Kurt Heegner

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Kurt Heegner (* 16. Dezember 1893 in Berlin; † 2. Februar 1965 ebenda) war ein deutscher Ingenieur, Physiker und Mathematiker. Er lebte und wirkte in Berlin und wurde durch seine zahlentheoretischen Entdeckungen bekannt.

Leben[Bearbeiten]

Heegner machte 1913 Abitur am Askanischen Gymnasium in Berlin und studierte bis 1917 Mathematik und Physik in Berlin bei Hermann Amandus Schwarz, Konrad Knopp, Max Planck, Arthur Wehnelt und Heinrich Rubens. Im Ersten Weltkrieg war er bis 1919 als Techniker bei der Fliegertruppe, was sein Interesse für Radiotechnik erweckte. 1920 promovierte er in Jena bei Walter Rogowski, seinem ehemaligen Vorgesetzten bei der Fliegertruppe, mit einer Arbeit über Zwischenkreis-Röhrensender, in der auch elliptische Kurven diskutiert werden. Danach war er im Telegrafenversuchsamt und 1923 bis 1932 bei Telefunken in Berlin. Verschiedene Patente wurden von Telefunken unter seinem Namen angemeldet, wie das Patent auf die Heegner-Schaltung. 1932 bis 1946 war er Privatgelehrter in Berlin, wo er 1939 bei Heinrich Weber und Erhard Schmidt mit der Arbeit Transformierbare automorphe Funktionen und quadratische Formen in Mathematik promoviert wurde. 1947 bis 1950 war er am Forschungsinstitut für Mathematik der Akademie der Wissenschaften, danach lebte er zurückgezogen in Berlin. Bis 1956 veröffentlichte er mehrere Arbeiten u.a. über elliptische und automorphe Funktionen, Abelsche Integrale und quadratische Formen z.B. in den Mathematischen Annalen und der Mathematischen Zeitschrift.

1952 veröffentlichte Heegner einen Beweis einer schon von Carl Friedrich Gauß aufgestellten Vermutung über die Zahl der imaginär-quadratischen Zahlkörper mit Klassenzahl 1 in der Zahlentheorie (gaußsches Klassenzahlproblem). Zuvor hatte Heegner schon mehrere Arbeiten über Modulfunktionen veröffentlicht. Weil der Beweis schwer verständlich war, einige kleinere Fehler enthielt und von einem akademischen Außenseiter stammte, wurde er jahrelang nicht anerkannt. Erst als Harold Stark im Jahr 1967 einen ähnlichen Beweis fand, der zu Heegners Beweis äquivalent ist, wurde auch Heegner nach seinem Tod Anerkennung zuteil. Eine Rolle dabei spielten neben Stark Max Deuring und Carl Ludwig Siegel.[1]

Nach Heegner sind die Heegner-Zahlen benannt, die in dem erwähnten Problem eine Rolle spielen.

Sein Nachlass, unter dem sich auch unveröffentlichte mathematische Arbeiten befinden, befindet sich in der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stark: On the “gap” in a theorem of Heegner, Journal of Number Theory, Band 1, 1969, S. 16–27, Max Deuring: Imaginäre quadratische Zahlkörper mit der Klassenzahl Eins, Inventiones Mathematicae Band 5, 1968, S. 169, Carl Ludwig Siegel: Zum Beweise des Starkschen Satzes, Inventiones Mathematicae Band 5, 1968, S. 180