Kernkraftwerk Olkiluoto

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Kernkraftwerk Olkiluoto
Das Kernkraftwerk Olkiluoto als Fotomontage mit EPR (links) und BWR-2500 (Mitte und rechts)
Das Kernkraftwerk Olkiluoto als Fotomontage mit EPR (links) und BWR-2500 (Mitte und rechts)
Lage
Kernkraftwerk Olkiluoto (Finnland)
Kernkraftwerk Olkiluoto
Koordinaten 61° 14′ 12″ N, 21° 26′ 32″ O61.23666666666721.442222222222Koordinaten: 61° 14′ 12″ N, 21° 26′ 32″ O
Land: Finnland
Daten
Eigentümer: Teollisuuden Voima OYJ
Betreiber: Teollisuuden Voima OYJ
Projektbeginn: 1973
Kommerzieller Betrieb: 10. Okt. 1979

Aktive Reaktoren (Brutto):

2  (1780 MW)

Reaktoren in Bau (Brutto):

1  (1720 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2012: 14.450,55 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 409.770 GWh
Stand: 31. Dezember 2012
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Olkiluoto [ˈɔlkiluɔtɔ] ist ein Kernkraftwerk auf der Halbinsel Olkiluoto an der Westküste Finnlands in der Gemeinde Eurajoki rund 25 Kilometer nördlich der Stadt Rauma. Dort befindet sich auch das nukleare Endlager Olkiluoto.

Block I und II – Siedewasserreaktoren[Bearbeiten]

Blöcke 1 und 2

Allgemeines[Bearbeiten]

In Finnland sind bisher (2012) vier Kernreaktoren in Betrieb, davon zwei WWER sowjetischer Bauart in Loviisa und zwei Siedewasserreaktoren in Olkiluoto. Letztere haben eine Nettoleistung von 880 bzw. 860 MW und werden von der Gesellschaft Teollisuuden Voima Oyj (TVO) betrieben. Der Block 1 wurde zum ersten Mal am 21. Juli 1978 kritisch, der Block 2 folgte am 13. Oktober 1979. Die Reaktoren sind seit 1979 bzw. 1982 im kommerziellen Betrieb. Die beiden Siedewasserreaktoren sind vom Typ BWR-2500.[1]

Sicherheit[Bearbeiten]

Im Oktober 2012 wurden Ergebnisse aus einem Stresstest bekannt, den die EU nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima durchführen ließ. Zu den besonders kritisierten Kernkraftwerken zählte dabei neben dem Kernkraftwerk Forsmark in Schweden das Kernkraftwerk Olkiluoto. Demnach bliebe z.B. den Bedienungsmannschaften in diesen Kraftwerken weniger als eine Stunde Zeit, um eine unterbrochene Stromversorgung zur Aufrechterhaltung der zwingend notwendigen Reaktorkühlung wiederherzustellen.[2][3]

Block III – Europäischer Druckwasserreaktor (EPR)[Bearbeiten]

Block 3
Das Infozentrum des Kernkraftwerks

2003 begann die Ausschreibung über den Reaktorblock 3. Unter anderem waren die französische Areva und auch das russische Unternehmen Atomstroiexport an der Ausschreibung beteiligt. Atomstroiexport legte Pläne für einen WWER-1000/466 in Form eines AES-91 mit erweiterter Sicherheitseinrichtung für etwa 800 bis 900 Millionen US-Dollar vor. Die französische Areva jedoch brachte einen 1600 MW starken Reaktor vom Typ EPR zum Angebot. Ende 2003 wurde der Auftrag für Block 3 dann an Areva vergeben.[4][5][6]

Bauzeit und Kosten[Bearbeiten]

Dieser wird in Olkiluoto seit dem 12. August 2005[7] von der Firma Areva NP und der Siemens AG (konventioneller Kraftwerksteil) errichtet. Es handelt sich um den ersten Reaktor dieses Typs. Der Kaufpreis wurde ursprünglich schlüsselfertig auf etwa 3 Milliarden Euro[8] angesetzt. Bereits im ersten Baujahr kam es jedoch zu erheblichen Verzögerungen (u. a. wurde beim Herstellen der Fundamente zu schwacher Beton verarbeitet[9]);

  • 2008 wurden die Baukosten auf 4,5 Milliarden Euro geschätzt.[10]
  • 2009 wurden die Baukosten auf 5,47 Milliarden Euro geschätzt.[11] Um diese Mehrkosten ist mittlerweile auch juristischer Streit entbrannt.[12]
  • Ende 2006 prognostizierte die Betreiberfirma eine Betriebsaufnahme frühestens 2011,
  • Im Oktober 2008 wurde ein Betriebsbeginn im Jahr 2012 angestrebt.[13][14]
  • Die Netzsynchronisation wurde im Juni 2010 für 2013 angestrebt.[15]
  • Im Oktober 2011 wurde der Termin auf 2014 verschoben.[16] Die prognostizierten Baukosten von nunmehr 6,6 Milliarden Euro[17] sind mittlerweile mehr als doppelt so hoch wie die ursprünglich veranschlagten 3 Milliarden Euro.
  • Im Juli 2012 gab die Betreiberfirma bekannt, dass auch 2014 nicht mit einer Fertigstellung gerechnet werden kann. Ein neuer Termin wurde zunächst nicht genannt.[18] Areva gab im Dezember 2012 einen Inbetriebnahmetermin im Jahr 2015 an. Gleichzeitig veranschlagte der Areva-Vertreter die Gesamtkosten mit 8,5 Milliarden Euro.[19]
  • Anfang 2013 wurde erklärt, dass sich die Inbetriebnahme auf 2016 verschieben würde.[20]
  • Anfang 2014 ließ der Areva-Konzern einen Termin verstreichen an dem die neue Fertigstellungsprognose veröffentlicht werden sollte. Experten zufolge soll das Jahr 2016 nicht mehr zu halten sein.[21]

Der Haushaltsausschuss der Französischen Nationalversammlung (Assemblée nationale) setzte 2011 einen Ausschuss ein, der sich mit den massiven Kostenüberschreitungen beschäftigt.[22]

Im Jahr 2004 hat die Europäische Kommission mit Anstoß von Greenpeace eine eingehende Untersuchung eingeleitet, um zu prüfen, ob die Bürgschaft Frankreichs für das von einem Bankenkonsortium gewährte Darlehen von 570 Millionen Euro an den Stromerzeuger TVO mit den Beihilfevorschriften des EG-Vertrags vereinbar ist. Die Kommission untersuchte dabei auch, ob die Bürgschaft für das vom Areva/Siemens-Konsortium unterbreitete Angebot Einsparungen für TVO ermöglicht hat, so dass Areva/Siemens den Zuschlag für den Bau des neuen Kernkraftwerks erhielt. Der Fall wurde im September 2007 abgeschlossen, nachdem die Untersuchung zu dem Schluss kam, dass TVO die 570 Millionen Euro auch auf dem privaten Kapitalmarkt hätte aufbringen können. Ein Wettbewerbsvorteil sei durch die subventionierten Kredite nicht entstanden, weil solche auch in gleicher Weise bei den Angeboten der Wettbewerber von Areva/Siemens enthalten waren. Auch zu allen anderen Vorwürfen wurde kein Beweis gefunden.[23]

Sechs Anteilseigner der TVO tragen 25 % der Kosten des Kernreaktors. Neben dem Exportkredit der französischen Regierung wurde ein Kredit eines Bankenkonsortiums, angeführt von der BayernLB, in Höhe von 1,95 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von nur 2,6 Prozent Zinsen aufgenommen. Dafür wurden die BayernLB kritisiert sowie die bayerische Landesregierung, weil der Freistaat Bayern die Hälfte des Eigenkapitals der Bank hält.

Block IV[Bearbeiten]

Am Standort Olkiluoto ist ein vierter Block geplant.[24] Die Leistung des Reaktors soll zwischen 1.000 MW und 1.800 MW liegen. In Frage kommen unter anderem ein EPR oder ein KERENA (bis März 2009 als SWR 1000 bezeichnet) von Areva, ein Advanced Boiling Water Reactor von Toshiba, ein ESBWR von General Electric, ein APWR von Mitsubishi, ein koreanischer APR-1400 und ein russischer WWER-1200/491 (AES-2006). Ursprünglich war geplant, den Reaktor zwischen 2016 und 2018 in Betrieb zu nehmen, im Jahr 2012 wurde 2020 angestrebt.[25] Mitte 2014 beantragte der zukünftige Betreiber die Frist für eine Baugenehmigung in das Jahr 2020 zu verschieben. Der Betriebsbeginn war nun für die Mitte der 2020er Jahre geplant.[26][27]

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten]

Im Kernkraftwerk Olkiluoto befinden sich drei Reaktorblöcke:

Reaktorblock[7] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Olkiluoto-1 Siedewasserreaktor 860 MW 890 MW 01.02.1974 02.09.1978 10.10.1979 (2039 geplant)
Olkiluoto-2 Siedewasserreaktor 860 MW 890 MW 01.08.1975 18.02.1980 10.07.1982 (2042 geplant)
Olkiluoto-3 EPR (DWR) 1600 MW 1720 MW 12.08.2005 (2017 geplant)

Quellen[Bearbeiten]

  1. IAEA - Nuclear Power Reactors in the World - Serie 2 2008 (englisch; PDF; 1,7 MB)
  2. AKW-Stresstest. Schlechte Noten für Europas Meiler. In: Süddeutsche Zeitung, 1. Oktober 2012. Abgerufen am 5. Oktober 2012.
  3. AKW-Stresstest der EU in der Analyse. Die Mär von den sicheren deutschen Reaktoren. In: Tagesschau.de, 2. Oktober 2012. Abgerufen am 5. Oktober 2012.
  4. AtomStroyExport News Company TVO, that held the bid on construction of the NPP fifth power unit in Finland
  5. WNA Nuclear Power in Russia
  6. 31 July 2002
  7. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Finland, Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  8. http://www.tvo.fi/www/page/2305/
  9. taz 16. August 2008: Brüchiges Skelett beim AKW-Neubau
  10. EPR-Atomstrom kommt teurer als gedacht. Verivox. Abgerufen am 9. Juli 2009.
  11. Pascal Schwendener: Der AKW-Prototyp verbrennt Milliarden. Basler Zeitung. 5. Dezember 2009. Abgerufen am 10. Dezember 2009.
  12. Telepolis 5/2008: Frankreichs Hoffnungsträger, die neuen EPR-Reaktoren, erweisen sich als Pannenreaktoren Zugangsdatum 18. Juli 2008.
  13. Arbeiten an Europäischem Druckwasserreaktor verzögern sich weiter. Yahoo!. 17. Oktober 2008. Archiviert vom Original am 18. Oktober 2010. Abgerufen am 18. Oktober 2008.
  14. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,654629,00.html
  15. Pressemitteilung TVO vom 7. Juni 2010, abgerufen am 7. Juni 2010.
  16. TVO, 11. Oktober 2011: Regular operation of Olkiluoto 3 nuclear power plant unit may be postponed further
  17. Les Echós, 12. Oktober 2011: La facture de l'EPR finlandais d'Areva dérape encore
  18. [1] Zugangsdatum 24. Juli 2012
  19. Das Milliardengrab. taz. 19. Dezember 2012. Abgerufen am 19. Dezember 2012.
  20. Verzögerungen sorgen bei Siemens für neuen Ärger. 11. Februar 2013, abgerufen am 28. November 2013.
  21. Finnisches AKW Olkiluoto 3 nicht vor 2017 fertig. solidbau.at. 4. Januar 2014. Abgerufen am 6. Januar 2014.
  22. Les echos: [2]
  23. EU Drops Finnish Nuclear Plant Probe Zugangsdatum 12. Oktober 2007
  24. Yle Nachrichtenmeldung, 1. Juni 2010.
  25. http://www.hpmartin.net/atomticker/finnland-startet-ausschreibung-fuer-olkiluoto-4--2012-03-26/
  26. http://af.reuters.com/article/energyOilNews/idAFL6N0O62LS20140520 Reuters.com:Finland's TVO postpones next nuclear plant, 20.Mai 2014, abgerufen am 2.Juni 2014.
  27. http://www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin/olkiluoto-4-gesuch-zur-verlaengerung-des-grundsatzentscheids-eingereicht Nuklearforum.ch: Olkiluoto-4:Gesuch zur Verlängerung des Grundsatzentscheids eingereicht, 2.Juni 2014

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kernkraftwerk Olkiluoto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien