Luftstreitkräfte

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Mützenemblem Luftwaffe (Bundeswehr)

Luftstreitkräfte (LuSK, in der NVA LSK), auch Luftwaffe (Lw), sind Bezeichnungen für eine Teilstreitkraft, die strategisch, operativ und taktisch Aufgaben auf Landkriegsschauplätzen und Seeschauplätzen sowie im tiefen Hinterland des Gegners entweder im Kampf der verbundenen Waffen oder selbständig lösen kann.[1]

Ihr Fähigkeitsspektrum überschneidet sich häufig mit dem anderer Teilstreitkräfte, z. B. Heer, Marine, Spezialkräfte, Raketentruppen, (in Deutschland selbst mit der Streitkräftebasis). Dies und unterschiedliche organisatorische Grundlagen erschweren der außenstehenden Betrachtung häufig eine eindeutige organisatorische Zuordnung von Kräften und Mitteln zur jeweiligen Teilstreitkraft einer Armee.

In allen Luftstreitkräften wird zunehmend an der Verbesserung der Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit den anderen Teilstreitkräften (Jointness) gearbeitet, um Synergien besser zu nutzen.

Deutschland, Schweiz und Österreich[Bearbeiten]

In der deutschsprachigen Militärwissenschaft wird traditionell überwiegend die Bezeichnung „Luftwaffe“ verwendet.

Siehe dazu auch

Gliederung[Bearbeiten]

Friedensgliederung[Bearbeiten]

Die Organisationsstrukturen von Luftstreitkräften im Frieden sind meist abhängig von der Größe der jeweiligen Armee, dem Umfang der verfügbaren Fähigkeiten und der militärischen Führungsphilosophie eines Systems sowie ggf. seiner Einbindung in multinationale Strukturen.

Gliederung im Einsatz[Bearbeiten]

Die taktischen Einsatz- und Führungsgrundsätze von Luftstreitkräften unterscheiden sich grundlegend von denen der Landstreitkräfte und erheblich von denen anderer Teilstreitkräfte. Dies äußert sich am deutlichsten in Führungsstruktur und -verfahren im Einsatz.

So werden in Luftkriegsoperationen die Kräfte (bei Bedarf bis auf die Ebene eines einzelnen Waffensystems) für jede Mission bedarfsgerecht anhand der für die Auftragserfüllung benötigten Fähigkeiten zusammengestellt. Vor allem bei komplexen offensiven Operationen erfolgt ein Einsatz im (multinationalen) Verbund, um zusätzlich die bestehenden Stärken besser nutzen und ggf. vorhandene Schwächen kompensieren zu können. Die Führung erfolgt somit in der Regel unabhängig von der jeweiligen truppendienstlichen (Friedens-)Unterstellung der beteiligten Kräfte.

Orientiert an ihren Fähigkeiten lassen sich die Teilbereiche von Luftstreitkräften wie unten dargestellt grob kategorisieren. Bei zahlreichen Luftkriegsmitteln (vor allem Mehrzweckkampfflugzeugen) ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich. So kann beispielsweise ein Jagdflugzeug sowohl offensiv wie auch defensiv eingesetzt werden.

Offensive Kräfte[Bearbeiten]

Offensive Operationen werden vor allem gegen gegnerische bewaffnete Kräfte und deren Unterstützungselemente sowie deren Infra- und Führungsstruktur im Rahmen eines streitkräftegemeinsamen Vorgehens mit Heer und Marine durchgeführt. Sie können jedoch auch eigenständige gezielte Angriffe auf das gegnerische Gesamtsystem im Rahmen effektbasierter Operationsführung umfassen.

Beispiele für offensive Operationen sind Luftnahunterstützung, Abriegelung aus der Luft, Kampf gegen das gegnerische Luftkriegspotenzial am Boden, Jagdvorstoß, Kampf gegen Seestreitkräfte oder strategische Luftangriffe.

Offensiv eingesetzt werden können Jagdflugzeuge, Jagdbomber, Bomber, Kampfhubschrauber oder unbemannte Luftfahrzeuge. Dabei sind insbesondere moderne Kampfflugzeuge – selbst innerhalb einer Mission – nicht auf eine bestimmte Einsatzart festgelegt, sondern werden sowohl in der Luft-Luft- als auch in der Luft-Boden-Rolle genutzt.

Defensive Kräfte[Bearbeiten]

Der Schutz des Luftraums des eigenen Staates oder eines Einsatzgebiets vor gegnerischen Luftkriegsmitteln (Flugzeugen, ballistischen Raketen (Ballistic missile), Boden-Boden-Raketen, Hubschraubern, Drohnen Marschflugkörpern etc.) erfolgt luftgestützt durch Jagdflugzeuge oder durch bodengebundene und seegestützte Systeme.

Wegen der zum Teil unterschiedlichen angreifenden Luftziele beim Schutz von Staatsgebieten, Heeres Operationen und Flottenverbänden unterhalten die Teilstreitkräfte oft eigene, zum Teil spezialisierte Abwehrsysteme zum Beispiel:

Hier besteht wie bei offensiven Operationen ein erheblicher Koordinationsbedarf zwischen den Abwehrsystemen innerhalb eines gegebenen Operationsgebietes. Die strenge Zuordnung von Abwehrsystemen zu Teilstreitkräften kann in diesem Zusammenhang auch hinderlich sein, da die bestehenden Kommunikationssysteme der Teilstreitkräfte und die Verfahren zur Koordinierung oft unterschiedlich sind. In verschiedenen Ländern wird daher insbesondere die Zuordnung der bodengebundenen Luftverteidigung zu den Teilstreitkräften Luftwaffe und Heer aufgelöst. Im Idealfall wird die Koordination etwa durch sogenannte "Plug-and-Fight"-Fähigkeit der zu koordinierenden Abwehrsysteme bzw. deren räumlich verteilter Komponenten hergestellt. Dies wird insbesondere bei der Entwicklung neuer (Teil-) Systeme wie etwa bei dem Luftverteidigungs-system MEADS realisiert.

Unterstützende Kräfte[Bearbeiten]

Luftstreitkräfte verfügen über ein breites Spektrum an Fähigkeiten zur Unterstützung von Operationen aller Teilstreitkräfte.

Lufttransport[Bearbeiten]

Zur schnellen Verlegung von Personal und Material werden Luftfahrzeuge unterschiedlicher Größen und Reichweiten eingesetzt. Diese variieren von leichten Transporthubschraubern für den taktischen Lufttransport innerhalb eines Einsatzgebietes über Transportflugzeuge mittlerer Gewichts- und Reichweitenklassen bis hin zu Großraumtransportflugzeugen für den strategischen Lufttransport über große Entfernungen. Sonderformen des Lufttransports sind zum Beispiel das Absetzen von Fallschirmjägern bei Luftlandeoperationen, die strategische Rückverlegung von verwundeten Soldaten ins Heimatland (StratAirMedEvac) oder der Lufttransport im politischen Bereich.

Luftbetankung[Bearbeiten]

Durch Luftbetankung mit Tankflugzeugen wird die Reichweite oder die Stehzeit der eingesetzten Luftfahrzeuge erhöht. Über diese seltene Ressource verfügen weltweit nur wenige Luftstreitkräfte in ausreichender Zahl. Zur Erhöhung der Effizienz wird diese Fähigkeit bei Verfügbarkeit auch anderen Nationen gegen Kompensation (z. B. Bezahlung) angeboten.

Aufklärung und Überwachung[Bearbeiten]

Eine zunehmende Bedeutung erfährt der Beitrag der Luftstreitkräfte zur Erstellung eines möglichst umfassenden Lagebilds. Dies erfolgt im Rahmen der Aufklärung vor allem im optischen und elektronischen Spektrum durch verschiedene Systeme von unbemannten Luftfahrzeugen über Aufklärungsflugzeuge bis hin zu Aufklärungssatelliten.

Luftgestützte Plattformen werden zur Überwachung des Luftraums (z. B. durch AWACS) oder des Bodens (z. B. durch JSTARS oder zukünftig AGS) bzw. eines Seegebiets eingesetzt. Unter Nutzung bodengebundener Sensoren (z. B. Radaranlagen) wird der Luftraum überwacht.

Rettung aus der Luft[Bearbeiten]

Das Suchen von verunglückten Luftfahrzeugen und Schiffen sowie das Retten von ggf. Überlebenden (SAR: Search and Rescue) ist in der Regel nationale Aufgabe eines Staates. Diese Funktion wird meist durch Hubschrauber der Luftstreitkräfte (Seenotrettung meist durch Seestreitkräfte) wahrgenommen.

Eine Sonderform stellen Missionen zur bewaffneten Suche und Rettung (CSAR: Combat Search and Rescue) abgeschossener bzw. abgestürzter Luftfahrzeugbesatzungen oder isolierter eigener Kräfte innerhalb einer militärischen Operation dar. Diese Aufgabe wird durch speziell ausgerüstete und ausgebildete Einheiten wahrgenommen und durch zahlreiche weitere Kräfte unterstützt.

Sonderaufgaben[Bearbeiten]

Luftstreitkräfte werden für zahlreiche weitere Sonderaufgaben eingesetzt. Beispiele hierfür sind:

Logistik/Unterstützung[Bearbeiten]

Luftstreitkräfte verfügen in der Regel über umfangreiche organische logistische Komponenten, vor allem zur Instandsetzung/-haltung des Geräts. Zusätzlich sind für den Betrieb und die Sicherung von Kampfführungsanlagen (z. B. Flugplätzen oder Gefechtsständen) oder logistischen Einrichtungen (z. B. Depots oder Flugzeugwerften) vielfältige Unterstützungselemente nötig. Diese reichen von zum Teil zivilen Kräften wie Wetterberatern oder Feuerwehren über Sanitätseinheiten und speziellem IT-Personal bis hin zu spezialisierten Kräften wie Kampfmittelräumer oder Sicherungssoldaten.

Führung im Frieden[Bearbeiten]

Aufgrund der großen Bandbreite an Fähigkeiten bei zugleich erforderlicher Fachexpertise erfolgt die Führung von Luftstreitkräften im Frieden meist durch Dienststellen/Stäbe, in denen unter anderem auch Spezialisten für die Personalgewinnung, Aus-/Weiterbildung im Frieden und die Beschaffung von Gerät gebündelt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Militärlexikon, 2. Aufl. ES-Nr.: 6C1, BestNr.: 745 303 1, S.215
  2. Informationen über die EC-130
  3. http://www.rtaf.mi.th/eng/rtaf-today/rtaftoday04.html#2