Hochtaunuskreis
| Wappen | Deutschlandkarte |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Hessen |
| Regierungsbezirk: | Darmstadt |
| Verwaltungssitz: | Bad Homburg vor der Höhe |
| Fläche: | 482,03 km² |
| Einwohner: |
228.332 (31. Dez. 2011)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 474 Einwohner je km² |
| Kfz-Kennzeichen: | HG, USI |
| Kreisschlüssel: | 06 4 34 |
| NUTS: | DE718 |
| Kreisgliederung: | 13 Gemeinden |
| Adresse der Kreisverwaltung: |
Ludwig-Erhard-Anlage 1–5 61352 Bad Homburg v. d. Höhe |
| Webpräsenz: | |
| Landrat: | Ulrich Krebs (CDU) |
| Lage des Hochtaunuskreises in Hessen | |
Der Hochtaunuskreis ist ein Landkreis im Regierungsbezirk Darmstadt in Hessen in Deutschland. Kreisstadt ist Bad Homburg vor der Höhe. Benachbart sind der Landkreis Limburg-Weilburg, der Lahn-Dill-Kreis, der Wetteraukreis, die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main, der ähnlich strukturierte Main-Taunus-Kreis und der Rheingau-Taunus-Kreis.
Bekannt ist der Hochtaunuskreis für seine Immobilien mit sehr hohem Mietniveau sowie für den zweithöchsten Kaufkraftindex aller Landkreise in der Bundesrepublik Deutschland. 2013 betrug der Kaufkraftindex 146 Prozent[2] des Bundesdurchschnitts bzw. 30.165 Euro je Einwohner. Die Städte Königstein im Taunus und Kronberg im Taunus haben mit 191 Prozent[3] und 180 Prozent[4] das höchste Pro-Kopf-Einkommen im Hochtaunuskreis. Sein Nachbar, der Main-Taunus-Kreis, verfügt mit 28.465 Euro je Einwohner bei einem Kaufkraftindex von 138 Prozent über das vierthöchste Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Der Hochtaunuskreis liegt fast vollständig im Taunus, während sein Vorland mit den „Taunusrandstädten“ Bad Homburg, Oberursel (Taunus), Friedrichsdorf, Kronberg und Königstein im Süden, die bereits zur Stadtregion Frankfurt gehören, in die Oberrheinische Tiefebene und im Osten in die Wetterau übergeht. Die höchste Erhebung ist der Große Feldberg (881 m), die tiefste Stelle des Kreises befindet sich bei Ober-Erlenbach, einem Stadtteil von Bad Homburg (128 m). Der Hochtaunuskreis wird gerne in Vorder- und östlichen Hintertaunus unterteilt, wobei der Vordertaunus der Frankfurt zugewandten Seite entspricht (vor der Höhe) und der östliche Hintertaunus, welcher gerne als Frankfurter Naherholungsgebiet genutzt wird, sich auf der anderen Seite des Taunushauptkamms befindet.
Geschichte [Bearbeiten]
Das heutige Kreisgebiet gehörte im Mittelalter zu verschiedenen Herrschaften, zu Kurmainz, den Herren von Kronberg oder zu Eppstein. Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte der südliche Teil zur Landgrafschaft Hessen-Homburg, der nördliche Teil zum Fürstentum, später Herzogtum Nassau.
Nach dem Deutschen Krieg von 1866 entstanden aus Hessen-Homburg und den nassauischen Ämtern Königstein und Usingen der Obertaunuskreis mit Sitz in Bad Homburg. Gemäß der Kreisordnung vom 1. April 1886 wurde ein Teil mit 46 Gemeinden nördlich des Gebirgskammes in einem neuen Landkreis Usingen organisiert. Im Obertaunuskreis verblieben 34 Gemeinden mit einer Fläche von 22.454 Hektar.
1919 wurde der französisch besetzte Teil des Obertaunuskreises – das ehemals nassauische „Amt Königstein“ – abgetrennt und als „Hilfskreis Königstein“ eingerichtet. Erst am 1. Oktober 1928 – nach dem Abzug der französischen Besatzungstruppen – kehrte er zum Obertaunuskreis zurück.
Aufgrund der preußischen Sparverordnungen wurde am 1. August 1932 der Kreis Usingen aufgelöst. Teile des Kreises fielen an die benachbarten Landkreise Wetzlar, Oberlahn und Untertaunus, der Löwenanteil jedoch an den Obertaunuskreis. Schon ein Jahr später, am 1. Oktober 1933 wurde auf Betreiben der örtlichen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) der Landkreis Usingen wieder hergestellt.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden diese beiden flächenkleinsten Landkreise Hessens mit Wirkung vom 1. August 1972 zum neuen Hochtaunuskreis zusammengeschlossen. Als Sitz der Kreisverwaltung und damit als Kreisstadt wurde die Stadt Bad Homburg benannt.[5]
Im Jahr 1991 wurde der Hochtaunus bundesweit durch eine Korruptionsaffäre bekannt.[6][7]
Politik [Bearbeiten]
Landräte des Hochtaunuskreises [Bearbeiten]
| Landrat | Amtszeit |
|---|---|
| Werner Herr | 1972–1979 |
| Henning von Storch | 1979–1985 |
| Klaus-Peter Jürgens | 1985–1991 |
| Jürgen Banzer | 1991–2005 |
| Ulrich Krebs | seit 2006 |
Kreistag [Bearbeiten]
Für den Kreistag sind 71 Abgeordnete zu wählen. Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[8]
| Parteien und Wählergemeinschaften | % 2011 |
Sitze 2011 |
% 2006 |
Sitze 2006 |
|
| CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 39,8 | 28 | 45,8 | 32 |
| GRÜNE | Bündnis 90/Die Grünen | 21,3 | 15 | 11,0 | 8 |
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 19,8 | 14 | 23,3 | 17 |
| FDP | Freie Demokratische Partei | 7,0 | 5 | 9,5 | 7 |
| FWG-Hochtaunus | Freie Wählergemeinschaft Hochtaunuskreis | 6,3 | 5 | 5,7 | 4 |
| Die Linke | Die Linke.WASG-Hochtaunus | 2,2 | 2 | 2,7 | 2 |
| Piraten | Piratenpartei Deutschland | 1,9 | 1 | – | – |
| REP | Die Republikaner | 1,7 | 1 | 2,0 | 1 |
| Gesamt | 100,0 | 71 | 100,0 | 71 | |
| Wahlbeteiligung in % | 51,2 | 47,2 | |||
Partnerschaften [Bearbeiten]
Der Hochtaunuskreis ist im Jahr 1986 eine Partnerschaft mit dem israelischen Distrikt Gilboa eingegangen.
Wappen [Bearbeiten]
Blasonierung: „In Blau ein gespaltener steigender Löwe, vorne von vier silbernen Eisenhüten begleitet, goldbewehrt und neunmal von Silber und Rot geteilt, hinten von vier goldenen Kleeblättern begleitet, rotbewehrt und golden.“
Wappenerklärung: Das Kreiswappen ist eine Kombination der Wappen des Obertaunuskreises und des Kreises Usingen. Die vordere Hälfte entspricht dem hessischen Löwen und steht für die ehemalige Landgrafschaft Hessen-Homburg, die hintere Hälfte des Löwen weist mit der goldenen Tingierung auf das Herzogtum Nassau hin. Die vier Eisenhüte vorne erinnern an die Herren von Kronberg, die vier Kleeblätter hinten sind dem Wappen der Stadt Usingen entnommen. Damit werden die früheren Herrschaften des Kreisgebietes versinnbildlicht. Das Wappen wurde am 12. Juli 1974 genehmigt.
- Siehe auch Liste der Wappen im Hochtaunuskreis
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Die Kreisstadt Bad Homburg ist ein international bekannter Kurort. In Bad Homburg befinden sich mit Fresenius Medical Care und Fresenius SE & Co. KGaA zwei DAX-Unternehmen angesiedelt. Als weitere bekannte Unternehmen mit Sitz im Hochtaunuskreis sind Milupa, die Alte Leipziger Versicherung, die Avis Autovermietung sowie die Thomas Cook Group zu nennen. Auch haben im Hochtaunuskreis die Gillette Group (mit Braun und Oral-B), Jaguar Deutschland (alle in Kronberg), Fidelity Investments Deutschland, die Canton Elektronik und Accenture Deutschland ihre weltweiten Hauptsitze.
Der Hochtaunuskreis besitzt mit 146,3 Prozent[2] (Bundesdurchschnitt = 100 Prozent) die zweithöchste Kaufkraft (das durchschnittlich zur freien Verfügung stehende Pro-Kopf-Einkommen beträgt 30.165 Euro im Jahr) der Bundesrepublik, viele Wohlhabende (wie Banker aus dem benachbarten Frankfurt) haben in und um Bad Homburg ihr Heim gefunden. Das gesamte Kreisgebiet weist sehr hohe Bodenpreise auf und zeichnet sich durch ein allgemein sehr hohes Mietniveau aus. Bundesweit auf Platz eins rangiert der bayerische Landkreis Starnberg (30.509 Euro je Einwohner), den dritten Platz belegt der Landkreis München (29.099 Euro) und den vierten Platz der benachbarte Main-Taunus-Kreis (28.465 Euro), in dem vor allem Bad Soden am Taunus als teure Lage gilt.[2]
Verkehr [Bearbeiten]
Schiene [Bearbeiten]
Das Gebiet des heutigen Hochtaunuskreises liegt abseits der großen Achsen des Fernbahnnetzes, die von Frankfurt ausgehen. Der Südhang des Taunusgebirges, dessen Städte und Dörfer als Bäder und Kurorte, aber auch als bevorzugte Wohngebiete schon vor einhundert Jahren ebenso beliebt waren wie heute, wurde daher von Frankfurt aus durch mehrere Bahngesellschaften mit oft nur kurzen Stichbahnen erschlossen.
Die Homburger Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete ihre Strecke am 10. September 1860, die in Frankfurt vom Main-Weser-Bahnhof ausging. Obwohl sie den kurhessischen Ort Bockenheim umfuhr, brauchte sie für ihre Trasse über Rödelheim–Oberursel nach Homburg, der damaligen Residenz einer kleinen Landgrafschaft und heutigen Kreisstadt des Hochtaunuskreises, die Konzession von vier souveränen Staaten.
In Rödelheim zweigte ab 1. November 1874 eine Stichstrecke der Cronberger Eisenbahn-Gesellschaft zu dem malerischen Taunusstädtchen Kronberg ab. Dessen Nachbarstadt Königstein wurde ab 24. Februar 1902 durch die Kleinbahn Höchst–Königstein erschlossen, die heute ein Teil der Hessischen Landesbahn (HLB) ist. Inzwischen beginnen die Züge aller drei Bahnen am Hauptbahnhof im Zentrum Frankfurts.
Zusätzlich verband ab Mai 1910 die Frankfurter Lokalbahn Bad Homburg und Oberursel-Hohemark durch zwei elektrische Vorortbahnen mit der Großstadt, die heute Teil des Frankfurter U-Bahn-Netzes sind. Schon seit 1899 gab es in Homburg eine elektrische Straßenbahn, die bis 1935 auch eine Linie zum Römerkastell Saalburg betrieb.
Das strahlenförmig von Frankfurt ausgehende Schienennetz im Vordertaunus wurde 1895 über den Taunushauptkamm hinaus verlängert durch die Bahnlinie Homburg–Friedrichsdorf–Usingen, die 1909 über Grävenwiesbach mit der Strecke nach Weilburg an der Lahn verbunden wurde. Seit 1912 führte von Grävenwiesbach auch noch eine Zweigbahn durch das Solmstal nach Wetzlar. Diese ist die Grundlage der heutigen kommunalen Taunusbahn, die heute allerdings schon in Brandoberndorf im Lahn-Dill-Kreis endet.
Von Friedrichsdorf gibt es seit dem 15. Juli 1901 eine Verbindung zur Main-Weser-Bahn nach Friedberg (Hessen) (Bahnstrecke Friedberg–Friedrichsdorf), die im Zuge der Bäderbahn Berlin–Bad Nauheim–Bad Homburg–Wiesbaden jahrelang auch von Schnellzügen befahren wurde.
Dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auf der Schiene dienen heute die S-Bahn-Linien S4 (Frankfurt–Kronberg) und S5 (Frankfurt–Bad Homburg–Friedrichsdorf), sowie die von der Hessischen Landesbahn GmbH betriebenen Strecken Frankfurt–Königstein (Königsteiner Bahn, RMV-Linie 12) und Bad Homburg–Usingen–Grävenwiesbach–Brandoberndorf (Taunusbahn, RMV-Linie 15). Als RMV-Linie 16 wird die Strecke von Friedrichsdorf nach Friedberg betrieben.
An das Frankfurter U-Bahn-Netz angeschlossen sind die Städte Bad Homburg (Linie U2, Endstation Bad Homburg-Gonzenheim) und Oberursel (Linie U3, Oberursel-Hohemark).
Als Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) wurde 1988 ein Zweckverband vom Hochtaunuskreis und allen seinen Städten und Gemeinden gegründet. Der Verband hat die 28,8 Kilometer lange Bundesbahnstrecke Friedrichsdorf–Usingen–Grävenwiesbach zum Kaufpreis von 2,8 Millionen DM erworben, um sie vor der Stilllegung zu bewahren. Alle Linien des öffentlichen Verkehrs sind seit 1995 in den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) eingegliedert.
Straßen [Bearbeiten]
Durch das Kreisgebiet führen die Bundesautobahnen 5 (Frankfurt–Hattenbacher Dreieck) und 661 (Darmstadt–Oberursel). Ferner erschließen mehrere Bundesstraßen und Kreisstraßen das Kreisgebiet, darunter die Bundesstraßen 275, 455 und 456. Die Ferienstraße Hochtaunusstraße verbindet – zwischen Bad Homburg und Bad Camberg – die Sehenswürdigkeiten des Kreises für die Touristen.
Kreiseigene Unternehmen [Bearbeiten]
Der Hochtaunuskreis betreibt mit den Hochtaunus-Kliniken Krankenhäuser in Bad Homburg und Usingen. Zusätzlich ist er Eigentümer der Taunus Menü Service GmbH mit Sitz in Neu-Anspach, diese beliefert die Kliniken, die Oberurseler Werkstätten und einen Teil der Schulen des Hochtaunuskreises mit Gerichten, die im Koch-und-Kühl-Verfahren gekocht und schockgefrostet werden. Gemeinsam mit dem Main-Taunus-Kreis ist der Hochtaunuskreis Träger der Taunus Sparkasse und wichtigster Anteilseigner der Rhein-Main Deponie gGmbH (RMD). Wesentliche Anteile hält der Kreis an dem Zweckverband Naturpark Hochtaunus und dem Zweckverband Verkehrsverband Hochtaunus (VHT). Als Eigenbetrieb werden die Oberurseler Werkstätten für behinderte Menschen geführt. An weiteren Unternehmen wie der Nassauischen Sparkasse, der Süwag und der Nassauischen Heimstätte hält der Kreis Anteile.
Städte und Gemeinden [Bearbeiten]
(Einwohner am 31. Dezember 2011[9])
Städte
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Gemeinden
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Sonstiges [Bearbeiten]
Wichtigste regionale Zeitungen sind die Taunus-Zeitung (ein Kopfblatt der Frankfurter Neue Presse) sowie der Usinger Anzeiger, welcher vorrangig im Hintertaunus vertreten ist.
Siehe auch [Bearbeiten]
- Gottfried Voitel (FDP), hauptamtlicher Beigeordneter des Hochtaunuskreises (1973–1979)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2011 (Hilfe dazu)
- ↑ a b c d Kaufkraft 2013: Deutsche haben 554 Euro mehr. Abgerufen am 21. April 2013.
- ↑ Wirtschaftsdaten, Stadt Königstein im Taunus, abgerufen am 12. Mai 2011
- ↑ Wirtschaftsstrukturanalyse für die Stadt Oberursel (Taunus) (PDF; 3,1 MB), S. 11, Stadt Oberursel (Taunus), abgerufen am 24. Mai 2011
- ↑ Gesetz zur Neugliederung des Obertaunuskreises und des Landkreises Usingen vom 11. Juli 1972
- ↑ Korruption Teure Erde
- ↑ Unter der öffentlichen Hand
- ↑ Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Kreiswahl
- ↑ Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2011
Weblinks [Bearbeiten]
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