Mammolshain
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Mammolshain war bis 1972 ein Dorf an den Südhängen des Taunus, gelegen auf einer Terrasse über der Mainebene. Jetzt ist es ein Ortsteil von Königstein im Taunus.
[Bearbeiten] Geschichte
Das Dorf entstand vermutlich Anfang des 11. Jahrhunderts als eine der zahlreichen damals angelegten Rodungssiedlungen. Bis zum 13. Jahrhundert war die die Geschichte des Ortes eng verbunden mit den Grafen von Nürings und den Herren von Bolanden-Falkenstein. Im 14. Jahrhundert kam Mammolshain als Lehen an die Vogtei Schwalbach und 1539 an Ludwig von Stolberg. Damals erhielt die Ansiedlung Ortsrecht. 1581 kam der Ort zusammen mit Königstein als Reichslehen an das Fürstentum Mainz, dessen Schicksal er in dem Kriegen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts teilte. 1803 im Reichsdeputationshauptschluss nassauisch geworden, kam er 1866 mit dem Herzogtum Nassau an Preußen.
[Bearbeiten] Lage
Wegen seiner klimatisch begünstigten Lage wurde der Ort als Heilstätte für lungenkranke Kinder bekannt. Berühmt sind auch seine zahlreichen Edelkastanien. Am Fuße des Örtchens liegt zudem das Kronthal, das einer bekannten Mineralquelle seinen Namen gab.
Lage und Charakter des Ortes werden sehr schön beschrieben von Rudolf G. Binding (1867–1938) in der Einleitung zu seiner Erzählung „Die Vogelscheuche“:
„In einem sonnigen Schlaf, jahraus, jahrein und nimmer erweckt, liegt das Dörfchen Mammolshain auf der ersten Stufe eines der schönsten deutschen Mittelgebirge, das starkrückig und selbstbewußt sich aus der breiten Flußebene erhebt, wo die Städte das Land beherrschen. In den Winkel, den die erste Gebirgsstraße mit den über ihr wuchtiger ansteigenden Bergen bildet, hat es sich eingeschmiegt, wie ein sich sonnendes Kätzlein, und versinkt fast in dem dichten Kuppelkranz von alten, breitarmigen echten Kastanien, die nur dieser südliche Hang des Gebirges trägt. Da der Strom der Fremden und der Städter, die ihre Sommerwohnungen auf den ihnen in die rauchige Ebene winkenden Höhen aufschlagen, durch die Eisenbahnen nach anderen Fußpunkten des Gebirges abgelenkt wird, vergehen wohl Jahre, ohne daß die alten verdunkelten Ziegeldächer mit den verkrümmten Firsten ein neues unter sich sehen, das den Frieden und die Stille ihres Anblicks eine Zeitlang stört. Denn das Wachstum des Dörfleins aus sich heraus ist nur ein sachtes in seinem Schlaf.
Vor dem Kastanienring aber erstreckt sich eine sanft verlaufende, nicht mit Wald und kaum mit ein paar Laubbäumen bestandenen Landzunge weit hinaus, der Ebene und der Sonne zu; und dort liegen auf der einen abhängerigen Seite mit dem schlechteren Boden die wenigen Äcker der Mammolshainer in schmalen, beinahe kärglichen Bändern nebeneinander, auf der anderen breitern und auf dem Rücken der Absenkung in wohlgepflegtem Erdreich endlose Erdbeerpflanzungen, Beet an Beet, deren Ertrag, in den Städten verkauft, jährlich einen hübschen Verdienst abwirft, groß genug, um die bequemen Bauern an keine andern Unternehmen denken zu lassen.“– zitiert nach: Rudolf G. Binding: Die Geige. Vier Novellen. Deutsche Buchgemeinschaft Berlin o.J.
Koordinaten: 50° 10' N, 8° 30' O

