Maximilian Friedrich von Merveldt

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Maximilian Friedrich von Merveldt

Maximilian Friedrich Graf von Merveldt (* 29. Juni 1764; † 5. Juli 1815 in London) war ein deutscher Offizier und Diplomat in habsburgischen Diensten.

Leben[Bearbeiten]

Maximilian Friedrich entstammte dem westfälischen Adelsgeschlecht Merveldt, als mittlerer von drei Brüdern, August Ferdinand geb. 1759, Paul geb. 1770. Weil sein älterer Bruder für die Nachfolge auf den Stammgütern vorgesehen war, blieb ihm die Alternative einer geistlichen oder militärischen Laufbahn. Er trat 16jährig in das münsterische Heer ein und wechselte zwei Jahre später in österreichische Dienste. 1780 hatte sein älterer Bruder fast 700 Reichstaler für seine Ausstattung, u.a. für zwei Reitpferde, einen Burschen und das Fähnrichspatent ausgegeben.

Maximilian begann seinen Dienst im österreichischen Militär an der Militärgrenze bei den Dragonern, wurde in Flandern eingesetzt und nahm an dem Türkenfeldzug (1787-1789) teil. Anfang der 1790er Jahre wurde er wegen seiner Zuverlässigkeit zum Major befördert und in den Generalstab aufgenommen.

Im ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich hatte Maximilian 1793 in der Schlacht bei Neerwinden (ca. 50 km von Lüttich) als Flügeladjudant des Generals Prinz Sachsen-Coburg entscheidend zu einem großen Sieg beigetragen, indem er sich selbst an die Spitze eines weichenden Flügels setzte und ihn wieder zum Angriff führte. Dafür wurde er zum Oberstleutnant befördert und erhielt 1794 den Maria-Theresia-Orden, die höchste militärische Auszeichnung der Habsburgermonarchie.

1793 koordinierte er als Stabschef unter dem Oberbefehlshaber Herzog von York, Sohn des englischen Königs Georg III., die starke Belagerungsarmee der Festung Valenciennes. Der Herzog von York rühmte ihn als den mutigsten und talentiertesten Offizier der ganzen kaiserlichen Armee. Für die Einschließung der französischen Festung Landrecies (östlich von Cambrai) beförderte der gerade anwesende Kaiser Merveldt 1794 zum Oberst.

Als er nach fast neunmonatiger Krankheit im September 1795 den Dienst wieder aufnahm, hatte er nichts von seinem Elan eingebüßt und Erzherzog Karl berichtete dem Kaiser: Den Oberst Merveldt kann ich dir nicht genug loben und anempfehlen. Nicht nur Tapferkeit, sondern auch seltene militärische Talente, so er in allen Gelegenheiten zeigt, machen ihn deiner Gnade würdig, und an ihm wirst du mit der Zeit einen vortrefflichen General haben...

So erreichte er 1796 den Rang eines Generalmajors, den ein gewöhnlicher Offizier erst mit dem Pensionsalter erhielt.

Im zweiten Koalitionskrieg (1799-1802) wurde Merveldt für seine Tüchtigkeit während der Rückzugsgefechte zum Feldmarschall-Leutnant befördert und erhielt das Kommando über eine Division. Bekanntlich endete der dritte Koalitionskrieg (1805) mit der vollständigen Niederlage Österreichs bei Austerlitz, wofür 50 Generäle vor dem Kriegsgericht oder mit ihrer Entlassung büßten. Merveldt blieb davon verschont, obwohl seine Truppen in der Steiermark von Davout eine schwere Niederlage einstecken mussten.

An Stelle seines Jugendfreundes Johann Philipp Graf Stadion, der ins Wiener Außenministerium berufen wurde, ging Merveldt im Januar 1806 als Gesandter nach Sankt Petersburg. So wurde er aus der Schusslinie der Kritik gezogen, in die er auch als Angehöriger der anglomanen, kriegswilligen Partei geraten war. Nach seiner Abberufung aus Petersburg wurde Merveldt 1808 als Divisionskommandant nach Lemberg versetzt. Dort war seine Tätigkeit unspektakulär. Er durfte gegen seinen Wunsch nicht am fünften Koalitionskrieg teilnehmen, was ihn davor bewahrt hat, an der schweren Niederlage Österreichs bei Wagram (5./6. Juli 1809) beteiligt gewesen zu sein.

Nach dem Frieden von Schönbrunn wurde er nach Brünn versetzt, wo er bis 1813 das Kommando über zwei Regimenter innehatte. Hier erlaubten es ihm seine Verhältnisse, sich in Böhmen Güter zu kaufen und Kupferstiche, Landschaftsbilder und alte Waffen zu sammeln.

Erst als sich Österreich 1813 dem Befreiungskrieg angeschlossen hatte, wurde Merveldt wieder mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut. Der Kaiser übergab ihm das Gouvernement der Festung Theresienstadt und ernannte ihn zum General der Kavallerie. Es gelang ihm die Franzosen aus Aussig zu vertreiben und ihnen schwere Verluste beizubringen.

In der Völkerschlacht bei Leipzig konnte Merveldt am späten Nachmittag des 16. Oktober 1813 bei Dölitz über die Pleiße vordringen, wo er auf verbündete Truppen zu stoßen glaubte. Allerdings hatten ihn seine kurzsichtigen Augen getäuscht. Er stieß nicht auf Freunde, sondern auf Feinde unter dem Befehl des Generals Poniatowski, wurde verwundet gefangen genommen und vor Napoleon geführt. Der suchte von ihm die Stärke der Alliierten zu erfahren und erklärte seinen Friedenswunsch auch um einen hohen Preis. Merveldt gab dem Kaiser zu verstehen, dass die Chance darauf beim Prager Friedenskongress im Sommer vertan worden sei. Am 17. Oktober entließ Napoleon den Gefangenen gegen das Versprechen, nicht eher wieder die Waffen zu ergreifen, als bis er gegen einen gleichwertigen Offizier ausgetauscht sei. Zar Alexander zeichnete Merveldts Einsatz, durch den er starke Feindkräfte gebunden hatte, später mit dem Alexander-Newski-Orden aus, dem zweithöchsten Orden des Zarenreiches.

Außenminister Metternich, der als Gesandter in Paris noch gegen Merveldt intrigiert hatte, schickte ihn 1813 als Botschafter nach London, wo er im Februar 1814 eintraf, aber schon im Juli 1815 einer kurzen tödlichen Krankheit erlag. Die Anerkennung, die er sich dort erworben hatte, bezeugt die von der britischen Regierung der Witwe angebotene Beisetzung ihres Mannes in der Westminster Abbey. Maximillian hatte sich aber gewünscht in der Heimat beigesetzt zu werden. Auf Schloss Lembeck wurde Maximillian in der Gruft der Michaeliskapelle beigesetzt, wo noch heute ein schlichter Stein mit der Inschrift Maximillian Graf von Merveldt, K.K. General der Cavallerie* Ambassadeuer geb. 1 September 1764, gest. 5 July 1815 seine Grablege bezeichnet.

Diplomatische Karriere[Bearbeiten]

Bei den Vorverhandlungen zur österreichisch-preußischen Konvention von Reichenbach vom 27. Juli 1790 war Merveldt zum ersten Mal in diplomatischer Funktion tätig. Feldmarschall Laudon erkannte schon damals seine dementsprechende Begabung und empfahl Merveldt so: Dieser Graf vereinigt mit einem sehr soliden und gesetzten Charakter eine feine Lebensart, weiß mit Menschen umzugehen und sie zu beurteilen, wird sich nie durch Reden und Handlungen vergehen und nützliche Dienste leisten.

Als 1794 die Alliierten mit einer bedeutend vermehrten Streitkraft gegen die Franzosen antreten wollten, war dies nur mit London zu erreichen, wo dem Herzog von York allerdings die Abberufung drohte. Um das eine zu erreichen und das andere zu verhindern, reiste eine österreichische Delegation, der auch Merveldt angehörte, über den Kanal. Dieser setzte sich für die Beibehaltung Yorks als Oberkommandierenden der englisch-hannoverschen Truppen ein. Diese diplomatische Mission war ein Achtungserfolg Merveldts auch in den Augen der englischen Minister. Als Napoleon nach seinem siegreichen Italienfeldzug von Kärnten aus 1797 Wien bedrohte, wurde sein Waffenstillstandsangebot sofort akzeptiert. Außenminister Thugut, ein entschiedener Gegner Frankreichs, entsandte als Unterhändler zwei Gesinnungsgenossen nach Leoben, Feldmarschall-Leutnant Bellegarde und Oberst Merveldt, den er auch für die folgenden Friedensverhandlungen in Campo Formio bestimmte und gewissermaßen als Aufpasser des Marchese di Gallo, der als zu kompromissbereit galt und später durch Cobenzl abgelöst wurde. Nach den Erinnerungen Caulaincourts, des späteren persönlichen Adjudanten Napoleons, hat Merveldt damals dem General Napoleon angeboten, auf die österreichische Seite zu wechseln und sogar in Aussicht gestellt, Österreich könnte ihm in Deutschland ein Fürstentum verleihen, was dieser jedoch als Verrat an Frankreich zurückwies. Napoleon charakterisierte Merveldt als: sehr geschickten Menschen und hellen Kopf... vorzüglich geeignet, alle heiklen Angelegenheiten zu führen. Sein einziger Fehler war, dass er oft zu schlau sein wollte und daher von vornherein sein Gegenüber misstrauisch machte. Er war mehr Diplomat als General, obwohl es ihm an Mut ebenso wenig wie an Geiste fehlte. Merveldt hat später das Eingehen auf Napoleons Friedensangebot und die mangelnde Standfestigkeit Wiens, das einen Vormarsch auf Hauptstadt befürchtete, kritisiert, weil er die unsichere Lage der französischen Truppen in Norditalien richtig eingeschätzt hatte. Mit dieser späten Kritik verortete er sich politisch als Falke. Freilich konnte er sich selbst damals nicht ganz der Drohkulisse entziehen, mit der Napoleon ein ungünstiges Eingreifen des Pariser Direktoriums beschwor.

Heirat[Bearbeiten]

Als Merveldt 1806 an den Hof von Saint Petersburg entsandt wurde, heiratete er dort 1807 seine Frau Therese. - 1801 war es zu einem Eklat zwischen Merveldt und dem Deutschen Orden gekommen, dem er seit 1792 als Ritter angehörte. Da dieser neben dem eigenen schwarzen Ordenskreuz keine anderen Ehrenzeichen duldete, suchte Merveldt um seinen Austritt nach: Der Maria-Theresien-Orden - um den es ging - ist...das Ehrenzeichen eines Dienstes, in dem ich mein Glück gemacht und in wenigen Jahren den Generalleutnants-Charakter erhalten habe. Ich kann ihn nicht ablegen. Ich würde dann nicht ferner hoffen dürfen, in dem k.k. Militärdienste, in dem einzigen Handwerk, auf das ich mich von Jugend an verlegt habe, ferner etwas mit Nutzen zu leisten und meiner Religion und meinem Vaterlande noch in leicht vorauszusehenden Kriegen nützen und dienen können... Lege er den Theresien-Orden ab, verliere er das Vertrauen der Soldaten, und der Kaiser sehe darin eine Geringschätzung seines höchsten Ordens.

Sein Austritt aus dem deutschen Orden, der zwar erst 1807 bewilligt wurde, entband ihn von der Pflicht zur Ehelosigkeit. Doch obwohl es erst 1803 in Wien bekannt wurde, ging Merveldts Bekanntschaft mit Therese Gräfin Kinsky auf das Jahr 1798 zurück. Wegen ihrer außerordentlichen Schönheit wurde die Schwester des einflussreichen Franz Joseph von Dietrichstein in Wien la celeste Therese genannt. Sie war die innigste Liebe Kaiser Joseph II., der sie, als er 1787 in den Türkenkrieg zog, seinem Kammerherrn Philipp Graf Kinsky antrauen ließ. Dieser indes verließ die himmlische Therese gleich nach der Trauung.

Da eine Scheidung nicht möglich war, musste in Rom ihre Ehe annulliert werden. Therese gab an, dass sie unter den Donnerschlägen während des Trauzeremoniells halb bewusstlos gewesen sei und der trauende Fürstbischof von Passau, ein Onkel Thereses, gab zu Protokoll, er habe nicht gehört, dass die halb Bewusstlose das entscheidende Ja gehaucht habe. - Maximilian und Therese ließen sich 1807 in St. Petersburg trauen. Für die dazu beiderseits erforderlichen Dispense sowie Schmuck und Diamanten als Geschenke an seine Frau soll Maximillian mehr als 150.000 Gulden ausgegeben haben.

Literatur[Bearbeiten]