Moselfahrt aus Liebeskummer (Film)

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Filmdaten
Originaltitel Moselfahrt aus Liebeskummer
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1953
Länge 81 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Kurt Hoffmann
Drehbuch Ilse Lotz-Dupont, nach der gleichnamigen Novelle von Rudolf G. Binding
Produktion Franz Seitz für Ariston-Film GmbH (München-Geiselgasteig)
Musik Johannes Weissenbach
Kamera Heinz Schnackertz
Schnitt Elisabeth Neumann-Kleinert
Besetzung

Moselfahrt aus Liebeskummer ist eine deutsche Literaturverfilmung von Kurt Hoffmann aus dem Jahr 1953.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Münchner Kunsthistoriker Dr. Thomas Arend ist soeben an die Universität berufen worden und wollte mit seiner Freundin Dorette, die in Bayreuth als Opernsängerin engagiert ist, eigentlich eine Moselfahrt zum Studium dortiger Kunstschätze unternehmen. Dorette sagt die Reise jedoch kurzfristig ab, da sich ein Wiener Opernagent für sie interessiert. Als der eifersüchtige Thomas sie am nächsten Tag abholen will, findet er in ihrem leeren Zimmer ihr Bett unbenutzt vor und fährt allein an die Mosel, um hier seinen Liebeskummer zu vergessen. Angela Schäfer ist gemeinsam mit ihrem fünfjährigen Sohn Kaspar an die Mosel gefahren, um nach dem Unfalltod ihres Mannes die während der Hochzeitsreise vor einigen Jahren gemeinsam besuchten Orte noch einmal zu sehen. Die junge Witwe lebt sonst völlig zurückgezogen.

Während eines Besuchs des Trierer Doms läuft Kaspar der Mutter davon und verläuft sich in der Stadt. Thomas, der gerade die Porta Nigra besichtigt hat, nimmt sich des Jungen an und bringt ihn zur Mutter ins Hotel zurück. Bevor sich Angela bei ihm bedanken kann, ist er auch schon wieder verschwunden.

Dorette, die harmlos bei einer Freundin übernachtet hatte und tatsächlich ein Engagement nach Wien erhalten hat, ist zunächst über Thomas’ Abreise verärgert, erfährt jedoch von ihrer Freundin, dass der ihr auf der Reise eigentlich einen Heiratsantrag machen wollte. Sie will sich nun mit ihm aussöhnen, fährt ihm nach und landet in Cochem. Hier lernt sie den holländischen Handlungsreisenden Bernd Zagler kennen, der ihr bei der Suche nach Thomas hilft. Der ist inzwischen in Bernkastel angekommen, wo er in einer Weinstube Bekanntschaft mit dem verhinderten Dichter und Weinkenner Zyprian, dem Bürgermeister und dem Moselwein macht. Auch Angela ist mit Kaspar in Bernkastel angekommen. Auf dem abendlichen Weinfest treffen sich die drei wieder und verbringen die nächsten Tage zusammen. Beide gestehen sich ihre Zuneigung. Angela jedoch bekommt plötzlich Angst vor einer neuen Beziehung und fährt mit Kaspar noch am nächsten Morgen zu ihrer Cousine Maria, der Besitzerin des Weinguts Klaus.

Thomas kann sich ihre Abreise nicht erklären und auch Zyprian gelingt es nicht ihn aufheitern. Als Zyprian eines Tages Kaspar in einem Lastwagen vom Weingut Klaus sitzen sieht, weiß er, wo Thomas nach Angela suchen muss. Auf dem Weingut sind inzwischen auch Dorette und Bernd, der hier Geschäftliches zu erledigen hat, gelandet. Maria und Angela freunden sich mit Dorette an und Bernd hofft, dass die Sängerin ihre Suche nach Thomas aufgeben wird und stattdessen mit ihm zusammenkommt. Als jedoch Thomas auf der Suche nach Angela auf dem Weingut erscheint, ist es Dorette, die ihn überschwänglich begrüßt. Angela wendet sich enttäuscht von Thomas ab, der Dorette jedoch das Ende ihrer Beziehung eröffnet. Nur schwer kann Thomas Angela von seiner Liebe überzeugen. Erst der nächste Tag bringt Klarheit: Dorette ist abgereist und Kaspar jubelt, dass nun nichts mehr zwischen seiner Mutter und „Tom“ steht, die tatsächlich endlich zueinander finden.

Produktion[Bearbeiten]

Moselfahrt aus Liebeskummer entstand „unter Verwendung von Motiven der gleichnamigen Novelle von Rudolf G. Bindung“[2] unter dem Arbeitstitel Verlobung an der Mosel.

Rund 80 % des Films bestehen aus Außenaufnahmen.[3] Der Film gilt als „der einzige in Trier entstandene kommerzielle Spielfilm mit lokalen Motiven“ und zeigt „einmalige… historische… Aufnahmen“ der Mosellandschaft vor der Begradigung des Flussbettes.[4] Gedreht wurde an Originalschauplätzen zwischen Cochem und Trier, unter anderem bei der Porta Nigra und im Trierer Dom. Die Szenen in der Weinstube in Bernkastel entstanden im Ratskeller „Zur Steipe“ in Trier. Einige wenige Aufnahmen fanden im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth statt, wo eine Szene der Oper Die Hochzeit des Figaro zu sehen ist. Auch wurden einige Aufnahmen in Schloss Lieser gemacht. Die Aufnahmen waren im Schlosspark mit Schloss Lieser im Hintergrund.

Uli Jung weist darauf hin, dass der Film dennoch nicht als klassischer Heimatfilm gelten kann. Obwohl der Film zahlreiche Aufnahmen des Moseltals zeigt, fehlen klassische Motive des Heimatfilms, wie „der ortsansässige Held, an dem die Probleme kulminieren …, die typische Dichotomie zwischen verderbter Großstadt und gesundem ländlichen Idyll … [und] die sozialkompensatorischen Elemente des Heimatfilmgenres“[5]: Die Familie Angelas wurde nicht durch Krieg, sondern durch einen Autounfall auseinandergerissen, das „Trauma des sozialen Prestigeverlusts“[5] spielt im Film keine Rolle und auch Bräuche und Sitten des Moseltals werden nicht vordergründig behandelt, auch wenn der Moselwein eine zentrale Rolle im Film einnimmt.

Moselfahrt aus Liebeskummer wurde der Durchbruch der Schauspielerin Elisabeth Müller, die hier ihre erste Hauptrolle übernahm. Auch Kinderdarsteller Oliver Grimm verhalf der Film zu deutschlandweiter Popularität.

Die Uraufführung des Films fand am 13. November 1953 im Turm-Palast in Frankfurt am Main statt.

Kritik[Bearbeiten]

Columbia warb 1953 für Moselfahrt aus Liebeskummer, der für „ein fröhlich gestimmtes Publikum“[6] sorge:

„Schönheit und Harmonie in jeder Beziehung sind seine Kennzeichen … Aus diesem Grunde gehört der ‚Moselfahrt aus Liebeskummer‘ die große Liebe aller, die diesen einzigartigen Film sehen, und jeder sagt es dem anderen, sich solch ein wunderschönes Filmerlebnis nicht entgehen zu lassen … Die ‚Moselfahrt aus Liebeskummer‘ … zählt unzweifelhaft zu den schönsten deutschen Fimen unserer Zeit. Diesen liebenswerten Film sich anzusehen, erscheint eine Selbstverständlichkeit.“

Columbia-Werbeprospekt, 1953[6]

Reclams Lexikon des deutschen Films bezeichnete Moselfahrt aus Liebeskummer als „Musterbeispiel einer romantisch-sentimentalen Filmidylle deutscher Prägung“.[7] Der Film würde von seiner „sensiblen Kameraführung, [von] unaufdringlicher Inszenierung und der reifen Darstellerleistung“ leben.[7] Das Lexikon des Internationalen Films bewertete den Film als „gepflegt inszenierte Komödienunterhaltung“.[8] Andere Kritiken schwanken zwischen den Bezeichnungen „Heimatfilm-Juwel“[4] und „sentimentaler Liebesfilm“.[9] Nachdem im Jahr 2001 Moselfahrt aus Liebeskummer anlässlich des 50-jährigen Filmjubiläums in Anwesenheit von Elisabeth Müller in Trier neu aufgeführt wurde, hat die Literaturverfilmung den Status eines „regionalen Kultfilm[s]“[10] erlangt.

Auszeichnung[Bearbeiten]

Im Film spielt der Moselwein eine zentrale Rolle. Zyprian, der Weinliebhaber und Weinkenner, preist wiederholt die Wonnen des Weintrinkens und auch Thomas’ Reise moselabwärts führt durch bekannte Weinorte, die anhand verschiedener Lagen wie Wehlener Sonnenuhr, Erdener Treppchen oder Trittenheimer Altärchen repräsentiert sind. Der Film Moselfahrt aus Liebeskummer wurde 1954 mit dem Deutschen Weinkulturpreis ausgezeichnet; als „Gesamtkomposition“ wurde der Preis posthum an Rudolf G. Binding verliehen, der 1932 die literarische Vorlage des Films verfasst hatte und 1938 verstorben war.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In Filmprogrammen wird die Figur teilweise auch falsch als Peter Arend bezeichnet.
  2. Moselfahrt aus Liebeskummer. Das Neue Film-Programm H. Klemmer & Co., Neustadt an der Weinstraße 1953, S. 4.
  3. Moselfahrt aus Liebenskummer – Im Zauber einer Landschaft. In: Filmstern. Sonderausgabe der Columbia-Filmgesellschaft Inc., Frankfurt am Main 1953, S. 4.
  4. a b Vgl. Pressemitteilung der Universität Trier.
  5. a b Uli Jung: Moselfahrt aus Liebeskummer (1953). In: Christoph Fuchs, Michael Töteberg (Hrsg.): Fredy Bockbein trifft Mister Dynamit: Filme auf den zweiten Blick. Ed. Text + Kritik, München 2007, S. 150.
  6. a b Moselfahrt aus Liebenskummer". In: Filmstern. Sonderausgabe der Columbia-Filmgesellschaft Inc., Frankfurt am Main 1953, S. 2.
  7. a b Thomas Kramer (Hrsg.): Reclams Lexikon des deutschen Films. Reclam, Stuttgart 1995, S. 225.
  8. Klaus Brüne (Hrsg.): Lexikon des internationalen Films. Band 5. Rororo, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 2669.
  9. Bewertung auf filmportal.de
  10. Jung, S. 152.