Medienkonzentration

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Unter Medienkonzentration versteht man das Ausmaß und den Umfang, mit dem einzelne Unternehmensgruppen eine marktbeherrschende Stellung im Medienbereich einnehmen. Dies kann man sowohl unter dem Aspekt der Meinungsvielfalt als auch der unternehmerischen Kartellbildung kritisch beobachten. Eine monopolartige Position in Presse oder Fernsehen hat deshalb besondere Bedeutung, da zu befürchten steht, dass die Medienunternehmer ihre meinungsbildende Macht zu politischen Zwecken missbrauchen könnten.

Medienkonzentration bedeutet in der Praxis, dass ein Großteil der Zeitungen und Zeitschriften von einer Handvoll von Medienkonzernen verlegt werden. Die Leser bekommen Informationen eigentlich nur von ganz wenigen Quellen. Medienkonzentration fördert Meinungsmacht. Berlusconi hat in Italien besonders eindrucksvoll und mehrfach gezeigt, wie man weitestgehend ohne politisches Programm, dafür aber mit Unterstützung der hauseigenen Meinungsmacher Ministerpräsident werden kann.

Medienkonzentration weist aber nicht nur eine sog. publizistische Ebene auf. Sie hat auch Auswirkungen auf die Medienwirtschaft. Betroffen sind hiervon insbesondere Werbekunden, da sie beispielsweise infolge so genannter Kombinationstarife oft genötigt werden, gebündelten Anzeigenplatz zu kaufen oder aber überteuerte Preise bezahlen müssen, weil es keine Konkurrenz gibt, an die man sich richten kann.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Medienkonzentration und Medienkonzentrationsforschung

Der Forschungsschwerpunkt der Medienkonzentrationsforschung von Manfred Knoche an der Universität Salzburg beschäftigt sich u. a. mit den Prozessen und Auswirkungen einer beschleunigten Ökonomisierung des Informations-, Kommunikations- und Mediensektors. Medienkonzentration kann also demnach niemals isoliert betrachtet werden. Einen wichtigen Stellenwert im Rahmen der medienökonomischen Forschung haben Fragestellungen zur Entwicklung der österreichischen Medienwirtschaft im europäischen Kontext.

Manfred Knoche (1996: 109) unterscheidet vier verschiedene Phasen der Konzentration, die durch einen stetig steigenden Grad von Markt- und Kapitalkonzentration gekennzeichnet sind:

  1. horizontale Zeitungs- bzw. Zeitschriftenverlagskonzentration in Verbindung mit internationaler Konzentration
  2. pressediagonale Konzentration mit der Bildung von Pressekonzernen
  3. mediendiagonale und vertikale Konzentration durch Verbindung mit Film- und Buchverlagen über die gemeinsame Errichtung von Hörfunk- und Fernsehunternehmen mit der Bildung von (Multi-)Medienkonzernen
  4. konglomerate Konzentration durch Verbindung von Medienkonzernen mit medienfremden Unternehmen sowie mit Unternehmen im Bereich von Datendiensten und Medieninfrastruktur mit der Bildung von Kommunikationskonzernen

[Bearbeiten] Situation in Deutschland

[Bearbeiten] Die heutige Situation

[Bearbeiten] Rundfunk

[Bearbeiten] Fernsehen

Das Fernsehen in Deutschland ist heute durch das duale System geprägt, das Nebeneinander von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und privatem Rundfunk, auf die jeweils etwa die Hälfte des Gesamtfernsehkonsums entfällt. Das private Fernsehen wiederum wird heute von zwei Mediengruppen beherrscht, der RTL Group und von ProSiebenSat.1. Laxe medienrechtliche Bestimmungen, die erst ab einem Gesamtmarktanteil von 25-30 Prozent greifen, haben zu dieser Konzentration eines ursprünglich viergeteilten Privatfernsehmarktes (Tele 5, ProSieben, Sat.1, RTL) beigetragen. Private Programme, die nicht zu diesen beiden Sendergruppe zählen, haben nur geringe Marktanteile.

Im PayTV-Bereich ist Premiere marktbeherrschend. Das Unternehmen entstand 1999 durch die Fusion der beiden damaligen einzigen Anbieter, des alten Premiere und von DF1. Die Konkurrenz-Angebote der Kabelnetzbetreiber (insb. Kabel Deutschland und Unitymedia) haben nur geringe Abonnentenzahlen. Der Versuch, mit Arena TV einen Konkurrenzbetreiber für die Übertragungen der deutschen Fußball-Bundesliga aufzubauen, scheiterte nach nur einem Jahr.

[Bearbeiten] Hörfunk

Ebenso wie im Fernsehen gibt es im Hörfunk ein Nebeneinander von öffentlich-rechtlichen und privaten Programmen. Die Situation in den einzelnen Bundesländern unterscheidet sich dabei aufgrund der unterschiedlichen rechtlichen Vorgaben der jeweiligen Landesmedienanstalten erheblich. In der Regel wird der regionale Radiomarkt von einem oder zwei landesweiten Programmen beherrscht, in manchen Bundesländern gibt es ergänzend noch Lokalprogramme.

Deutschlandweit betrachtet besitzen die RTL Group und die von der Axel Springer AG beherrschte Regiocast die meisten Anteile an Hörfunkprogrammen.

[Bearbeiten] Zeitungen

Bundesweit besitzt die Bild-Zeitung eine Monopolstellung als einzige bundesweite Boulevardzeitung. Lediglich in regionalen Märkten wie München, Köln, Hamburg, Berlin und Sachsen gibt es örtliche Boulevardzeitungen als Konkurrenz.

Der Markt bundesweiter Qualitätszeitungen wird von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung beherrscht. Eine geringere Bedeutung haben die Welt und die Frankfurter Rundschau.

Im Bereich regionaler Zeitungen haben sich in den meisten Regionen Deutschland Gebietsmonopole ausgebildet. In über zwei Drittel der deutschen Landkreise erscheint nur noch eine einzige Regionalzeitung, in anderen Regionen erscheinen mehrere Regionalzeitungen unter einem gemeinsamen Dach, so dass ein unternehmerisches Monopol entsteht, so z. B. in Bremen (Weser-Kurier/Bremer Nachrichten), in Stuttgart (Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten) und im Ruhrgebiet (WAZ-Gruppe). Ein echter Wettbewerb zwischen konkurrierenden Anbietern besteht nur noch in einigen größeren Städten (z. B. Berlin, München, Frankfurt) und in einigen Regionen v. a. in Süddeutschland.

Die Monopolstrukturen können sich dabei örtlich erheblich unterscheiden. So gibt es im zentralen Baden-Württemberg zwar noch einige familiär geführte Zeitungen, aber nur zwei (die Esslinger Zeitung und der Reutlinger General-Anzeiger) übernehmen dabei nicht einen der überregionalen Mantel der Zeitungen der SWMH (Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, Die Rheinpfalz, Südwest-Presse, Heilbronner Stimme). In Schleswig-Holstein dagegen ist der SHZ Besitzer fast aller Regionalzeitungen des Landes, welche allesamt den gleichen Mantel übernehmen, lediglich in Kiel und in Lübeck bestehen Regionalzeitungen, die der Axel Springer AG gehören.

[Bearbeiten] Zeitschriften

Der Markt populärer Zeitschriften wird von der Verlagshäusern Gruner und Jahr, Burda, Bauer und Axel Springer AG beherrscht.

[Bearbeiten] Historisch

In Deutschland wird die Medienkonzentration vor allem aus geschichtlichen Erfahrungen kritisch beleuchtet: In der Weimarer Republik beherrschte der rechtskonservative Zeitungsverleger Alfred Hugenberg weitestgehend den Markt für Tageszeitungen und unterstützte damit aktiv die politischen Bestrebungen der Deutschnationalen, die ab 1930 zusehends zu Steigbügelhaltern der NSDAP wurden.

[Bearbeiten] Medienrecht

Die Medienkonzentration im Rundfunk wird aufgrund der Bestimmungen des 3. Rundfunkänderungsstaatsvertrages vom 15. Mai 1997 durch die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) sowie fallweise durch die Konferenz der Direktoren der Landesmedienanstalten (KDLM) festgestellt.

[Bearbeiten] Kartell- und Wettbewerbsrecht

Für Presse und Rundfunk legt das GWB in § 38; Abs. 3 eine abgesenkte Interventionsschwelle bei der Fusionskontrolle fest.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Josef Trappel, Werner A. Meier, Klaus Schrape (Autor): Die gesellschaftlichen Folgen der Medienkonzentration. Leske + Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-81003-465-7.
  • Thomas Steinmaurer: Konzentriert und verflochten. Österreichs Mediensystem im Überblick. Studien Verlag, Innsbruck, Wien, München, Bozen 2002.
  • Lutz Hachmeister, Günther Rager (Hrsg.): Wer beherrscht die Medien? Die 50 größten Medienkonzerne der Welt. 4. Auflage. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52832-5.
  • Bernd Malzanini: Medienkonzentration in Europa. euro|topics, 2007. (online)
  • Josef Trappel et al.: Die gesellschaftlichen Folgen der Medienkonzentration. Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. (Zusammenfassung, PDF, 36,4 kB)

[Bearbeiten] Weblinks

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