Safi

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt in Marokko; für andere Bedeutungen siehe Safi (Begriffsklärung).
Safi
Wappen fehlt
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Safi (Marokko)
Safi
Safi
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Doukkala-Abda
Provinz: Safi (Provinz)
Koordinaten 32° 17′ N, 9° 14′ W32.283333333333-9.2333333333333Koordinaten: 32° 17′ N, 9° 14′ W
Einwohner: 344.800 (1. Januar 2004)
Webpräsenz (Stadtverwaltung):

Safi (arabisch ‏أسفي‎, DMG Asfī oder ‏آسفي‎ / Āsfī) ist eine Großstadt in Marokko mit 344.800 Einwohnern (Stand 1. Januar 2004). Die Stadt ist Verwaltungszentrum der Provinz Safi und der Region Doukala-Abda.

Lage[Bearbeiten]

Safi liegt unmittelbar am Atlantischen Ozean in einer Entfernung von etwa 250 km bis nach Casablanca im Norden, ca. 150 km bis nach Essaouira und ca. 300 km nach Agadir im Süden. Nach Marrakesch im Osten sind es ebenfalls etwa 150 km.

Stadtbild[Bearbeiten]

Die Neustadt, die über 90 % der Gesamtfläche von Safi einnimmt, wirkt weitläufig und modern, aber auch stereotyp. Die Altstadt (Medina) innerhalb der portugiesischen Stadtmauern mit ihrem Gewirr von Gassen erscheint dagegen lebendig und urtümlich; hier verbinden sich Wohnen, Handwerk und Kleinhandel zu einem mittelalterlich wirkenden Gesamteindruck.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Safi ist − nach Casablanca − wichtigster Hafen und Industriestandort des Landes. Das Hinterland von Safi − vor allem die Region um Youssoufia und Khouribga − ist sehr phosphatreich; die felsigen und staubtrockenen Böden werden großflächig gesprengt, abgebaggert, zerkleinert, chemisch zu Granulat weiterverarbeitet und als Düngemittel exportiert. Die gesamte Phosphatproduktion Marokkos sowie die Weiterverarbeitung und der Export liegen in der Hand des staatlichen Office Chérifien des Phosphates (OCP). In den letzten Jahren ist verstärkt von Gesundheits- und Umweltproblemen durch Industriestaub und die chemische Weiterverarbeitung die Rede. Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahrzehnten auch andere Industriezweige (Chemie, Textil) in und um Safi angesiedelt.

Auch als Fischereihafen ist Safi von Bedeutung; die Fänge (hauptsächlich Sardinen) werden zu einem erheblichen Teil in Konservenfabriken weiterverarbeitet. Die Nahrungsmittelkonservierung (Obst, Gemüse, Tomaten) spielt eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Stadt.

Safi ist auch bekannt für seine Keramik-Märkte und seine Keramik-Industrie. Neben Dekor- und Gebrauchskeramik stellt man hier auch − aus längsgeteilten, leicht konischen Röhren, die auf der Töpferscheibe gedreht werden − die grün glasierten Dachziegel her, mit denen in Marokko Moscheen, Mausoleen, Medersen und Königspaläste gedeckt sind.

Phantasievolle Zeichnung von 'Tzaffin' aus dem Jahr 1572

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits der Geograph Idrisi (12. Jh.) und der Gelehrte Ibn Khaldoun (14. Jh.) berichteten von Asfi/Safi als einer wichtigen Hafenstadt. Nachdem bereits im Jahre 1253 die Genuesen einen Stützpunkt in Safi errichtet hatten, dessen weitere Geschichte jedoch im Dunkeln liegt, gründeten Mitte des 15. Jahrhunderts die Portugiesen eine Handelsniederlassung (Sklaven, Gold, Elfenbein) als Zwischenstation auf ihrem Weg nach Schwarzafrika und Indien. Von 1508 - 1541 war die Stadt fest in portugiesischer Hand und wurde von einer ca. 3 km langen geböschten Mauer umgeben. Aufgrund wiederholter Angriffe der Berber in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mussten die Portugiesen den Ort jedoch wieder aufgeben. Als Handelsstadt war Safi weiterhin von Bedeutung, im 17. und 18. Jahrhundert bestanden rege Kontakte nach Europa.

Safi - Meeresschloss (Dar-el-Bahr)
Safi - Blick über die Altstadt (Medina) mit dem almohadischen Minarett der Großen Moschee auf die Kechla

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Außerhalb der Altstadtmauern, westlich der Place de l´Indépendance, entstand im 16. Jahrhundert die portugiesische Festung Dar el-Bahr ('Meeresschloss') mit − in späterer Zeit hinzugefügten − interessanten Bronzekanonen. Vom südlichen Turm der Festungsanlage bietet sich ein schöner Altstadtblick.

Sehenswert sind die Große Moschee (Jemaa el Kebir) mit ihrem unverputzten Minarett aus almohadischer Zeit; sie erhebt sich an der Stelle der − möglicherweise unvollendet gebliebenen − portugiesischen Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert. Im Süden der Moschee blieb der im manuelinischen Stil errichtete Chor des christlichen Sakralbaus (Chapelle Portugaise) erhalten.

Am östlichen Rand der Altstadt liegt die ebenfalls aus portugiesischer Zeit stammende, imposante Festung Borj ed-Dar („Festung der Residenz“), die auch Kechla (abgeleitet vom portugiesischen castelejo) genannt wird. Innerhalb der starken Mauern befinden sich eine kleine Moschee und der Palast (Dar el-Makhzen), in dem ein Keramikmuseum untergebracht ist.

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach der Stadt Safi (in Europa Tzaffin genannt) ist das Saffianleder benannt, ein in Europa seit der Barockzeit sehr beliebtes Leder aus Ziegen- und Schafhäuten.

Am 25. Mai 1969 und am 17. Mai 1970 war Safi Ausgangspunkt der beiden Versuche Thor Heyerdahls, den Atlantik mit den Papyrusbooten Ra und Ra II zu überqueren und so die Möglichkeit eines frühen Kulturkontaktes von Nordafrika (Ägypten) nach Mittel- und Südamerika nachzuweisen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam – Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. 4., aktualisierte Auflage. DuMont, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7701-3935-4, S. 320ff.
  • Ingeborg Lehmann, Rita Henß: Marokko. 8. Auflage. Baedeker, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-8297-1251-4, S. 398ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Safi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien