erftstadt 2007
    • 2. Ausgabe unter dem Titel I have a dream, Primus, Darmstadt 2009
  • Die Wahrheit über die griechischen Mythen. Palaiphatos’ Unglaubliche Geschichten, Reclam, Stuttgart 2002 [2. Auflage 2003]
  • Herausgeber mit Bernhard Zimmermann: Personen der Antike. Metzler, Stuttgart 2004
  • Herausgeber mit Amina Kropp: Fluchtafeln. Neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber. München 2004
  • Astrampsychos. Das Pythagoras-Orakel, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006
  • Was du schon immer über die Antike wissen wolltest, Berlin-Verlag - Bloomsbury, Berlin 2007
  • Vincere scis, victoria uti nescis. Aspekte der Rückschauverzerrung in der Alten Geschichte, LIT, Münster 2008
  • mit Gert Audring: OIKONOMIKA. Quellen zur Wirtschaftstheorie der griechischen Antike. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008
  • Aristeas. Der König und die Bibel, Reclam, Stuttgart 2008
  • mit Jas Elsner: Images and Texts on the 'Artemidorus Papyrus'. Steiner, Stuttgart 2009
  • Ich bin Spartacus: Aufstand der Sklaven gegen Rom, Primus, Darmstadt 2010
Zu den sieben Weltwundern

Kai Brodersen hat verschiedentlich zu den so genannten Weltwundern publiziert, unter anderem:

  • Ein Weltwunder der Antike in Iran, in Archäologische Mitteilungen aus Iran, N.F. 24 (1991)
  • Reiseführer zu den Sieben Weltwundern. Philon von Byzanz und andere antike Texte, Insel, Frankfurt am Main und Leipzig 1992
  • Ein Weltwunder auf gläsernen Füßen. Der Pharos von Alexandria in Antike Welt 24 (1993)
  • Die sieben Weltwunder. Legendäre Kunst- und Bauwerke der Antike, C. H. Beck, München 1996, 8. Auflage 2008 (Beck'sche Reihe Wissen)
Herausgaben antiker Autoren
  • Pomponius Mela, Kreuzfahrt durch die Alte Welt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994
  • Dionysios von Alexandria. Das Lied von der Welt, Olms, Hildesheim 1994
  • C.Plinius Secundus d.Ä. Naturkunde. Lateinisch-deutsch. Buch VI: Geographie, Artemis, Zürich 1996
  • Phlegon von Tralleis. Das Buch der Wunder, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002
  • mit Christine Ley-Hutton: Herodot: Historien. Bisher 4 Bände, Stuttgart 2002, 2005, 2007, 2013
  • Frauen vor Gericht. Antiphon: Gegen die Stiefmutter und Apollodoros: Gegen Neaira (Demosthenes 59), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004
  • Aristoteles. 77 Tricks zur Steigerung der Staatseinnahmen (Oikonomika II), Reclam, Stuttgart 2006
  • Theano. Briefe einer antiken Philosophin, Reclam, Stuttgart 2010
  • Censorinus. Das Geburtstagsbuch, Primus, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-752-1
  • Censorinus. Über den Geburtstag, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012 (Edition Antike), ISBN 978-3-534-18154-4
  • Apollodoros. Götter und Helden der Griechen, Neuausgabe, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012 (Bibliothek der Antike), ISBN 978-3-534-25246-6
  • mit Karl Friedrich Eisen: Polybios, Die Verfassung der römischen Republik, Reclam, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-019012-8
  • Cicero. Tipps für einen erfolgreichen Wahlkampf, Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-010924-3
  • Philostratos. Leben der Sophisten, Marix, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-86539-368-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitteilung des Senders RTF 1 zur Wahl des Rektors der Universität Tübingen, 22. Dezember 2005, abgerufen am 22. April 2012.
  2. Mitteilung des Informationsdiensts Wissenschaft, 14. Januar 2008, abgerufen am 22. April 2012.
  3. Kai Brodersen: "Der Uni bleibe ich erhalten", in: thüringer-allgemeine.de vom 14. Februar 2013, abgerufen am 20. Februar 2013.