Kernkraftwerk Monju

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Kernkraftwerk Monju
Kernkraftwerk Monju
Kernkraftwerk Monju
Lage
Kernkraftwerk Monju (Japan)
Kernkraftwerk Monju
Koordinaten 35° 44′ 25″ N, 135° 59′ 17″ O35.740277777778135.98805555556Koordinaten: 35° 44′ 25″ N, 135° 59′ 17″ O
Land: Japan
Daten
Eigentümer: Japan Atomic Energy Agency
Betreiber: Japan Atomic Energy Agency
Projektbeginn: 1983
Kommerzieller Betrieb: 29. Aug. 1995

Stillgelegte Reaktoren (Brutto):

1 (Wiederinbetriebnahme geplant)  (280 MW)
Website: Das Kernkraftwerk auf der Seite des Betreibers (japanisch)
Stand: 26. Juni 2011
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Monju (jap. もんじゅ) ist ein Kernkraftwerk in Japan sowie der einzige schnelle Brüter des Landes. Benannt ist es nach dem japanischen Namen des Bodhisattva der Weisheit Manjushri. Es liegt in der Stadt Tsuruga in der Präfektur Fukui. Die Anlage gehört der Japan Atomic Energy Agency. Baubeginn war im Jahr 1985, die Inbetriebnahme erfolgte im Herbst 1994.

Monju hat einen natriumgekühlten Reaktor mit Mischoxid-Brennelementen (kurz: MOX) und drei primären Kühlkreisläufen, die im sogenannten Loop-System arbeiten. Er hat eine elektrische Nettoleistung von 246 MW Netto (280 MW brutto).[1]

Nach einem Natrium-Austritt war Monju vom 8. Dezember 1995 bis zum 6. Mai 2010 außer Betrieb.

2006 erwog man, bis zum Jahr 2025 einen größeren Nachfolgereaktor zu bauen. Ziel der Regierung war die kommerzielle Nutzung der Brütertechnologie bis 2050.[2]

Natrium-Unfall 1995[Bearbeiten]

Am 8. Dezember 1995 – Monju war erst etwa drei Monate am Netz – gab es einen schweren Zwischenfall im Kernreaktor: Aus einem Rohr im sekundären Natrium-Kühlmittelkreislauf trat infolge starker Turbulenzen an einem Messpunkt, an dem mit einem Thermoelement die Temperatur gemessen wurde, ein Leck auf. Eine große Menge Natrium – man schätzte 700 kg bis 3.000 kg - traten aus. Als Alkalimetall reagiert Natrium heftig und unter starker Wärmeentwicklung unter anderem mit Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit. Unter ätzenden Dämpfen und Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius begannen einige der aus Stahl gefertigten Anlagenteile in dem betroffenen Raum zu schmelzen.

Um 19:30 Uhr wurde Alarm ausgelöst und die automatische Kontrolle des Reaktors deaktiviert. Jedoch dauerte es bis 21:00 Uhr, bis die Dämpfe festgestellt wurden und das vollständige Herunterfahren der Anlage angeordnet wurde. Bei der Untersuchung des Lecks fand man mehr als drei Tonnen festen Natriums.

Da der Unfall sich im sekundären Kühlkreislauf ereignete, war das ausgetretene Natrium nicht radioaktiv. Die halbstaatliche Betreibergesellschaft des Reaktors Monju, die Power Reactor and Nuclear Fuel Development Corporation (kurz: PNC, heute: Japan Nuclear Cycle Development Institute), versuchte dennoch, das Ausmaß des Zwischenfalls zu vertuschen, unter anderem indem sie falsche Berichte veröffentlichte, ein nach dem Unfall aufgenommenes Video veränderte und die Angestellten unter Schweigepflicht in Bezug auf die Existenz des unverfälschten Videos setzte. Diese Versuche wurden jedoch öffentlich; und die resultierende Reaktion der Öffentlichkeit war heftig. Der Spiegel schrieb am 3. Februar 1997:

„Als die Manipulation aufflog, kippte in der japanischen Bevölkerung die Stimmung gegen die Strahlentechnologie. Die Brüterbetreiber, klagte der damalige sozialistische Regierungschef Tomiichi Marayama [sic!], ‚haben ihr Vertrauensverhältnis zur Öffentlichkeit zerstört‘.“[3]

Im Januar 1996 stürzte sich Shigeo Nishimura, ein Hauptabteilungsleiter der Brüterbetreibergesellschaft PNC, deshalb von einem Hochhaus. Er fühlte sich dabei gescheitert, die Öffentlichkeit nach dem größten Unfall der japanischen Nukleargeschichte von der Notwendigkeit der Schnellen Brüter zu überzeugen.[3]

Als die japanische Atomenergiekommission (Japan Atomic Energy Commission) am 24. November 2000 ankündigte, den Reaktor Monju wieder in Betrieb zu nehmen, gab es erneut einen öffentlichen Aufschrei und vor Gericht wurde in einer Reihe von Prozessen versucht, die Wiederinbetriebnahme zu verhindern. Am 27. Januar 2003 hob ein Gericht in Kanazawa, eine Außenstelle des Obergerichts Nagoya, seine frühere Entscheidung von 1983 auf, in der es den Bau des Reaktors erlaubt hatte. Allerdings entschied der japanische Oberste Gerichtshof am 30. Mai 2005, dass der Reaktor Monju wieder in Betrieb gehen darf.

Im Frühjahr 2008 genehmigte die Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA) den letzten Sicherheitsbericht, der für die Wiederinbetriebnahme der Anlage notwendig war.[4]

Weitere Störfälle[Bearbeiten]

Im März und April 2008 wurden mehrere defekte Detektoren für Natriumlecks entdeckt, die zu einer Prüfungsanordnung durch die NISA führten und die Wiederinbetriebnahme erneut in Frage stellten.[5][6]

Am 6. Mai 2010 wurde der Testbetrieb wieder aufgenommen, der Regelbetrieb soll ab 2013 erfolgen.[7] Bereits vor Erreichen der Kritikalität wurde beim Neustart ein fehlerhafter Detektor für Gaslecks entdeckt. Die Nihon Genshiryoku Kenkyū Kaihatsu Kikō (dt. „Japanische Atomenergieforschungs und -entwicklungsorganisation“; engl. Japan Atomic Energy Agency; Übersetzung der engl. Übersetzung: japanische Atomenergiebehörde) ließ den Betrieb wie geplant weiter laufen, da das fehlerhafte Gerät durch zwei redundante Systeme ersetzt wird.[8]

Am 26. August 2010 kam es zu einem erneuten Unfall, als ein 3 Tonnen schweres Gerät zur Brennstoffbefüllung auf das Reaktorgefäß stürzte und dieses beschädigte. [9] Am 24. Juni 2011 gelang es Arbeitern, das Gerät zu bergen. Wann der Reaktor wieder hochgefahren werden kann, steht noch nicht fest[10]

Die Nuklearkatastrophe von Fukushima (sie begann im März 2011) hat die Einstellung von Bevölkerung und Regierung zur Kernenergie grundlegend verändert. (siehe Atomausstieg, Abschnitt 'Japan').

Daten des Reaktorblocks[Bearbeiten]

Reaktorblock[1] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Abschal-
tung
Monju Schneller Brutreaktor 246 MW 280 MW 10.05.1986 29.08.1995 08.12.1995

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Leistungsdaten im Power Reactor Information System der IAEA (englisch)
  2. Artikel im Nuclear Engineering International Magazine, 6. Juni 2006
  3. a b  Phönix in der Asche. In: Der Spiegel. Nr. 6/1997, 1997 (Digitalisat).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKernenergie: Weltreport 2008. Deutsches Atomforum, April 2009, S. 251, abgerufen am 25. Oktober 2009.
  5. Daily Yomiuri Online, 11. April 2008: Monju reactor's future uncertain / Spate of problems likely to doom Oct. target for restart of operations
  6. NISA, 14. April 2008: Receipt of the inspection plan for sodium leak detectors in Prototype FBR Monju
  7. Spiegel Online: Japans einziger Schneller Brüter läuft wieder (6. Mai 2010)
  8. Monju's restart hit by faulty gas detector. In: The Japan Times. 7. Mai 2010, abgerufen am 7. Mai 2010 (englisch).
  9. Accident at the Monju fast breeder reactor. In: fissilematerials.org. 3. September 2010, abgerufen am 19. Juni 2011 (englisch).
  10. Workers Remove Device From Damaged Japanese Reactor. In: nytimes.com. 25. Juni 2011, abgerufen am 25. Juni 2011 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]