Bad Schwalbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Schwalbach
Bad Schwalbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Schwalbach hervorgehoben
50.1401388888898.0694444444444361Koordinaten: 50° 8′ N, 8° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Rheingau-Taunus-Kreis
Höhe: 361 m ü. NHN
Fläche: 40,27 km²
Einwohner: 10.428 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 259 Einwohner je km²
Postleitzahl: 65307
Vorwahl: 06124
Kfz-Kennzeichen: RÜD, SWA
Gemeindeschlüssel: 06 4 39 002
Stadtgliederung: Kernstadt [Bad Schwalbach] + 7 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Adolfstraße 38
65307 Bad Schwalbach
Webpräsenz: www.bad-schwalbach.de
Bürgermeister: Martin Hußmann (parteilos)
Lage der Stadt Bad Schwalbach im Rheingau-Taunus-Kreis
Lorch (Rheingau) Rüdesheim am Rhein Geisenheim Oestrich-Winkel Kiedrich Eltville am Rhein Walluf Schlangenbad Bad Schwalbach Heidenrod Aarbergen Hohenstein (Untertaunus) Taunusstein Hünstetten Idstein Niedernhausen Waldems Rheinland-Pfalz Wiesbaden Landkreis Limburg-Weilburg Main-Taunus-Kreis Hochtaunuskreis Kreis Groß-GerauKarte
Über dieses Bild
Karte von Langenschwalbach im Jahre 1728
Bad Schwalbach – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655
Bad Langenschwalbach um 1900
Bad Schwalbach um 1832 auf einem Stich nach Tombleson
Bad Langenschwalbach um 1900

Bad Schwalbach (bis 1927 Langenschwalbach) ist die Kreisstadt im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen (Deutschland). Die Stadt ist eines der ältesten hessischen Heilbäder, zugleich ist sie seit 2014 ein anerkannter Kneippkurort[2].

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Bad Schwalbach ist ein Kurort etwa 20 km nordwestlich von Wiesbaden. Er liegt in 289 bis 465 Meter Höhe im Taunus (westlicher Hintertaunus) sehr langgestreckt auf 2,5 Kilometer Länge in einem linken Seitental der Aar, das vom Nesselbach durchflossen wird. Über 56 Prozent der Gemarkungsfläche besteht aus Wald.

Nachbargemeinden und -kreise[Bearbeiten]

Bad Schwalbach grenzt im Norden an die Gemeinde Hohenstein, im Osten an die Stadt Taunusstein, im Süden an die Gemeinde Schlangenbad, sowie im Westen an die Gemeinde Heidenrod.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt besteht aus den Stadtteilen Adolfseck, Kernstadt Bad Schwalbach, Fischbach, Heimbach, Hettenhain, Langenseifen, Lindschied und Ramschied.

Für die sieben außerhalb der Kernstadt Bad Schwalbach liegenden Stadtteile wurde je ein Ortsbezirk gebildet. Jeder Ortsbezirk hat einen Ortsbeirat aus sieben Mitgliedern unter dem Vorsitz eines Ortsvorstehers oder einer Ortsvorsteherin.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Bad Schwalbach wurde als Langinswalbach im Jahre 1352 erstmals urkundlich erwähnt und war seit 1364 als Pfarrei bekannt. Weitere historische Namensformen sind Swalbach (1360), Langenschwalbach (Anfang 16. Jahrhundert) und Bad Schwalbach[4]. Erste zuverlässige Berichte über die Mineralquellen gibt es ab 1568 durch den Wormser Arzt Tabernaemontanus, der den Ort auch in seinem 1581 erschienenen Werk Neuw Wasserschatz bekannt machte. Der Speyerer Weihbischof Heinrich Fabricius hielt sich bereits 1583 zur Kur am Sauerbrunnen von Bad Schwalbach auf.[5] Obwohl Langenschwalbach im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört wurde, wurde es schnell wieder aufgebaut, der Handel mit dem Heilwasser begann zu blühen. Zunächst wurde das Wasser im Versandhandel in Krügen und Fässern in ganz Europa verkauft. Nur wenige Heilungsuchende nahmen den beschwerlichen Weg in den Taunus auf sich.

Erst mit der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse durch den Straßenbau setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Kurbetrieb ein. Nachdem Francis Head 1830 Bubbles from the Brunnen[6] veröffentlicht hatte, wurden die Taunusbäder unter Briten populär. Zahlreiche gekrönte Häupter, Fürsten und Grafen kamen nun zur Kur und besuchten die Spielbank, wo auch weniger seriöse Herrschaften verkehrten. Während der Zeit des Aufschwungs nach der nassauischen Erwerbung und der Veröffentlichung der „Bubbles“ hatten Schlangenbad und Schwalbach keinen Standortnachteil gegenüber Ems bzw. Wiesbaden, bis um 1845 das Reisen mittels Postkutsche durch die schnellere, bequemere und billigere Eisenbahn obsolet wurde.[7] Die 1889 fertiggestellte Aartalbahn von Wiesbaden nach Langenschwalbach trug auch wesentlich zum Aufschwung bei. Nach Ende des Ersten Weltkriegs verlor der Adel schnell an Bedeutung, und es begann der langwierige und teilweise schmerzhafte Wandel vom Luxusbad zum Sozialbad, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg vollendet wurde.

In einem Wald bei Langenschwalbach soll Katharina Pfeifer aus Langenhain im Taunus Ende 1800 oder Anfang 1801 dem Räuber Schinderhannes ein Kind geboren haben.[8]

Lord Carnarvon verunglückte 1901 bei einer Autofahrt auf der Bäderstraße schwer und hatte bis zu seinem Lebensende unter den Unfallfolgen zu leiden. Aus gesundheitlichen Gründen hielt er sich fortan in den Wintermonaten gerne in Ägypten auf und lernte hier Howard Carter kennen, dessen Ausgrabungen im Tal der Könige er fortan finanzierte.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Adolfseck, Fischbach, Heimbach, Hettenhain, Langenseifen und Ramschied eingemeindet.[9] Lindschied wurde am 1. Januar 1977 durch Gesetz in die Stadt eingegliedert.[10]

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,5 10 34,1 13
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 24,5 9 30,8 11
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 19,0 7 11,1 4
SWA SWA-Unser Bad Schwalbach 18,1 7
BSB Bad Schwalbacher Bürgerblock 7,9 3 15,8 6
FDP Freie Demokratische Partei 4,2 1 4,0 1
FWG Freie-Wähler-Gemeinschaft 4,1 2
Gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 49,0 46,6

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Wahl am 4. November 2007 setzte sich Martin Hußmann (FDP) im ersten Wahlgang mit 50,4 % der Stimmen gegen Amtsinhaber Michael Kalhoff (CDU) durch. Die Wahlbeteiligung betrug 40,3 %. Im November 2010 trat Hußmann aufgrund von Differenzen mit seinem Ortsverband aus der FDP aus.[11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Besonderen Zugang zur Stadt- und Kurgeschichte bietet die Bad Schwalbacher Kurbahn, die auf den historischen Gleisen der ehemaligen Moortransportbahn im Kurpark verkehrt. Von April bis Oktober fahren die Züge des Bad Schwalbacher Kurbahn Verein e.V. an allen Sonn- und Feiertagen. Von der Station Moorbadehaus aus führt die Strecke zu den Moorgruben, vorbei am Golfhaus, Schwalbenbrunnen und Waldsee.

Bad Schwalbachs einziges Museum, das „Kur·Stadt·Apothekenmuseum“, wurde 2002 mit neuen Ausstellungsstücken eröffnet. Mit seinen Exponaten versucht es, die Besucher durch die Geschichte Bad Schwalbachs und dessen Kurleben zu führen. Das Museum beherbergt unter anderem das früher in Privaträumen betriebene Apothekenmuseum. Das Apothekenmuseum zeigt die im Jahre 1642 gegründete und vollständig eingerichtete älteste Apotheke im Taunus, die Adler-Apotheke. Im Museum ist auch das Stadtarchiv untergebracht. Für die katholische St. Elisabeth Kirche schuf Otto Linnemann aus Frankfurt 1916 diverse Glasfenster. Unterlagen hierzu befinden sich im Linnemann-Archiv.

Sehenswert sind außerdem die sieben Brunnen und viele Tempel, u. a. der Elisabethentempel, der von der Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn (Sissi) bei einem Kuraufenthalt in Langenschwalbach gestiftet wurde. Von dort aus hat man eine gute Aussicht über die Stadt.

Nördlich der Stadt befindet sich Alexander’s Rest, eine überdachte Sitzbank, die als Gedenkstätte dient.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Größter Arbeitgeber ist die Schwälbchen Molkerei Jakob Berz AG. Das Klinikzentrum Lindenallee ist eine interdisziplinäre Rehabilitationsklinik und beschäftigt etwa 190 Mitarbeiter. Das Amtsgericht Bad Schwalbach hat seinen Sitz in der Stadt.

Verkehr[Bearbeiten]

Bad Schwalbach liegt an der Bundesstraße 260, auch Bäderstraße genannt, sowie an der B 54 und der B 275. Autobahnanschluss besteht in 15 km Entfernung an die A 66 und in 20 km Entfernung an der Anschlussstelle Idstein der A 3.

Der Bahnhof Bad Schwalbach liegt an der Aartalbahn, auf der seit 1986 kein regulärer öffentlicher Personennahverkehr mehr betrieben wird. Bad Schwalbach ist damit eine der wenigen deutschen Kreisstädte, die im fahrplanmäßigen Eisenbahnverkehr nicht mehr bedient werden. Die Strecke ist als Kulturdenkmal Hessens längstes Baudenkmal und wird saisonal am Wochenende mit historischen Zügen von der Nassauischen Touristik-Bahn befahren. Im Rahmen des Projekts Stadtbahn Wiesbaden war zwischen 1998 und 2001 eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Bad Schwalbach und Wiesbaden im Gespräch. Heute existieren Planungen zur Reaktivierung der Aartalbahn als Stadt- oder Regionalbahn.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Bad Schwalbach wurden geboren:

Außerdem lebten und wirkten in der Gemeinde:

Die Realschule im damaligen Langenschwalbach (Hufeisenschule) besuchte in den Jahren 1846 bis 1848 Nikolaus Otto (1832–1891), der im nahen Holzhausen an der Haide geborene Miterfinder des Viertaktprinzips, dem zu Ehren seit 1940 der Ottomotor seinen Namen trägt.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Nikolaus-August-Otto-Schule (kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, ca. 1200 Schüler)
  • Wiedbachschule (Grundschule)
  • Janusz-Korczak-Schule (Schule für Lernhilfe Sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum)
  • Internationale Opernakademie (Berufsfachschule für Opernsänger)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  79. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 21. November 2012. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 9, 2014, ISSN 0724-7885, S. 187.
  3. Ortsbeiräte in Bad Schwalbach
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Bad Schwalbach, Rheingau-Taunus-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 4. April 2014, abgerufen am 23. Juni 2014.
  5. Quelle aus: Franz Xaver Remling, „Geschichte der Bischöfe zu Speyer“ Band 2, Seite 410
  6. Head, Fr.; Bubbles from the brunnen of Nassau (Auflage 1866)
  7. Henry Lohner: Nur wer tot ist, geht kein Risiko mehr ein: Geschichte der Spielbanken und Roulettesysteme des 20. Jahrhunderts; Norderstedt 2012; ISBN 978-3844809770; Kap.: Schwalbach, S. 87-
  8. Bayerlein, S. 214
  9.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  10. Gesetz zur Neugliederung des Rheingaukreises und des Untertaunuskreises vom 26. Juni 1974, GVBl. I S. 312
  11. http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/untertaunus/bad-schwalbach/9665189.htm

Literatur[Bearbeiten]

  •  David François Merveilleux, Pierre Joseph de LaPimpie Solignac: Amusemens des Eaux de Schwalbach, Oder Zeitvertreibe Bey den Wassern zu Schwalbach, Denen Bädern zu Wiesbaden, und dem Schlangenbade. Lüttich 1739 (Digitalisat).
  •  Jörg Diefenbacher: Die Schwalbacher Reise. Mannheim 2002, ISBN 3-00-008209-3.
  •  Peter Bayerlein: Schinderhannes-Ortslexikon. Mainz-Kostheim 2003.
  •  Gisela Ephan: Nur die Erinnerung bleibt.... Bad Schwalbach u.a. 2007, ISBN 3852510155.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Schwalbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Schwalbach – Reiseführer