Malimo

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Als Malimo wird einerseits ein textiles Fertigfabrikat bezeichnet, welches nach dem von Heinrich Mauersberger aus Limbach-Oberfrohna erfundenen Nähwirkverfahren hergestellt wurde, andererseits das Wirkverfahren selbst. Es war und ist auch Marken- und Firmenbezeichnung.

Zum Namen hat der Förderverein Industriemuseum Limbach-Oberfrohna (Heimatverein Limbach-Oberfrohna e. V.) herausgefunden:[1]

Ursprünglich habe die Bezeichnung »Kettenstichware« bzw. »Kettenstichmaschinen« gelautet.

Zur besseren internationalen Vermarktung seien Kurzworte nach der Formel »Mali-« für den Namen des Erfinders Mauersberger und Limbach-Oberfrohna (Wohnort des Erfinders, große Kreisstadt bei Chemnitz) plus Kurzform der jeweils herzustellenden Stoffart gebildet worden, also »Malimo« für -Molton, »Maliwatt« für Steppwatte, »Malipol« für Polfadenverarbeitung.

Später seien neue Maschinentypen hinzugekommen, das Namenssystem habe nicht mehr ausgereicht, so daß man sich auf einen übergreifenden Markennamen »Malimo« und die Erklärung, dies bedeute »Mauersberger, Limbach-Oberfrohna«, einigte.

Mit dem geschützten Begriff bezeichnet man neben dem Textil auch das von Mauersberger 1949 patentierte Nähwirkverfahren selbst (Malimoverfahren) und die dazu benötigten Spezialmaschinen (Malimomaschinen). DDR-Patent Nr. 8194, Anmeldetag: 3. Februar 1949; U.S. Patent #2,890,579, 16. Juni 1959.[2]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Verfahren

Das Malimoverfahren gesellt sich neben das Web-, Wirk-, Walk-, Klöppelspitzen- und Nadelspitzenverfahren als eigenständiges Verfahren zur Herstellung eines textilen Flächengebildes aus einzelnen Fäden. Obwohl es auch als Nähwirkverfahren bezeichnet wird, hat es mit der klassischen Trikotagenherstellung nichts zu tun, wenngleich auch das Malimotextil durch die Verwendung elastischer Fasern ebenso elastisch wie Trikotagenware sein kann.

Auch beim Malimoverfahren kennt man die aus dem Weben geläufige systematische Unterscheidung zwischen statischen Fäden (Kettfäden) und dynamischen Fäden, die durch die Fixierung der statischen Fäden erst die Textur zustande bringen. Anders als beim Weben erfolgt diese Fixierung der statischen Fäden allerdings nicht mittels eines Schussfadens, der durch die Kettfäden orthogonal zu deren Laufrichtung hindurch geschossen wird, sondern durch Übersteppen (Übernähen) der Kettfäden (zumeist) orthogonal zu ihrer Laufrichtung. Diese Art der Fixierung hat den Vorteil, dass - anders als beim Weben, wo immer nur ein Schuss nach dem anderen geschossen werden kann - mehrere (nahezu beliebig viele) Nadeln gleichzeitig das Kettgut übersteppen können und somit Malimo erheblich schneller produziert werden kann als Webware. Des Weiteren kann man fast beliebige Fasern miteinander kombinieren, so dass eine große Fülle an Anwendungsmöglichkeiten und möglichen Effekten besteht.

Dabei können nicht nur Fäden als Kettgut dienen, sondern etwa auch Filz oder Vliesstoff, die durch das Übersteppen im Malimo-Verfahren erheblich an Reißfestigkeit gewinnen, ohne ihre anderen textilen Eigenschaften einzubüßen.

Abgewandelte Verfahren bzw. Produkte sind Maliwatt, Malipol und Malivlies.

[Bearbeiten] Geschichte und Verwendung

Die DDR baute das Verfahren und den zugehörigen Maschinenbau mit gezielten Investitionen zu einem eigenen Industriezweig aus und vermarktete die Produkte und Lizenzen unter dem Namen „Malimo“ mit großem Aufwand. Dabei wurde zunächst darauf gesetzt, weite Bereiche der Web- und Wirkwaren durch Malimo zu ersetzen und etwa auch Oberbekleidung aus Malimo zu produzieren. Dies setzte sich jedoch nur begrenzt durch. Die Verwendung von Malimo als Gebrauchstextil (etwa für Arbeitsbekleidung, Bandagen, Geschirrtücher, Staublappen, Fließe etc.) hingegen war höchst erfolgreich. Noch heute wird es in diesem Bereich wegen des Zeitvorteiles in der Produktion vor allem in den USA verstärkt eingesetzt. Auf dem bundesdeutschen Markt findet man dagegen nur noch selten Malimoware. Heute wird die Technologie verstärkt für die Herstellung von Spezialtextilien für die Kunststoffverstärkung aus Materialien wie Glasfaser und Carbonfaser eingesetzt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Dieter Bock: Vor 50 Jahren. Patentanmeldung durch Ingenieur Mauersberger zur Nähwirktechnik MALIMO - Heinrich Mauersberger zum Gedenken (1909-1982). in: Sächsische Heimatblätter Heft 1/1999, S. 48-53.
  • Heinrich Mauersberger u. Heinz Kemter: Neue Textiltechnologien MALIMO, Berlin 1961.
  • Heinz Kemter: Malimo, Maliwatt, Malipol. Fachbuchverlag, Leipzig 1961.
  • Siegfried Ploch: Malimo-Nähwirktechnologie. Fachbuchverlag, Leipzig 1978.
  • Jörg Roesler: Mauersbergers Malimo - Legenden und Tatsachen um eine originäre DDR-Innovation. in: Hefte zur DDR-Geschichte. Berlin 1997, 48.
  • Simone Tippach-Schneider: Malimo. in: Das große Lexikon der DDR-Werbung. Berlin 2004, S. 193.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Heimatverein Limbach-Oberfrohna e. V., Förderverein Industriemuseum Limbach-Oberfrohna:»Mitteilungen« Nr. 6 / Mai 2009, S. 3, unter Verweis auf Obering. Walter Bräuer (im Auftrag des Museums für Deutsche Geschichte, Berlin, und der Städtischen Museen, Karl-Marx-Stadt): Malimo, 1979
  2. Mauersberger-Ehrung im Esche-Museum in Mitteilungen Nr. 6 / Mai 2009 des Fördervereins Industriemuseum Limbach-Oberfrohna e.V. S. 3
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