Lazarus-Orden

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Das grüne Malteserkreuz - das Symbol des Lazarus-Ordens

Der Lazarus-Orden oder Orden des Heiligen Lazarus, (offiziell: Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem) ist eine christliche ritterliche Ordensgemeinschaft, die im Mittelalter vor über 900 Jahren als geistlicher Ritterorden in Jerusalem gegründet wurde.

Bis zu seiner Säkularisation im Jahr 1772 bestand der Lazarusorden als Orden päpstlichen Statuts. Der Lazarusorden ist heute kein Ritterorden mit Anerkennung der katholischen Kirche. Er unterscheidet sich darin von den päpstlichen Ritterorden (Christusorden, Orden vom Goldenen Sporn, Piusorden, Gregoriusorden und Silvesterorden), vom Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem und vom Malteserorden. Der Lazarusorden steht unter geistlichen Protektorat des unierten melkitisch griechisch-katholischen Patriarchen, das seit 1841 besteht, der mit dem römischen Papst verbunden ist.

Seit dem 20. Jahrhundert ist der Lazarusorden ein ökumenisch ausgerichteter Orden. Die Aufnahme in den Orden steht nur Christen aller Kirchen offen, die sich auf dem Nicäno-Konstantinopolitanum begründen. Es ist damit der Lazarusorden der einzige Orden, der Westkirche, Ostkirche, Evangelische Kirche und Anglikanische Kirche vereint. Der Lazarusorden ist ein hospitalisch ausgerichteter Orden. Seit seiner Gründung blickt der Orden auf eine bedeutende Geschichte seiner hospitalischen Tätigkeit zurück, die in der Entstehung des Begriffes „Lazarett“ ihre geschichtliche Würdigung erhalten hat. Traditionell war der Orden über Jahrhunderte hinweg in der hospitalischen Betreuung von Leprakranken engagiert. Dank der modernen Medizin ist dies kaum mehr von Bedeutung. Heute ist der Lazarusorden in der weltweiten karitativen Hilfe für Bedürftige und im Bereich der Alten- und Krankenhilfe tätig. Die spirituelle Basis dafür entspringt der gelebten christlichen Nächstenliebe - wie das Vertreten und das Leben christlicher Werte im Alltag überhaupt. Das Lazarus Hilfswerk, über das Humanitäre Großpriorat Europa mit dem vereinigten Orden verbunden, war in den letzten Jahrzehnten in enger Zusammenarbeit mit kirchlichen Institutionen in Polen, Litauen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Russland, Mazedonien und während der Tsunamikatastrophe auf Nias tätig. Es unterhält Einrichtungen der Krankenpflege (Ambulante Krankenpflege und Sozialstationen) und führt St. Lazarus-Häuser, sowie initiierte Lazarus-Einrichtungen in diesen Ländern. Die militärische Ausrichtung manifestiert sich heute nur noch in ordensinternen Strukturen und ist als historisch zu bezeichnen. Die Ordensgemeinschaft führt das grüne achtspitzige Kreuz als Ordenssymbol. Im Jahr 2007 hatte der Orden weltweit ca. 4.500 Mitglieder.

Geschichte[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Die Ordensgemeinschaft entwickelte sich im 11. Jahrhundert aus einer monastischen Spitalbruderschaft, die ein Leprosorium betrieb, das außerhalb der Stadtmauern von Jerusalem gelegen war, und Leprakranke aufnahm und pflegte. Der Orden folgte der Ordensregel des Augustinus von Hippo. Aus dem umfangreichen hospitalischen Wirken des Lazarus-Ordens über Jahrhunderte entstand letztendlich der Begriff „Lazarett“ als Synonym für Hospital und Hospiz. Ein einfaches, getatztes grünes Stoffkreuz auf der Brust des schwarzen Habits beziehungsweise an der linken Schulter ihres Mantels war – wohl seit dem 12. Jahrhundert als Raymond du Puy gleichzeitig Großmeister der Johanniter und Lazariter war – Symbol des Lazarusordens. Ursprünglich war der Lazarusorden rein hospitalisch ausgerichtet, übernahm aber noch zur Zeit der Kreuzzüge zunehmend militärische Aufgaben im Heiligen Land. Im 12. Jahrhundert breitete sich der Orden auf die Herkunftsländer der Kreuzfahrer aus. Nach dem Verlust des Heiligen Landes verlegte der Orden seinen Sitz nach Europa. Seit 1308 stand der Orden unter dem erblichen Protektorat der französischen Könige, das bis 1830 andauerte. Seit 1841 steht der Orden unter dem Protektorat der melkitisch griechisch-katholischen Patriarchen, die mit Rom uniert sind.

Wappen des St. Lazarus-Ordens
Lazariterkirche Gfenn in Dübendorf, Schweiz, 13. Jh.

Mittelalterliche Entwicklung des Ordens[Bearbeiten]

Die erste dokumentarische Erwähnung des Lazarus-Ordens findet sich im Jahre 1043 in einer päpstlichen Bulle von Papst Benedikt IX., worin er dem Orden bestimmte Privilegien bewilligte. Aber bereits seit dem 4. Jahrhundert ist ein Hospital vor den Stadtmauern Jerusalems bekannt, das durch armenische Mönche geführt wurde. Ab dem 9. Jahrhundert existierten dann zwei weitere Hospitäler in Jerusalem, das Marienhospital und das Hospital des Heiligen Johannes, aus dem später der Hospitaliter- bzw. Johanniter-Orden hervorging. Diese drei Hospitäler wurden gemeinhin als "Hospital von Jerusalem" bekannt.

Vor 1098 stand der Orden unter der Jurisdiktion des griechischen Patriarchen von Jerusalem. Nach der Eroberung Jerusalems im Ersten Kreuzzug kam der Orden unter die Jurisdiktion des römischen Patriarchen von Jerusalem.

Die Aktivitäten des Ordens waren ursprünglich rein hospitalischer Art. Wann genau die Umwandlung in einen ritterlichen Orden erfolgte, ist nicht mit Jahreszahl überliefert. Seine militärischen Funktionen ergaben sich aus dem Umstand, dass die geistlichen Ritterorden ihre an Lepra erkrankten Mitbrüder an den Lazarusorden überstellten. Überliefert ist, dass bereits in der Schlacht von Montgisard im Jahre 1177 ein Kontingent des Lazarusordens entscheidend zum Sieg über das Heer Saladins beigetragen hat.

Bereits im 12. Jahrhundert breitete sich der Orden auf die Herkunftsländer der Kreuzfahrer aus. König Ludwig VII. von Frankreich verlieh 1154 dem Orden den königlichen Status und wies ihm das Schloss Boigny in der Nähe von Orléans als Sitz zu.

Patriarch Robert von Nantes berichtete an den Papst, dass in der Schlacht von La Forbie am 18. Oktober 1244 alle anwesenden Lazarusritter den Tod fanden.[1] Der Orden nahm unter hohen Verlusten von 1248 bis 1250 am sechsten Kreuzzug teil und erhielt von König Ludwig IX. von Frankreich ein Haus in Damiette geschenkt, dass nach der Aufgabe der Stadt im Mai 1250 aber wieder geräumt werden musste.[2] Im Jahr 1252 griff der Orden in der Nähe von Ramla eine arabische Karawane an um eine große Vieherde zu erbeuten, allerdings wurden die Lazarusritter nach einem Gefecht mit Sarazenenkriegern geschlagen. Laut Joinville hatten nur vier Ordensritter den Kampf überlebt.[3]

1253 erteilte Papst Innozenz IV. dem Orden die Erlaubnis auch Großmeister zu ernennen die nicht an Lepra leiden.[4] 1291 beteiligten sich fünfundzwanzig Ordensritter bei der Verteidigung von Akkon, die alle während des Kampfes getötet wurden.[5] Der Orden war danach gezwungen, das Heilige Land zu verlassen, und Boigny wurde der Sitz des Großmagisteriums. Neun Jahre später stellte Urban IV. die Lazariter unter den direkten Schutz des Heiligen Stuhls und bezeichnet den Orden als „ordo militia“ und stellte ihn damit auf eine Stufe mit den großen Ritterorden der Zeit.[6]

14. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahr 1308 stellt der König König Philipp IV. von Frankreich den Lazarusorden unter das erbliche Protektorat der französischen Krone, das bis 1830 andauern soll. Im Laufe des 14. und 15. Jh. entfaltete der Orden neben dem hospitalischen Dienste an den Leprakranken auch wieder vereinzelt militärischen Aktivitäten.

Mit der Bulle Nos igitur vom 28. März 1489 verfügte Papst Innozenz VIII. die Inkorporation des Lazarusordens und des Kanonikerordens vom Heiligen Grab in den Orden der Johanniter. Eine Umsetzung der Bulle blieb jedoch auf wenige Gebiete beschränkt, wo die Besitztümer tatsächlich an den Johanniterorden fielen. Aufgrund des Widerstands diverser Herrscher erwies sich die Umsetzung der Bulle als undurchführbar. Der französische König sah in der Bulle die Pragmatische Sanktion von Bourges verletzt und damit seine königlichen Hoheitsrechte. Er negierte die Bulle kurzerhand und bestätigte dem Orden gleichzeitig seine Privilegien. Damit bestand der Lazarusorden an seinem Hauptsitz in Boigny ungehindert weiter fort - wie auch an allen anderen Gebieten die Boigny unterstanden und außerhalb Frankreichs lagen. In den folgenden Jahren erfolgte eine schleichende Rücknahme der Bulle. Aufgrund der Intervention Kaiser Karls V. restituierte Papst Leo X. den sizilianischen Zweig des Ordens, exakter das Priorat von Capua, welches sich in Folge 1517 vom französischen Zweig in Boigny spaltete. Papst Pius IV. versuchte in der Folge, mit der Bulle Inter assiduas vom 9. Februar 1562, eine Restauration aller Privilegien nur und ausschließlich für das Priorat Capua des Lazarusorden auszustellen.

Der 1572 von Papst Gregor XVI. gegründete Mauritiusorden war der Grund, weshalb dem Priorat Capua nur eine kurze Existenz beschieden war. Im November gleichen Jahres wurde dieser mit dem Priorat Capua zum „Orden des Heiligen Mauritius und Lazarus“ vereint.

In Frankreich wurde der Großmeister des Lazarusordens, Philibert Marquis de Nérestang (1604–1620) in Personalunion ebenfalls zum Großmeister des Ordens unserer lieben Frau vom Berge Karmel ernannt. Die selbst Orden werden nicht vereinigt, sondern sie bestehen in Eigenständigkeit, jedoch in Personalunion, fort. Korrekter Weise wurde seither die offizielle Bezeichnung in Frankreich stets in der Mehrzahl gehalten ("Ordres Royaux, Militaires et Hospitaliers de Notre-Dame du Mont-Carmel et de Saint-Lazare de Jérusalem"), um die aufrechte Eigenständigkeit darzustellen.[7]

Im 17. und 18. Jahrhundert avancierte der Lazarusorden zu einem der bedeutendsten Orden Frankreichs und erlebt eine prosperierende Zeit. Diese endet mit der Französischen Revolution, in der der Großmeister den Orden weiterführt.

Der Almanach Royal der Regierungszeit Ludwigs XVIII. (Frankreich) listet den Lazarus-Orden weiterhin als bestehenden Orden auf und nennt 1824 Ludwigs Nachfolger Karl als Protektor des Ordens.

Die Entwicklung der Folgejahre ist wissenschaftlich umstritten. Jedoch folgen zahlreiche neutrale Historiker der These von Peter Bander van Buren, dass 1830 – nach der Julirevolution und der Abdankung Karls – einige Offiziere den Orden weiter geführt haben.[8] Seit 1841 stand der Orden wieder unter dem Schutz des melktisch-griechisch-katholischen Patriarchen von Jerusalem, zahlreiche Neuaufnahmen sind bis in die 1930er Jahre belegt.[9] Die Rückkehr zu den überlieferten Strukturen des Ordens erfolge 1930. Francisco de Borbón y de La Torre, Herzog von Sevilla, wurde in diesem Jahr zum Generalleutnant des Ordens ernannt und fünf Jahre später zum Großmeister gewählt.[10] Im Jahre 1968 spaltete sich der Orden in die „Obedienz von Malta - MO“ und die „Obedienz von Paris - PO“ und in den Folgejahren in weitere Gruppierungen. Verhandlungen zur Wiedervereinigung scheiterten im Jahr 19 Vertreter beiden Obedienzen verfolgten das Ziel der Zusammenlegung beider Obedienzen weiter. Schließlich wurden diese Bemühungen mit Erfolg gekrönt. Die beiden Großmeister traten 2004 und 2008 zurück und ermöglichten so 2008 in Manchester die Wahl eines gemeinsamen Großmeisters. Vielen vorübergehend zur Orlean-Gruppe gewechselten nationalen Jurisdiktionen kehrten 2008 in den Vereinigten Orden zurück.

Jurisdiktionen im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Großballei Deutschland

Einzige legitime nationale deutsche Jurisdiktion im Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ist nach der Wiedervereinigung am 1. Januar 2012 (Zusammenlegung des Großpriorates und der Großballei) die Großballei Deutschland.[11] Die Position des Großbailli ist seit dem Tod des früheren Grobailli Alfons Fürst von Metternich und Tatjana Fürstin von Metternich die bis zu ihrem Tod sein Amt übernahm, vakanter Staatssekretär a.D. Clemens Stroetmann leitet die Jurisdiktion nach seiner Einsetzung durch den 49. Großmeister ab April 2012 als Bailli. Die Großballei ist in sieben Kommenden unterteilt: Schlatt, Berlin, Bayern, Hessen-Nassau, Rheinland, Schleswig und Württemberg.

Darüber hinaus gibt es seit 2008 die direkt dem Großmeister unterstellte neue Erbkommende Wallendorf. Die 1973 errichtete Erbkommende Rheinland wurde auf deren Wunsch nach dem Tod des Erbkommendadors Generalkonsul von Malta Paul R. Kraemer aufgelöst.

Humanitäres Grosspriorat Europa und Lazarus Hilfwerk

Mit Hauptsitz in der Bundesrepublik Deutschland (Hürth/Köln) gibt es seit 1988 das international tätige Humanitäre Großpriorat Europa - GPEU. Es handelt sich dabei um eine Jurisdiktion nunter dem Protektorat des Großmeisters, das mit Dekret des Großmeisters vom Grossmagistlerium eingerichtet wurde und als institutionellles Bindeglied die internationale humanitäre Hilfe des 1973 von Ordenmitgliedern gegründeten Lazarus-Hilfswerk(LHW) einbindet. Es berät andere nationale Ordensjurisdiktionen und deren Freiwilligenorganisationen beim Aufbau von nationalen Lazarus-Hilfsorganisationen und hat die Wiederbauarbeit der Ordenszweige in Polen, Ungarn, Kroatien und Mazedonien und ihrer Lazarus-Hilfsweke durch begleitende humanitäre Hilfsmaßnahmen unterstützt. Das Hum. Großpriorat war auch Initiator der Tsunamihilfe des Ordens in Indonesien, während das LHW mit seinem Team für die erfolgreiche Durchführung im Tsunami-Schadensgebiet auf der Insel Nias verantwortlich war. Der langjährige Präsident des LHW und Initiator der LHW-Gründung Kreisverwaltungsdiretor a.D. Klaus-Peter Pokolm, führt nach Errichtung des Großpriorates EU dies Jurisdiktion als Großprior.

Österreich[Bearbeiten]

Nach den beiden Weltkriegen begann auch in Österreich der Lazarus-Orden wieder aufzublühen, indem 1968 die Wiedererrichtung eines Großpriorats für Österreich erfolgte und Erzherzog Leopold Franz von Österreich-Toskana zum Großprior ernannt wurde. Ziel der damaligen Verantwortlichen war es auch, den Orden kirchlich und staatlich in einer angemessenen Rechtsform zu verankern.

So wurde auf Beschluss der Österreichischen Bischofskonferenz vom 6. bis 8. April 1976 der Lazarus-Orden (Paris Obedienz) per Dekret Seiner Eminenz Franz Kardinal König vom 15. Dezember 1977 (Z. 1202-77) gemäß dem damaligen kanonischen Recht Par. 708 CIC/1917 als Pia Unio errichtet und erlangte damit Rechtspersönlichkeit im kirchlichen Bereich. Auf Grundlage des Konkordates 1933 folgte die Erlangung der Rechtspersönlichkeit für den staatlichen Bereich mit 21. Juli 1980. Das Großpriorat von Österreich tritt seither ausschließlich unter seinem kirchlichen Namen „Ritter des Heiligen Lazarus zu Jerusalem - Großpriorat von Österreich oder kurz Lazarus-Orden“ (Zit. Dekret Kard. König) in Erscheinung. Es untersteht seither der österreichischen Bischofskonferenz und ist aufgrund seiner kanonischen Rechtsform unter der Jurisdiktion des römischen Kirchenrechts. Das Großpriorat von Österreich ist Teil des seit 2008 Vereinigten Ordens unter dem Großmeister Carlos Gereda y de Borbon und dem spirituellen Protektor Patriarch Gregorios III. Laham. Das kirchenrechtliche Statut des Großpriorates und die dadurch bedingte Eigenständigkeit waren im Wiedervereinigungsvertrag von 2008 inhaltlich voll akzeptiert worden. Im April 2008 wurde der Propst von Stift St. Florian Prälat Johann Holzinger Can.Reg. als Ordensprälat des Großpriorates von Österreich installiert. Seit 2009 leitet Mag. Robert Richard Rintersbacher als Statthalter des Großpriorat. Das Amt des Großpriors ist seit 2008 vakant. Bis zu seinem Ableben im Jahr 2011 fungierte Otto von Habsburgals Ordensprotektor des Großpriorates von Österreich.

Daneben tritt die „Großballei Österreich“ als zivilrechtlich organisierte Jurisdiktion des Lazarusorden auf. Die Großballei Österreich entstand im Rahmen der internationalen Ordenspaltung von 1973 und war in der Folge die österreichische Repräsentanz der Obedienz Malta. Die Großballei Österreich des Lazarusordens gründete 1973 nach dem deutschen Vorbild von 1972 in Deutschland in Österreich auch ein Lazarus Hilfswerk (LHW).

Das kirchenrechtlich konstituierte Großpriorat und die Großballei stellen die einzigen legitimen Jurisdiktionen in Österreich dar.

Jurisdiktion Liechtenstein[Bearbeiten]

Im Jahre 1978 wird, mit starker Unterstützung durch das Großpriorat von Österreich, die Kommende des Lazarusordens in Liechtenstein gegründet. Im Laufe der Zeit wird diese zum Priorat und durch Dekret des Großmeisters des wiedervereinigten Ordens, Carlos Gereda y de Borbon, Marquis de Almazan, zum Großpriorat. Die "Ritter des Heiligen Lazarus von Jerusalem, Grosspriorat von Liechtenstein" so die offizielle Bezeichnung, ist ein im Handelsregister des Landes Liechtenstein eingetragener und steuerbefreiter Verein, der über die letzten Jahrzehnte zahlreiche Hilfsprojekte unterstützte und das Kinder- und Sorgentelefon 147 sowie das Lazarus Hilfswerk (LHW) e.V. gründete. Alle Vereine sind aufgrund ihres karitativen Charakters von der liechtensteinischen Regierung als sozial allgemeinnützig anerkannt und steuerbefreit. Alle drei Vereine sind in der nördlichsten Gemeinde Liechtensteins, Ruggell, domiziliert und engagieren sich in nationalen wie internationalen Hilfs- und Sozialprojekten.

Großmagisterium[Bearbeiten]

Spititueller Protektor des Ordens ist Patriarch Gregorios III. Laham, der als Patriarch von Antiochien und dem Ganzen Orient, von Alexandrien und von Jerusalem, das Oberhaupt der mit Rom unierten melkitisch griechische-katholischen Kirche ist. Großmeister des Ordens ist Don Carlos Gereda y de Borbon, Marques de Almazan - ihm obliegt die Leitung des Ordens. Nach der gültigen Ordensverfassung wurde er vom Generalkapitel gewählt. Ihm zur Seite steht der Coadjutor, derzeit Don Francisco de Borbon y von Hardenberg, als Stellvertreter des Großmeisters. Ferner besteht das Großmagisterium aus verschiedenen Großkapitularen (Großkanzler, Großkomtur, Großhospitalier, Großjustitiar etc.). Offizieller Sitz des Ordens ist das Castello Lanzun in San Ġwann auf der Insel Malta.

Mitglieder[Bearbeiten]

In den Orden finden weibliche und männliche Mitglieder Aufnahme. Es existieren sechs Ordensränge: Mitglied, Offizier, Kommandeur, Ritter, Komturritter, Großkreuzritter. Weibliche Mitglieder werden als Ordensdamen bezeichnet. Für Ordenskleriker existieren die Ränge Assistenzkaplan, Kaplan, Seniorkaplan, kirchlicher Komtur und kirchliches Großkreuz.

Ordenskleidung und Insignien[Bearbeiten]

Ein grüngefütterter schwarzer Radmantel mit einem achtspitzigen grünen Kreuz auf der linken Schulter wird von allen Mitgliedern des Lazarusordens getragen. Katholische Geistliche tragen eine schwarze Ordensmozetta. Weiters steht es den Ordensrittern zu eine Ordensuniform zu besitzen, die jedoch ausschließlich an höchsten Ordensanlässen getragen wird. Die Insignie besteht aus einem achtspitzgen Kreuz, das grün emailiert und weiß bordiert ist. Das Mittelmedaillon zeigt szenisch die Erweckung des Heiligen Lazarus aus dem Grabe durch Jesus Christus. Die Insignie wird an einem grünen Ordensband getragen und unterscheidet sich nach Ordensrang. Daneben bestehen Verdienstauszeichnungen.

Weitere Organisationen mit Lazarus-Bezug[Bearbeiten]

Weitere Organisationen benutzen das grüne achtspitzige Kreuz und stehen in namensähnlicher oder ideeller Natur zum historischen Orden, ohne allerdings Teil des Lazarus-Ordens zu sein.

Ritter des Heiligen Lazarus zu Jerusalem, Priorat Deutschland

Diese Organisation wurde 2008 von deutschen Mitgliedern des Lazarus-Hilfskorps gegründet und ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Ende 2009 wurden die Überprüfungen zur Konstituierung als privater, kirchlicher Verein (CIC 298, 299) abgeschlossen. Das Priorat in Deutschland ist eine Neugründung und sieht sich nicht in einer Rechtsnachfolger des "alten" Ritterordens.

Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem (Orléans-Gruppe)

Bei dieser Gruppierung handelt es sich um eine Abspaltung von der Obedienz von Paris, die sich 2004 ereignete. Diese sogenannte Orléans-Gruppe wählte Charles-Philippe d'Orléans, Herzog von Anjou, zu ihrem Großmeister und László Kardinal Paskai zu ihrem spirituellen Schirmherrn. Kurz darauf wurde der Onkel des Herzogs, der Graf von Paris gebeten, die säkulare Schirmherrschaft zu übernehmen. Nach dem unerwarteten Rücktritt des Herzogs von seiner Position als Großmeister im Jahre 2010 wird die Orléans-Gruppe verfassungsgemäß von dem anglikanischen Bischof Richard Garrard als General-Administrator geführt. Seit 2012 hat der Orden seinen offiziellen Sitz wieder in Jerusalem, womit die säkulare Schirmherrschaft der früheren französischen Königsfamilie nicht mehr nötig und damit erloschen ist. Seit 2011 besteht die Kommende Heiliges Land. 2012 wurde die Kommende Äthiopien gegründet. Im germanophonen Raum existieren z.B. die Großpriorate Norwegen, Dänemark und Schweden sowie die sogenannte Großmagistralkommende Deutschland (als Delegation) und das Großpriorat Österreich (als Delegation). Im frankophonen Raum existieren z.B. die Großpriorate Frankreich und Schweiz, im anglophonen Raum die Kommanderien Großbritannien und USA. Daneben gibt es viele weitere Jurisdiktionen.

Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem (Malta)

Im Frühjahr 2004 entließ der 48. Großmeister, Francisco de Paula de Borbón y Escasany, Herzog von Sevilla, 10 Würdenträger aus dem Orden der Malta Obedienz, unter ihnen den damaligen Großprior von Italien. Diese gründeten darauf mit Gleichgesinnten einen abgetrennten neuen Malta-Zweig, den „Militärischen und Hospitalischen Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem (Malta)“. Großvikar ist Basilio Viola. Als Grand Spiritual Prior and Spiritual Protector wurde Monsignore Ronald Philippe Bär OSB, ehemaliger römisch-katholischer Bischof von Rotterdam und Militärbischof der Niederlande gewählt.

Vereinigte Großpriorate des Hospitalischen Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem (Malta)

Die Vereinigten Großpriorate sind ein Bündnis von Organisationen, die sich an die Geschichte des Lazarusordens sehr lose anlehnt. Teile nennen sich Großpriorate, andere sind Hilfsvereine, die ihre internationale karitative Arbeit koordinieren. Diese Gruppierung ist nicht zum Lazarusorden zu zählen, da sie den ursprünglichen Orden als aufgelöst betrachtet und keinen der gewählten Großmeister anerkennt. Im deutschsprachigen Raum wurden die Delegation Deutschland und ein vereinsrechtlich konstituiertes sogenanntes " Großpriorat Österreich" gegründet. Dieses ist jedoch nicht mit dem kirchlich anerkannten Großpriorat von Österreich des Lazarus-Ordens zu verwechseln, das kirchliche Rechtspersönlichkeit als Pia Unio besitzt und der Jurisdiktion der österreichischen Bischofskonferenz untersteht.

Lazarus Union (Union Corps Saint Lazarus International - CSLI)

Die "Lazarus Union" (Union Corps Saint Lazarus International - CSLI) ist eine unabhängige unter der ZVR 023914681 staatlich registrierte, staatlich anerkannte und von den Vereinten Nationen (UNO) als NGO "mit Sonderberaterstatus bei den Vereinten Nationen" anerkannte Freiwilligen-Hilfsorganisation. Die Lazarus Union als registrierte und anerkannte NGO (Non Governmental Organization, Reg.no. (=Profile Code) 632158) erhielt am 1. Mai 2014 den „Special Consultativ Status“ (=Sonderberaterstatus) bei der ECOSOC (Economic and Social Council) der Vereinten Nationen, ist nunmehr (als erste und derzeit einzige Lazarus-Gruppierung) offiziell bei den Vereinten Nationen akkreditiert und als "Beobachter" zugelassen. Die Lazarus Union - CSLI ist aber weder ein geistlicher noch ein weltlicher Orden, sondern eine weltweit karitativ tätige Hilfsorganisation im Geiste des Hl. Lazarus und seit dem 1. Januar 2012 eine unabhängige Hilfsorganisation im Verbund der Vereinigten Großpriorate des Hospitalischen Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem (Malta) organisiert. Mit derzeit weit über 16.500 Mitgliedern (Stand vom 1. Mai 2014) in mehr als 75 Ländern auf allen Kontinenten, stellt diese Organisation derzeit die weltweit größte Hilfsorganisation im Umfeld der Lazarus-Gruppierungen dar. Es besteht der Wunsch und das Bestreben (festgehalten in den Statuten und im Leitbild der Lazarus Union), mit allen Lazarus Hilfsorganisationen friedlich und respektvoll zusammen zu arbeiten, wo und wann immer es möglich und auch gewünscht ist. Die Grundsätze der Lazarus Union sind: Toleranz, Demut, Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Neben den karitativen Tätigkeiten nimmt das "Music Corps der Lazarus Union" an Paraden und Aufmärschen von Traditions- und Veteranenorganisationen teil und bestreitet pro Jahr mehrere Benefizkonzerte für Bedürftige in Eigenregie. Es gibt außerdem innerhalb der Lazarus Union ein "Air Corps" und ein "Navy Corps". Der Titularsitz des Vereins Lazarus Union und seiner Ehrenritterschaft ist seit Juni 2013 die Burg Kreuzenstein im Norden von Wien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Bander van Duren: Orders of Knighthood and Merit. The Pontifical, Religious and Secularised Catholic-founded Orders and their relationship to the Apostolic See. C. Smythe, Gerrads Cross 1995, ISBN 0-86140-371-1.
  • Guy Coutant de Saisseval: Les Chevaliers et Hospitaliers de Saint Lazare de Jérusalem de 1789 à 1930. Paris 1984.
  • Massimo J. Ellul: The Green Eight Pointed Cross. The order of Saint Lazarus of Jerusalem throughout the ages. Watermelon Books, Valletta 2004, ISBN 99-9320-317-3.
  • Pierre E. Gautier de Sibert: Histoire de l’ordre Militaire et Hospitalier de Saint-Lazare de Jerusalem. 1772. Slatkine, Genf 1983, ISBN 2-05-100505-2 (Repr. d. Ausg. Paris 1772).
  • Kay Peter Jankrift: Leprose als Streiter Gottes. Institutionalisierung und Organisation des Ordens vom Heiligen Lazarus zu Jerusalem von seinen Anfängen bis zum Jahre 1350 (Vita Regularis; Bd. 4). Lit Verlag, Münster 1996, ISBN 3-8258-2589-2 (zugl. Dissertation, Universität Münster 1995).
  • Walter G. Rödel (Autor), Werner Eickenberg und Klaus-Peter Pokolm (Hrsg.): Werden und Wirken des Lazarus-Ordens. Ein Überblick mit besonderer Berücksichtigung der Ordenshäuser in Deutschland und der Schweiz. Lazarus-Gesellschaft, Köln 1974.
  • Ein Tafelgemälde aus dem schwarzen Orden. Als Memento für die Schüler des heiligen Lazarus aus Bethanien. Schreiner, Düsseldorf 1795. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Oliver M. Gruber-Lavin: Lazarus 2012 - Ein Kompendium. Norderstedt BoD, 2012, ISBN 978-3-8482-2151-6

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lazarus-Orden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Brief des Patriarchen wurde von Salimbene von Parma in dessen Chronica transkriptiert. Siehe dazu, G. Scalia: Scrittori d'Italia. Bari 1966.
  2. Matthäus Paris: Chronica Majora, hrsg. von Henry R. Luard in: Rolls Series 57.5, London 1880, S. 196; Jean Richard: La fondation d'une église latine par saint Louis. Damietta., In: Bibliothèque de l'École des Chartes, CXX (1262)
  3. Joinville, III, §8, hrsg. von Ethel Wedgewood (1906)
  4. Registres d'Innocent IV, hrsg. Berger, Nr. 6204
  5. Desmond Seward: The Monks of War. The Military Religious Orders. Penguin Books, London 1995, ISBN 0-14-019501-7.
  6. Kay Peter Jankrift: Leprose als Streiter Gottes.
  7. Die Unterscheidung wird in zwei französisch-königlichen Briefen an den Großmeister deutlich, z.B. vom 29. Mai 1612 und dem 29. Mai 1609, wo vom Großmeisteramt des Kamelordens als auch des Lazarusordens gesprochen wird.
  8. Peter Bander van Duren: Orders of Knighthood and Merit.
  9. Guy Coutant de Saisseval: Les Chevaliers de Saint Lazare de 1789 à 1930.
  10. http://www.st-lazarus.net/international/index.html
  11. Homepage der Großballei Deutschland