Kloster Eberbach

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Zisterzienserabtei Eberbach
Kloster Eberbach 2006
Kloster Eberbach 2006
Lage Deutschland
Hessen
Koordinaten: 50° 3′ N, 8° 3′ O50.04258.04667Koordinaten: 50° 2′ 33″ N, 8° 2′ 48″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
48
Gründungsjahr 1136
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1803
Mutterkloster Kloster Clairvaux

Tochterklöster

Kloster Otterberg (1145)
Kloster Schönau (1145)
Kloster Arnsburg (1174)
Kloster Hocht, später Kloster Val-Dieu (1155)

Basilika des Klosters, Blick von Südosten
Kloster Eberbach - Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655
Modell des Klosters, Abteimuseum Kloster Eberbach

Kloster Eberbach ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster in der Nähe von Eltville am Rhein im Rheingau. Es zählt mit seinen romanischen und frühgotischen Bauten zu den bedeutendsten Kunstdenkmälern Deutschlands.

Im Kloster wurden im Winter 1985/86 fast alle Innenaufnahmen zum Film Der Name der Rose gedreht.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Vorläufer [Bearbeiten]

Vor 1131 gab es an der Stelle der heutigen Gebäudegruppe eine vom Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken gegründete Ansiedlung von Augustiner-Chorherren und Benediktinern.[2] Diese wurden jedoch von Adalbert wegen angeblicher Zuchtlosigkeit von dort wieder vertrieben und siedelten nach St. Aegidius in Mittelheim um.

Entstehung und Blütezeit [Bearbeiten]

Am 13. Februar 1136 traf der von Bernhard von Clairvaux entsandte Gründungskonvent im Rheingau ein. Abt Ruthard und 12 Mönche bezogen die schon bestehenden Klostergebäude. Am 23. Mai 1186 erfolgte die Weihe der um 1145 begonnenen Klosterkirche durch Erzbischof Konrad von Mainz im Beisein des Münsteraner Bischofs Hermann II. von Katzenelnbogen, dessen Familie Kloster Eberbach zu ihrem Hauskloster und ab 1311 den Südteil des Querschiffes der Klosterkirche zu ihrer Familiengrablege machte.

Um 1220 endete mit der Fertigstellung von Konversenbau und Hospitalbau die romanische Bauperiode des Klosters. Das zunächst aus 12 Brüdern bestehende Kloster entwickelte sich rasch zu einem der größten und bedeutendsten Klöster Deutschlands, von dem einige Neugründungen ausgingen: 1142 Kloster Schönau (Odenwald) bei Heidelberg, 1144 Kloster Otterberg in der Pfalz, 1155 Kloster Hocht, später Gottesthal (Val-Dieu) bei Lüttich, 1174 Kloster Arnsburg in der Wetterau). Nach den Bestimmungen des Ordens mussten für die Gründung eines Tochterklosters im Mutterkloster mindestens 60 Brüder leben. In der Blütezeit, im 12. und 13. Jahrhundert, lebten in Eberbach schätzungsweise 100 Mönche und 200 Laienbrüder. Sie schufen in der romanischen, gotischen und barocken Bauepoche ein komplexes System von Klostergebäuden, eine durch die Geschlossenheit des Gesamtbildes und den guten baulichen Erhaltungszustand in Deutschland einzigartige Klosteranlage. In einem Güterverzeichnis, dem „Oculus Memorie“ aus dem Jahre 1211, wird über die Besitzlagen der Abtei Auskunft gegeben.

Reichtum und Probleme [Bearbeiten]

Die Eberbacher Mönche waren auch in wirtschaftlicher Hinsicht sehr erfolgreich, wobei die Haupteinnahmequelle die Erlöse aus dem Weinbau waren. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts transportierte das Kloster sogar auf selbst gebauten Schiffen und einer von Laienbrüdern betriebenen Rheinschifffahrt Wein und Salz bis nach Köln. In einem 1162 für Eberbach ausgestellten Privileg von Papst Alexander III. wird ein Keller und ein Haus in Köln genannt.[3] Auch in Boppard besaß das Kloster im 13. Jahrhundert Höfe. Da diese sehr beengt lagen, bezog es spätestens 1323 einen neuen Hof in der Bopparder Niederstadt,[4] der zu einem großen Verwaltungszentrum für die bedeutenden Besitzungen am Mittelrhein wurde.[5] Heute zeugt noch das Ebertor von diesem Hof.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden klösterliche Räume wie die Fraternei und das Laienrefektorium in Weinkeller umgewandelt. 1476 wurde die Rebsorte Grobrot zum ersten Mal erwähnt. Dies ist der einzige Anhaltspunkt bei der Frage, welcher Wein im Mittelalter im Kloster angebaut wurde[6].

Während des Bauernkriegs raubten 1525 aufständische Rheingauer, die auf der nahegelegenen Wacholder Heide lagerten, Vorräte aus dem Kloster. Dabei wurde das Große Eberbacher Weinfass mit einem Volumen von ca. 71.000 L zu fast zwei Dritteln geleert[7].

Im Dreißigjährigen Krieg nahmen 1631 schwedische Truppen den Rheingau und somit auch das Kloster ein. Noch zuvor verließ der Konvent die Abtei und floh nach Köln. Durch hessische und schwedische Soldaten wurden nicht nur Vorräte beschlagnahmt, sondern auch wertvolle Kirchengeräte verschleppt. Den größten Schaden für die Abtei nahm dabei die Klosterbibliothek, die 1502 noch einen nachweislichen Bestand von 754 Büchern hatte. Viele dieser Bücher wurden abtransportiert und als Kriegsbeute verkauft, die meisten aber vermutlich zerstört. Den bedeutendsten Verlust stellt ein unbekanntes Werk des Philosophen und Theologen Meister Eckhart dar, das heute nirgendwo überliefert ist.[8] Die Mönche kehrten erst 1635 wieder zurück, der Wiederaufbau des Klosters setzte angesichts der immensen wirtschaftlichen Schäden aber nur langsam ein.

Von wirtschaftlichem Aufschwung geprägt war vor allem die Zeit des 18. Jahrhunderts. Jahresrechnungen belegen, dass immer wieder Überschüsse am Frankfurter Kapitalmarkt angelegt wurden. Von 1704 bis 1715 erfolgte die barocke Umgestaltung des Innenraums der Klosterkirche. Es kam auch an den Klostergebäuden zu reger Bautätigkeit.

Niedergang [Bearbeiten]

Der endgültige Niedergang setzte mit der Französischen Revolution ein. Hohe Kriegskosten und eine politische Neuordnung in Deutschland durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) führten zur Übereignung des Klosters an Fürst Friedrich August von Nassau-Usingen, der die Abtei am 18. September 1803 auflöste. Der letzte Abt Leonhard II. Müller von Rüdesheim und seine Mitbrüder wurden zum Verlassen des Klosters gezwungen.

Äbte des Klosters Eberbach [Bearbeiten]

Mönchsdormitorium (Schlafraum)
Konversenbau
  • 1136–1157 Ruthard
  • 1158–1165 Eberhard
  • 1171–1178 Gerhard
  • 1178–1191 Arnold
  • 1192–1196 Gerhard (erneut)
  • 1196–1203 Mefried
  • 1203–1206 Albero
  • 1206–1221 Theobald
  • 1221 Konrad I.
  • 1222–1227 Erkenbert
  • 1228–1247 Rimund
  • 1248–1258 Walter
  • 1258–1261 Werner (durch einen Laienbruder ermordet)
  • 1262–1263 Heinrich I.
  • 1263–1271 Ebelin
  • 1272–1285 Richolf
  • 1285–1290 Heinrich II.
  • 1290–1298 Siegfried
  • 1298–1306 Johann I.
  • 1306–1310 Peter
  • 1310–1346 Wilhelm
  • 1346–1352 Nikolaus I.
  • 1352–1369 Heinrich III. aus Köln
  • 1369–1371 Konrad II.
  • 1372–1392 Jakob aus Eltville
  • 1392–1407 Nikolaus II. aus Boppard
  • 1407–1436 Arnold II. aus Heimbach
  • 1436–1442 Nikolaus III. aus Kaub
  • 1442–1456 Tillmann aus Johannisberg
  • 1456–1471 Richwin aus Lorch
  • 1471–1475 Johann II. aus Germersheim
  • 1475–1485 Johann III. Bode aus Boppard
  • 1485–1498 Johann IV. Edelknecht aus Rüdesheim
  • 1498–1506 Martin Rifflinck aus Boppard
  • 1506–1527 Nikolaus IV. aus Eltville
  • 1527–1535 Lorenz aus Dornberg
  • 1535 Wendelin aus Boppard
  • 1535–1539 Karl Pfeffer aus Mainz
  • 1539–1541 Johann V. Bertram aus Boppard
  • 1541–1553 Andreas Bopparder aus Koblenz
  • 1553–1554 Pallas Brender aus Speyer
  • 1554–1565 Daniel aus Bingen
  • 1565–1571 Johann VI. Monderal aus Boppard
  • 1571–1600 Philipp Sommer aus Kiedrich
  • 1600–1618 Valentin Molitor aus Rauenthal
  • 1618–1632 Leonhard I. Klunckard aus Rüdesheim
  • 1633–1642 Nikolaus V. Weinbach aus Oberlahnstein
  • 1642–1648 Johann VII. Rumpel aus Ballenberg
  • 1648 Johann VIII. Hofmann aus Miltenberg
  • 1648–1651 Christoph Hahn
  • 1651–1653 Balthasar Bund aus Aschaffenburg
  • 1653–1665 Vinzenz Reichmann aus Eltville
  • 1665–1666 Eugen Greber aus Mainz
  • 1667–1702 Alberich Kraus aus Boxberg
  • 1702–1727 Michael Schnock aus Kiedrich
  • 1727–1737 Adolph I. Dreimü(h)len aus Eltville
  • 1737–1750 Hermann Hungrichhausen aus Mengerskirchen
  • 1750–1795 Adolph II. Werner aus Salmünster
  • 1795–1803 Leonhard II. Müller aus Rüdesheim (zum Verlassen des Klosters gezwungen)

Zeit nach der Säkularisation [Bearbeiten]

Nach der Säkularisation 1803 ging die Abtei als Weinbaudomäne in staatliches Eigentum über (Nassau-Usingen: 1803-1866; Preußen: 1866-1945; Hessen: 1945-1997). In den ersten Jahren erfolgte die Teilniederlegung des Kreuzgangs, es kam zur weitgehenden Verschleuderung und Vernichtung des Klosterinventars.
In den Gebäuden befand sich bis 1912 ein Gefängnis. Aufgrund eines Ediktes des Herzogtums Nassau ging am 16. August 1815 aus einzelnen Teilen des Klosters das „Irrenhaus Eberbach“, die spätere Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Eichberg hervor. Die Psychiatrische Klinik war bis 1973 (Vorläufer von Vitos Rheingau) eingerichtet.

Während der Zeit des Kalten Kriegs diente Eberbach der Hessischen Landesregierung als Ausweichsitz für den Notfall. Dabei blieben einige Räume, die mit Kartentischen, Funkanlage, Notstromversorgung und explosionssicherer Beleuchtung ausgestattet wurden, selbst der Klosterverwaltung unzugänglich.[9]

1998 erfolgte die Überführung der Liegenschaft in das Eigentum der gemeinnützigen Stiftung öffentlichen Rechts Stiftung Kloster Eberbach. Der Weinbau wird durch die Hessischen Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach weitergeführt.

Nach mehrfachen Instandsetzungsarbeiten dient Eberbach u.a. als Stätte für kulturelle Veranstaltungen, aber auch als Filmkulisse (z.B. Verfilmung von Umberto Ecos Roman Der Name der Rose 1985). Der Architekturforscher Hanno Hahn, Sohn des Nobelpreisträgers Otto Hahn, promovierte 1953 'summa cum laude' bei Professor Harald Keller an der Universität Frankfurt/Main mit einer Dissertation über Die Kirche der Zisterzienser-Abtei Eberbach im Rheingau und die Romanische Ordensbaukunst der Zisterzienser im 12. Jahrhundert. Der Schriftsteller Berndt Schulz verwendete das Kloster als Kulisse seiner Kriminalromane Regenmord (2007) und Die verzauberten Frauen (2011).

Stiftung [Bearbeiten]

Gründung einer Stiftung öffentlichen Rechts [Bearbeiten]

Mit Wirkung zum 1. Januar 1998 brachte das Land Hessen die gesamte Abteianlage als Grundvermögen in das Eigentum einer rechtsfähigen Stiftung öffentlichen Rechts ein. Die Verfassung der so errichteten „Stiftung Kloster Eberbach“ wurde im Staatsanzeiger für das Land Hessen vom 2. Februar 1998, S. 347 bekanntgemacht.

Die Stiftung hat den Auftrag, das Bau- und Kulturdenkmal Kloster Eberbach durch eine maßvolle, dem Ort angemessene und schonende Nutzung auf Dauer zu erhalten sowie dessen historische Weinbautradition zu bewahren.

Im Rahmen dieses Auftrags wurde im Jahr 2002 ein Zielsystem erarbeitet und in den Stiftungsgremien verabschiedet, das die verschiedenen Aufgaben, die zur Erfüllung des Gesamtauftrags notwendig sind, in einer hierarchisch geordneten Form darstellt (vgl. nachstehende Übersicht).

Stiftungsfinanzierung [Bearbeiten]

Die zur Erfüllung der o.a. Aufgaben notwendigen laufenden Mittel für Unterhaltung und Betrieb der Anlage sind von der Stiftung selbst zu erwirtschaften. Diesem Zweck dienen die von den Besuchern erhobenen Eintrittsgelder und Führungsgebühren ebenso wie die Vermietung von Räumlichkeiten für Veranstaltungen, die Pachterlöse aus der Klostergastronomie oder der Erwerb von Produkten im Klosterladen.

Zur Fortführung des seit 1986 laufenden Programms „Generalsanierung Kloster Eberbach“, mit dem z.T. über Jahrhunderte aufgelaufene Substanzschäden behoben werden, erhält die Stiftung Zuführungen des Landes.

Stiftungsgremien [Bearbeiten]

Verfassungsgemäß verankerte Organe der Stiftung sind das Kuratorium und der Vorstand. Die Amtszeit aller Organmitglieder beträgt sechs Jahre. Bis auf den geschäftsführenden Vorstand sind alle Organmitglieder im Ehrenamt tätig.

Das Kuratorium ist das Aufsichtsorgan der Stiftung und hat darüber zu wachen, dass der Vorstand die dauernde und nachhaltige Erfüllung des Stiftungszwecks betreibt. Das Kuratorium besteht aus fünf Mitgliedern, die von drei mit den Stiftungsaufgaben betroffenen hessischen Landesministerien und den Hessischen Staatsweingütern entsandt werden. Der Rheingauer Weinbauverband besitzt beratende Stimme. Der Vorstand vertritt die Stiftung gerichtlich und außergerichtlich, führt deren Geschäfte und erledigt alle ihm zugewiesenen Verwaltungsaufgaben.

Gebäude der Klosteranlage [Bearbeiten]

Übersicht der Gebäude
Kapitelsaal
  • Klosterkirche: Dreischiffige romanische Basilika auf kreuzförmigem Grundriss, 11-jochig, mit zweizonigem Innenwandaufriss und Kreuzgratgewölbe; mehrere gotische Grabdenkmäler u.a. für Mainzer Erzbischöfe;
  • Nördlich anschließend Kreuzgang: Nordseite teilweise romanisch, teilweise wie die Westseite gotisch, 1804 wird der südliche und östliche Flügel abgebrochen, Verwendung als Spolie in Bauten wie der Moosburg im Schlosspark Biebrich oder der Pfarrkirche von Kelkheim-Münster;
  • An der Ostseite des Kreuzgangs Kapitelsaal: Ein spätgotischer quadratischer Raum mit Sterngewölben auf Mittelsäule, Wandmalereien restauriert;
  • Nördlich anschließend die Fraternei (Arbeitsraum): Ein frühgotischer Raum mit schweren Kreuzgratgewölben, seit dem Mittelalter als Weinkeller genutzt (auch Cabinetkeller genannt); die Qualitätsstufe Kabinett für deutsche Weine leitet sich von hier ab.
  • Darüber (zugänglich von Basilika und Kreuzgang) Mönchsdormitorium: Ein 72 Meter langer frühgotischer Saal mit Kreuzrippengewölben auf niedrigen Säulen mit skulptierten Kapitellen; nur wenige dieser Größenordnung und Qualität sind in Europa erhalten.
  • Nordflügel der Klausurgebäude (im 18. Jahrhundert umgestaltet): Das Mönchsrefektorium ist ein Saal mit barocker Stuckdecke von Daniel Schenk. Ursprünglich gab es ein romanisches Refektorium, das sich längsgerichtet nach Norden erstreckte.
  • Nord- und Westflügel: Seit 1995 ein Abteimuseum (Obergeschoss). Dieses enthält das älteste innerhalb der deutschen Zisterzienserkultur erhaltene Glasfenster (um 1180), die Original-Kapitelle aus dem Kreuzgang, die durch Kopien ersetzt wurden, ferner diverse Skulpturen, Gemälde, barockes Mobiliar und archäologische Funde.
  • Konversenbau (Laienbrüderhaus): Lang gestreckter Bau westlich der Klausurgebäude: Im 45 Meter langen kreuzgratgewölbten Laienrefektorium sind unten 12 historische Keltern untergebracht; datiert zwischen 1668 und 1801. Nördlich daran anschließend Brauhaus und verschiedene, als Wirtschaftsgebäude dienende Anbauten des 17. Jahrhunderts. Darüber das ebenfalls kreuzgratgewölbte Laiendormitorium, mit 83 Meter der größte bekannte Profanraum der Romanik in Europa (nur im Rahmen von Veranstaltungen zu besichtigen).
  • Östlich außerhalb der Klausurgebäude: Hospitalbauten, Kelterhalle und Schatzkammer

Bildergalerie zur Klosterkirche [Bearbeiten]

Bildergalerie zu Schlaf- und Speisesälen [Bearbeiten]

Ehemals klostereigene Weinberge [Bearbeiten]

Fraternei, heute Cabinetkeller

Das Weingut der Zisterziensermönche vom Kloster Eberbach war mit über 300 ha Anbaufläche das größte im europäischen Mittelalter.

Die ehedem klostereigenen Weinberge – allen voran der von den Zisterziensern angelegte, umfriedete Steinberg – befinden sich heute zum überwiegenden Teil im Besitz der Hessischen Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach, das derzeit größte Weingut in Deutschland. Von den ca. 200 ha Anbaufläche sind 3/4 mit Riesling bestockt. Aber auch Chardonnay, Weißburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder und Dornfelder werden angepflanzt. Zum Besitz gehören der Steinberg und Parzellen in besten Lagen wie dem Rauenthaler Baiken, Erbacher Marcobrunn, Assmannshäuser Höllenberg und Rüdesheimer Berg.

Das Weingut betreibt in der neuen Kelterhalle eine Vinothek.

Außenanlagen [Bearbeiten]

Im Jahr 2004 lobte die Stiftung Kloster Eberbach einen beschränkten Wettbewerb für die Neugestaltung der 7,5 ha großen Außenanlagen aus. Das siegreiche Entwurfskonzept vom Berliner Büro Bernard und Sattler Landschaftsarchitekten basiert auf einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem Wesen der ursprünglichen zisterziensischen Gedankenwelt und deren grundlegenden Prinzipien. Ziel für die Neugestaltung der Freianlagen im Kloster Eberbach ist es, dem Besucher die schlichte Klarheit des zisterziensischen Weltbildes zu vermitteln, sowie die Besonderheit des Gebäudeensembles zu betonen. Die bauliche Umsetzung der Außenanlagen erfolgt seit 2006 schrittweise. Die Fertigstellung ist für 2014 geplant.

Im April 2011 wurde die Neugestaltung der Außenanlagen mit dem vom Land Hessen gemeinsam mit der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen ausgelobten Architekturpreis "Auszeichnung vorbildlicher Bauten im Land Hessen" aus 84 eingereichten Arbeiten mit einer von sechs vergebenen Auszeichnungen prämiert.

Aktuelles [Bearbeiten]

Das Kloster ist zentrale Aufführungsstätte für die Konzerte des Rheingau Musik Festivals und anderer Konzertveranstalter. Die zugänglichen Bereiche können täglich entweder individuell oder mit Führung besichtigt werden. Für Tagungen und Veranstaltungen stehen buchbare Räumlichkeiten zur Verfügung.

Eine Besonderheit stellt das Vorkommen der geschützten Äskulapnatter im Klosterbereich dar. Zum Thema werden sporadisch vom Verein Naturschutzhaus Führungen angeboten. Buchbar für Gruppen sind auch Weinproben; zweimal jährlich findet eine Weinauktion statt.

Bei einer Überschwemmung des Klosters durch Regengüsse in der Nacht zum 26. April 2005 kam es zu immensen Schäden. Weite Teile der Klosteranlage waren überschwemmt. Zu der Überflutung kam es, nachdem durch heftigen Regen der Kisselbach über die Ufer getreten war und der unter dem Kloster verlaufende Entwässerungskanal aus dem 18. Jahrhundert einstürzte.

Am 5. März 2008 wurde das Kloster Eberbach in die Liste der Schutzwürdigen Kulturgüter im Sinne des Artikel 1 der „Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten“ aufgenommen.

Am 20. März 2010 fand im ehemaligen Laiendormitorium in Eberbach die Aufnahme des Klosters in die "Charte européenne des Abbayes et Sites Cisterciens" statt. Die "Charte européenne des Abbayes et Sites Cisterciens" wurde 1988 von Vertretern einiger ehemaliger Zisterzienserklöster im Ursprungsland des Ordens, Frankreich, ins Leben gerufen. Inzwischen gehören der Vereinigung mehr als 160 Mitglieder an, vor allem im frankophonen Bereich; im deutschsprachigen Raum sind es inzwischen 16 Zisterzienserstätten.

Das Deutsche Weininstitut (DWI) zeichnete 2010 erstmals „Höhepunkte der Weinkultur“ in den deutschen Weinbauregionen aus. Zu den ersten 13 Höhepunkten der Weinkultur zählt unter anderem das Kloster Eberbach im Rheingau.

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Fakten zum Filmdreh "Der Name der Rose" im Kloster Eberbach.
  2. Vgl. Einsingbach, Wolfgang; Riedel, Wolfgang: Kloster Eberbach im Rheingau. München 2004. S. 17.
  3. Vgl. Rossel, Karl (ed.): Urkundenbuch der Abtei Eberbach im Rheingau. Bd. 1. Wiesbaden 1862. S. 44.
  4.  Otto Volk: Boppard im Mittelalter. In: Heinz E. Mißling (Hrsg.): Boppard. Geschichte einer Stadt am Mittelrhein. Erster Band. Von der Frühzeit bis zum Ende der kurfürstlichen Herrschaft. Boppard 1997, ISBN 3-930051-04-4, S. 318.
  5.  Eberhard J. Nikitsch: DI 60, Nr. 82(†). In: www.inschriften.net. (Online).
  6. Otto Volk, Wirtschaft, Kloster Eberbach
  7. Vgl. Heinemann, Hartmut: Eberbach. Geschichtlicher Überblick. In: Jürgensmeier, Friedhelm; Schwerdtfeger, Regina (bearb.): Die Mönchs- und Nonnenklöster der Zisterzienser in Hessen und Thüringen (Germania Benedictina, Bd. IV/1). St. Ottilien 2011. S. 411.
  8. Vgl. Palmer, Nigel F.: Zisterzienser und ihre Bücher. Die mittelalterliche Bibliotheksgeschichte von Kloster Eberbach im Rheingau. Regensburg 1998. S. 124-125.
  9. Vgl. Artikel auf http://ausweichsitz.de/.

Literatur [Bearbeiten]

  • Engels, Peter; Heinemann, Hartmut; Tilgner, Hilmar: Eberbach. In: Jürgensmeier, Friedhelm; Schwerdtfeger, Regina (bearb.): Die Mönchs- und Nonnenklöster der Zisterzienser in Hessen und Thüringen. S.383-572 (Germania Benedictina, Bd. IV/1). St. Ottilien 2011. ISBN 978-3-8306-7450-4.
  • Einsingbach, Wolfgang; Riedel, Wolfgang: Kloster Eberbach im Rheingau. 17. Auflage. München 2007. ISBN 978-3-422-02105-1.
  • Kaiser, Jürgen; Staab, Josef: Das Zisterzienserkloster Eberbach im Rheingau. Regensburg 2000. ISBN 3-7954-1271-4.
  • Meyer zu Ermgassen, Heinrich (bearb.): Der Oculus Memorie. Ein Güterverzeichnis von 1211 aus Kloster Eberbach im Rheingau. Bd. 1-3 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, Bd. XXXI). Wiesbaden 1981-1987.
  • Nigel F. Palmer: Zisterzienser und ihre Bücher. Die mittelalterliche Bibliotheksgeschichte von Kloster Eberbach im Rheingau. Regensburg 1998. ISBN 3-7954-1189-0.
  • Riedel, Wolfgang (Hrsg.): Das Zisterzienserkloster Eberbach an der Zeitenwende. Abt Martin Rifflinck (1498-1506) zum 500. Todesjahr (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, Bd. 120). Mainz 2007. ISBN 3-929135-53-1.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Kloster Eberbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kloster Eberbach – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien