Mellenbach-Glasbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Mellenbach-Glasbach
Mellenbach-Glasbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Mellenbach-Glasbach hervorgehoben
50.59916666666711.103888888889370Koordinaten: 50° 36′ N, 11° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saalfeld-Rudolstadt
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Mittleres Schwarzatal
Höhe: 370 m ü. NHN
Fläche: 8,71 km²
Einwohner: 991 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 114 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98746
Vorwahl: 036705
Kfz-Kennzeichen: SLF, RU
Gemeindeschlüssel: 16 0 73 054
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstraße 40
07429 Sitzendorf
Webpräsenz: www.mellenbach-glasbach.eu
Bürgermeisterin: Kathrin Kräupner
Lage der Gemeinde Mellenbach-Glasbach im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Allendorf Altenbeuthen Bad Blankenburg Bechstedt Cursdorf Deesbach Döschnitz Dröbischau Drognitz Gräfenthal Hohenwarte Kamsdorf Katzhütte Kaulsdorf (Saale) Königsee-Rottenbach Lehesten Leutenberg Lichte Mellenbach-Glasbach Meura Meuselbach-Schwarzmühle Oberhain Oberweißbach/Thüringer Wald Piesau Probstzella Reichmannsdorf Remda-Teichel Rohrbach Königsee-Rottenbach Rudolstadt Saalfeld/Saale Saalfelder Höhe Schmiedefeld (Lichtetal) Schwarzburg Sitzendorf Uhlstädt-Kirchhasel Unterweißbach Unterwellenborn Wittgendorf ThüringenKarte
Über dieses Bild

Mellenbach-Glasbach ist eine Gemeinde im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (Thüringen).

Geographie[Bearbeiten]

Mellenbach-Glasbach ist ein Straßendorf, dass sich etwa über fünf Kilometer im Schwarzatal erstreckt. Die Höhenlage des Ortes beträgt im unteren Schwarzatal etwa 380 Meter, Berge rechts und links des Tales steigen bis auf 600 Meter Höhe an. Insgesamt ist das Tal nur sehr schmal, sodass es von der Straße, der Schwarza, der Bahnlinie und zwei Häuserzeilen ausgefüllt ist. So reihen sich die fünf kleinen Ortsteile, aus denen die Gemeinde 1923 gebildet wurde, im Schwarzatal aneinander. In Fließrichtung der Schwarza sind das: Zirkel, Blumenau, Mellenbach, Glasbach und Obstfelderschmiede. Der Ortsteil Mellenbach liegt nur in seinem unteren Drittel im Schwarzatal, die oberen Teile liegen in einem rechten Seitental der Schwarza, welches vom Mellenbach durchflossen wird und steil nach Oberweißbach ansteigt. In der Umgebung der Gemeinde sind die steilen Talhänge mit Fichten bewaldet, während die Hochflächen unbewaldet sind.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den fünf Ortsteilen Zirkel, Blumenau, Mellenbach, Glasbach und Obstfelderschmiede.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Oberhain - Unterweißbach - Oberweißbach/Thüringer Wald - Meuselbach-Schwarzmühle - Böhlen - Wildenspring - Herschdorf - Dröbischau

Geschichte[Bearbeiten]

Mellenbach wurde als Melnbach 1370 erstmals urkundlich erwähnt. Die Namen der Ortsteile Mellenbach und Glasbach leiten sich von gleichnamigen Bächen ab. Der Ortsteil Obstfelderschmiede wurde 1456 als smitte an der nedirn swarctze (Schmiede an der unteren Schwarza) erstmals erwähnt und erhielt seinen heutigen Namen nach der ab 1528 belegten Besitzerfamilie Obstfelder. Am 16. Oktober 1923 wurden die Orte Blumenau, Mellenbach, Glasbach und Obstfelderschmiede zur Gemeinde Mellenbach-Glasbach vereinigt.[2][3] Mellenbach-Glasbach zählte bis 1952 zum Kreis Rudolstadt, wechselte dann zum neugebildeten Kreis Neuhaus und mit der Thüringer Kreisgebietsreform 1994 zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Politik[Bearbeiten]

Mellenbach-Glasbach gehört der Verwaltungsgemeinschaft Mittleres Schwarzatal mit Sitz in Sitzendorf an.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 25. Mai 1993 genehmigt.

Blasonierung: „Unter goldenem Schildhaupt, darin ein blaues Wellenband, in Rot zwei einander zugewandte silberne Vögel auf einem silbernen Astbalken.“

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im Ortsteil Obstfelderschmiede befindet sich die Talstation der Oberweißbacher Bergbahn.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

Das Grabdenkmal für einen sowjetischen Zwangsarbeiter auf dem Friedhof erinnert an die Personen aus der Sowjetunion, die während des Zweiten Weltkrieges u.a. bei der Firma Heinze jun. Zwangsarbeit verrichten mussten.[4]

Kirche[Bearbeiten]

Blick auf Mellenbach, im Vordergrund die Kirche (Aufnahme von 1969)

Das heutige Mellenbacher Gotteshaus, die Katharinenkirche, wurde im Stil des Historismus erbaut und am 10. Oktober 1889 mit einem festlichen Gottesdienst und einem Festumzug eingeweiht.

1640 wurde die Mellenbacher Kirche während des Dreißigjährigen Kriegs durch die Schweden zerstört und 1641 mit Hilfe des Handels- und Geschäftsmannes Mathias Sommer wiederaufgebaut. 1739 wurden beim Pfarrhausbrand alle noch vorhandenen Bücher, Akten und Dokumente vernichtet. 1862 wurde die Kirche für kurze Zeit wegen Baufälligkeit geschlossen und 1888 endgültig abgerissen. Die Katharinenkirche in Mellenbach und das Pfarrhaus stehen seit 1991 unter Denkmalschutz. Die Kirche ist baulich in schlechtem Zustand. Die gegenwärtige Finanzsituation lässt aber alle anstehenden Baumaßnahmen nur abschnittsweise zu.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Die Wirtschaft Mellenbach-Glasbaches war von jeher vom Bergbau und der Erzverarbeitung geprägt. So entstanden alle Ortsteile aus Hammerwerken entlang der Schwarza. Dort wurden verschiedene Erze „ausgepocht“ und anschließend geschmiedet. Später kamen im Ort noch die Glas- und Holzindustrie hinzu:

  • Fa. Krannich (1835 durch Johann Michael Krannich als handwerklicher Gewerbebetrieb gegründet) zur Herstellung von Gebrauchsgütern aus Holz (Holzhülsen und Holzkästen), hier wurde 1867 die erste Dampfmaschine in Betrieb genommen
  • Sägewerke in Obstfelderschmiede, sowie in der “Roten Mühle” und “Blauen Mühle” (nahe Schwarzmühle)

Mit der Eröffnung der das Schwarzatalbahn im Jahr 1900 nahmen Industrie und Handwerk einen bedeutenden Aufschwung [5]:

  • Bau einer Glashütte (um 1900 durch den Kaufmann Eduard Bornkessel gegründet, ab 1939 Sternglas GmbH, 1993 geschlossen und anschließend abgerissen)
  • Firma Oskar Heinze jun. (1900) – heute Apotheken- und Laborbau Heinze jun.
  • Fa. Rudolf Schierer KG
  • Fa. Bornkessel-Brenner und Glasmaschinen GmbH (1956 zur Meßtechnik fusioniert)
  • Thermometerfabrik Staschen (um 1910)
  • Sargfabrik in der Schottleite
  • Fa. Fritz Langbein (Holzwarenfabrik)
  • Fa. Emil Langbein (Pharmazie, Hienfong)
  • Diabas-Steinbruch der Fa. Gebrüder Fischer KG (1911, in den 1970er Jahren eingestellt)
  • Firma für elektrische Messinstrumente (gegründet 1931, später VEB Meßtechnik Mellenbach, heute MTM Power GmbH)

Als die Amerikanischen Besatzer im Frühsommer 1945 den Unternehmern anboten ihre Betriebe nach Bayern umzusiedeln, kam diesem Angebot niemand nach. Bis in die 1970er Jahre hinein wurden die Unternehmen schrittweise zwangsverstaatlicht.

Nach 1989 erfolgte die Privatisierung der Mellenbacher Unternehmen. Im Jahr 2006 existieren noch zwei größere Firmen in Mellenbach: MTM Power (Hersteller von Transformatoren, Wechselrichtern und anderen elektrotechnischen Geräten) mit über 160 Mitarbeitern und Oskar Heinze jun. GmbH (Hersteller von Apothekenmobiliar) mit etwa 50 Mitarbeitern.

Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist auch die Oberweißbacher Bergbahn, deren Talstation sich im Ortsteil Obstfelderschmiede befindet und täglich zahlreiche Touristen anzieht.

Die wichtigste Verkehrsader der Gemeinde ist die Straße im Schwarzatal, die von Bad Blankenburg im Norden bis nach Neuhaus am Rennweg im Süden führt. Im Ortskern zweigt sich eine Straße ins Mellenbachtal ab, die hinauf nach Oberweißbach führt. Im Ortsteil Zirkel führt eine Straße durch das Finkenbachtal hinauf in Richtung Gehren. Seit dem Jahre 1900 besaß der Ort drei Bahnhöfe (Bf Mellenbach-Glasbach, Hp Obstfelderschmiede und Hp Zirkel) an der Schwarzatalbahn, die von Rottenbach nach Katzhütte führt. Der Hp Zirkel wurde von der DB nach 1990 aufgegeben, das Gebäude verkauft.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Geschichte der Gemeinde auf der offiziellen Webseite
  3. 15. Ausführungsverordnung zum Kreiseinteilungsgesetz vom 27. September 1923 - Gesetzsammlung für Thüringen 1923 S. 685
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0
  5. Geschichte der Gemeinde

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mellenbach-Glasbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien