Medicane

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Satellitenbild der NOAA vom 16. Januar 1995

Medicane ist ein Kofferwort für ein tropensturmähnliches Sturmtief im Mittelmeerraum. Der Begriff setzt sich aus den englischsprachigen Begriffen „mediterranean“ und „Hurricane“ zusammen und wurde im Zusammenhang mit der Zunahme von schweren sturm- und vor allem niederschlagsreichen Wetterereignissen im Mittelmeerraum gebildet. Entstanden ist der Begriff in den 1980er Jahren, nachdem über dem Mittelmeer spiralförmige Wolkenstrukturen mit wolkenfreien Zonen im Zentrum („Auge“) auf Satellitenbildern entdeckt wurden. Diese vor allem im Herbst vorkommenden troposphärischen Tiefdruckgebiete weisen sowohl außertropische als auch tropische Eigenschaften auf.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes entstehen Medicanes insbesondere im Herbst, indem Kaltluft aus den gemäßigten Breiten in Richtung Äquator strömt und in den höheren Luftschichten ein sogenanntes „Cut Off-Tief“ ausgebildet wird („außertropischer Prozess“). Bei den noch warmen Wassertemperaturen des Mittelmeers kondensiert die durch Verdunstung feuchte meernahe Luftmasse und bildet den Wolkenwirbel im Zuge der vom Höhentief verursachten Konvektion. Das Auge entsteht ähnlich wie in den Tropen durch die Abwärtsbewegung mit Wolkenauflösung im sich dabei erwärmenden Tiefzentrum. Jedoch werden im Wirbel nur selten Windgeschwindigkeiten eines „echten“ Hurrikanes erreicht, sondern zumeist nur eines tropischen Sturms von 63 bis 118 km/h. Gelegentlich bilden sich ähnliche Tiefdruckgebiete im subtropischen Nordatlantik im Bereich der Bermudas, Azoren und Kanaren.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Medicane im Wetterlexikon des DWD, abgerufen am 26. Januar 2011

Weblinks[Bearbeiten]