Kartoffelchips

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Kartoffelchips

Kartoffelchips, kurz Chips, in der Schweiz auch Pommes-Chips, in (Ost-)Österreich früher, heute nur noch gelegentlich, Rohscheiben genannt, sind in dünne Scheiben geschnittene und frittierte oder gebackene Kartoffeln. Sie dienen als Beilage oder Snack. Kartoffelchips gehören zu den beliebtesten Snacks und werden weltweit in vielen Geschmacksvarianten angeboten. In den USA werden sie „Chips“ genannt, in Großbritannien und Irland jedoch Crisps (dort sind Pommes frites als Chips bekannt).[1]

Zur Zubereitung werden rohe Kartoffeln in Scheiben geschnitten, in Salzwasser gewässert, abgetrocknet und kurz in Pflanzenöl schwimmend ausgebacken. Nach dem Abtropfen werden sie gesalzen und je nach Geschmack noch mit anderen Gewürzen vermischt. Sie können warm oder kalt gegessen werden. Durch den fast vollständigen Wasserentzug sind sie, luftdicht verpackt, längere Zeit haltbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Kartoffelchips wurden vermutlich am 24. August 1853 von George Crum, einem Koch des Hotels Moon Lake Lodge im US-amerikanischen Saratoga Springs, erfunden, weil sich ein Gast – es soll der Großindustrielle Cornelius Vanderbilt gewesen sein – wiederholt über zu dicke Bratkartoffeln beschwert hatte. Als sie schließlich so dünn waren, dass sie sich nicht mehr mit der Gabel essen ließen, war der Gast zu Crums Überraschung begeistert und seine Kreation wurde schließlich als Saratoga Chips in die Speisekarte aufgenommen. Sie wurden bald in ganz Neuengland bekannt. Eine andere Version, die vom örtlichen Museum als die wahrscheinlichere bezeichnet wird, besagt, dass Crums’ Schwester eine zu dünn geschnittene Kartoffelscheibe versehentlich in heißes Fett fallen ließ und Crum vom Ergebnis so begeistert war, dass er die Kartoffelchips im Restaurant anbot.

Eine industrielle Herstellung von Kartoffelchips entwickelte sich ab den 1920er Jahren, als Herman Lay, ein Handelsvertreter im Süden der USA, eine Kartoffelschälmaschine erfand. Die Chips blieben zunächst ungewürzt, was ihre Beliebtheit noch begrenzte.

1929 bot der Österreicher Karl Kolarik im Wiener „Schweizerhaus“ sogenannte Rohscheiben an, welche ab da in Wien einen reißenden Absatz erfuhren. In den 1940er Jahren entwickelte der Inhaber eines kleinen Familienbetriebs in Dublin, Tayto, eine Technik zur Zugabe von Gewürzen und Geschmacksstoffen. Nach einigen Experimenten produzierte Tayto die ersten gewürzten Kartoffelchips, Cheese and Onion (Käse und Zwiebel) und Salt ‘n’ Vinegar (Salz und Essig). Bei der zweiten Sorte wurde das Salz in einem Päckchen versiegelt innerhalb des Chipspaketes verkauft und konnte bei Bedarf hinzugefügt werden.

Seine Erfindung wurde zu einer Sensation in der Nahrungsmittelindustrie. Die Leiter einiger führender Kartoffelchips-Unternehmen der USA kamen nach Dublin, um bei Tayto das neue Produkt zu begutachten und die Rechte zur Nutzung der neuen Technik auszuhandeln. Durch den Verkauf von Tayto wurde dessen Besitzer zu einem der reichsten Männer Irlands.

In Deutschland wurden die ersten Kartoffelchips für amerikanische Soldaten hergestellt. 1951 erhielt der Maschinenbauingenieur Heinz Flessner aus Neu-Isenburg eine Lizenz für die Produktion. Zunächst stellte er die Chips zusammen mit seiner Frau Ella zuhause her. Anschließend versuchte man, die Chips u. a. an Kiosken zu vermarkten. Die industrielle Produktion wurde dann unter der Firmierung „IBU“ gestartet und später von der Firma Bahlsen und Lorenz Bahlsen Snack-World weitergeführt.

Heute konkurrieren zahlreiche Hersteller auf dem Markt.

Zusammensetzung und Nährwert[Bearbeiten]

Abgesehen von der nur gesalzenen, ursprünglichen Variante, die auch bei industrieller Produktion nur aus Kartoffeln, Pflanzenöl und Salz besteht, enthalten Kartoffelchips in der Regel neben Gewürzen wie Paprika auch Aromastoffe und Geschmacksverstärker, meist Mononatriumglutamat.

Kartoffelchips aus ungeschälten Kartoffeln mit ergrünten Stellen

100 Gramm Kartoffelchips haben einen Energiewert von etwa 2200 Kilojoule (530 Kilokalorien). Sie enthalten rund 50 Gramm Kohlenhydrate, 35 Gramm Fett und sechs Gramm Protein. Bei der Herstellung entstehen in der Maillard-Reaktion relativ hohe Mengen Acrylamid, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Seit 2002 wurde der Acrylamidgehalt von Kartoffelchips in Deutschland um ca. 50 Prozent gesenkt.[2] In der Kartoffelschale und in ergrünten Stellen der Kartoffel ist das natürliche Gift Solanin enthalten, das hitzebeständig und fettunlöslich ist und deshalb beim Frittieren nicht zerstört wird. Bei Kartoffelchips ist deshalb darauf zu achten, dass diese keine Schale und keine ergrünten Stellen enthalten.[3][4][5] Da Chips eine große Menge an Salz enthalten, ist die empfohlene Tagesmenge von sechs Gramm meist schon nach dem Verzehr einer 250-Gramm-Packung Chips erreicht.

Kartoffelchips müssen nach dem deutschen Lebensmittelrecht direkt aus Kartoffelscheiben hergestellt worden sein. Es gibt mittlerweile einige chipsähnliche Produkte, die aus Kartoffelpulver und weiteren Zutaten bestehen und in eine Kartoffelchip-ähnliche Form gepresst werden. Sie dürfen jedoch nicht als „Kartoffelchips“ bezeichnet werden. Für diese Produkte ist der Name Stapelchips geläufig.

Es gibt inzwischen verschiedene Sorten fettreduzierter Chips. Unter Verwendung eines neuen Herstellungsverfahrens mit Vakuumfritteusen werden die Chips bei niedrigeren Temperaturen frittiert und anschließend nicht wie bisher üblich abgetropft, sondern durch Zentrifugalkraft vom überflüssigen Öl getrennt. Hierdurch reduziert sich der Fettgehalt auf 17 Prozent. In Europa sind diese Chips bisher nur in der Schweiz erhältlich. Andere fettreduzierte Chips enthalten ca. 22 Prozent Fett. Diese Chips sind auch in Deutschland erhältlich. Bei diesen erfolgt die Kalorienreduktion durch Frittieren in modifiziertem Fett, welches vom Darm nicht aufgeschlossen werden kann. Diese Chips wirken bei übermäßigem Verzehr abführend.

Auch Kartoffelchips, bei denen der Anteil an gesättigten Fettsäuren gesenkt wurde, sind inzwischen auf den Markt gebracht worden. Bei der Herstellung wird Sonnenblumenöl genutzt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

2002 wurden weltweit über 30 Milliarden US-Dollar mit Kartoffelchips umgesetzt (in Deutschland knapp 400 Millionen Euro). In Europa wurden 2004 550.000 Tonnen Kartoffelchips mit einem Umsatz von 4 Mrd. Euro verkauft. In Deutschland werden jährlich rund 72.000 Tonnen Kartoffelchips konsumiert – was einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 880 Gramm pro Jahr entspricht.

Handwerkliche Herstellung[Bearbeiten]

Ähnliche Produkte[Bearbeiten]

  • Krabbenchips (auch Krupuk oder Kroepoek) werden aus Tapiokamehl und gemahlenen Garnelen hergestellt.
  • Tortilla-Chips werden aus Maismehl hergestellt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kartoffelchips – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kartoffelchips – Sammlung von Bildern

Quellen[Bearbeiten]

  1. In Frankreich und Belgien gab es noch in den 1970er Jahren eine rege Debatte, ob Chips in der Grammatik den männlichen oder weiblichen Artikel tragen. Chips im Französischen ist seitdem feminin Plural. Die Londoner Times konstatierte am 17. März 1977 auf ihrer Kolumnenseite 18: Während etwa die Hälfte der Leserbriefeschreiber aus Frankreich männlich, die andere Hälfte weiblich sagte, „favorisierten die Belgier den männlichen Artikel. […] Insgesamt gab es eine leichte Tendenz zum weiblichen Artikel.“
  2. BDSI-Veröffentlichung.
  3. Günter Vollmer, Gunter Josst, Dieter Schenker, Wolfgang Sturm, Norbert Vreden, Lebensmittelführer: Inhalte, Zusätze, Rückstände: Teil 2: Fleisch, Fisch, Milch, Fett, Gewürze, Getränke, Lebensmittel für Diät, für Säuglinge, für Sportler, Band 1, Wissenschaft für den Alltag, Verlag John Wiley & Sons, 2009, ISBN 3527625895, S. 141.
  4. Gefährliche Schale - Was die Kartoffel giftig macht, stern TV, 14. November 2007.
  5. Michael Murkovic, Toxine in pflanzlichen Lebensmitteln, Technische Universität Graz, Institut für Lebensmittelchemie und -technologie, S. 6.