Hans Thoma

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den Ingenieur siehe Hans Thoma (Ingenieur).
Selbstbildnis vor einem Birkenwald von 1899
Geburtshaus in Bernau

Hans Thoma (* 2. Oktober 1839 in Oberlehen, Bernau im Schwarzwald, heute Landkreis Waldshut; † 7. November 1924 in Karlsruhe) war ein deutscher Maler und Graphiker.

Biografie[Bearbeiten]

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Thoma stammt aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater Franz Joseph (1794–1855) war ein gelernter Müller und arbeitete als Holzarbeiter im Schwarzwald. Seine Mutter Rosa (1804–1897), geborene Maier aus Menzenschwand, stammte aus einer Kunsthandwerkerfamilie. Die begonnenen Lehren, zuerst als Lithograph und Anstreicher in Basel, dann als Uhrenschildmaler in Furtwangen, brach er ab. Er betrieb autodidaktische Mal- und Zeichenstudien bevor er 1859 von der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe aufgenommen wurde, wo er u. a. Schüler von Johann Wilhelm Schirmer und Ludwig Des Coudres war. Sein Studium beendete Thoma 1866. Nach Aufenthalten in Basel und Düsseldorf (1867–1868)[1] ging er zusammen mit Otto Scholderer 1868 nach Paris, wo ihn besonders die Werke Gustave Courbets und der Schule von Barbizon beeindruckten. Auch Thoma ging schließlich nach München, die damalige Kunsthauptstadt Deutschlands. Sein Aufenthalt währte von 1870 bis 1876. Zugleich reiste Thoma 1874 erstmals nach Italien; eine zweite Italienreise folgte 1880, nachdem er 1879 England bereist hatte und dort 1884 im Art Club Liverpool ausstellen sollte. Er war mit Arnold Böcklin befreundet und stand dem Leibl-Kreis nahe.

Hans Thoma, Auf einer Waldwiese, 1876, Hamburger Kunsthalle (Modell: Cella Thoma)

1877 heiratete er die Blumen- und Stilllebenmalerin Cella Berteneder.

Seit 1878 lebte Thoma im Frankfurter Westend, Haus an Haus mit dem Malerfreund Wilhelm Steinhausen, und in gemeinsamem Haushalt mit seiner Ehefrau, seiner Schwester Agathe und mit Ella, der 1878 adoptierten Nichte von Cella. Dort traf er unter anderem auf den in der Nachbarschaft (Mendelssohnstraße 69) lebenden SDAP-Politiker, Ex-Internatsdirektor und Privatgelehrten Samuel Spier und seine Frau, die Schriftstellerin und Kunstkritikerin Anna Spier. Die Spiers wie auch andere Bekannte Steinhausens unterstützten Thoma mit Aufträgen. Anna Spier schrieb Artikel und ein Porträt in Buchform über ihn; Thoma schuf für sie ein Exlibris und malte ein Porträt, das sich heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befindet.

Von 1886 bis 1899 lebte er dort in der Wolfsgangstraße 150. Eine Inschrift am Haus weist darauf hin. Während dieser Zeit entstand auch der Fries mit mythologischen Szenen in der Villa Pringsheim. Thoma stand u. a. den Malern der Kronberger Malerkolonie nahe. Zeitweise beherbergte er den Schriftsteller Julius Langbehn. Der Erbauer des Wohnhauses der Thomas, Simon Ravenstein, unterstützte Thoma mit zahlreichen Aufträgen, deren erster 1882 die Ausmalung des Hauses des Architekten selbst war. 1899 bezog die vierköpfige Familie eine Wohnung mit Atelier neben dem Friedrichshof in Kronberg, was Thoma als sichtbaren Ausdruck der lang ersehnten Anerkennung als Maler empfand.

1899 wurde Hans Thoma zum Professor an der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe und zum Direktor der Kunsthalle Karlsruhe ernannt. Dieses Amt übte er bis 1920 aus.[2] In der Kunsthalle stattete er die Thoma-Kapelle aus, die noch heute dort zu besichtigen ist, zu seinem 70. Geburtstag eröffnete ein Anbau mit Thoma-Museum. Die Karlsruher Zeit wurde überschattet durch den Tod seiner Frau Cella 1901, der Thoma jahrelang depressiv stimmte. Thoma wohnte nunmehr mit seiner Schwester in Karlsruhe.

Seit seiner Ausstellung im Münchner Kunstverein 1890 wurde er allgemein in Deutschland anerkannt und der Kunsthistoriker Henry Thode wurde sein wichtigster Förderer. Thoma gehörte bis um etwa 1910 zu den angesehensten Malern Deutschlands. Meyers Großes Konversations-Lexikon hielt 1909 fest, er sei „einer der Lieblingsmaler des deutschen Volkes geworden“[3], eine Bezeichnung, die 2013 vom Frankfurter Städel-Museum mit der Ausstellung „Hans Thoma. ‚Lieblingsmaler des deutschen Volkes‘“ aufgegriffen wurde.[4]

Zu Thomas Schülern zählte unter anderem der spätere Leiter der Keramikfachschule Landshut Hermann Haas. Biografische und künstlerische Parallelen zu Thoma finden sich bei dem etwas jüngeren Frankfurter Künstler Johann Georg Mohr.

Hermann Binz schuf ein Porträt von Thoma als Wasserspeier am Stephanienbrunnen (Karlsruhe).

Künstlerische Entwicklung und Bedeutung[Bearbeiten]

Hans Thoma: Bogenschützen
Hans Thoma: Hochsommerlandschaft (Ausschnitt)

Seine Frühwerke sind von einem lyrischen Pantheismus geprägt. In seiner Münchner Zeit malte er vor allem Landschaften. In Frankfurt standen Arbeiten mit erzählerischem oder allegorischem Inhalt im Mittelpunkt seines Schaffens. Im Alter arbeitete er intensiv an seiner „Thoma-Kapelle“, die er mit Szenen aus dem Leben und Wirken Jesu Christi ausschmückte.

Als seine besten und authentischsten Werke gelten noch heute seine Landschaften (Schwarzwald, Oberrheinebene und Taunus) und die Porträts seiner Freunde und Angehörigen wie auch seine Selbstporträts. Nicht mehr überzeugen können heute oft grotesk überzeichnete, realistische, mythologisch-religiöse Darstellungen, die stark von Böcklin beeinflusst waren.

Er gehörte zur bevorzugten Auswahl zeitgenössischer Künstler, die das Komité zur Beschaffung und Bewertung von Stollwerckbildern dem Kölner Schokoladeproduzent Ludwig Stollwerck zur Beauftragung für Entwürfe vorschlug.[5]

Sein Förderer Henry Thode stilisierte Thomas Werk zu einer Verkörperung nationaler Identität, womit der Vereinnahmung durch die nationalsozialistische Kunstkritik der Boden bereitet wurde.

Ehrungen[Bearbeiten]

Hauptwerke[Bearbeiten]

Die wichtigsten Thoma-Sammlungen besitzen das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt und die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2013: Hans Thoma. Lieblingsmaler des deutschen Volkes. Städel-Museum, Frankfurt am Main, Katalog.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Hermann Meissner: Hans Thoma. Berlin und Leipzig: Schuster & Loeffler 1899 (online).
  • A.[nna] Spier: Hans Thoma. Ein Portrait. Frankfurt a. M.: Heinrich Keller 1900.
  • Anna Spier: Hans Thoma. In: Die Kunst unserer Zeit. 11. Jahrgang. 1. Halbband.. München: Franz Hanfstaengl 1900, S. 61–112 (online).
  • Henry Thode: Thoma. Des Meisters Gemälde in 874 Abb.. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart Leipzig 1909.
  • Karl Josef Friedrich (Hrsg.): Das Hans Thoma-Buch. Freundesgabe zu des Meisters 80. Geburtstage. Leipzig: E.A. Seemann 1919.
  • Joseph August Beringer: Hans Thoma. Verlag: F. Bruckmann, München 1922 (online).
  • Fritz von Ostini. Thoma. Bielefeld und Leipzig: Verlag von Velhagen und Klasing 1923
  • Karl Anton: Hans Thoma, ein Meister der Menschheit. Karlsruhe: G. Braun 1924
  • M. Spanier: Hans Thoma und seine Kunst für das Volk. Breitkopf und Härtel Leipzig 2. Auflage 1925
  • Lili Fehrle-Burger: Die Gemälde von Hans Thoma in der Peterskirche, in: Heidelberger Fremdenblatt, 7 (1961), S. 2-6
  • Augustinermuseum Freiburg (Hrsg.): Hans Thoma. Lebensbilder. Gemäldeausstellung zum 150. Geburtstag.. Langewiesche, Königstein/Taunus 1989, ISBN 3-7845-7870-X (formal falsche ISBN)
  • Christa von Helmolt: Hans Thoma. Spiegelbilder. Klett-Cotta, Stuttgart 1989, ISBN 3-608-76261-2
  • Jan Lauts: Hans Thoma. Langewiesche, Königstein/Taunus 1995, ISBN 3-7845-1671-8
  • Thoma-Mappe. Herausgegeben vom Kunstwart, München ca. 1910, Georg D. W. Callwey im Kunstwart-Verlag, Mappe mit 26 farbigen Tafeln und Begleitheft.
  • Hans Vollmer: Hans Thoma. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 33, E. A. Seemann, Leipzig 1939, S. 47–51.
  • Hans Thoma. Ausstellungskatalog. Karlsruhe 1974
  • Ursula Peters: Frau Anna Spier, portraitiert von Hans Thoma. In: Monatsanzeiger des Germanischen Nationalmuseums Nr. 145. Nürnberg 1993, 1163–1166
  • Hans Peter Buohler: [Art.] Thoma, Hans. In: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums. Begr. von Walther Killy, hg. von Wilhelm Kühlmann (u. a.). Zweite, vollst. überarb. Auflage. Band 11. Berlin und New York: de Gruyter, 2011, ISBN 978-3-11-022040-7, S. 484-486.
  • Felix Krämer, Max Hollein (Hrsg.): Hans Thoma. ‚Lieblingsmaler des Deutschen Volkes‘. Köln 2013, ISBN 978-3-86832-154-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hans Thoma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hans Thoma – Quellen und Volltexte
 Commons: Zyklus Festkalender – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thoma, Hans. In: Biographisches Künstler-Lexikon, Leipzig 1882, S. 518
  2. Geschichte – Die Sammlung im 19. Jh., Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, abgerufen am 30. Mai 2010
  3. Meyers Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 493
  4. Hans Thoma. ‚Lieblingsmaler des deutschen Volkes‘. Überblicksausstellung im Städel-Museum vom 3. Juli bis 29. September 2013
  5. Lorenz, Detlef: Reklamekunst um 1900. Künstlerlexikon für Sammelbilder, Reimer-Verlag, 2000.
  6. Internetseite des Hans-Thoma-Kunstmuseums