Teppich

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Teppich (Begriffsklärung) aufgeführt.

Teppiche sind meistens gemusterte Gewebe, die seit dem Altertum zum Bekleiden von Wänden (die späteren Tapeten) sowie zum Bedecken von Fußböden, Polstern usw. dienen. Diese vielseitige Verwendung finden die Teppiche gegenwärtig nur noch im Orient, während sie in Europa fast ausschließlich zum Bedecken von Fußböden benutzt werden.

Der Begriff Teppich geht etymologisch auf das altgriechische Wort tapes zurück (über lateinisch tapetum), welches wiederum als Lehnwort aus dem Persischen (frsch=bedecken) stammt.[1]

Man unterscheidet orientalische Teppiche, die auf rahmenartigen Vorrichtungen durch Handarbeit hergestellt, und europäische, die auf (maschinellen) Webstühlen gewebt werden.

Nach DIN 61 151 gehören zum Bereich der mechanisch gefertigten Webteppiche alle

Kleine Teppichformate zur Überbrückung kurzer Abstände werden auch Brücke genannt, während lange schmale Teppichformate auch Läufer genannt werden. Beispiele für beides bildet der aserbaidschanische Meschgin.

Beim Teppichhändler

Orientalische Teppiche[Bearbeiten]

Der Teppich aus dem Pasyryktal

Geschichte[Bearbeiten]

Teppiche haben eine lange Geschichte, die heute nicht vollständig geklärt ist: Der älteste bekannte Nachweis eines geknüpften Teppichs ist derzeit der Teppich aus einem Grab im Pazyryktal in Südsibirien (Äußere Mongolei). Er wurde 1949 gefunden und ist dank der Eiskonservierung in gutem Zustand erhalten. Man geht davon aus, dass er um 500 v. Chr. wahrscheinlich in Westasien entstanden ist. Das Fragment ist in der Eremitage in St. Petersburg ausgestellt.[2] An ihm erkennt man bereits alle Merkmale des Orientteppichs.

Um 330 v. Chr. brachte Alexander der Große erstmals Orientteppiche von seinen Asienfeldzügen mit ins Abendland. Da Teppiche aus vergänglichem Material gemacht sind, gibt es nicht viele historische Artefakte, an denen sich die Entwicklung der Muster rekonstruieren ließe.

Weil es nur wenige erhaltene Teppiche aus dem frühen 15. und 16. Jh. gibt, ist man im Bereich der Teppichgeschichte stark von bildlichen Überlieferungen abhängig. Eine wichtige Informationsquelle dafür ist die orientalische Architektur. Die Architekten des Orients haben sich für die Mosaikmuster auf ihren Bauten von den Teppichen inspirieren lassen und die Muster so in einer viel dauerhafteren Form für die Nachwelt konserviert, beispielsweise in der Ornamentik von Fassadenmosaiken. Auch auf vielen Gemälden der damaligen Zeit lassen sich die Ursprünge und die Wandlungen der Knüpfkunst und des Zeitgeschmacks studieren. Durch eine große Liebe zum Detail beim Festhalten von Alltagsszenen oder bei der Auftragsmalerei bekannter Adelshöfe wurden so auch Teppiche mitgemalt. Daher ist es uns heute möglich, die Entwicklung der türkischen (osmanischen) Teppichknüpferei zu dokumentieren.

Hier sind vor allem die Maler Domenico Ghirlandaio, Hans Holbein und Lorenzo Lotto zu erwähnen. Ihnen verdanken wir die Überlieferungen der sogenannten „Ghirlandaio-Teppiche“, der „Holbein-Teppiche“ und der „Lotto-Teppiche“. Vor allem die Muster der Holbein-Teppiche finden sich noch in den heutigen Knüpfungen der sogenannten Afghanen wieder.

Verwendung bei nomadisierenden Völkern[Bearbeiten]

Die Herstellung von Flachgeweben ist in den Anfängen der menschlichen Kultur zu suchen. Geflochtene Gegenstände, meist aus Weiden, können bereits in der frühgeschichtlichen Zeit des Menschen nachgewiesen werden. Flechtvorgänge dienten zur Verbindung von beweglichem Material. Wir können das Flechten demnach als Vorstufe des Webens annehmen. Ein Gewebe herstellen bedeutet im Prinzip nichts anders als Kett- und Schussfaden verflechten.

Die Flachgewebe waren immer Teil des nomadischen und bäuerlichen Alltags; sie dienten ausschließlich dem Eigenbedarf. Zelte, Wand- und Türbehänge, große Tschowals (Säcke), Mafrasch (großer Koffer), Chanteh (kleinere Tasche), Kissen, Babywiegen, Chordjin (Satteltasche), Kelim, Djadjim (große, aus schmalen Bahnen zusammengenähte Decke), Sofreh Ardi (Brotteigtuch), Namakdan (Salztasche) und Teppiche wurden alle aus Schafwolle, Ziegen- oder Kamelhaar hergestellt.

Der Teppich ist eigentlich ein vielfältiges Möbelstück der Nomaden: Praktisch, weil man ihn gut einrollen, aufs Kamel packen und am neuen Rastplatz sofort wieder benutzen kann. So war die ursprüngliche Verwendung eines Hatschlu eine Eingangstüre zur Jurte.

Jeder Stamm hat seit Generationen sein eigenes Muster und seine eigene Farbgebung. So kann ein Göl in einem Tekke- oder Afghanenteppich fast mit einem europäischen Familienwappen gleichgesetzt werden.

Provenienzen[Bearbeiten]

Kelim mit modernen Motiven aus Afghanistan
Teppichknüpferinnen in China, Bezirk Hotan

Im Teppichhandel hat sich der Begriff Provenienz für die Bezeichnung der Herkunft eines Teppichs durchgesetzt. Der Orts- oder Landschaftsname des Orientteppichs ist die Herkunftsbezeichnung bzw. Provenienz, die zugleich auch Qualitätsbezeichnung ist, da die einzelnen Orte und Gebiete ihre eigene Tradition in Bezug auf Gestaltung und Qualität haben. Orientalische Teppiche werden in Indien, im Iran oder der Türkei angefertigt. Sie kommen aber auch aus dem Kaukasus, aus Pakistan und Afghanistan. Des Weiteren kommen Teppiche heute aus China, Nepal und der Mongolei sowie aus Japan. Hier allerdings verwendet man in der Regel die Landesnamen direkt (z. B. „Nepalteppich“) In verschiedenen europäischen Ländern wurden im 19. Jahrhundert Orientteppiche hergestellt, z. B. in Deventer/Holland. Heute werden sie noch in Kroatien und Rumänien gefertigt. Orientteppiche zeichnen sich durch vortreffliche Arbeit und besonders durch das Muster aus, das auf dem Prinzip der Flächendekoration beruht. In der Darstellung unterscheidet man zwischen floralen, figuralen und rein formalen geometrischen Mustern.

Wirk- und Knüpfteppich[Bearbeiten]

Orientalische Teppiche werden entweder gewirkt oder geknüpft.

Wirktechnik[Bearbeiten]

Der orientalische Wirkteppich ist geschichtlich und technisch der Vorläufer unserer sogenannten Gobelinteppiche (arazzi usw.). Seiner ganzen Bedeutung nach dient er als Wandverkleidung, und nur die gewöhnlicheren Arten dienen z. B. als Diwandecken, sogenannte Kelims. Gewirkte Teppiche werden, da sie in einer der Bildwirkerei ähnlichen Technik gefertigt werden, irreführenderweise auch „gobelinartige Teppiche“ genannt. Ihre richtige Bezeichnung ist Wirkteppich. Sie bilden ein glattes Gewebe, dessen Kette aus Leinen- oder Baumwollgarn durch einen dicht angeschlagenen wollenen Schuss vollständig bedeckt wird, so dass ein ripsartiger Stoff entsteht. Der Schuss wird indes nicht über die gesamte Gewebebreite in die Kettfäden eingetragen, sondern nur bis an den Rand der danebenliegenden Farbfläche mit der Kette verbunden und dann zurückgeführt. Weil sie nur Kette und Schuss haben, liegen die Fäden flach und können keinen Flor bilden, z. B. Kelim und Sumakteppiche.

Knüpftechnik[Bearbeiten]

Animation des knüpfens

Die geknüpften, plüschartigen Teppiche werden auf einer Kette aus Baumwolle (Manufakturen), Leinen (sehr selten), Wolle (Anatolische Teppiche) oder Ziegen- und anderen Haaren (Nomadenteppiche) durch das Einknüpfen von Flormaschen hergestellt, die Knoten um Knoten über die ganze Breite des Teppichs eingeknüpft werden. Auf jede Knotenreihe folgen ein oder zwei Schussfäden. Die Knoten können symmetrisch (türkischer Knoten[3]) oder asymmetrisch (Senneh- oder persischer Knoten[4]) sein. Nach Vollendung des Teppichs wird sein Flor mit einfachen Handscheren egalisiert. Das Material des Flors ist Schafwolle, für feinere Teppiche Seide. Als schönste und feinste Orientteppiche gelten nach wie vor die, welche in Persien, z. B. Isfahan, Ghom oder Nain, geknüpft worden sind. Mit einer Knotenfeinheit von über 1.000.000 Knoten pro Quadratmeter, z. T. auf Seidenkette geknüpft, entsprechen sie dem europäischen und amerikanischen Geschmack. Auch der türkische Hereke, neuere Stücke der Firmen Ipek und Özipek, reinseidene Teppiche mit über 1.000.000 Knoten pro Quadratmeter, sind gefragte Liebhaberstücke.

Die indischen Teppiche haben einen sichtbar höheren Flor und 300–350 Maschen auf einen Meter. Aus Indien und Pakistan stammen heute vielfach Kopien (Nachknüpfungen) hochwertiger, gesuchter Provenienzen. Ein Gabbeh, der in Indien gefertigt wird (Indogabbeh), ist dabei um mehr als 50 % günstiger als der originale Gabbeh aus dem Iran. Dies ist vor allem auf die sehr niedrigen Löhne der Knüpfer(innen) im Fernen Osten zurückzuführen. Insbesondere in Pakistan werden heute Teppiche nachgeknüpft, die als Originale nicht mehr hergestellt werden. Denn die Produktion kam in Teilen Südrusslands (Kasachstan) nach dem Fund von Erdöl weitestgehend zum Erliegen, weil sich die Menschen dort weitaus bessere Einnahmequellen erschlossen hatten. So findet man den Kasak und Karachi-Teppiche heute meist nur als nachgearbeitete Teppiche aus Pakistan.

Die orientalischen Teppiche − namentlich die geknüpften Smyrnateppiche − wurden mit gutem Erfolg in Europa, speziell in Deutschland (Schmiedeberg seit 1856, Cottbus, Wurzen, Springe, Linden usw.) und in Wien, nachgeahmt, und zwar unter Anwendung der gleichen Methode. Man arbeitet aber mit Kette aus Leinengarn und Grundschuss aus Jute, erreicht eine große technische Vollkommenheit und versteht auch die Muster und Farben so getreu nachzubilden, dass ein großer Unterschied zwischen echten und nachgeahmten Smyrna-Teppichen nicht mehr besteht. Nachahmungen der orientalischen gewebten Teppiche sind die Gobelins.

Als feinster Teppich der Erde galt ein Seidenteppich mit 576 Knoten auf einen Quadratzentimeter. Fünf Frauen arbeiteten fünf Jahre an diesem Teppich, der für Özipek Halicilik in Hereke hergestellt und als „Hereke Treasure“ im März 1988 an die Fa. Gandhara Carpet Ltd in Tokio/Japan verkauft wurde. Inzwischen ist in Hereke ein Teppich mit 625 Knoten pro Quadratzentimeter ausgestellt.

Teppich mit 576 Knoten pro cm² (Teppichgröße ca. 40 × 28 cm)

Farbstoffe in Teppichen[Bearbeiten]

Die Wolle für den Flor wurde vor der Erfindung synthetischer Farbstoffe (nach 1850) ausschließlich mit pflanzlichen oder tierischen Farbstoffen gefärbt. Für Rot kamen Krapplack und Cochenille auf Alaun-gebeizter Wolle zur Anwendung. Für Gelbtöne gab es eine große Zahl von Pflanzen. Zur Blaufärbung (grün auf gelb gefärbter Wolle) stand seit dem Altertum Indigo zur Verfügung (heute synthetisches Indigo). Ende des 19. Jahrhunderts fanden synthetische Farbstoffe, erst äußerst sparsam, später als Ersatz für die traditionellen Farbstoffe, Verwendung. Ein Magenta-Rot, das kaum lichtecht war, ist Fuchsin. Auf der Florseite ausgeblichen, ist es auf der Rückseite noch rotviolett erkennbar. Es wurde vor 1900 eingesetzt. Ponceau 2R ersetzte teilweise Krapp, bevor synthetischer Krapp (Alizarin) verwendet wurde. Amaranth wurde als Ersatz von Cochenille eingesetzt.

Europäische Teppiche[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Wesentlichen Eingang ins Abendland fand der Orientteppich über Spanien, wo bereits 710 n. Chr. die aus Nordafrika kommenden Mauren eine Dynastie gründeten und dabei auch die Fertigkeit des Teppichknüpfens mitbrachten. Es entstand eine richtiggehende Teppichindustrie in der Stadt Córdoba. Die islamische Dynastie der Nasriden baute die Festung Alhambra oberhalb der Stadt Granada. Der Granatapfel wird zum Stadtsymbol und später länderübergreifend als Ornament in der Textil- und Teppichmusterung verwendet.

In Frankreich entwickelte sich im 17. Jh. eine eigene und recht bedeutende Teppichindustrie. Die Savonnerie erhielt ihre Aufträge vom Hofe Ludwigs XIV. Im Jahr 1662 entstand die Gobelin-Werkstatt in Paris und schließlich eine bedeutende Teppichindustrie in Zentralfrankreich mit der Stadt Aubusson. Auch in Nordfrankreich und in Flandern entwickelte sich eine blühende Teppichindustrie. Städte wie Arras, Brügge, Brüssel, Gent, Lille, Tourcoing und Tournay sind dafür zu nennen.

Teppiche wurden im frühen England bereits zwischen 1570 und 1603 gefertigt. Es wurden dabei zwei Stilrichtungen unterschieden: zum einen die anatolischen Vorlagen mit bevorzugt geometrischen Mustern und zum anderen die persischen Vorlagen, deren Muster aus der persischen Miniaturmalerei stammten.

Als gutes Beispiel für persische Vorlagen gilt der berühmte Hulse-Teppich aus dem Jahre 1614. Seine Größe beträgt 3,49 m × 2,52 m. Kette und Schuss sind aus Leinen bzw. Hanf, die Knüpfung aus Wolle. Bei der Knüpfung wurden symmetrische Knoten verwendet. Der Teppich zeichnet sich durch ein üppiges, florales Muster und die relativ große Anzahl der Farben (21) aus und ist heute Teil der Privatsammlung von Sir Westrow Hulse, Breamore House, Hampshire.[5]

Aus der Teppichherstellung im 18. Jahrhundert haben einige Stücke von drei Herstellern überlebt: Exeter (1756–1761), Besitzer Claude Passavant, 3 vorhandene Teppiche; Moorfields (1752–1806), Besitzer Thomas Moore, 5 vorhandene Teppiche, und Axminster (1755–1835), Besitzer Thomas Whitty, zahlreich vorhandene Teppiche.

Allgemeines[Bearbeiten]

Wurstteppich

Der gewebte Teppich ist ein abendländisches Produkt. Die in Europa hergestellten Teppiche sind meist maschinengewebt (Ausnahmen: handgeknüpfte „deutsche Smyrnateppiche“ und mechanisch geknüpfte „mechanische Smyrnateppiche“).

Je nach Beschaffenheit der gewebten Teppiche unterscheidet man glatte, Noppen- und Schlingenteppiche (aufgeschnittene bzw. geschlossene Schlingen an der Oberfläche) sowie Samt-, Plüsch-, Velours- und Florteppiche. Glatte Teppiche sind z. B. der Haargarn-, Jute- und Kokosfaserteppich, ein Schlingenteppich ist der Brüsseler Teppich (auch Haarbrüssel- oder Boucléteppich mit grobem Haargarnflor), ein Florteppich ist der Tournay-Teppich.

Erste Entwürfe für automatische Webstühle entstanden im 18. Jahrhundert. Der Engländer Edmond Cartwright meldete im Jahre 1785 das erste Patent auf einen mechanischen Webstuhl an, der von Richard Roberts um 1826 in Manchester zu einem betriebsfähigen Webstuhl weiterentwickelt und auf den Markt gebracht wurde. 1889 wurde von dem Amerikaner Northrop die erste vollautomatische Webmaschine (Webautomat) vorgestellt. 1767 erfand Richard Arkwright die Spinning-Throstle, den Kettenstuhl, und um 1785 die Kardier- und Vorspinnmaschine. James Hargreaves erfand 1764 die Spinning Jenny,[6] die das gewöhnliche Handspinnrad ersetzte.

Zuerst mit Wasserkraft und später mit der 1764 von James Watt erfundenen Dampfmaschine betrieben, war der Grundstein in England für ein Fabriksystem gelegt worden.

Die Einführung von maschinellen Webmaschinen führte zu weitreichenden Aufständen. Im deutschsprachigen Raum spricht man hauptsächlich von den Weberaufständen um 1784/85 und 1794/95, sowie 1844 (unter anderen), in England von den Maschinenstürmen und speziell den Ludditen (um 1810).

Die eigentlichen europäischen Teppiche werden auf Webmaschinen, die besseren auf der Jacquardmaschine, die Joseph-Marie Jacquard 1825 erfand, hergestellt, oder sie werden in der überwiegenden Zahl getuftet. Hierbei werden in ein bestehendes Grundgewebe mit Nadeln sehr dicht nebeneinander Fadenschlingen eingebracht. Diese Fadenschlingen werden anschließend aufgeschnitten. Getuftete Teppiche sind weniger haltbar als echte Webteppiche, aber ihre Herstellung ist preiswerter.

Die glatten Teppiche bilden in Europa wie im Orient gewöhnlich die geringere Sorte; man verfertigt sie aus Kuh- oder Ziegenhaar, ordinärem Streichgarn oder Jute und benutzt sie als Laufteppiche, zum Bedecken von Treppen, Fluren usw. Hierzu zählen auch die Kidderminster-Teppiche aus Doppelgewebe, wollener oder baumwollener Kette und viel stärkerem wollenen Schuss; das Muster erzeugt sich rechts und links in gleicher Weise, erscheint jedoch auf der Rückseite negativ (z.B. ein auf der Schauseite rotes Muster auf blauem Grund erscheint auf der Rückseite als blaues Muster auf rotem Grund). Die nach der Stadt ihrer erstmaligen Herstellung benannten Kidderminster-Teppiche[7] werden mit der mechanischen Spool-Axminster- oder Greifertechnik hergestellt.

Die Plüschteppiche haben entweder einen ungeschnittenen Flor, der kleine, geschlossene Noppen bildet (Brüsseler Teppiche), oder einen aufgeschnittenen Flor, der eine samtartige Oberfläche bildet (Velours-, Tournai-, Wilton-, Axminster-Teppiche). Die Herstellung ist im Wesentlichen die der Plüsche und Samte. Das Muster wird meistens mit der Jacquardmaschine hervorgebracht, und je nachdem ob es mehr oder weniger Farben enthält, zieht man zwischen je zwei leinenen Grundfäden mehr oder weniger Polfäden in jedes Riet ein und unterscheidet nach der Zahl derselben die Teppiche als drei-, vier-, fünf- usw. chörige oder teilige.

Billigere Teppiche erzielt man durch Aufdrucken des Musters, indem man entweder das gewebte Stück bedruckt oder das Muster der Polkette vor der Verarbeitung appliziert. Das letztere Verfahren liefert eine sehr gute Ware, welche die im Stück bedruckten Teppiche weit übertrifft.

Die Ornamentation der Teppiche ahmt entweder die orientalische Sitte nach (besonders bei Jacquardteppichen), oder sie bedeckt die ganze Fläche mit Blumen, Tieren, Architektur usw. (besonders bei bedruckten Teppichen). Das erstere Prinzip hat sich als das für Teppiche ästhetisch angemessene immer mehr Bahn gebrochen, so dass der Naturalismus in Deutschland, England und Österreich nur noch die billige Ware beherrscht.

In Frankreich ist hingegen das naturalistische Dessin in den extravagantesten Formen noch vorherrschend. Gegenwärtig werden in England, Österreich und Deutschland orientalische Teppiche aller Art nachgebildet. In Deutschland, das früher größtenteils Kettendruckteppiche lieferte, werden auch Teppiche in Brüsseler und Axminster-Art fabriziert.

Teppichproduktion in Deutschland[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

1854 gründete Leopold Schoeller in Düren ein Teppichkontor, die Firma Gebrüder Schoeller. Unter Einreichung der englischen Beschreibung sicherte er sich das preußische Patent. Das Patent auf diese sogenannten Druckteppiche, das Leopold Schoeller erhielt, wird mit den zugehörigen Zeichnungen noch im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin aufbewahrt. Ihr Warenzeichen war der Anker.

1861 wurde die erste Teppichfabrik in Cottbus vom Unternehmer Theodor Kühn gegründet. Es wurden handgeknüpfte und maschinengewebte Teppiche aus Wolle und Jutegarn hergestellt. Nach der Übernahme dieser Fabrik durch Oskar Prietsch erlangte die Firma durch den Orient-Teppich Weltruf. Diese Firma wurde später im Rahmen eines Zusammenschlusses zur Vereinigten Smyrna-Teppichfabrik AG. In Cottbus erfolgte die Herstellung handgeknüpfter und webtechnischer Teppiche, so u.a. Tournay-Teppiche (Velours-Ruten-Technik mit verschiedenfarbigen Polketten und Jacquardmusterung). Auch Axminster-Teppiche (Velours-Maschinenwebtechnik) wurden bei Smyrna in Cottbus produziert.

1880 gründeten Karl Wilhelm Koch und Fritz te Kock die Firma Koch & te Kock als Weberei von Axminster-Teppichen in Ölsnitz. Mit der Gründung wurde auch die Marke Halbmond etabliert. Bereits 1913 war Halbmond zur größten Teppichweberei in Deutschland aufgestiegen.

1883 gründeten die Brüder Carl und Adolf Vorwerk die Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co. in Wuppertal. Zunächst fertigte das Familienunternehmen Brüssel- und Tournay-Teppiche sowie Möbelstoffe. Der 1909 als Warenzeichen eingetragene »VORWERK-Teppich« machte Orient-Teppichen Konkurrenz.

Die Teppichfabrik Krüger & Hahn wurde 1894 in Cottbus gegründet. Sie stellte Teppiche, Brücken, Läufer und Vorleger her. Ihre Spezialität waren handgeknüpfte, künstlerisch wertvolle Teppiche.

1900 Gründung der Sächsische Kunstweberei Claviez AG GmbH in Leipzig. Fabriziert wurden Teppiche und Möbelstoffe. 1916 umbenannt in Textilosewerke und Kunstweberei Claviez AG, dann ab 1927 Teppich- und Textilwerke AG. 1900 wurde der Stammsitz der Fa. Kunstweberei Claviez & Co. GmbH von Leipzig-Plagwitz nach Adorf (Vogtland) verlegt.

Fünf führende deutsche Teppichfabrikanten schlossen sich 1911 zusammen und baten die Reichsregierung um Unterstützung, denn der deutsche Teppich sei im eigenen Lande nicht ausreichend bekannt und geschätzt. Dieser Meinung waren jedenfalls die Betreiber der größten Teppichwebereien: der Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co, der vogtländischen Weberei Koch & te Kock, der Sächsischen Kunstweberei Claviez, der Berliner Vereinigten Smyrna Teppichfabriken sowie der Firma Gebrüder Schoeller, Düren. Im Haus der Abgeordneten in Berlin erhielten die Unternehmen nun ein Forum, um ihre Waren zu präsentieren. Immer mehr orientalische Teppiche gelangten nach Deutschland – allein zwischen 1906 und 1910 hatte sich die Einfuhr verdreifacht. Sie waren in der Regel sehr teuer und daher keine Konkurrenz für die Weber, aber zunehmend wurden auch preiswertere Teppiche in minderer Qualität importiert, und gegen solche Produkte richtete sich die Kritik.[8]

Moderne Teppichherstellung[Bearbeiten]

Teppichherstellung im VEB Teppichwerk Nord in Malchow (Mecklenburg) (1989)

Ab 1960 entstanden Kopien traditioneller Muster auch in europäischen Ländern wie Rumänien und Bulgarien, und etwas später, etwa ab 1970, in orientalischen Ländern, und zwar in Pakistan und Indien, noch später auch in China. Berber-, Tibeter- und Nepal-Teppiche haben ihren Markt gefunden. Somit stand und steht neuen Entwicklungen an Muster und Farbe nichts mehr im Wege. Mittlerweile entstehen alljährlich neue Teppicharten mit dem Versuch, Marktnischen zu nutzen und dem Kundengeschmack zu entsprechen. Wer heute gut informiert sein möchte, muss ständig internationale Messen und Märkte besuchen. Die mit dem Modewort „Globalisierung“ gemeinte Veränderung von Technik, Kommunikation und Wirtschaft ist auch am Teppichsektor nicht spurlos vorübergegangen: Die Veränderungen des 20. Jahrhunderts mit dem Aussterben des Nomadentums, dem Sesshaftwerden, den Bestellungen für den europäischen Markt, dem Weichen des Materials Wolle auf weitgehend Baumwolle, in der Struktur und dem Entstehen von Manufakturen in den ursprünglichen Teppichzentren und auch anderen Regionen sind insgesamt größer als die Veränderungen und Entwicklungen der belegbaren, zweitausendfünfhundert Jahre alten Teppichtradition zuvor. Durch die moderne Kommunikation und Marktvernetzung entstehen immer schneller neue Produktionen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Giovanni Curatola: Teppiche: Materialien, Knüpfarten, Muster, Geschichte, Herkunft., Delphin Verlag, München 1981, ISBN 3-7735-5113-4.
  • Volkmar Gantzhorn: Orientalische Teppiche. Eine Darstellung der ikonographischen und ikonologischen Entwicklung von den Anfängen bis zum 18. Jahrhundert. Taschen Verlag, Köln 1998, ISBN 3-8228-0397-9.
Farbstoffe
  • M.C. Whiting: The Identification of Dyes in Old Oriental Textiles, ICOM Report 78/9/2
  • Die chemische und botanische Untersuchung der Farben in anatolischen Teppichen. Aus: Bötcher und Bruckmann, Teppiche Anatoliens, S. 88–118
  • H. Schweppe: Wie kann man unterscheiden, ob ein Teppich mit Naturfarbstoffen oder synthetischen Farbstoffen gefärbt ist? Vortrag auf der „Internationalen Konferenz für Orientteppiche“, 28. April - 1. Mai 1978, München

Siehe auch[Bearbeiten]

In einer chinesischen Teppichfabrik

Weblinks[Bearbeiten]

Der Teppichhändler (Giulio Rosati)
 Wiktionary: Teppich – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Teppiche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marleen Stoessel: Geschichte. Auf dem Teppich bleiben. In: Tagesspiegel. 5. Dezember 2009, abgerufen am 17. Dezember 2013.
  2. Eremitage Museum
  3. Türkischer-, symmetrischer Teppichknoten
  4. Senneh-, asymmetrischer Teppichknoten
  5. Website des Breamore Houses
  6. Deutsches Museum
  7. Teppichmuseum Text englisch
  8. Firmengeschichte Schoeller/Anker