Megalodon

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Hai Megalodon. Zu der gleichnamigen Muschel siehe Megalodon abbreviatus.
Megalodon
Megalodon verfolgt zwei Wale der Gattung Eobalaenoptera.

Megalodon verfolgt zwei Wale der Gattung Eobalaenoptera.

Zeitliches Auftreten
Burdigalium (Miozän) bis Pleistozän
20,43 Mio. Jahre bis 11.000 Jahre
Fundorte
  • Weltweit
Systematik
ohne Rang: Haie (Selachii)
Überordnung: Galeomorphii
Ordnung: Makrelenhaiartige (Lamniformes)
Familie: Makrelenhaie (Lamnidae)
Gattung: Carcharocles
Art: Megalodon
Wissenschaftlicher Name
Carcharocles megalodon
Agassiz, 1843

Der Megalodon (Carcharocles megalodon, früher Carcharodon megalodon) ist eine ausgestorbene Haiart aus der Familie der Makrelenhaie (Lamnidae). Der Fossilbericht dieses größten bekannten Hais der Erdgeschichte reicht vom Miozän bis in das Altpleistozän (5 bis 1,6 Mio. Jahre vor heute).

Inhaltsverzeichnis

Fossilbericht [Bearbeiten]

Zahn eines Megalodons

Die Existenz des Megalodons wird durch Zahnfunde dokumentiert, die auf ein Alter von 2 bis 17 Millionen Jahren datiert wurden.[1] Diese wurden in Australien,[2] Europa,[3][4] Afrika, Indien, Japan, Süd-[1][5] und Nordamerika gemacht wurden.[6] Ähnlich wie der heutige Weiße Hai bevorzugte auch Carcharocles megalodon wahrscheinlich Küstenregionen in warmen Meeren.[2] Auch auf dem Festland wurden seine riesigen Zähne entdeckt und von steinzeitlichen Menschen für Speerspitzen und Ähnliches verwendet.[7] Gewöhnlich sind es bei fossilen Knorpelfischen nur die Zähne, die überdauert haben und Rückschlüsse auf das Tier zulassen. Es gibt von Megalodon lediglich vereinzelte Wirbelfunde, sowie Spurenfossilien von Walknochen mit Bissspuren.[8] Einige prismatische Knorpel aus späten känozoischen Schichten könnten zu C. megalodon gehören, allerdings ist dies umstritten.[2]

Megalodon (grau und rot) mit einem Walhai (violett), Weißen Hai (grün) und einem Menschen (blau)

Merkmale [Bearbeiten]

Zähne und Kiefer [Bearbeiten]

C. megalodon verfügte über dreieckige Zähne, mit fein gesägten Schneidekanten und einem v-geformten Hals. Die vorderen Zähne unterscheiden sich von den hinteren Zähnen. Während die vorderen Zähne groß und symmetrisch sind, sind die hinteren eher asymmetrisch, mit einer leicht schrägen Krone.[1] Die Zähne sind weit aber nicht sehr dick.[8] Auf Basis der Zahngröße und den Proportionen eines heutigen Weißen Hais, wurde ein Gebiss rekonstruiert, das groß genug gewesen wäre, einen aufrecht stehenden Menschen zu verschlingen. Das Gebiss wird auf eine Weite von über 3 Meter und eine Höhe von über 2,5 Meter geschätzt.[9] Die Kiefer wurden von Gottfried und Kollegen als größer, robuster, massiver und mit stärkeren Muskeln als die des Weißen Hais rekonstruiert.[2]

Größe [Bearbeiten]

Über die Größe von C. megalodon gab es unterschiedliche Meinungen. Frühere Angaben reichten von 9-30 Meter. Die 30 Meter Angaben wurden später (1994) als nicht haltbar angesehen, darauf folgende Schätzungen gingen von 12-18 m als Reichweite für die Größe eines erwachsenen Megalodon aus.[10] Michael Gottfried (1996) errechnete die Größe des zu der Zeit bekannten größten Exemplars, basierend auf einem 168 mm hohem Zahn. Die Rechnungen basieren auf der Vermutung, dass die Proportionen Ähnlichkeiten mit denen eines Weißen Hais haben. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass Weiße Haie bereits relativ große Zähne für Haie haben und dass C. megalodon proportional breitere Zähne hatte als der Weiße Hai. Daher sind proportional längere Zähne unwahrscheinlich. Gottfried gab eine konservative Rechnung von 15,6 Metern und ungefähr 50 Tonnen, eine Mittelfigur von 17 Metern und 60 Tonnen und eine liberale Angabe von 20,3 Metern und 103 Tonnen.[2] Die Methode und die Zahlenangaben sind relativ weit akzeptiert.[1][11]

Exemplare mit einer Körpergröße von weniger als 10,5 m werden als Jungtiere und Exemplare mit einer Größe von weniger als 4 m als Neugeborene definiert.[1] Gottfried vermutet dass Männchen Größen von 10 bis 14 m erreichten, während, laut seinen Angaben, Weibchen 13 bis 17 m erreichten.[2]

Körperbau [Bearbeiten]

Über den Körperbau ist so gut wie nichts bekannt, da außer einigen Wirbeln und Zähnen nichts gefunden wurde. Dennoch gibt es ein rekonstruiertes Skelett, wo C. megalodon als Hai dargestellt wird, mit einem proportional breiterem Kiefer und proportional etwas längeren Flossen als der heutige Weiße Hai, außerdem ist er in der Rekonstruktion viel kräftiger gebaut.[2]

Paläobiologie [Bearbeiten]

Beißkraft [Bearbeiten]

Kiefer eines Megalodons

Für C. megalodon gibt es Berechnungen für die Beißkräfte, basierend auf einer Skalierung vom Weißen Hai. Das verwendete Individuum ist ein Jungtier, was 2,5 m lang und 240 kg schwer ist. Für die Skalierung wurden die Gewichtswerte von Gottfried (1996) verwendet. Für die niedrigere Grenze (~50t) wurde eine Beißkraft von rund 108 kN ermittelt. Für die obere Grenze von 103t, war das Ergebnis 182 kN. Damit war sein Biss bis zu zehnmal so stark wie der des Weißen Hais, der von allen heute lebenden Tieren über eine der stärksten Beißkräfte verfügt. Dies wurde mit Hilfe von Computermodellen ermittelt. Der Mensch hat zum Vergleich eine Beißkraft von annähernd 0,8 kN.[11]

Ernährung [Bearbeiten]

C. megalodon war vermutlich ein Spitzenprädator,[12] der sich von Walen ernährte. Davon zeugen Zahnspuren in den Flossen und Wirbeln von großen Walen.[6][4] Zudem gibt es geheilte Bissspuren in einem Bartenwal-Wirbel, verursacht von einem eher jüngerem C. megalodon Exemplar (Zahnweite von knapp 5,7 cm).[13] Dies lässt vermuten, dass C. megalodon große Wale als Nahrungsquelle bevorzugte, Jungtiere werden aber als Jäger von kleineren Walen gesehen. Hinweise für diese Annahme iefert die Tatsache, dass größere Bartenwale in den bevorzugten Jagdgründen der Jungtiere fehlten.[4] Sehr junge Exemplare fraßen vermutlich Fische.[1] Im Pliozän waren Bartenwale, Zahnwale und Robben sehr reichhaltig vorhanden. Diese werden als passende Beutetiere gesehen und waren wahrscheinlich im Beutespektrum von C. megalodon.[6] Man vermutet einen Zusammenhang zwischen der erhöhten Artenvielfalt von Walen am Anfang des Miozän und dem Auftauchen von C. megalodon.[12]

Von 70 untersuchten Bissen in Walknochen waren die Flossen, die Schultern oder die Brustwirbel das Ziel des Angriffs, in zwei drittel der Fälle.[8] Aufgrund der Platzierung der Bisse wird vermutet, dass C. megalodon zuerst die Flossen seiner Opfer abriss, um sie bewegungsunfähig zu machen.[11] Außerdem wird, aufgrund der Tatsache, dass viele Bisse in der Schulter- oder Brustregion sind, vermutet, dass C. megalodon die Knochen des Opfers angriff, welche von Weißen Haien meistens vermieden werden. Wahrscheinlich griff C. megalodon wichtige Organe, wie die Lunge oder das Herz an, was einen sofortigen Tod einleitet, anders als der Biss des Weißen Hais, der das Opfer eher verbluten lässt.[8]

Systematik [Bearbeiten]

Ursprünglich wurde der Megalodon neben dem Weißen Hai als weitere Art in die Gattung Carcharodon gestellt, doch neuere Vergleichsuntersuchungen der Zähne korrigierten diese Ansicht. Die beiden Arten gehören verschiedenen, jedoch nahe verwandten Gattungen der Makrelenhaie an. Der Weiße Hai hat von den rezenten Makrelenhaien am meisten gemeinsam mit Megalodon.[1] Manche Autoren ordnen C. megalodon einer eigenen Gattung (Megaselachus) zu.[14] Einige Autoren zweifeln die Zugehörigkeit von C. megalodon zu der Familie Lamnidae an und halten eine Zugehörigkeit zur Familie Otodontidae für wahrscheinlicher.[1]

Ausstellung [Bearbeiten]

Rekonstruiertes C. megalodon Skelett. Ausgestellt im Calvert Marine Museum.

Das Oberösterreichische Landesmuseum in Linz zeigt in seiner Dauerausstellung Natur Oberösterreich seit 2010 ein Modell des Megalodon. Dieses wurde von dem Aachener Präparator Werner Kraus unter Berücksichtigung von letzten wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Fossilien, auch über die aus der Pisco-Formation in Peru, erstellt.[15] Im Calvert Marine Museum (CVM) ist ein Rekonstruiertes C. megalodon Skelett ausgestellt.[2]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Pimiento C, Ehret DJ, MacFadden BJ, Hubbell G (2010) Ancient Nursery Area for the Extinct Giant Shark Megalodon from the Miocene of Panama. PLoS ONE 5(5): e10552. doi:10.1371/journal.pone.0010552
  2. a b c d e f g h M.D. Gottfried, L.J.V. Compagno, S.C. Bowman (1996): Size and Skeletal Anatomy of the Giant "Megatooth" shark Carcharocles megalodon. In: Klimley, A. Peter, and Ainley, David G. (editors). Great White Sharks the Biology of Carcharodon carcharias Academic Press. San Diego, California.
  3. Bendix-Almgreen (15.11.1983), S. E.: Carcharodon megalodon from the Upper Miocene of Denmark, with comments on elasmobranch tooth enameloid: coronoi'n. In: Bull. geol. Soc. Denmark, vol 32, S. 1—32, Copenhagen PDF
  4. a b c Purdy, Robert W. 1996. Chapter 8. Paleoecology of Fossil White Sharks. pp. 67-78. In: Klimley, A. Peter, and Ainley, David G. (editors). Great White Sharks the Biology of Carcharodon carcharias Academic Press. San Diego, California. 517 pp.
  5. Orangel Aguilera und Dione Rodrigues de Aguilera (2004) Giant-toothed White Sharks and Wide-toothed Mako (Lamnidae) from the Venezuela Neogene: Their Role in the Caribbean, Shallow-water Fish Assemblage Caribbean Journal of Science, Vol. 40, No. 3, 368-382, 2004 PDF
  6. a b c John Clay Bruner, 1997 The Megatooth shark, Carcharodon megalodon Rough toothed, huge toothed In: Dept. of Biological Sciences and Laboratory for Vertebrate Paleontology, University of Alberta, Edmonton, Alberta, T6G 2E9 CANADA online
  7. Renz, Mark (2002). Megalodon: Hunting the Hunter
  8. a b c d Riordon, James (June 1999). Hell's teeth. NewScientist Magazine (2190): 32.
  9. http://fineart.ha.com/s/d/shark-jaws.pdf
  10. http://www.museumoftheearth.org/files/pubtext/item_pdf_289.pdf
  11. a b c Wroe, S., Huber, D. R., Lowry, M., McHenry, C., Moreno, K., Clausen, P., Ferrara, T. L., Cunningham, E., Dean, M. N., and Summers, A. P.: Three-dimensional computer analysis of white shark jaw mechanics: how hard can a great white bite? In: Journal of Zoology 276:336-342. 2008. PDF (916 kB)
  12. a b Olivier Lambert, Giovanni Bianucci, Klaas Post, Christian de Muizon, Rodolfo Salas-Gismondi, Mario Urbina & Jelle Reumer: The giant bite of a new raptorial sperm whale from the Miocene epoch of Peru. Nature Band 466: S. 105–108, 1. Juli 2010. PDF
  13. http://www.calvertmarinemuseum.com/cmmfc/newsletter/CMMFC_Newsletter_2004-04.pdf
  14. Zhelezko V, Kozlov V (1999) Elasmobranchii and Paleogene biostratigraphy of Transurals and Central Asia. Materials on stratigraphy palaeontology of the Urals Vol 3. Ekkaterinburg: Russian Academy of Sciences Urals Branch Uralian Regional Interdepartment Stratigraphical Comission. 324 p.
  15. Österreichisches Landesmuseum Linz

Weblinks [Bearbeiten]

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