Berlin-Steglitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Steglitz
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Wannsee Nikolassee Zehlendorf Dahlem Steglitz Lankwitz LichterfeldeSteglitz auf der Karte von Steglitz-Zehlendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 27′ 28″ N, 13° 19′ 23″ O52.4576913.32297Koordinaten: 52° 27′ 28″ N, 13° 19′ 23″ O
Fläche 6,79 km²
Einwohner 73.944 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 10.890 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12157, 12161, 12163, 12165, 12167, 12169
Ortsteilnummer 0601
Gliederung
Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortslagen

Steglitz ist ein Berliner Ortsteil im sechsten Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf, der auf das historische brandenburgische Dorf Steglitz zurückgeht.

Lage[Bearbeiten]

Steglitz liegt im Südwesten Berlins, am Übergang zwischen den dicht bebauten Innenstadtbezirken und den suburbanen Villen- und Eigenheimvororten. Steglitz ist traditionell bürgerlich geprägt, zahlreiche Wohngebiete entstanden in der industriellen Epoche in der Umgebung als Villenkolonie, und bis heute liegen die üblichen sozialgeografischen Indikatoren über dem Berliner Durchschnitt.

Die Steglitzer Schloßstraße bildet das Zentrum des Ortsteils. Sie ist die zweitgrößte Einkaufsstraße Berlins[1] und somit der wichtigste Zentralort des Berliner Südens. Architektonische Besonderheiten dort sind der Bierpinsel, der Steglitzer Kreisel, das Rathaus Steglitz, das Gutshaus Steglitz, das angrenzende Schlossparktheater sowie die Galerie Schwartzsche Villa, die postalisch der Grunewaldstraße zugeordnet ist.

Steglitz liegt in der geologischen Hochfläche Landschaft Teltow am Höhenzug der Rauhen Berge, der heute nur noch teilweise erhalten ist. Der höchste Punkt von Steglitz ist der Fichtenberg 68 m ü. NN. Durch den Ortsteil fließen die Bäke und der Teltowkanal.

Der Ortsteil Steglitz grenzt von Süden beginnend innerhalb des Bezirks an die benachbarten Ortsteile Lankwitz, Lichterfelde und Dahlem, im Norden an den Ortsteil Friedenau des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Die Ortslage Bismarckviertel bildet die Nordostgrenze zum benachbarten Ortsteil Schöneberg. Die Ortslage Südende grenzt im weiteren Verlauf im Uhrzeigersinn an die Ortsteile Schöneberg und Tempelhof des Bezirks Tempelhof-Schöneberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Herkunft des Namens und erste Erwähnung[Bearbeiten]

Der Ortsname Steglitz ist slawischen Ursprungs und bedeutet „Ort, wo es Stieglitze gibt“.[2] Der Ortsname ist mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Altmark übertragen worden.

Das Dorf Steglitz ist vermutlich im Rahmen des askanischen Landausbaus während der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Straßendorf gegründet worden (wahrscheinlich um 1230).[3] 1197 und 1248 wird ein Henricus de Stegelitz erwähnt. Der Ort selbst wird erstmals 1375 im Landbuch Karls IV. genannt, wahrscheinlich im Besitz der von Torgow zu Zossen. Es fehlen die üblichen Angaben über Hufenzahlen usw. Diese werden erstmals 1450 bekannt: 43 Hufen, davon sechs Pfarr- und ein Kirchenhufe; hinsichtlich der kirchlichen Rechte eine ungewöhnlich hohe Zahl. 1451 wird ein Krug erwähnt. 1517 wird ein Hof mit zehn freien Hufen genannt, als Wohnsitz der Speel (auch von ‚Spil‘ oder von ‚Spiel‘), die Besitz auch in Dahlem haben. Der Gutsherr Christoph Erdmann von Spiel starb als letzter seines Geschlechts im Jahr 1713. Sein Grabstein steht heute an der äußeren Nordwand des Turms der Matthäuskirche. Durch die Gutsbildung im Bereich des Wrangelschlösschens wurde das Straßendorf deformiert. Sein ursprünglicher Kern (Alt-Steglitz) lag zwischen dem Rathaus Steglitz und dem Gutshaus Steglitz. Auf der Höhe des heute gegenüberliegenden Steglitzer Kreisels stand in der Dorfmitte die 1881 abgerissene Dorfkirche Steglitz.

In seiner Mitte stand vermutlich zunächst eine hölzerne Dorfkirche, die gegen Ende des 13. Jahrhunderts durch eine steinerne Saalkirche ersetzt wurde. Bis zum 18. Jahrhundert blieb Steglitz ein kleines Dorf von nur etwa hundert Bewohnern, die den kargen Böden nur bescheidene Erträge abzuringen vermochten und von den Gutsherren, die ihnen das Land lediglich zur Pacht überlassen hatten, praktisch völlig abhängig waren.[4] Als die Dorfkirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wegen gestiegener Anzahl von Gemeindemitgliedern zu klein geworden war, wurde sie durch die wesentlich größere Matthäuskirche ersetzt und 1881 wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Vom Dorf zum städtischen Vorort[Bearbeiten]

Steglitz profitierte von seiner Lage an der alten Reichsstraße 1, der heutigen Bundesstraße 1, die – einem mittelalterlichen Handelsweg folgend – ursprünglich über mehr als 1000 Kilometer von Aachen über Berlin und Königsberg bis an die deutsch-litauische Grenze reichte und als wichtigste Straßenverbindung Deutschlands galt. Das Teilstück zwischen Berlin und Potsdam wurde 1792 als erste Landstraße in Preußen gepflastert.

Im Jahr 1801[3] oder 1802[4] erwarb der preußische Staatsminister Carl Friedrich von Beyme Gut und Dorf Stegelitz.

Im Bereich der heutigen Albrecht- und Breite Straße entstand die Kolonie Neu-Steglitz.[4] Der Berliner Seidenhändler und Fabrikant Johann Adolph Heese siedelte 1840 im Gebiet der heutigen Bergstraße eine Maulbeerplantage mit Seidenraupenzucht an. Steglitz wurde zum bedeutendsten Seidenbauzentrum Preußens.[3]

Die Strecke der Stammbahn wurde 1838 durch Steglitz gebaut. Heute verkehrt hier die S-Bahnlinie S1. 1839 erhielt Steglitz einen Bahnhof an der Strecke, der 1845 wieder geschlossen und 1864 neu eröffnet wurde. 1873 erhielt der Bahnhof Steglitz ein repräsentatives Bahnhofsgebäude, das 1965 für den Bau der Westtangente abgerissen wurde.

Im Jahr 1870 schlossen sich Stegelitz und die Kolonie Neu-Steglitz zusammen. Das Dorf Stegelitz verlor aus diesem Anlass das zweite „e“ im Namen und nannte sich nunmehr Steglitz.[4]

Die Erschließung der Vororte Berlins führte zu einem raschen Bevölkerungswachstum. Dadurch – ebenso wie durch die Gründung ausgedehnter Villenkolonien in den Nachbardörfern Lichterfelde-West und Dahlem – kam es rasch zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. 1872/1873 kam es zur Gründung der Villen- und Landhauskolonie Südende, die damals aber noch kein Teil von Steglitz war. 1875 wurde der Friedhof Steglitz eröffnet.

Das seit 1886 bestehende Gymnasium Steglitz war die Keimzelle der Wandervogelbewegung, die 1901 im Ratskeller des Steglitzer Rathauses gegründet wurde und seinerseits den Ursprung der Jugendbewegung darstellt. Dessen Chronist Hans Blüher beschrieb Steglitz 1913:

„Von den Steglitzer Großbaumeistern hätte man wohl sagen können, dass sie begabte Silhouettenschneider gewesen seien. Wenn man nämlich des Abends von Osten nach Westen ging und aus der Bäkeniederung und den anderen Villenvororten auf Steglitz zukam, da sah man im Golde das aufgereckte Dorf prangen, die Kuppel des Wasserturmes oben an, die spitzen Türme des Protestantenheiligtums und des Rathauses etwas tiefer daneben, dann die ernste Schönheit der katholischen Kirche, die so breit dastand im Heldengefühle der Diaspora; […] und es gab auch in der ganzen weiten Umgebung von Berlin keine Silhouette einer Ortschaft, die in so unvergeßlichen Formen dastand, wie die von Steglitz.“

Hans Blüher[5]

Die Straßenbahn der Gemeinde Steglitz wurde 1905 zwischen Bahnhof und Grunewald eröffnet. Von 1912 bis 1914 verkehrte in Steglitz der Gleislobus Steglitz, einer der ersten Oberleitungsbusse der Welt.

Nachdem die Steglitzer Bevölkerung auf über 80.000 Einwohner angewachsen und Steglitz damit zur größten Landgemeinde Preußens geworden war, fand 1920 die Eingemeindung in das neu geschaffene Groß-Berlin statt.

Im Jahr 1927 kamen in der Steglitzer Schülertragödie nach einem Selbstmordpakt zwei Schüler ums Leben.

Kirchenkampf im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Aufgrund der Größe seiner Kirchengemeinde wurde Steglitz zu einem Hauptschauplatz des Kirchenkampfs zwischen der Bekennenden Kirche und der Glaubensbewegung der Deutschen Christen, der im Juni 1933 mit der Verhaftung des Pfarrers der Markusgemeinde Otto Großmann durch Mitglieder der SA von der Kanzel weg begann. Als Reaktion auf den Erlass der Nürnberger Rassengesetze tagte im Markusgemeindesaal im September 1935 die Steglitzer Synode.[6]

Spiegelwand-Mahnmal[Bearbeiten]

Mahnmal Spiegelwand am Hermann-Ehlers-Platz

Internationale Beachtung fand Anfang der 1990er Jahre die Auseinandersetzung im Bezirk über die Errichtung des Mahnmals Spiegelwand auf dem Hermann-Ehlers-Platz. Sie sollte an die Steglitzer Synagoge der jüdischen Gemeinde an der Düppelstraße und den Holocaust in Berlin erinnern. Nach einem Wettbewerb gewann 1992 der Entwurf der Künstler Wolfgang Göschel und Joachim von Rosenberg (historische Beratung Hans-Norbert Burkert) mit einer hochglanzpolierten Chromstahlwand,[7] auf der 1723 Namen jüdischer Bürger aus Steglitz eingraviert wurden. Die CDU war gegen das Denkmal, da sie die Wand für überdimensioniert hielt. Sie bezweifelte, dass am Wettbewerbsverfahren ausreichend Bürger beteiligt worden waren und führte in einem parteinahen Blatt eine öffentliche Debatte über den Sinn eines solchen Denkmals. Schließlich wurde bei der Abstimmung in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 18. Mai 1994 mit den Stimmen von CDU, FDP und Republikanern die Errichtung des Denkmals abgelehnt. Da Landespolitiker den Vorgang beschämend nannten und Schaden für das Ansehen Berlins fürchteten, zog der damalige Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) das Verfahren an sich und ließ, entgegen dem Beschluss, das Mahnmal selbst aufstellen. Am 7. Juni 1995 wurde die Spiegelwand auf dem Hermann-Ehlers-Platz vollendet. Zum erneuten negativen Medienecho führte bei der Einweihung die Weigerung der BVV-Mehrheit, dazu Gäste aus Israel einzuladen.[8][9]

Einwohner[Bearbeiten]

Der Ortsteil hat eine leicht ansteigende Bevölkerung von rund 72.000 Menschen. 2010 stammten die Menschen aus folgenden Herkunftsgebieten:[10]

Bezirk Steglitz (von 1920 bis 2001)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bezirk Steglitz

Mit der Schaffung von Groß-Berlin 1920 wurde Steglitz auch der Name des 12. Verwaltungsbezirks von Berlin. Dieser wurde aus Steglitz, Groß-Lichterfelde, Lankwitz und der bisher zu Mariendorf gehörenden Villenkolonie Südende gebildet.

Die ehemalige Landgemeinde Steglitz wurde als Ortsteil Steglitz nun ein Teil des Bezirkes Steglitz. Weitere Ortsteile waren Lichterfelde und Lankwitz. Bis 1960 war Südende ein weiterer Ortsteil, danach wurde es in den Ortsteil Steglitz eingegliedert.

Die Fusion des Bezirkes Steglitz mit dem Bezirk Zehlendorf erfolgte 2001 zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Der Ortsteil Steglitz blieb unverändert bestehen.

Kirchen[Bearbeiten]

Im Jahr 1880 wurde die evangelische Matthäuskirche als Ersatz für die zu kleine und baufällige Steglitzer Dorfkirche eingeweiht. 1900 wurde die katholische Rosenkranz-Basilika als repräsentatives Gotteshaus für die Steglitzer Katholiken erbaut. Die Markuskirche von 1912 brannte im Zweiten Weltkrieg vollständig aus und wurde in den 1950er Jahren in vereinfachter Form wiederaufgebaut. Zwischen 1914 und 1919 war zudem die evangelische Lukaskirche östlich des Ortskerns an der Bergstraße erbaut worden. Sie lag zunächst noch in fast unbebautem Gebiet, da die umgebenden Wohnhäuser erst anschließend in den 1920er Jahren erbaut wurden. Weitere evangelische Kirchen sind die 1958 eingeweihte Kirche in Südende und die Patmos-Kirche aus dem Jahr 1963.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Auf Steglitzer Gebiet verlaufen drei Eisenbahnstrecken: Die 1838 eröffnete Berlin-Potsdamer Eisenbahn und die 1891 eröffnete Neue Wannseebahn teilen sich eine gemeinsame Trasse und führen unweit der alten Berlin-Potsdamer Chaussee am Ortsteilzentrum vorbei. Innerhalb des Ortsteils liegen der 1839 erstmals eröffnete Bahnhof Steglitz (seit 1992: Rathaus Steglitz) und der 1933 eröffnete Bahnhof Feuerbachstraße. Die 1841 eröffnete Anhalter Bahn und deren Vorortbahn führen durch die Ortslage Südende, an der sich der gleichnamige Bahnhof befindet. Eine vierte Strecke, die Dresdener Bahn, verläuft entlang der Bezirksgrenze zu Tempelhof-Schöneberg.

Die beiden Vorortstrecken wurden kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts elektrifiziert. Während der 1900 auf der Wannseebahn aufgenommene elektrische Betrieb nur vorübergehend war und 1902 wieder eingestellt wurde,[11] hielt sich der elektrische Betrieb auf der Anhalter Bahn länger. 1903 aufgenommen, wurde er 1929 an das System der Berliner S-Bahn angepasst.[12] Die Wannseebahn wurde dann 1933 zusammen mit der benachbarten Fernbahn ebenfalls dauerhaft nach diesem System elektrifiziert,[11] die Dresdener Bahn folgte 1939.[13]

Während die Berlin-Potsdamer Fernbahn nach dem Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde und somit keinen regelmäßigen Personenverkehr mehr aufweist, sind die anderen genannten Strecken noch in Betrieb. Auf der Wannseebahn fahren die Züge der Linie S1 der Berliner S-Bahn zwischen Wannsee und Oranienburg, auf der Anhalter Vorortbahn die Linie S25 zwischen Hennigsdorf und Teltow. Die auf der Anhalter Fernbahn fahrenden Regionalzüge halten in Lichterfelde Ost.

Städtische Verkehrsmittel[Bearbeiten]

Im Jahr 1888 ging die erste Straßenbahnstrecke nach Steglitz in Betrieb. Die vom Berliner Dampfstraßenbahn-Konsortium erbaute Verbindung führte vom Bahnhof Zoo über Nollendorfplatz und Schöneberg zur Schloßstraße und hatte ihren Endpunkt am Schlosspark.[14] Etwa ein Jahr darauf entstand unweit des Streckenendes ein Betriebshof für die Bahn, der 1913 durch einen Neubau in anderer Lage ersetzt wurde. 1898 ging die Gesellschaft in die Westliche Berliner Vorortbahn über, die die Strecke bis zum 18. Mai 1899 elektrifizierte.[15]

Straßenbahn der Gemeinde Steglitz, 1906

In den darauf folgenden Jahren wurde der Bereich zwischen Schlosspark und Bahnhof der Treffpunkt mehrerer Straßenbahnlinien unterschiedlicher Gesellschaften. Im März 1895 nahm die Elektrische Straßenbahn Groß-Lichterfelde – Lankwitz – Steglitz – Südende zwei meterspurige Strecken vom Bahnhof Steglitz zum Bahnhof Groß-Lichterfelde (heute: Lichterfelde Ost) sowie eine weitere Verbindung vom Bahnhof Steglitz zum Bahnhof Südende in Betrieb.[16] Da die Gemeinde den Bau weiterer Strecken wünschte, die vor Ort tätigen Gesellschaften aber deren Rentabilität anzweifelten, begann diese 1905 mit dem Bau einer eigenen Straßenbahn vom Bahnhof zum Rand des Grunewalds. 1906 übernahmen die Teltower Kreisbahnen die Betriebsführung auf der Lichterfelder Straßenbahn, 1909 die auf der Steglitzer Gemeindestraßenbahn. In den Jahren 1912–1914 folgten weitere Strecken auf dem Gebiet des heutigen Ortsteils, so die Verlängerung der Gemeindestraßenbahn in Richtung Teltowkanal,[17] die Verlängerung der meterspurigen Strecke von Südende nach Mariendorf[18] sowie die der Westlichen Berliner Vorortbahn entlang der Straße Unter den Eichen.[19] Die Große Berliner Straßenbahn betrieb ab Mai 1914 eine weitere Strecke durch das Bismarckviertel.[20]

Mit der Abgabe der Straßenbahn-Betriebsrechte an die Teltower Kreisbahnen wurde diesen das alleinige Recht erteilt, Straßenbahnen im Gemeindegebiet zu bauen und zu betreiben. Da Steglitz jedoch den Ausbau des Netzes wünschte, entschied sich die Gemeinde zur Anlage einer „Gleislosen Bahn“ – einem Oberleitungsbus. Das neue Verkehrsmittel ging am 20. April 1912 zwischen Bahnhof und dem Knausplatz im Norden in Betrieb, musste mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges aber wieder eingestellt werden.[21]

Zwischen 1919 und 1921 wurden sämtliche Straßenbahnbetriebe unter dem Dach der Berliner Straßenbahn vereint. Die meterspurigen Strecken wurden teilweise auf Normalspur umgebaut und ansonsten bis 1930 stillgelegt.[22]

Ab 1935 fuhren erneut O-Busse durch Steglitz. Die am 2. Mai 1935 umgestellte Linie A32 führte vom Breitenbachplatz über Bahnhof Steglitz zum Bahnhof Marienfelde. Am 23. April 1942 folgte die Linie A97 (ab 1951: A33) zwischen Bahnhof Steglitz und Bahnhof Mariendorf. Letztere nahm den gleichen Weg wie die 1930 eingestellte Straßenbahnstrecke.[23]

Nachdem 1953 die Einstellung des Straßenbahnbetriebs in West-Berlin beschlossen wurde, folgte zwischen 1959 und 1963 die Stilllegung der Straßenbahn im Ortsteil.[24] Die beiden Obuslinien wurden 1961 beziehungsweise 1965 auf Autobus umgestellt.[23] Einhergehend mit der Umstellung auf Omnibusbetrieb wurde mit dem Weiterbau der U-Bahn-Linie G (heute U9) in Richtung Steglitz sowie dem Bau der Westtangente begonnen. 1971 erreichte die U-Bahn den Walther-Schreiber-Platz, 1974 dann das Ortszentrum am Rathaus.[25] Der Weiterbau der Linie bis nach Lankwitz unterblieb, ebenso der Bau einer zweiten Linie im Zuge der Schloßstraße, die Linie F beziehungsweise U10.

Der Ortsteil wird heute somit neben der S-Bahn von der U9 sowie zahlreichen Omnibuslinien der Berliner Verkehrsbetriebe bedient. Als wichtigste Verbindungen sind hier die Metrobuslinien M48 (Zehlendorf, Busseallee – S+U Alexanderplatz), M82 (Marienfelde, Waldsassener Straße – S+U Rathaus Steglitz) und M85 (S Lichterfelde Süd – S+U Hauptbahnhof) zu nennen. Hinzu kommen die Expressbuslinien X76 und X83, die Tagesbuslinien 170, 176, 181, 184, 186, 187, 188, 282, 283, 284, 285 und 380 sowie die Nachtbuslinien N81, N84 und N88.

Bildung[Bearbeiten]

Die Grundschule am Insulaner. In Berlin-Steglitz gibt es insgesamt sechs Grundschulen.

In Berlin-Steglitz gibt es vier Integrierte Sekundarschulen, vier schulpraktische Seminare, eine Sprachschule, sechs Grundschulen, drei Berufsfachschulen, zwei Fachoberschulen, zwei Fachschulen, vier Gymnasien, eine Förderschule, zwei Berufsschulen und eine Kunstschule.[26]

Töchter und Söhne von Steglitz[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Simon: Steglitz. Zwischen Idylle und Metropole. 2. aktualisierte Aufl. be.bra verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-8148-0191-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Steglitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die Verkaufsfläche betrug 2006 137.000 m², die Schloßstraße ist damit nach der an Ganzes erfassten City-West (223.000 m²) und vor dem ebenfalls sehr weitläufig definierten Einzelhandelsstandort Kottbusser Damm / Hermannplatz / Karl-Marx-Straße in Neukölln (106.000 m²) der zweitgrößte Berliner Einzelhandelsstandort. (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung I A: Bericht zur Zentren- und Einzelhandelsentwicklung und zur Förderung der städtischen Zentren (PDF; 482 kB), 2007. Tabelle 2 auf Seite 12.)
  2. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Berlin 2005, S. 162. So auch Brandenburgisches Namenbuch, Teil 3: Die Ortsnamen des Teltow, Weimar 1972, S. 176. Der Vogelname Stieglitz ist ein slawisches Lehnwort im Deutschen.
  3. a b c Die Chronik von Steglitz Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf
  4. a b c d Steglitz im Wandel der Geschichte. Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf
  5. Wandervogel. Geschichte einer Jugendbewegung. 3. Auflage. Berlin-Tempelhof 1913, S. 6.
  6. Heidemarie Oehm: Kirchenkampf in Steglitz 1933–1945. (PDF; 61 kB)
  7. Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf: „Spiegelwand“ – Denkzeichen, ehemalige Synagoge Haus Wolfenstein
  8. Massenmord, in Metern debattiert. In: Berliner Zeitung, 14. Mai 1994.
  9. Drei Jahre Streit und eine Allianz mit den Republikanern. In: Berliner Zeitung, 7. Juni 2000.
  10. statistik-berlin-brandenburg.de
  11. a b  Udo Dittfurth, Michael Braun: Die elektrische Wannseebahn. Zeitreisen mit der Berliner S-Bahn durch Schöneberg, Steglitz und Zehlendorf. GVE, Berlin 2004, ISBN 3-89218-085-7, S. 6–13.
  12. Detlef Hoge: Die Anhalter Bahn. In: stadtschnellbahn-berlin.de. 27. September 2008, abgerufen am 18. Februar 2013.
  13. Detlef Hoge: Die Dresdener Bahn. In: stadtschnellbahn-berlin.de. 1. Oktober 2008, abgerufen am 18. Februar 2013.
  14.  Autorenkollektiv: Straßenbahn Archiv 5. Berlin und Umgebung. transpress, Berlin 1987, ISBN 3-344-00172-8, S. 96–100.
  15.  Autorenkollektiv: Straßenbahn Archiv 5. Berlin und Umgebung. transpress, Berlin 1987, ISBN 3-344-00172-8, S. 102–106.
  16.  Heinz Jung, Wolfgang Kramer: 100 Jahre elektrische Straßenbahn. Elektrische Straßenbahn Gr.-Lichterfelde 1881–1906. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 4–5, 1981, S. 67–82.
  17.  Uwe Kerl, Wolfgang Kramer: Vor 100 Jahren: Die „Grunewaldbahn“. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 12, 2005, S. 231–236.
  18.  Autorenkollektiv: Straßenbahn Archiv 5. Berlin und Umgebung. transpress, Berlin 1987, ISBN 3-344-00172-8, S. 159–161.
  19.  Hansjörg F. Zureck: Die Straßenbahn in Zehlendorf (1905–1959). In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 11, 2009, S. 207–210.
  20.  Heinz Jung, Wolfgang Kramer: Linienchronik der Berliner Straßenbahn 1902–1945. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 1, 1969, S. 16–18.
  21.  Johannes Wolf: Die ersten O-Busstrecken in Berlin. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. Heft 8, 1979, S. 126–129.
  22.  Heinz Jung: Vor 50 Jahren: Einstellung der Meterspurstrecken. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 2, 1980, S. 29–31.
  23. a b  Heinz Jung, Wolfgang Kramer: Der Obus in Berlin. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 3, 1965, S. 27–32.
  24.  Sigurd Hilkenbach, Wolfgang Kramer: Die Straßenbahnen in Berlin. alba, Düsseldorf 1994, ISBN 3-87094-351-3, S. 78–79.
  25. Marcus Schomacker: Berlins U-Bahnlinien. U9 Rathaus Steglitz – Osloer Straße. In: Berliner Untergrundbahn. Abgerufen am 18. Februar 2013.
  26. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin: Berliner Schulen: Liste der ausgewählten Schulen. In: berlin.de – Das offizielle Hauptstadtportal. Abgerufen am 2. September 2014.