Leo Bauer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Leopold Bauer (* 18. Dezember 1912 in Skalat, Ostgalizien, Österreich-Ungarn, heute Ukraine; † 18. September 1972 in Bonn; Pseudonym Rudolf Katz) war ein deutscher Politiker (KPD, SED, SPD), Opfer beider deutscher Diktaturen und Berater Willy Brandts.

Inhaltsverzeichnis

Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus [Bearbeiten]

Bereits mit 16 Jahren trat Leo Bauer, der aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammte, 1928 in die SPD ein. 1931 wechselte er zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands und 1932 zur KPD. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Nationalökonomie und Rechtswissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität, wurde aber nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 seiner jüdischen Herkunft wegen vom Studium ausgeschlossen.

Im gleichen Jahr wurde er für mehrere Monate verhaftet und emigrierte anschließend nach Frankreich. 1936 bis 1939 arbeitete er als beigeordneter Sekretär des Hohen Kommissars des Völkerbundes für Flüchtlingswesen. 1939 wurde er in Frankreich verhaftet und lebte bis zum Waffenstillstand in Internierungslagern. Da er auf der Auslieferungsliste stand, flüchtete er 1940 in die Schweiz. Oktober 1942 wurde er wegen seines illegalen Aufenthaltes und seiner Tätigkeit für die kommunistische Partei verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er verbrachte 19 Monate Haft im Gefängnis St. Antoine in Genf und anschließend bis 1944 im Internierungslager.

Landespolitik in Hessen [Bearbeiten]

1945 kehrte er nach Deutschland zurück. Er wurde 1945 bis 1949 Mitglied der Landesleitung der KPD Hessen. Seine Partei benannte ihn als Mitglied des ernannten Beratenden Landesausschusses, dem er vom 26. Februar 1946 bis zum 14. Juli 1946 als Vorsitzender der KPD-Fraktion angehörte. Anschließend wurde er in die Verfassungberatende Landesversammlung (Groß-Hessen) gewählt, wo er vom 15. Juli 1946 bis zum 30. November 1946 als Fraktionsvorsitzender der KPD und Vizepräsident der Landesversammlung amtierte. Für seine Fraktion unterzeichnete er die Verfassung des Landes Hessen.

In der ersten Wahlperiode des Hessischen Landtags vom 1. Dezember 1946 bis zum 30. Juni 1949 gehörte er dem Landtag als Vorsitzender der KPD-Landtagsfraktion an. Nach seinem Ausscheiden übernahm Ludwig Keil seine Aufgaben.

Leo Bauer war freier Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau und war Herausgeber der Zeitschrift "Wissen und Tat".

DDR [Bearbeiten]

1949 berief die SED Leo Bauer nach Ost-Berlin und er wurde Chefredakteur des Deutschlandsenders und trat in die SED ein. Dort fiel er bereits ein Jahr später einer politischen Säuberung zum Opfer. Am 1. September wurde er gemeinsam mit Mitherausgeber Paul Merker und vielen anderen wegen ihrer Kontakte zu Noel Field aus der Partei ausgeschlossen. Im anschließenden Schauprozess wurde er 1952 durch ein sowjetisches Militärgericht als „US-Spionzum Tode verurteilt. Im Gegensatz zu vielen anderen Opfern der Noel-Field-Kampagne wurde Leo Bauer nicht hingerichtet, sondern zu 25 Jahren Lagerhaft in Sibirien begnadigt.

1990 wurde Leo Bauer in Bezug auf den Parteiausschluss von der PDS rehabilitiert.[1]

Berater Willy Brandts [Bearbeiten]

1955 wurde er aus der Lagerhaft entlassen und nach Westdeutschland abgeschoben. Hier trat Leo Bauer wieder der SPD bei und arbeitete als Journalist. Er war politischer Redakteur des Stern und seit 1968 Chefredakteur der SPD-Zweimonatsschrift Die Neue Gesellschaft.

In den 1960er Jahren wirkte er als Berater von Willy Brandt. Er lebte in Oberursel.

Literatur [Bearbeiten]

  •  Jochen Lengemann, Präsident des Hessischen Landtags (Hrsg.): Das Hessen-Parlament 1946–1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.–11. Wahlperiode). Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1986, S. 204-205 (PDF 12,31MB).
  • „… der Demokratie entgegen“: Die Sitzungsprotokolle des Beratenden Landesausschusses von Groß-Hessen im Jahr 1946. Eine Dokumentation; bearbeitet von Bernhard Parisius und Jutta Scholl-Seibert, Wiesbaden 1999; ISBN 3-930221-05-5; S. 31
  • Manfred Wilke: in: Hans-Joachim Veen (Hrsg.): Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur; Berlin, München 2000; S. 63.
  • Gerhard Beier: Arbeiterbewegung in Hessen. 1984, ISBN 9783458142133, S. 366-367.
  • Jochen Lengemann: Hessische Abgeordnete 1808–1996. Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 62-63.
  •  Schrecklicher Akzent. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1970, S. 30 (online).
  • Karin Hartewig, Bernd-Rainer BarthBauer, Leo. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Lothar Hornbogen: Politische Rehabilitierungen - Eine Lehre aus unserer Geschichte