Kai Brodersen

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Kai Brodersen (* 6. Juni 1958 in Tübingen) ist ein deutscher Althistoriker.

Kai Brodersen, April 2010

Leben[Bearbeiten]

Kai Brodersen, ein Sohn des Chemikers Klaus Brodersen, studierte Alte Geschichte, Klassische Philologie und evangelische Theologie als Stipendiat der Stiftung Maximilianeum und der Studienstiftung des deutschen Volkes in Erlangen, München und Oxford. In München wurde er 1986 promoviert und 1995 habilitiert. Ab 1996 war er ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der Universität Mannheim, an der er mehr als zehn Jahre in der Hochschulleitung tätig war (Studiendekan, Dekan und Haushaltsdekan und sechs Jahre als Prorektor).

Im Dezember 2005 wurde Brodersen vom Universitätsrat der Universität Tübingen zum Rektor gewählt. Der Senat verweigerte jedoch die Bestätigung der Wahl.[1] Im Januar 2008 wählten die Gremien der Universität Erfurt Brodersen einstimmig zum Präsidenten von 2008 bis 2014.[2] An der Universität Erfurt ist Brodersen seither zugleich Professor für Antike Kultur. Aus gesundheitlichen Gründen kandidierte er nicht für eine weitere Amtszeit.[3] Seit Juli 2014 ist er wieder als Professor an der Universität Erfurt tätig.

Brodersen war Gastprofessor an britischen Universitäten, so in Newcastle (2000/01), St. Andrews (2001/02) und Royal Holloway/London (2006/07) sowie Senior Visiting Research Fellow an der University of Oxford (2007/08). Seit 2010 ist er ordentliches Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und der Philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig.

Brodersen hat Forschungen zur griechischen und römischen Historiographie und Geographie, zu antiken Inschriften, Orakeln und Wundertexten und zur Wirtschafts- und Wirkungsgeschichte der Antike – einschließlich Asterix – und Übersetzungen antiker Werke und moderner Fachliteratur publiziert. Er ist unter anderem Herausgeber der Buchreihe Geschichte kompakt – Antike und federführender Herausgeber der Zeitschrift Historia.

Brodersen ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Griechische und römische Historiographie und Geographie; Zweite Sophistik
  • Appians Abriß der Seleukidengeschichte. Ed. Maris, München 1989, ISBN 3-925801-03-0.
  • Appians Antiochike. Ed. Maris, München 1991, ISBN 3-925801-06-5.
  • Pomponius Mela, Kreuzfahrt durch die Alte Welt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994, ISBN 3-534-12349-2.
  • Dionysios von Alexandria. Das Lied von der Welt. Olms, Hildesheim 1994, ISBN 3-487-09893-8.
  • C.Plinius Secundus d.Ä. Naturkunde. Lateinisch-deutsch. Buch VI: Geographie. Artemis, Zürich 1996, ISBN 3-05-006184-7.
  • Terra Cognita. Studien zur römischen Raumerfassung. 2. Auflage. Olms, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-10008-8.
  • mit Karl Friedrich Eisen: Polybios, Die Verfassung der römischen Republik. Reclam, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-019012-8.
  • Philostratos. Leben der Sophisten. Marix, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-86539-368-5.
Griechische und römische Mythographie und Paradoxographie
  • Phlegon von Tralleis. Das Buch der Wunder. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002, ISBN 3-534-15985-3.
  • Die Wahrheit über die griechischen Mythen. Palaiphatos’ Unglaubliche Geschichten. 2. Auflage. Reclam, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018200-X.
  • Censorinus. Über den Geburtstag. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012 (Edition Antike), ISBN 978-3-534-18154-4.
  • Apollodoros. Götter und Helden der Griechen. (= Bibliothek der Antike). Neuausgabe, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-25246-6.
  • Solinus, Wunder der Welt. Collectanea rerum mirabilium. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-534-18162-9.
  • als Hrsg.: Solinus. New Studies. Verlag Antike, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-938032-86-2.
Inschriften, Fluchtafeln, Papyri und Orakel
  • mit W. Günther und Hatto H. Schmitt: Historische griechische Inschriften in Übersetzung. Studienausgabe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-23997-9.
  • mit A. Kropp Hrsg.: Fluchtafeln: Neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber. Verlag Antike, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-938032-04-9.
  • mit J. Elsner Hrsg.: Images and Texts on the rtemidorus Papyrus. Steiner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-515-09426-9.
  • Astrampsychos. Das Pythagoras-Orakel. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-19652-X.
Frauen in der Antike
  • Antiphon, Gegen die Stiefmutter, und Apollodoros, Gegen Neaira (Demosthenes 59): Frauen vor Gericht. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17997-8.
  • Theano. Briefe einer antiken Philosophin. Reclam, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-018787-6.
Griechische Ökonomie
  • Aristoteles. 77 Tricks zur Steigerung der Staatseinnahmen (Oikonomika II). Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-018438-X.
  • mit Gert Audring: OIKONOMIKA. Quellen zur Wirtschaftstheorie der griechischen Antike. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-21725-0.
Hellenistische Geschichte, Septuaginta, Aristeas
  • als Hrsg.: Zwischen West und Ost: Studien zur Geschichte des Seleukidenreichs. Kovac, Hamburg 1999, ISBN 3-8300-0096-0.
  • Aristeas. Der König und die Bibel. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-018576-6.
  • Mit.-Hrsg.: Septuaginta Deutsch: Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-438-05122-6.
Römische Provinzen
  • Das römische Britannien. Spuren seiner Geschichte. Primus, Darmstadt 1998, ISBN 3-89678-080-8.
  • Könige im Karpatenbogen. In: Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde. 36 (2013), ISSN 0344-3418, S. 129–146.
Wendepunkte der Geschichte und Rückschauverzerrung
  • als Hrsg.: Virtuelle Antike. Primus, Darmstadt 2000, ISBN 3-89678-221-5.
  • als Hrsg.: Vincere scis, victoria uti nescis. Aspekte der Rückschauverzerrung in der Alten Geschichte. LIT, Münster 2008.
  • Ich bin Spartacus. Aufstand der Sklaven gegen Rom. Primus, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-89678-823-8.
  • Cicero. Tipps für einen erfolgreichen Wahlkampf. Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-010924-3.
Sieben Weltwunder
Die Antike außerhalb des Hörsaals
  • als Hrsg.: Die Antike außerhalb des Hörsaals. LIT, Münster 2003, ISBN 3-8258-6852-4.
  • Was du schon immer über die Antike wissen wolltest. Berlin-Verlag - Bloomsbury, Berlin 2007, ISBN 978-3-8270-5264-3.
  • als Hrsg.: Asterix und seine Zeit. 3. Auflage. C. H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57347-7.
  • als Hrsg.: Crimina. Die Antike im modernen Kriminalroman. 2. Auflage. Verlag Antike, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-938032-27-5.
  • Philostratos und das Oktoberfest. Wie ein wiederentdeckter antiker Text zur Entstehung der Olympischen Spiele der Neuzeit beitrug. In: Gymnasium. 121 (2014), ISSN 0342-5231, S. 375–392.
  • mit Bernhard Zimmermann: Metzler Lexikon Antike. 2. Auflage. Metzler, Stuttgart 2006, ISBN 3-476-02123-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitteilung des Senders RTF 1 zur Wahl des Rektors der Universität Tübingen, 22. Dezember 2005, abgerufen am 22. April 2012.
  2. Mitteilung des Informationsdiensts Wissenschaft, 14. Januar 2008, abgerufen am 22. April 2012.
  3. Kai Brodersen: "Der Uni bleibe ich erhalten", in: thüringer-allgemeine.de vom 14. Februar 2013, abgerufen am 20. Februar 2013.