Pleiße

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Pleiße
Das Einzugsgebiet der Pleiße

Das Einzugsgebiet der Pleiße

Daten
Gewässerkennzahl DE: 5666
Lage Europa, Deutschland, Sachsen, Thüringen
Flusssystem Elbe
Abfluss über Weiße Elster → Saale → Elbe → Nordsee
Quelle Drei-Linden-Brunnen (früher Alboldsbrunnen) in Ebersbrunn bei Zwickau
50° 38′ 51″ N, 12° 25′ 31″ O50.647512.425277777778443
Quellhöhe 443 mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung Weiße Elster (Elsterflutbett) in Leipzig51.322512.3575103Koordinaten: 51° 19′ 21″ N, 12° 21′ 27″ O
51° 19′ 21″ N, 12° 21′ 27″ O51.322512.3575103
Mündungshöhe 103 mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 340 m
Länge 90 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 1473,6 km²[1]
Abfluss am Pegel Böhlen 1[2]
AEo: 1372 km²
Lage: 13,1 km oberhalb der Mündung
NNQ (01.08.1994)
MNQ 1959/2009
MQ 1959/2009
Mq 1959/2009
MHQ 1959/2009
HHQ (11.06.1961)
922 l/s
302 l/s
6,72 m³/s
4,9 l/s km²
38 m³/s
142 m³/s
Durchflossene Stauseen Talsperre Windischleuba
Großstädte Leipzig
Mittelstädte Werdau, Crimmitschau, Altenburg, Markkleeberg
Kleinstädte Gößnitz, Regis-Breitingen, Rötha, BöhlenVorlage:Infobox Fluss/BILD_fehlt
Die Pleißenquelle
Die Gefällestufe in Deutzen
Die Pleiße bei Großdeuben
Das begradigte Flussbett bei Markkleeberg
Die Pleiße im Leipziger Auenwald

Die Pleiße ist ein rechter (östlicher) Nebenfluss der Weißen Elster in Sachsen und Thüringen. Sie mündet im Leipziger Gewässerknoten.[3] Der Fluss ist durch den Pleiße-Radweg gut erschlossen.

Name[Bearbeiten]

Der Name Pleiße bedeutet „das Sümpfe bildende Wasser“.[4] Sie gab dem im Mittelalter bedeutsamen Pleißenland an ihrem Unterlauf den Namen.

Verlauf[Bearbeiten]

Die Pleiße hat ihre Quelle südwestlich von Zwickau in Lichtentanne, Ortsteil Ebersbrunn, im Drei-Linden-Brunnen (früher Alboldsbrunnen). Nach den sächsischen Städten Werdau und Crimmitschau folgen die thüringischen Gemeinden Ponitz, Gößnitz, Nobitz und Altenburg. Hinter Windischleuba reguliert die Talsperre Windischleuba den Durchfluss nach Fockendorf und Treben. Auf Haselbach, das noch zur thüringischen Pleißenaue zählt, folgen die sächsischen Gemeinden Regis-Breitingen, Deutzen, Neukieritzsch, Rötha, Böhlen, Markkleeberg, bevor die Pleiße schließlich am Leipziger Eck in die Weiße Elster mündet.

Nebenflüsse und Wasserbauwerke[Bearbeiten]

Der Flusslauf hatte ursprünglich eine Länge von 115 km, wurde aber vor allem durch den Braunkohletagebau südlich von Leipzig begradigt und somit verkürzt und hat jetzt nur noch eine Länge von ca. 90 km. Zwischen Saara und dem Nobitzer Ortsteil Kotteritz hat ihr Lauf den Status eines Flächennaturdenkmals.

Zum Hochwasserschutz für Leipzig wurde das Hochwasserrückhaltebecken Regis-Serbitz errichtet, das die Pleiße im Normalbetrieb ungestaut durchfließt und das einen der längsten Staudämme in Deutschland besitzt. Eine weitere Hochwasserschutzeinrichtung ist das Rückhaltebecken Stöhna bei Böhlen, das auf einem Tagebaurestloch angelegt wurde. Bei Rötha wird der Wasserstand im Stausee Rötha im Nebenschluss über einen Seitenarm der Pleiße geregelt.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Pleiße zwischen Regis-Breitingen und Markkleeberg infolge des Braunkohlentagebaus auf einer Länge von etwa 35 Kilometern nahezu vollständig verlegt und um etwa 10 Kilometer verkürzt. Einzig südöstlich von Böhlen blieb ein etwa 1,5 Kilometer langes Stück der alten Pleißenaue bestehen. Das neue Bett wurde meist trapezförmig angelegt, von Gefällestufen unterbrochen, und es verläuft zumeist auf schmalen Landkorridoren zwischen den ehemaligen Tagebauen.[6] Bei der Verlegung wegen des Tagebaus Espenhain verschwand auch das 1933 zwischen Großstädteln und Markkleeberg angelegte Pleißestaubecken, das 850 m lang und 20 m breit war und zur Flussregulierung und dem Absetzen von Sinkstoffen vorgesehen war.[7]

In Leipzig teilt sich die Pleiße am Connewitzer Wehr in den teilweise überwölbten Pleißemühlgraben und das Pleißeflutbett, das etwa 600 m weiter nördlich am Leipziger Eck in das Elsterflutbett mündet.

Bis zur Anlage des Pleißeflutbetts teilte sich die Pleiße ebenfalls etwa am Ort des heutigen Connewitzer Wehrs in zwei natürliche Arme, die beide im heutigen Stadtgebiet in die Weiße Elster mündeten. Einer der beiden, die Alte Pleiße oder Kuhstrangwasser, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zugeschüttet. Der zweite Arm, die Rödel, existierte auch nach der Unterbrechung durch das Elsterflutbett noch bis 1926 und wurde bis 1927[8] verfüllt.

Wasserqualität[Bearbeiten]

Ableitung von Abprodukten aus der carbochemischen Industrie im Südraum Leipzigs führten zu Verfärbung, Gestank, starker Schaumbildung und Absterben allen Lebens im Unterlauf des Flusses. Das machte die Pleiße während der Zeit der DDR zum Synonym eines verschmutzen Flusses. Nach der Stilllegung der verursachenden Industrie in den 1990er-Jahren hat sich die Wasserqualität wesentlich verbessert, so dass auch inzwischen wieder zahlreiche Fischarten anzutreffen sind. Zurzeit besteht noch eine leichte (ungiftige) Braunfärbung durch Eisenverbindungen, vor allem Pyrit, aus dem Wasserregime des zum größten Teil stillgelegten Braunkohlebergbaus.

Musik und Dichtung[Bearbeiten]

Johann Sebastian Bach hat den Fluss durch zwei Werke gewürdigt. Das eine, die weltliche Kantate Schleicht, spielende Wellen BWV 206, komponierte er nach der Dichtung eines unbekannten Poeten anlässlich des Geburtstags des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II., der als August III. zugleich polnischer König war. In einem typisch barocken Panegyrikus, einer Lob- und Festrede, huldigen die Flüsse Weichsel, Elbe, Pleiße und Donau dem Fürsten und König. Donau und Elbe geraten in Streit, wer den „durchlauchtigsten“ Herrscher, die „doppelte Regierungssonne“, für sich beanspruchen darf (seine Gemahlin war die österreichische Prinzessin Maria Josepha). Die kleine Nymphe Pleiße aber siegt im Wortgefecht über die „bemoosten Häupter starker Ströme“, und die vier Flüsse stimmen in einen einträchtigen Lobgesang ein.[9][10]

In der zweiten Kantate Auf, schmetternde Töne der munteren Trompeten BWV 207a, vermutlich 1735 zum Namenstag des Fürsten aufgeführt, wird ihr der zweite Satz gewidmet, dem Recitativo Die stille Pleiße spielt.

„Die stille Pleiße spielt
Mit ihren kleinen Wellen
[…]
Es prangt mit weichem Moos und Klee;
Dort blühet manche schöne Blume,
Hier hebt zur Flora großem Ruhme
Sich eine Pflanze in die Höh’
[…]“

Anonymos, vor 1735[11]

1736 erschien in Leipzig eine Liedersammlung mit dem Titel Singende Muse an der Pleiße. Ihr Verfasser Sperontes hatte einfache Melodien zusammengetragen und sie mit eigenen Texten unterlegt. Die Sammlung war sehr beliebt und erfuhr mehrere Auflagen. Auch die sächsische Mundartdichterin Lene Voigt hat die Pleiße mehrfach besungen:

„Wo de Bleiße bläddscherd dorchs Gelände
un der Gnoblauch dufded ohne Ende,
dort bei Leibzich in den sumbfschen Aun
schbugn nächdlich sächssche Wasserfraun.
[…]“

Lene Voigt, 1. Hälfte 20. Jh.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hydrologisches Handbuch. Teil 2 – Gebietskennzahlen. Freistaat Sachsen – Landesamt für Umwelt und Geologie, S. 30, abgerufen am 30. Dezember 2012 (PDF, 115 kB).
  • Mustafa Haikal: Längs der Pleiße – Zur Geschichte einer Flusslandschaft. In: Neue Ufer. Heft 6, Leipzig 2001, S. 3–21.
  • Die Pleiße. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 8. Band, Zwickau 1821, S. 396–410.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pleiße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesanstalt für Umwelt (Hrsg.): Gebiets- und Gewässerkennzahlen Verzeichnis und Karte. Jena 1998; 26 S.
  2. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Elbegebiet, Teil I 2009. Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, 2012, S. 199, abgerufen am 20. Januar 2013 (PDF, deutsch, 5,22 MB).
  3. Wiederherstellung der morphologischen Durchgängigkeit der Fließgewässer im Stadtgebiet von Leipzig
  4. Georg Grebenstein: Die Leipziger Gewässer von der Jahrtausendwende bis zur Gegenwart, in: Neue Ufer Heft 3, S. 4, Stadt-Kultur-Projekt Leipzig, Leipzig 1995
  5. erinnert an das Wassertor in der ehemaligen Stadtmauer
  6. Flussverlegungen, In: Neue Ufer - Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig
  7. Georg Grebenstein: Die Leipziger Gewässer von der Jahrtausendwende bis zur Gegenwart, in: Neue Ufer Heft 3, S. 30, Stadt-Kultur-Projekt Leipzig, Leipzig 1995
  8. Leipzig-Lexikon: Rödel
  9.  Hans Christian Worbs: Johann Sebastian Bach: Weltliche Kantaten. In: Sony Classical (Hrsg.): J. S. Bach. Auf, schmetternde Töne der munteren Trompeten BWV 207a. Schleicht, spielende Wellen BWV 206. Cantatas for August III., Kurfürst of Saxony, King of Poland. S. 12f (Beiheft zur CD, R. Ziesak, M. Chance, C. Prégardien, P. Kooy, Kammerchor Stuttgart, Concerto Köln, Frieder Bernius, SK 46492).
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAnonymos: BWV 206 Schleicht, spielende Wellen, und murmelt gelinde! In: The Bach Cantatas. Walter F. Bischof, abgerufen am 26. November 2008 (Vollständiger Text).
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAnonymos: BWV 207a Auf, schmetternde Töne der muntern Trompeten. In: The Bach Cantatas. Walter F. Bischof, abgerufen am 26. November 2008 (Vollständiger Text).
  12. Lene Voigt; Gerhard Hopf: Wo de Bleisse bläddscherd… (hochdeutsch: Wo die Pleiße plätschert…). Verlag Sachsenbuch, Leipzig 1999, ISBN 978-3-910148-04-8