Luftangriff auf Gernika

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Das von der Legion Condor zerstörte Gernika

Der Luftangriff auf Gernika (kastilisch Guernica) am 26. April 1937 durch deutsche Kampfflugzeuge der Legion Condor war eine militärische Operation während des Spanischen Bürgerkrieges im Baskenland. Die Legion Condor war für den Hauptteil des Bombardements verantwortlich, das italienische Corpo Truppe Volontarie war an der Operation beteiligt. Dieser Luftangriff war der erste große Verstoß der deutschen Luftwaffe gegen das Kriegsvölkerrecht.[1]

Geleitet wurde der Angriff auf Gernika von Wolfram von Richthofen. Gernika war nur eine der schutzlosen Städte, die von der Luftwaffe der nationalistischen Streitkräfte während des Feldzuges in der baskischen Provinz Vizcaya zerstört wurden. Der Fall Gernika erlangte wegen der offensichtlichen deutschen Beteiligung internationale Bedeutung, besonders in England ergriffen Öffentlichkeit und Parlament Partei, aber ohne Folgen. Die deutsche Diplomatie bestritt die Schuld der deutschen Flieger, Francisco Franco beschuldigte sogar José Antonio Aguirre, den Präsidenten der baskischen Republik, er habe Gernika zerstören lassen, um diese Tat ihm, Franco, in die Schuhe zu schieben und damit die bereits besiegten Basken zu einem letzten Aufbäumen zu motivieren.

Kurz nach Bekanntwerden der Bombardierung Gernikas entwarf Pablo Picasso sein Monumentalgemälde Guernica, welches in schwarzen, grauen und weißen Farbtönen den Schrecken jenes Apriltages zeigt. Dieses Bild gilt bis heute als denkwürdige Anklage gegen den Krieg.

1997 entschuldigte sich Bundespräsident Roman Herzog bei einem Besuch in Spanien offiziell im Namen Deutschlands für den Angriff.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Zwischen 1936 und 1939 tobte in Spanien ein Bürgerkrieg zwischen den Truppen der demokratisch gewählten Regierung der Zweiten spanischen Republik und den nationalistischen Putschisten unter General Francisco Franco. Beide Seiten erhielten Unterstützung durch ausländische Truppenverbände und Waffenlieferungen. So versorgte die stalinistische Sowjetunion die Republikaner, während das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien die Seite der Nationalisten unterstützten.

Als der Putschversuch der Militärs zu scheitern drohte, erhielten die spanischen Franquisten Hilfe von den Regierungen in Deutschland und Italien. Dabei sollte die deutsche Luftwaffe, die seit 1935 neu aufgebaut wurde, Kampferfahrung sammeln und die Entwicklung neuer Flugzeugtypen und Luftkampftaktiken vorangetrieben werden.

Der Krieg im Norden (März–September 1937)

Bereits am 31. März 1937, also knapp einen Monat vor Guernica, wurde die etwa 20 Kilometer entfernte Kleinstadt Durango von deutschen Flugzeugen bombardiert (Krieg im Norden). Bei den Angriffen kamen etwa 500 Menschen ums Leben. Das Bombardement erlangte jedoch im Lichte der darauffolgenden Ereignisse kaum Bekanntheit. Heute wird gemeinhin angenommen, dass die Deutschen in Durango ihre Flugzeuge und Waffensysteme für den anstehenden Luftangriff auf Gernika testen wollten.

Gernika, eine Kleinstadt mit damals 5000 bis 6000 Einwohnern im Baskenland an der Nordküste Spaniens am Golf von Biscaya gelegen, bekannter unter seinem spanischen Namen Guernica, befand sich zu dieser Zeit in einem schmalen, von den Republikanern kontrollierten Streifen, der jedoch durch die von General Francisco Franco angeführten Vorstöße schon im Juli des Jahres 1936 von den anderen republikanischen Gebieten abgetrennt worden war.

[Bearbeiten] Der Angriff

Ein Bomber der Legion Condor

Ziel des deutschen Angriffs auf Gernika war angeblich die Zerstörung einer 25 Meter langen und 10 Meter breiten Steinbrücke über den Fluss Oca, die das Zentrum mit dem östlichen Stadtteil Rentería verband. Dadurch sollte vorgeblich, wie später von der deutschen Kommandoführung beteuert, die Infrastruktur zerstört und den Truppen Francos ein leichteres Erobern der Stadt ermöglicht werden.

Am 26. April 1937 um 15:45 Uhr, einem Montag, startete auf dem Flughafen von Burgos, etwa 140 Kilometer südwestlich von Gernika gelegen, eine Dornier Do 17 mit vier Mann an Bord. Begleitet von Jagdfliegern aus Vitoria als Schutz flog die Maschine zunächst etwa zehn Kilometer auf den Golf von Biscaya hinaus (von der Seeseite erwarteten die Spanier keine Angriffe) und kehrte dann in einer Schleife nach Gernika zurück, angeblich um die Brücke zu zerstören. Die Bomben, entriegelt um 16:30 Uhr, trafen jedoch nicht das Bauwerk, sondern fielen ins Stadtzentrum.

Zehn Minuten später führte das Flugzeug die erste Staffel, bestehend aus drei Savoia-Marchetti SM.79 der italienischen Legion, über der Küste an. Diese steuerte über die Stadt und ließ die Bomben aus einer Höhe von etwa 700 Metern fallen.

Um 17:00 Uhr erhoben sich 50 Kilometer südlich der Stadt, in Vitoria, 10 Heinkel-He-51-Jäger; zur gleichen Zeit starteten 27 Junkers Ju 52/3m von Burgos aus.

15 Minuten darauf trafen die He 51 in Gernika ein. Aus einer Flughöhe von nur 30 Metern schossen die Besatzungen auf alle auf den Straßen anzutreffenden Personen. Wenig später warfen die Ju 52 ihre Bomben in drei Wellen ab.

Durch die Bomben und das anschließende Großfeuer wurden etwa 80 Prozent aller Gebäude zerstört. Die Rentería-Brücke allerdings war nicht von einer einzigen Bombe getroffen worden. Sie blieb unbeschädigt.

Die Times berichtete am Tag nach dem Angriff aus Gernika, dass wahrscheinlich Hunderte von Menschen durch den Angriff gestorben seien.[2] Neuere Quellen gehen von über 1600 Toten aus.[3][4]

[Bearbeiten] Hilfen

Um 23:00 Uhr – knapp vier Stunden nach dem Abzug der letzten He 51 – traf ein aus Bilbao kommender Löschtrupp der Feuerwehr ein. Doch auch dieser vermochte den Brand nicht zu löschen, da die meisten Wasserleitungen in der Stadt geborsten waren. Der Brand konnte erst am darauffolgenden Tag um 15:00 Uhr nach 16 Stunden gelöscht werden.

Eine 1-Kilogramm-Stab-Brandbombe

[Bearbeiten] Abwurfmenge und verwendete Bomben

Im Laufe des Angriffes warfen die Deutschen ca. 22 bis maximal 40 Tonnen Fliegerbomben auf Gernika ab. Das eingesetzte Abwurfmaterial bestand aus 250-Kilo-Sprengbomben, 10 bzw. 50-Kilo-Splitterbomben sowie 1-Kilo-Stabbrandbomben. Letztere machten etwa ein Drittel der Gesamtabwurfmenge aus.

[Bearbeiten] Einmarsch der Franquisten

Wenige Tage nach den Bombardements nahmen die Franco-Truppen über die Rentería-Brücke kommend die Gegend und auch die Stadt ein. Sie trafen auf keinerlei Widerstand mehr.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Maier, a.a.O., S. 22
  2. Bombing of Guernica: original Times report from 1937. Times Newspapers Ltd.. Abgerufen am 22. Juni 2009.
  3. Ernst Alexander Rauter: Folter in Geschichte und Gegenwart. Eichborn Verlag, 2. neue und erweiterte Auflage 1988, Seite 55
  4. Intervention – Blutige Generalprobe. Y - Das Magazin der Bundeswehr, Ausgabe April 2007. Bundesministerium der Verteidigung. Abgerufen am 22. Juni 2009.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen