Bahlsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bahlsen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Historische Packungen für Leibniz-Kekse
Bahlsen GmbH & Co. KG
Logo
Rechtsform GmbH und Co. KG
Gründung 1889
Sitz Hannover
Leitung Werner Michael Bahlsen
Mitarbeiter 2527 (2011)
Umsatz 521 Mio. Euro (2011)[1]
Branche Lebensmittelherstellung
Produkte SüßwarenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.bahlsen.de

Bahlsen ist ein deutsches Familienunternehmen der Backwarenbranche mit Hauptsitz in Hannover. Gegründet wurde die heutige Bahlsen GmbH & Co. KG 1889 von Hermann Bahlsen (1859–1919).

Unternehmensdaten[Bearbeiten]

  • Jahresabsatz von 142.000 t (2010; Bahlsen-Gruppe)
  • Export in mehr als 80 Staaten
  • fünf Bahlsen-Produktionsstandorte in Deutschland (Hannover, Langenhagen, Varel, Barsinghausen und Berlin)
  • Außereuropäische Bahlsen-Standorte in Kalifornien und Singapur
  • Die Unternehmensanteile gehören seit 1999 vollständig Werner M. Bahlsen, der Vorsitzender der Geschäftsführung ist. Zwischen 1996 und 1999 gehörte die Firma zu gleichen Teilen Werner M. Bahlsen, Lorenz Bahlsen und Andrea von Nordeck[†].

Produktidee und Markenstrategie[Bearbeiten]

Leibniz-Keks mit 52 Zähnen

Cakes[Bearbeiten]

TET-Warenzeichen

Hermann Bahlsen arbeitete als Zuckerhändler im Vereinigten Königreich und lernte dort die englischen Cakes (englisch Kuchen) kennen. Im Jahre 1889 gründete er die Hannoversche Cakesfabrik. Während die Konkurrenz ihr Gebäck lose verkaufte, bot er seine Ware bereits abgepackt in Tüten an. Bahlsen nannte 1892 seine Kekse mit Buttergeschmack (Butter-Cakes) nach dem langjährigen hannoverschen Hofbibliothekar und Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz. Der Werbeslogan lautete 1898: „Was ißt die Menschheit unterwegs? Na selbstverständlich Leibniz Cakes!“. Wegen mangelnder Englisch-Kenntnisse der Deutschen sprachen diese das Wort Cakes aber so aus, wie es geschrieben wird, daher änderte er das Wort in Keks. Die Benennung beruht auch auf der Suche von Leibniz nach einem haltbareren Produkt für Soldaten, wobei er auf Zwieback stieß.

TET-Markenzeichen[Bearbeiten]

Bahlsen-Reklamemarken von Änne Koken (1913)

1903 wurde das seit 1896 als Markenzeichen eingetragene springende Pferd durch das TET-Zeichen ersetzt, das der Graphiker Heinrich Mittag entworfen hatte. Die altägyptische Hieroglyphe ḏt

I10
X1
N16

(von Bahlsen „tet“ geschrieben) bedeutet „ewig dauernd“, wobei es sich um einen Hinweis auf das Dauergebäck handelte. Der hannoversche Museumsdirektor Friedrich Tewes hatte von einer Ägyptenreise die Idee mitgebracht, das altägyptische Wort TET für die Kekspackungen zu verwenden. 1904 kam die erste TET-Packung mit Leibniz-Cakes für 30 Pfennig auf den Markt. 1911 wurde das von Bahlsen verwendete Wort Kekse als Übersetzung für das englische Cakes in den Duden aufgenommen. Ab 1954 wurde die thermoplastische Steifverpackung verwendet, eine in der Beschichtung verschweißte Aluminiumfolie.

Künstlerische Reklamemarken[Bearbeiten]

Ein besonderes Element der Werbung der Firma Bahlsen bildeten die künstlerischen Reklamemarken, die von Bahlsen in den Jahren 1912 bis 1914 herausgegeben wurden. Es gab insgesamt 8 Serien von Künstlermarken, die von verschiedenen Künstlern, wie Heinrich Vogeler oder Otto Obermeier, gestaltet wurden. Änne Koken entwarf zwei Serien.[2] Die Serie C (siehe Foto) von Änne Koken vom Januar 1913 erzählt in zwölf Bildern das Erfolgsgeheimnis der Bahlsenkekse:

„Mehl/ und Eier/ Milch von der Kuh/ würzige Butter/ Zucker dazu/ rühren/ und backen/ sauber verpacken/ fertig zur Reise/ in alle Welt/ himmlische Speise/ für wenig Geld.“

Hauptperson und Erzähler der Bildergeschichte auf den Marken ist ein geflügelter Putto. Die Marken dieser Serie zeigen die erforderlichen Zutaten, den Herstellungs- und Verpackungsprozess und die weltweite Verbreitung des Produkts. Die Reklamemarken wurden den Kunden gegen Einsendung von Gutscheinen, die den Kekspackungen beigefügt waren, zugeschickt. Für zwölf Gutscheine gab es zwölf Künstlermarken.

Fabrikations- und Verwaltungsgebäude[Bearbeiten]

1911 entstanden rund um die ältere Fabrikanlage im hannoverschen Stadtteil List ein Verwaltungsgebäude an der Podbielskistraße sowie ein Fabrikationsgebäude an der Lister Straße. Die Gebäude gehören zu den besten architektonischen Leistungen des Jugendstils in Hannover.

Im Verwaltungsgebäude gibt es neben dem Foyer den kleinen und den großen Sitzungssaal, die dekorativ im Jugendstil ausgestattet sind. Darunter befinden sich ein farbiger Wandfries von Georg Herting, eine über 5 m hohe, farbige Fensterfront von Adolf Hölzel sowie ein Bilderfries von Julius Dietz mit dem Titel Die Göttin TET auf ihrem Thron.

Mehrfach tauchen an der prunkvoll gearbeiteten Natursteinfassade aus Langensalzaer Travertin Darstellungen des Leibniz-Kekses auf. Heute werden aber am ursprünglichen Firmensitz keine Backwaren mehr produziert, jedoch gibt es hier noch den Direktverkauf aus dem Werk von Barsinghausen. Der große Gebäudekomplex ist renoviert und umgewandelt worden. Heute ist es der Podbi-Park, ein Geschäftsviertel mit Büros, Hotel, städtischen Einrichtungen (Bürgeramt, Stadtbibliothek) und einer Einkaufspassage.

Die Firmenhauptverwaltung zog 1976 in ein zu damaliger Zeit hochmodernes neues Bürogebäude an derselben Straße drei Kilometer stadtauswärts am Mittellandkanal um. Etwa 2000 wurde der Sitz wegen Asbestbelastung in den früheren Hauptsitz zurückverlegt. Das Firmengebäude am Kanal wurde 2003 abgerissen.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Bahlsen-Keksfabrik um 1900
Bahlsen-Werbefahrzeug bei einem Keksverkauf vor dem Opernhaus Hannover
Keksdose entworfen von Emanuel Josef Margold für Bahlsen, 1917

1889 wurde die Hannoversche Cakesfabrik durch Übernahme des Fabrikgeschäftes engl. Cakes und Biscuits gegründet und hatte zu dem Zeitpunkt zehn Mitarbeiter. 1891 wurde der Leibnizkeks erfunden und 1894 auch in den USA hergestellt. 1893 erhielt Bahlsen für seine Produkte auf der Nahrungsmittelausstellung in Brüssel eine Goldmedaille, im gleichen Jahr wurde ihm bei der World Columbian Exposition-Weltausstellung in Chicago für seine Tet-Kekse eine Goldmedaille verliehen.

1899 hatte das Unternehmen 300 Mitarbeiter und 1905 fand die erste Fließbandproduktion in Europa statt. 1912 wurde die Firma in H. Bahlsens Keksfabrik geändert. 1913 wurden rund 1.700 Mitarbeiter beschäftigt.

In den Jahren 1916 und 1917 ließ Bahlsen Pläne für eine Retortenstadt unter der Bezeichnung TET-Stadt in Hannover entwickeln, die nicht verwirklicht wurden. Sie sollte zugleich Wohn- und Arbeitsstätte für die Beschäftigten der Bahlsen-Werke werden.

Am 6. November 1919 verstarb Hermann Bahlsen und Hans Bahlsen übernahm das Unternehmen. Zum ersten Mal nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Leibniz-Kekse wieder nach Original-Rezept produziert. 1922 hatte die Firma nur noch 633 Mitarbeiter.

1940 wurden die ersten Fremdarbeiter zwangsverpflichtet. Im selben Jahr wurde das Sortiment des Unternehmens auf elf Artikel gekürzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurden die Fabriken und Distributionsstrukturen wiederaufgebaut.

1951 betrieb die Flessner KG die erste automatische Produktionsanlage für Kartoffelchips in Europa. Dieses Unternehmen wurde 1964 schon zu größten Teilen, 1985 schließlich komplett übernommen.

1963 wurden auf dem deutschen Markt Erdnussflips eingeführt, die Firma Bahlsen beteiligte sich an der Firma Wilhelm Liebelt in Hamburg und stieg ins Nussgeschäft ein.

Bahlsen übernahm 1966 die Kuchenfabrik Brokat in Oldenburg, die 1991 an einen amerikanischen Konzern verkauft wurde. Ebenfalls wurde 1968 die Gubor Schokoladenfabrik im Schwarzwald übernommen. Das damals modernste Chipswerk Europas wurde im selben Jahr in Neunburg vorm Wald in Betrieb genommen.

1971 bis 1976 war der spätere niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht Geschäftsführer. In dieser Zeit wurde Bahlsen zu einem internationalen Unternehmen und richtete Verkaufsgesellschaften und Auslieferungslager im europäischen Ausland ein. Seit den 1990er Jahren produziert Bahlsen weltweit, seit 1987 nicht mehr an seinem Gründungsort in Hannover.

Anfang der 1990er Jahre wurde die im sächsischen Radebeul reprivatisierte Dauerbackwaren GmbH übernommen, das Werk 1992/1993 jedoch stillgelegt.[3] 1991 erwarb das Unternehmen zudem die Erste Thüringer Keksfabrik in Bad Liebenstein. 1993 fand in der Gruppe eine Umstrukturierung statt, dabei wurde zwischen den zwei Unternehmensbereichen „süß“ und „snack“ unterschieden, die getrennt produzierten. Nochmals umbenannt wurde die Firma 1994 von Hermann Bahlsen Keksfabrik KG in Bahlsen KG. 1995 erfolgte die Übernahme der Gebäcksparte von Brandt (Brandt und Gottena).

1999 teilte sich die Bahlsen KG nach familiären Problemen in drei Sparten: Süß (Bahlsen), salzig (Lorenz Bahlsen Snack-Gruppe, 2001 in Lorenz Snack-World umbenannt) sowie Immobilien mit den weiteren Marken der Gruppe (so Soletti und Kelly; heute von einer Holding in der Schweiz geführt). Die beiden Sparten, die heute nicht mehr Bahlsen heißen, sind mittlerweile vollständig eigenständige Unternehmen ohne Verbindungen zu Bahlsen.

2001 wurde die sogenannte Zwei-Marken-Strategie entwickelt, das heißt neben dem bekannten Unternehmens-Logo wurden zwei neue Logos für die beiden Produktmarken Bahlsen und Leibniz entwickelt und eingeführt.

2004 wurde ein 1954 in Lindau am Bodensee gegründetes Werk für Salzletten nach Polen verlegt, nur der Fabrikverkauf wurde an anderer Stelle aufrechterhalten.

2005 wurde die Kuchenproduktion vom Standort Oldenburg (Oldbg) nach Varel verlegt. Damit wurde der Produktionsstandort Oldenburg geschlossen, auch hier wurde der Fabrikverkauf an anderer Stelle aufrechterhalten.

2009 Umbenennung der Privatlabeltochter Gottena (Schneverdingen) in Bisquiva.

2011 wurde das Werk in Barsinghausen, nach einem umfangreichen Umbau, von der Zeitschrift „Produktion“ zur „Fabrik des Jahres 2011“ gekürt.[4]

Fassadenfiguren Brezelmänner von Georg Herting mit dem Leibniz-Keks, der im Januar 2013 entwendet wurde

Keksdiebstahl[Bearbeiten]

Anfang 2013 geriet Bahlsen in die Schlagzeilen, nachdem unbekannte Diebe den „goldenen Keks“ vom Aushängeschild an der Fassade des Firmensitzes entwendet hatten.[5] Dabei handelt es sich um eine vergoldete, rund 20 Kilogramm schwere Darstellung eines Leibniz-Kekses aus Messing, die der Bildhauer Georg Herting mit den Fassadenfiguren Brezelmänner um 1910 schuf. Kurz nach dem Diebstahl erhielten die Hannoversche Allgemeine Zeitung und Bahlsen ein Bekennerschreiben mit erpresserischem Inhalt. Es forderte eine Spende der zuvor von Bahlsen in Aussicht gestellten Belohnung an ein Tierheim in Langenhagen sowie eine Keks-Spende an das hannoversche Kinderkrankenhaus auf der Bult. Dem Schreiben lag ein Foto einer mit dem Keks posierenden unbekannten Person in einem Krümelmonsterkostüm bei. Bahlsen bot daraufhin via Facebook an, 52.000 Kekspackungen an 52 soziale Einrichtungen zu spenden, wenn der Keks zurückgebracht werde.[6] Am 5. Februar wurde der vergoldete Keks wiedergefunden. Er hing an der Statue des Niedersachsenrosses vor der Leibniz-Universität in Hannover. Die Polizei ermittelte gegen die unbekannten Täter wegen Diebstahl und Erpressung.

Das Unternehmen wie auch die Erpresser bedienten sich der Symbolik des unternehmensbegründenden Leibniz-Keks mit 52 Zähnen (52.000 Kekspackungen, 52 soziale Einrichtungen, Rückgabe am 5.2.), der ebenso wie der Auffindeort (Leibniz-Universität) nach dem hannoverschen Hofbibliothekar Gottfried Wilhelm Leibniz benannt ist.[7] Am 11. Juli 2013 wurde der Keks wieder an der Zentrale aufgehängt und wird mit einem Sensor überwacht.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Bahlsens Keksfabrik KG: Bahlsen 1889 - 1964. Firmenchronik anlässlich des 75. Gründungstages, Hannover.
  • Wolfgang Leonhardt: List und Vahrenwald, zwei prägende Stadtteile von Hannover. Hamburg 2005, ISBN 3-8334-3333-7.
  • Olaf Matthes: Markenführung und Stilwandel in der Anzeigenwerbung des LEIBNIZ-KEKS der H. Bahlsens Keksfabrik KG Hannover. Universitätsbibliothek der Universität der Künste Berlin.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahlsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fact Sheet 2011 (PDF; 600 kB)
  2. Babette Kaiserkern: Änne Koken – Einführung in Leben und Werk. Vortrag vom 17. Juni 2007 im Historischen Museum, Hannover.
  3. Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz, 2., leicht geänderte Auflage 2006, S. 208 f., ISBN 3-938460-05-9
  4. produktion.de, 15. Dezember 2011 Werksumbau schlägt ‚Greenfield‘-Planung, Abgerufen 21. Juli 2012
  5. bim/dapd: Bahlsen-Zentrale: Diebe stehlen goldenen Keks. Spiegel Online, 24. Januar 2013, abgerufen am 29. Januar 2013.
  6. Profil von Bahlsen. Facebook, 29. Januar 2013, abgerufen am 30. Januar 2013.
  7. http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Polizei-untersucht-Leibniz-Keks-auf-Spuren-vom-Kruemelmonster
  8. http://www.n-tv.de/panorama/Der-Keks-ist-wieder-zu-Hause-article10978066.html n-tv.de , dpa/AFP