Landesbibliothek Wiesbaden

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Landesbibliothek Wiesbaden
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Gründung 12. Oktober 1813
Bestand Über 800.000 Medieneinheiten
Bibliothekstyp Regionalbibliothek
Koordinaten 50° 4′ 40″ N, 8° 14′ 15″ O50.0778055555568.2373888888889Koordinaten: 50° 4′ 40″ N, 8° 14′ 15″ O
Ort Wiesbaden
ISIL DE-43
Betreiber Land Hessen
Leitung Dr. Marion Grabka
Website http://www.hs-rm.de/landesbibliothek
Das Bibliotheksgebäude von 1913 in der Wiesbadener Rheinstraße
Portal der Landesbibliothek mit der Gutenbergstatue von Carl Wilhelm Bierbrauer

Die Landesbibliothek Wiesbaden (früher Herzoglich Nassauische Öffentliche Bibliothek, Nassauische Landesbibliothek und Hessische Landesbibliothek) ist eine vom Land Hessen finanzierte Regionalbibliothek in Wiesbaden. Seit 1. Januar 2011 ist sie Teil der Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain (Hochschule RheinMain).[1]

Aufgaben[Bearbeiten]

Die Landesbibliothek hat als wissenschaftliche Universalbibliothek die Aufgabe, die Bevölkerung der hessischen Landeshauptstadt und ihrer Region mit Informationen und Literatur aus allen Wissensgebieten zu versorgen. Des Weiteren beschafft, archiviert und präsentiert sie landeskundliches Schrifttum, insbesondere über das ehemalige nassauische Gebiet (Sammlung „Nassovica“). Grundlage hierfür ist das regionale Pflichtexemplarrecht für die Stadt Wiesbaden, den Hochtaunuskreis, den Lahn-Dill-Kreis, den Landkreis Limburg-Weilburg, den Main-Kinzig-Kreis, den Main-Taunus-Kreis und den Rheingau-Taunus-Kreis. Recherchierbar gemacht wird das regionale Schrifttum in der Hessischen Bibliographie. Seit 2004 ist die Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken eine Abteilung der Landesbibliothek, die Beratungs- und Dienstleistungsangebote für kommunale öffentliche Bibliotheken und ihre Träger bereithält.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bibliothek geht auf die 1730 von Charlotte Amalie von Nassau-Usingen initiierte verwaltungsinterne Regierungsbibliothek im Usinger Schloss zurück, die schon 1744 in das ehemalige Alte Schloß am Markt in Wiesbaden umzog. Im Zuge der Säkularisation ab 1803 wurde sie durch erheblichen Zuwachs aus Klosterbibliotheken stark erweitert. Seit 1813 ist sie öffentlich zugänglich und erhielt als Herzoglich Nassauische Öffentliche Bibliothek das Pflichtexemplarrecht – dieses Jahr gilt somit als das eigentliche Gründungsjahr der Landesbibliothek. 1821 zog sie in das Erbprinzenpalais in der Wilhelmstraße ein. Nachdem Nassau 1866 preußisch wurde, erhielt die Bibliothek den Namen Königliche Bibliothek Wiesbaden, rückte unvermittelt von einem Zentrum in die Peripherie, und durchlebte bei beträchtlichem Rückgang der Neuerwerbungen eine Krisenzeit. Erst ab 1900 (Wechsel in städtische Trägerschaft und Umbenennung in Nassauische Landesbibliothek) wurde durch grundlegende Reorganisation und mustergültige Neukatalogisierung wieder ein Aufschwung eingeleitet, als dessen Ergebnis im Jahr 1913 die Bibliothek in das eigens für sie neu errichtete Gebäude in der Rheinstraße einziehen konnte, in dem sie sich noch heute befindet.

Der "Riesencodex" Hildegards von Bingen (12. Jh.)

Nach 1918 machte sich die relative Verarmung der Stadt auch in der Landesbibliothek bemerkbar. 1938 wurde der Bezirksverband für den Regierungsbezirk Wiesbaden in der Provinz Hessen-Nassau Träger der Bibliothek, womit die Verwaltungsgeschäfte faktisch von NS-Funktionären im Dienst des Landeshauptmanns Wilhelm Traupel übernommen wurden. Während des Zweiten Weltkriegs lagerte die Bibliothek zahlreiche wertvolle Bestände (u.a. den "Riesencodex" und den illuminierten Scivias-Codex Hildegards von Bingen, beide aus dem 12. Jahrhundert) aus Sicherheitsgründen nach Dresden aus (Banksafe der Girozentrale Sachsen). Seit der Konfiszierung durch die sowjetische Besatzungsmacht im Dezember 1945 sind diese Werke verschollen. Nur der „Riesencodex“ blieb in Dresden und gelangte 1948 auf verschlungenen Wegen zurück in die Landesbibliothek. Die Luftangriffe der Kriegsjahre überstand die Landesbibliothek als einzige der wissenschaftlichen Bibliotheken in Hessen völlig unbeschadet. 1953 übernahm das Land Hessen die Trägerschaft. Im Zuge dessen erhielt das Haus 1963 den Namen Hessische Landesbibliothek .

Nachdem sich der Buchbestand seit Kriegsende fast verdreifacht hat, stößt die Bibliothek inzwischen an ihre Grenzen bei der Auslastung und musste bereits ein Ausweichmagazin einrichten. Erweiterungsbauten sind aufgrund der Verdichtung ringsherum nicht möglich. Seit Jahrzehnten sind neben den städtischen Benutzern die Studierenden der umliegenden Hochschulen eine der wichtigsten Zielgruppen der Landesbibliothek. Mit der Integration in die Hochschule RheinMain wurde dies nun auch institutionell verankert.

Architektur[Bearbeiten]

Bewusst von heimischen Firmen errichtet, sollte die gesamte Bibliothek nach den Vorstellungen des Architekten Bruno Engels als ein Gesamtkunstwerk verstanden werden. Stadtbauinspektor Johannes Grün und Stadtinspektor Bruno Berlit waren für die Planung und Ausführung des Gebäudes zuständig. Die neoklassizistische Fassade greift auf Elemente der italienischen Frührenaissance zurück. Carl Wilhelm Bierbrauer wurde beauftragt, für das Eingangsportal eine Gutenberg-Skulptur zu fertigen, auch für die Schnitzereien in der Eichenholz-Vertäfelung im Lesesaal ist er verantwortlich.

Das Magazin besteht in seiner jetzigen Form und Funktion unverändert seit 1913. Die Bestände sind auf insgesamt 19.000 Metern Regalfläche in einer selbsttragenden Stahlregalanlage, einem so genannten Lipman-Regal aufgestellt, das insgesamt sieben Magazingeschosse umfasst.

Bestände und Sammlungen[Bearbeiten]

Die Landesbibliothek Wiesbaden besitzt mehr als 800.000 Bücher und andere Medien aus allen Fachbereichen, darunter circa 4.800 laufende Zeitschriften, davon etwa 2.400 in elektronischer Form. Besonders gut ausgebaut sind die Bestände in den Fächern Recht, Wirtschaft, und Geschichte; aber auch die Balneologie ist aufgrund des Kurbetriebs gut vertreten. Weiterhin sind zu nennen die Philologien, Kunst, Informatik und naturwissenschaftliche Grundlagenliteratur. Der jährliche Zuwachs beträgt mehr als 10.000 Bände.

Zum Bestand der Bibliothek gehören insgesamt rund 104.000 Drucke vor Erscheinungsjahr 1900. Das bedeutendste Sammelgebiet ist die Nassovica-Sammlung mit etwa 60.000 Titeln, die Bezug zum früheren Herzogtum Nassau und zum Haus Nassau aufweisen. Außerdem besitzt sie 325 Handschriften, darunter der - auch digital verfügbare - Riesenkodex Hildegards von Bingen, 444 Inkunabeln, 6079 Autographen und weitere seltene Werke, die etwa aus dem Kloster Eberbach, dem Kloster Schönau (Strüth) oder auch aus den Regierungsbibliotheken ehemals nassauischer Territorien (z.B. Grafschaft Sayn-Hachenburg) stammen. Besondere Erwähnung verdient die Bibliothek der 1817 aufgelösten Hohen Schule Herborn, bis dahin eine Hochburg des wissenschaftlichen Calvinismus in Deutschland.

Direktoren der Bibliothek von 1813–heute[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Götting und Ruprecht Leppla: Geschichte der Nassauischen Landesbibliothek zu Wiesbaden und der mit ihr verbundenen Anstalten 1813-1914. Festschrift zur 150-Jahr-Feier der Bibliothek am 12. Oktober 1963. Wiesbaden 1963.
  • Hessische Landesbibliothek (Hrsg.): Hessische Landesbibliothek Wiesbaden: ein Informationszentrum für alle. Wiesbaden 1993
  • Erich Liesegang: Der Neubau der Nassauischen Landesbibliothek zu Wiesbaden. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen 31 (1914), S. 1-18.
  • Dieter Wolf: Hessische Landesbibliothek Wiesbaden. In: Regionalbibliotheken in Deutschland. Mit einem Ausblick auf Österreich und die Schweiz. Hrsg. von Bernd Hagenau. Frankfurt am Main 2000, S. 257-262.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbibliothek jetzt unter neuem Dach. In: Wiesbadener Tagblatt, 8. Februar 2011. Abgerufen am 28. April 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hessische Landesbibliothek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien