Kugelschreiber

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Ein Kugelschreiber in seine Einzelteile zerlegt und in seiner Gesamtheit

Der Kugelschreiber ist ein Schreibgerät, das eine Tintenpaste mittels einer Kugel auf Papier überträgt. Er geht auf Patente des 19. Jahrhunderts zurück.[1] Die umgangssprachliche Kurzform Kuli bezeichnete ursprünglich den 1928 von Rotring entwickelten Tintenkuli. Seit dessen Bedeutungsverlust und dem Siegeszug des Kugelschreibers in den 1940er Jahren weltweit wird „Kuli“ im Deutschen allgemein für den Kugelschreiber benutzt.[2]

Funktionsweise[Bearbeiten]

Spitze eines Kugelschreibers mit Kugel und sichtbaren Tintenspuren. Der weiße Balken entspricht 1 mm Länge.

Kugelschreibgeräte bestehen aus zwei Teilen: einem Gehäuse mit Minenführung unterschiedlicher Bauart und einer Mine, welche das eigentliche Schreibgerät darstellt. Bei billigen Kugelschreibern ist die Mine häufig fest verbaut. Kugelschreiber von besserer Qualität erlauben es, aufgebrauchte Minen auszuwechseln. Kugelschreiberminen bestehen aus mindestens drei Teilen:

1. Einem Tintenreservoir, das aus einem Kunststoff- oder Metallröhrchen besteht, in welchem sich eine zähflüssige, konzentrierte Tintenpaste befindet.

2. Einer Schreibspitze, welche das Tintenröhrchen nach unten abschließt und die Kugelführung enthält. Diese besteht meist aus Messing oder rostfreiem Stahl.

3. Einer Schreibkugel, welche um den Verschleiß gering zu halten aus Hartmetall oder aus einem extrem harten keramischen Material (Wolframcarbid, Markenname Widia) besteht.

Am oberen Ende ist das Tintenröhrchen üblicherweise offen, oder zumindest mit einem luftdurchlässigen Verschluss ausgestattet, damit die Luft das Volumen der verschriebenen Tinte ausgleichen kann. Um ein Eintrocknen der Tinte zu verhüten, schwimmt auf der Tinte eine Dichtungsmasse von gleicher Konsistenz, welche den direkten Kontakt mit der Luft unterbindet. Bei billigen Minen fehlt diese Dichtung, weshalb diese schneller zum Austrocknen neigen.

Streicht der Kugelschreiber über das Papier, so dreht sich die Kugel, nimmt dabei auf ihrer dem Vorratsbehälter zugewandten Seite Tinte auf und gibt sie auf der anderen an das Papier ab.

Gewöhnliche Kugelschreiber müssen beim Schreiben mit der Spitze nach unten gehalten werden, weil die Tinte nur durch die Schwerkraft zur Schreibkugel befördert wird. Im Gegensatz zur dünnflüssigen Füllerhaltertinte wirken hier keine Kapillarkräfte. Es existieren allerdings spezielle Kugelschreiberminen, welche mit Stickstoff gefüllt unter Druck stehen. Zwischen der Tintenpaste und dem luftdicht verschlossenen Ende des Tintenröhrchens befindet sich ein Metallplättchen, welches wie ein Kolben die Tintenpaste in Richtung der Schreibspitze drückt. Dies ermöglicht es, auch kopfüber oder in der Schwerelosigkeit zu schreiben. (→ Space Pen)

Je nach gewünschter Strichdicke hat die Kugel einen Durchmesser von 0,7 bis 1,4 Millimetern, bei besonders feinen Kugelschreibern, zum Beispiel in Japan, auch von nur 0,2 Millimetern.

Kugelschreibertinte ist wasserfest und häufig auch dokumentenecht nach ISO 12757-2. Daher lässt sie sich aus Textilien nur schlecht herauswaschen.

Grundsätzlich gibt es Kugelschreibertinte in allen Farben. Am verbreitetsten sind blaue, schwarze und rote Tinte.

Obwohl die Kugelschreibertinte auf dem Papier sehr schnell trocknet und wischfest wird, neigen Kugelschreiberspitzen nicht zum Eintrocknen und brauchen daher keine luftdichte Verschlusskappe wie Füllfederhalter.

Durch die zähe Konsistenz und extreme Deckkraft der Tinte ist der Verbrauch so gering, dass Kugelschreiber von allen Schreibgeräten die höchste Schreibleistung ermöglichen. Einige Hersteller werben mit einer Schreibleistung ihrer Großraumminen von bis zu 10 Km oder 600 Briefseiten im DIN A4-Format.

Kugelschreiberspitze beim Abrollen über das Papier
Kugelschreiberzeichnung, 15 cm x 10 cm
Makrovideo: Kugelschreiberkugel (1,3 MB)
Makrovideo: schreibender Kugelschreiber (1,5 MB)

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits Galileo Galilei fertigte eine Skizze an, die eine Art Vorläufer des Kugelschreibers zeigt. Erste Patente zu Schreibgeräten, die ihre eigene Tinte mitführen, gab es im 19. Jahrhundert.

1888 erhielt der Amerikaner John J. Loud ein Patent auf ein kugelschreiberähnliches Gerät, mit dem man Leder markieren können sollte. Slavoljub Eduard Penkala, ein kroatischer Erfinder, patentierte 1906 ebenfalls einen Kugelschreiber-Vorläufer. Der gebürtige Ungar László József Bíró erfand, unterstützt von seinem Bruder Georg, in Budapest in achtzehnjähriger Entwicklungsarbeit die Grundform des heutigen Kugelschreibers mit Farbmine und rollendem Kügelchen in der Minenspitze zum Auftragen der Farbmasse auf das Papier. Vermutlich kam ihm die Idee beim Anblick rotierender Druckwalzen, die die Farbe auf ähnliche Weise auf das Papier auftragen. Sein im Jahr 1938 erstmals in Ungarn erteiltes Patent ließ er am 27. Dezember 1938 in den USA als „Fountain Pen for Pulpy Ink“ (später „Ball Pen“) und 1943 in Argentinien erneuern, wohin er 1940 vor den Judenverfolgungen in Ungarn geflohen war. Er gründete dort das Unternehmen „Sylvapen“.

Der tatsächliche Durchbruch für den Kugelschreiber kam mit dem britischen Geschäftsmann Henry George Martin. Er erkannte den Kugelschreiber als ideales Schreibwerkzeug für Flugzeugbesatzungen, das auch in großen Höhen funktioniert, ohne dabei zu klecksen. Er kaufte Bíró die Patentrechte ab, gründete gemeinsam mit Frederick Miles im Jahr 1944 in Reading (Berkshire, England) die erste Kugelschreiberfabrik der Welt und startete eine Serienproduktion. Im ersten Jahr seines Bestehens lieferte das Unternehmen 30.000 Kugelschreiber an die Royal Air Force.[3]

Im Juni 1945 wurde der amerikanische Geschäftsmann Milton Reynolds in Buenos Aires auf den Kugelschreiber aufmerksam. Er ließ die Technik in den USA nachbauen. Unter dem Namen Reynolds' Rocket wurden die Kugelschreiber noch im gleichen Jahr zu einem Verkaufserfolg in den USA, obwohl der Kugelschreiber rund eineinhalbmal so viel kostete wie eine Füllfeder. Wegen Qualitätsproblemen musste Reynolds jedoch tausende Exemplare zurücknehmen und ging 1951 in Konkurs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen mehrere Unternehmen, Kugelschreiber zu produzieren, teilweise ohne die Patentrechte zu besitzen. Das deutsche Unternehmen Schneider[4] zahlte ab 1947 bis zum Erlöschen der Patente 19 Millionen DM an Lizenzgebühren. Das Unternehmen Schmidt im Schwarzwald konzentrierte sich auf die Herstellung und Entwicklung der Mechanik der Kugelschreiber.[5] Das Problem des Klecksens bekam erst der Franzose Marcel Bich in den Griff. Unter dem Namen BIC brachte er Ende 1950 seinen Kugelschreiber auf den Markt und läutete damit endgültig das Zeitalter des Kugelschreibers als Massenprodukt ein.

In mehreren Ländern wird der Kugelschreiber nach seinem Erfinder genannt, z. B. biro in England, birome in Argentinien oder penkala in Kroatien. In Frankreich stellte Baron Bich große Mengen billiger Einweg-Kugelschreiber unter dem Markennamen BIC her, wodurch bic ein Synonym für Kugelschreiber wurde. In Argentinien wird der Tag des Erfinders jährlich am Geburtstag László Bírós (29. September) gefeiert.

Die ersten Kugelschreiber wurden 1945 für 8,50 US-Dollar verkauft. In Deutschland kosteten die ersten Modelle 1950 etwa 20 DM.

Kugelschreiber werden heute in großem Rahmen auch als Werbeträger eingesetzt. Die Fläche von Kugelschreibern lässt sich dabei mit einfachen und preiswerten Druckverfahren in großen Mengen bedrucken oder auch in kleiner Stückzahl mit edel eingraviertem Namenszug versehen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Unfallursache[Bearbeiten]

Statistisch tritt täglich in Deutschland ungefähr ein Todesfall durch Ersticken an Kugelschreiberteilen auf.[6]

Plotter und ähnliches[Bearbeiten]

Einige technische Geräte verwenden spezielle Kugelschreiberminen, so etwa Stiftplotter, wie der Commodore VC1520, oder die Plotterschreibmaschine Silver Reed EB50.

Verwendung in der Schule[Bearbeiten]

In der Schule ist der Kugelschreiber in der Regel erst nach dem vollständigen Erwerb einer verbundenen Schrift erlaubt, zu der auch das Erlernen des Umgangs mit Füllfederhaltern (siehe dort: Schulischer Schreiberwerb), üblicherweise in der zweiten Jahrgangsstufe, gehört.

NASA-Kugelschreiber[Bearbeiten]

Hauptartikel: Space Pen

Als eine moderne Sage gilt, dass die NASA für eine Million Dollar einen speziellen Kugelschreiber entwickeln ließ, der auch im Weltall unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit zuverlässig funktioniert, während die Sowjetunion der Einfachheit halber einen Bleistift benutzte.[7]

Tatsächlich wurden auch im sowjetischen Raumfahrtprogramm wenig später Kugelschreiber verwendet, weil Bleistifte als gefährlich und unpraktisch galten. (Graphit ist elektrisch leitend. Abgebrochene Bleistiftspitzen oder Graphitstaub können Kurzschlüsse in elektrischen Geräten verursachen.)

Weltrekord[Bearbeiten]

Den größten Kugelschreiber fertigte Olaf Fügner. Durch Guinness World Records (GWR) wurde dieser 2006 anerkannt und im Guinness-Buch der Rekorde 2009 veröffentlicht. Die Anfertigung einer entsprechend großen Mine war nicht nur eine technische Herausforderung. Im Labor musste dazu eine spezielle Schreibpaste angefertigt werden. Die funktionstüchtige Mine stammt von der StarMinen AG / Schweiz. Der Kugelschreiber besteht aus Pappe (außer Anfang- u. Endstück) und ist 333 cm lang bei einem Durchmesser von 11,1 cm. Das Gesamtgewicht liegt bei ca. 8 kg. Die Mine selbst ist 106,5 cm lang. Die Schaftbreite beträgt 1,6 cm.[8]

Unseriöse Nebenverdienstangebote zur Kugelschreibermontage[Bearbeiten]

Über viele Jahrzehnte hinweg war die Kugelschreibermontage in Heimarbeit ein unersetzbarer Fertigungsschritt bei der Herstellung. Kugelschreiberteile sind leicht und klein, die Arbeit einfach und nach Stückzahl berechenbar, deshalb ist die Arbeit bis heute ein begehrter Nebenerwerb, der deshalb früher oft gern in Heimarbeit ausgelagert wurde. Allerdings warnen Verbraucherschützer vor zahlreichen unseriösen Arbeitsangeboten. Nach Angabe von Heimarbeit-abc.de seien heute nur noch Sonderformen oder Kleinserien in Heimarbeit vermittelbar, für die sich der Maschineneinsatz nicht lohne.[9] Ein weiteres Branchenportal Nebenjob.de konnte bei einer Recherche in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale in Hamburg keinen einzigen Hersteller finden, der Heimarbeit zur Kugelschreibermontage anbietet. Das Geschäftsmodell unseriöser Anbieter beruhe meist auf kostenpflichtigen Hotlines, überteuertem Wareneinkauf oder jeglichen Formen von Vorkasse. Rechtlich seien die unseriösen Angebote durch eine geschickte Formulierung meist unangreifbar.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kuli-Geschichte auf mz-web.de, abgerufen am 18. November 2013.
  2. Im Saarland ist für Kugelschreiber der Ausdruck Dauerschreiber gebräuchlich
  3. Dr. Margarete Rehm:"Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart"
  4. Geschichte der Schneider-Kugelschreiber
  5. Unternehmensgeschichte SCHMIDT Technology
  6. spiegel.de "Kugelschreiber sind Todesmaschinen"
  7. The billion-dollar space pen, von Dwayne A. Day (engl.)
  8. Guinness-Buch der Rekorde 2009
  9. Heimarbeit-abc.de: Heimarbeit Kugelschreiber (abgerufen am 2. April 2010)
  10. Nebenjob.de: Seriöse Heimarbeit: Nachgefragt bei der Verbraucherzentrale — Vorsicht, wenn Sie Vorkasse leisten sollen und Recherche über Arbeitsangebote: Nebenjob Kugelschreiber zusammenbauen — Gibt es diesen Nebenjob in Heimarbeit tatsächlich? (jeweils abgerufen am 2. April 2010)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kugelschreiber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kugelschreiber – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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