Kathedrale von Santiago de Compostela

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Westportal der Kathedrale
Nordfassade der Kathedrale
Pórtico de la Gloria, Heliographie 1889
Botafumeiro im Kirchenraum

Die Kathedrale von Santiago de Compostela in Spanien steht über einer Grabstätte, die dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird, und ist Ziel des Jakobsweges. Durch die bischöfliche und päpstliche Anerkennung der aufgefundenen Gebeine als Reliquien Jakobi gilt die Kathedrale von Santiago als Grabeskirche des Apostels Jakobus. Die armenische Jakobskathedrale in Jerusalem beansprucht aber im Besitz des Schädels des Apostels zu sein.

Architektur[Bearbeiten]

Westfassade, Heliografie 1889

Der Kathedralbau begann 1077 unter der Herrschaft von Alfons VI. über den Resten einer ältereren Kirche aus dem 8. Jahrhundert. 1120 wurde sie zum Sitz des ersten Erzbischofs des Erzbistum Santiago de Compostela Diego Gelmírez. Heute ist nur noch das romanische Südportal (Puerta de las Platerías) in der ursprünglichen Gestalt erhalten. Die zahlreichen Erweiterungen der Kathedrale führen mit dem barocken Westportal, der klassizistischen Nordfassade und den gotischen Kreuzgängen im Inneren mehrere Baustile zusammen. Die Grundfläche wurde dabei von ehemals 8.200 m² auf 23.000 m² erweitert.

Betritt man den Dom vom Obradoiro-Platz aus über die doppelte Treppe, begegnet man im Eingang des Westportals (Fachada del Obradoiro) als erstes einem der bedeutendsten Kunstschätze der Kathedrale: dem Pórtico de la Gloria. Er wurde von Maestro Mateo und seiner Werkstatt bis 1188 geschaffen. Das mit Skulpturen ausgestattete Portal gilt als künstlerisches Meisterwerk.

Durchschreitet man den Pórtico, fällt der Blick durch das insgesamt fast 100 m lange, 8,5 m breite und fast 20 m hohe Mittelschiff auf den gegenüberliegenden prächtigen Hauptaltar, der über dem Grab des Apostels errichtet wurde. Die Westfassade entsprach sowohl der barocken Lust nach Üppigkeit als auch der Notwendigkeit, den seit fast sechs Jahrhunderten seine Farbe verlierenden Pórtico de la Gloria vor den Unbilden der Witterung zu schützen.

An den Seiten der Westfassade erheben sich die etwa 75 m hohen Türme, von denen der südliche (rechts) nach seiner Funktion Glockenturm („Torre de las Campanas“) und der nördliche (links) „Torre de las Carracas“ genannt wird – nach den Klappern oder Knarren, mit denen in der Karwoche („semana santa“) das Läuten der Glocken ersetzt wird. Im Mittelgiebel erhebt sich das Standbild des Apostels Jakobus in einer Darstellung als Pilger. Zu seinen Seiten und etwas unterhalb begleiten ihn seine Schüler Atanasius und Theodor.

1985 wurde die Altstadt von Santiago de Compostela, und damit auch die Kathedrale, zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Das Bild der Kathedrale schmückt die kleinen Euro-Cent-Münzen aus Spanien.

Innenraum, Ausstattung[Bearbeiten]

Den Altar schmückt ein vergoldeter Baldachin. Darunter befindet sich die Gruft mit einem silbernen Schrein, der die Reliquien enthält, unter anderen ein auf das Jahr 874 datiertes goldenes Kruzifix, das einen Splitter des Kreuzes Christi beinhalten soll.

Botafumeiro[Bearbeiten]

Zu hohen Feiertagen oder auf Bestellung wird der berühmte Botafumeiro durch das Querschiff geschwenkt. Es handelt sich dabei um ein etwa 1,60 m großes Weihrauchfass, das an einem etwa 30 m langen Seil von der Decke hängt und nach dem Hochamt von acht Männern in Bewegung gesetzt und bis hoch unter die Decke geschwungen wird. Außer seiner üblichen Funktion in der Liturgiefeier diente der Botafumeiro dazu, den Geruch der Pilger zu neutralisieren, die nach ihrer Wallfahrt auf dem Jakobsweg eine ganze Nacht wachend und betend in der Kathedrale verbracht hatten.

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel der Kathedrale von Santiago wurde in den Jahren 1977-1978 von der Orgelbaufirma Mascioni (Orgelbauer) (Italien) in dem historischen Orgelgehäuse von Manuel de las Viñas aus den Jahren 1704-1712 erbaut. Dabei fand das Pfeifenmaterial der Vorgängerorgeln Wiederverwendung. Das Instrument hat 59 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind elektromagnetisch.[1]

I Positivo C–c4

1. Principal 8′
2. Flautado chimenea 8′
3. Flauta 4′
4. Sesquiáltera 22/3
5. Quincena 2′
6. Decinovena 11/3
7. Veintidosena 1′
8. Címbala II
9. Trompeta Real 8′
10. Cromorno 8′
Trémolo
II Gran Organo C–c4
11. Principal 16′
12. Bordón 16′
13. Principal 8′
14. Flautado 8′
15. Flauta 8′
16. Octava 4′
17. Flauta Chimenea 4′
18. Docena 22/3
19. Quincena 2′
20. Decinovena
21. Veintidosena
22. Veintiseisena
23. Veintinovena
24. Lleno IV
25. Corneta V 8′
26. Trompeta Magna 16′
27. Trompeta Real 8′
28. Trompeta 8′
29. Clarín 4′
III Recitativo C–c4
30. Quintadena 16′
31. Principal 8′
32. Bordón 8′
33. Viola da gamba 8′
34. Octava 4′
35. Flauta 4′
36. Lleno V
37. Nazardo 22/3
38. Flautín 2′
39. Flauta diecisetena 13/5
40. Voz celeste 8′
41. Fagot 16′
42. Trompeta Real 8′
43. Clarín 4′
Trémolo
Pedal C–g1
44. Contras 16′
45. Subbajo 16′
46. Bordón 16′
47. Quinta 102/3
48. Bajo 8′
49. Principal 8′
50. Bordón 8′
51. Quinta 51/3
52. Octava 4′
53. Flauta 4′
54. Lleno VI
55. Bombarda 16′
56. Fagot 16′
57. Trompeta 8′
58. Fagot 8′
59. Clarín 4′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: I/P, II/P, III/P, I/II, III/I, III/II
    • Superoktavkoppeln: I/I, I/II, II/II, III/I, III/II, III/III, I/P, II/P, III/P
    • Suboktavkoppeln: I/I, I/II
  • Spielhilfen: Elektronische Setzeranlage, diverse Absteller.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kenneth J. Conant: The early architectural history of the cathedral of Santiago de Compostela. Cambridge/Mass. 1926
  • Kenneth J. Conant: Arquitectura Románica da Catedral de Santiago de Compostela. Santiago de Compostela 1983 (Neuausgabe des erstmals 1926 erschienenen Standardwerkes)
  • José Guerra Campos / Jesús Precedo Lafuente: Guia de la Catedral de Santiago de Compostela. Santiago de Compostela 1981
  • Francisco Singul Lorenzo (Hrsg.): Die Kathedrale von Santiago de Compostela – Das Ziel des Jakobsweges. Santiago de Compostela 1995
  • Christoph Kühn: Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Das Ziel des Jakobsweges. In: Sternenweg. Mitteilungen der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft, 17. Jahrgang 2004, Heft 33, S. 17–23, Heft 34, S. 14–21.
  • Anke Wunderwald / Jens Rüffer: Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Konstruktion – Gestalt – Programm. In: Mitteilungen der Carl-Justi-Vereinigung zur Förderung der kunstwissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Spanien und Portugal, 20. Jahrgang 2008, S. 134–138.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Orgel der Kathedrale (auf Spanisch) (PDF; 189 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kathedrale von Santiago de Compostela – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

42.880555555556-8.5438888888889Koordinaten: 42° 52′ 50″ N, 8° 32′ 38″ W