Kreuz- und Parallelverwandtschaft

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Parallelverwandte einer Person sind alle Schwestern der Mutter und Vormütter sowie alle Brüder des Vaters und der Vorväter (parallel: selbes Geschlecht), gemeinsam mit ihrer Nachkommenschaft (beiderlei Geschlechts). Kreuzverwandt sind alle Schwestern der Vorväter sowie alle Brüder der Vormütter (überkreuz: unterschiedliches Geschlecht), zusammen mit all ihren Nachkommen:[1]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Mutterschwester  
Parallel-Tante
 
 
 
Mutter
linear, direkt
 
 
 
  Mutterbruder
Kreuz-Onkel
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Töchter & Söhne der Tante:
Parallelcousinen/-cousins
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Söhne & Töchter des Onkels:
Kreuzcousins/-cousinen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ego
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kinder der Cousinen & Cousins:
Parallelnichten/-neffen
2. Grades; 3. Grades; usw.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kinder der Cousins & Cousinen:
Kreuzneffen/-nichten
2. Grades; 3. Grades; usw.
 
 
 


Für eine männliche Person ( Ego) ist die gesamte Nachkommenschaft seines Bruders (♂) parallelverwandt – alle Nachkommen seiner Schwester sind kreuzverwandt:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bruder  
 
 
Ego
(männlich)
 
 
  Schwester
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Söhne & Töchter des Bruders:
Parallelneffen/-nichten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Töchter & Söhne der Schwester:
Kreuznichten/-neffen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kinder der Neffen & Nichten:
parallelverwandte
Großneffen/Großnichten
Urgroß...; Ururgroß...; usw.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kinder der Nichten & Neffen:
kreuzverwandte
Großnichten/Großneffen
Urgroß...; Ururgroß...; usw.
 
 
 


Parallel- und Kreuzverwandtschaft sind Begriffe der Ethnosoziologie zur genaueren Bestimmung von kollateralen Seitenverwandten (eigene Geschwister und alle Geschwister der linearen, direkten Vorfahren, zusammen mit ihren Kindern und Kindeskindern;[2] siehe Urgroßeltern als Beispiel mit 30 direkten Vorfahren).

Die Unterscheidung der Parallel- und Kreuzverwandten von zwei blutsverwandten Personen erfolgt anhand der leiblichen Kinder des nächsten gemeinsamen Vorfahren, von dem beide linear abstammen. Waren diese beiden Kinder gleichen Geschlechts (zwei Brüder, zwei Schwestern), handelt es sich bei ihrer gesamten Nachkommenschaft um parallele Verwandte – waren die Geschwister unterschiedlichen Geschlechts (Bruder und Schwester), ist ihre gesamte Nachkommenschaft miteinander kreuzverwandt. Das Geschlecht des gemeinsamen Vorfahren spielt bei dieser Unterscheidung keine Rolle, die eine Person stammt von einem anderen Kind dieses Vorfahren ab als die andere Person. Finden also beispielsweise zwei Personen in ihren Familienstammbäumen eine gemeinsame Vorfahrin, dann hängt es davon ab, ob deren beide Kinder, von denen die zwei Personen in direkter Linie abstammen, gleichen (parallel) oder unterschiedlichen Geschlechts (überkreuz) waren.

Viele der weltweit 1300 indigenen Völker und Ethnien[3] sehen parallele Cousins und Cousinen (Vettern und Basen) als gleichgestellt zu eigenen Geschwistern.[4] Die Unterscheidung von Kreuz- und Parallelverwandten ist wichtig für die Untersuchung von Heiratsregeln, bei denen Ehemöglichkeiten von Abstammungsregeln abhängen und Kreuzcousinenheirat oder Parallelcousinenheirat bevorzugt wird (siehe auch Exogamie, Endogamie, Bint ʿamm: Heirat der parallelen Tochter des Vaterbruders).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Gabriele Rasuly-Paleczek: Differenzierung in Parallel- und Kreuz-Verwandte. In: Einführung in die Formen der sozialen Organisation. Teil 1/5, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien, 2011, S. 26–28, archiviert vom Original am 21. Oktober 2013, abgerufen am 25. Februar 2014 (PDF; 1 MB, 32 Seiten; Unterlagen zu ihrer Vorlesung im Sommersemester 2011).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gabriele Rasuly-Paleczek: Definition von Parallel- und Kreuzverwandten. In: Einführung in die Formen der sozialen Organisation. Teil 1/5, Universität Wien, 2011, S. 26, archiviert vom Original am 21. Oktober 2013, abgerufen am 25. Februar 2014 (PDF; 1 MB): „deutsch: Parallel- und Kreuzverwandte; englisch: parallel and cross-relatives. Definition von Parallel- und Kreuzverwandten nach BARNARD/SPENCER: »parallel-relative: In kinship, a parallel relative is any relative (e.g. a parallel uncle or aunt) whose relationship is traced through a same-sex sibling link (e.g. FB or MZ, but not MB or FZ); the contrast is with cross-.« (BARNARD/SPENCER 1997:S.616) »cross-relative: Any relative whose relationship is traced through an opposite-sex sibling link, e.g. a cross-cousin. Contrast parallel relative.« (BARNARD/SPENCER 1997:S.600)“.
  2. Deutsches Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 1589 Verwandtschaft: „Personen, deren eine von der anderen abstammt, sind in gerader Linie verwandt. Personen, die nicht in gerader Linie verwandt sind, aber von derselben dritten Person abstammen, sind in der Seitenlinie verwandt.“
  3. Der Ethnographic Atlas by George P. Murdock enthält mittlerweile Datensätze zu 1300 Ethnien, Stand Dezember 2012 im InterSciWiki.
  4. Gabriele Rasuly-Paleczek: Parallel- und Kreuz-Vettern und -Basen. In: Einführung in die Formen der sozialen Organisation. Teil 1/5, Universität Wien, 2011, S. 27, archiviert vom Original am 21. Oktober 2013, abgerufen am 25. Februar 2014 (PDF; 1 MB): „In vielen Gesellschaften werden die Parallel-Cousins in der gleichen Weise klassifiziert wie die Geschwister von Ego. (vgl. BARNARD/SPENCER 1997:S.616)“.