Mychajlo Hruschewskyj

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Mychajlo Hruschewskyj (1895)
Ukrainische Briefmarke zu Ehren Hruschewskyjs (1995)

Mychajlo Serhijowytsch Hruschewskyj (ukrainisch Михайло Сергійович Грушевський, wiss. Transliteration Mychajlo Serhijovyč Hruševs'kyj, russisch Михаил Сергеевич Грушевский, Michail Sergejewitsch Gruschewski; * 17.jul./ 29. September 1866greg. in Chełm, Russisches Kaiserreich; † 25. November 1934 in Kislowodsk, Sowjetunion) war ein Historiker, Politiker und Aktivist in der ukrainischen Nationalbewegung.

Werdegang[Bearbeiten]

Hruschewskyj wirkte zunächst in Kiew, war dort Professor für osteuropäische Geschichte, de facto für ukrainische Geschichte in Lemberg und eine zentrale Persönlichkeit der Nationalbewegung.

Sein historisches Hauptwerk ist eine sehr breit angelegte, in ukrainisch geschriebene Geschichte der Ukraine-Rus in zehn Bänden. Sein Werk erschien zwischen 1898 und 1937 und führt die Geschichte bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts auf. Der erste Band ist in deutscher Sprache erschienen; eine Überarbeitung des Gesamtwerkes ins Englische ist im Gange (2005).

Hruschewskyj kam 1894 von Kiew nach Lemberg und verschaffte der schon bestehenden Wissenschaftlichen Schewtschenko-Gesellschaft durch seine Wirken den Rang einer international anerkannten Akademie. 1905 verlegte er sein Wirken wieder nach Kiew.

Hruschewskyj galt seit den 1930er Jahren in der Sowjetunion als bürgerlich-nationalistischer Historiker, erst seit 1989 können seine Nachdrucke wieder verlegt werden. In der Sowjet-Ukraine hatte man zunächst ebenfalls an das Erbe der vorrevolutionären Historiographie angeknüpft. So wirkte Mychajlo Hruschewskyj in den zwanziger Jahren an der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiew. Gleichzeitig wurde versucht, eine marxistische Geschichtsschreibung zu begründen, die bald auch national-russische Töne anschlug. Der ukrainischen Geschichte wurde damit ihr Eigenwert abgesprochen und eine Existenzberechtigung nur im Rahmen einer Geschichte Russlands gestattet.

Hruschewskyj setzte der Auffassung eines einheitlichen ostslawischen (russischen) Stromes der Geschichte die Idee einer getrennten Entwicklung der Volkstümer der Russen und Ukrainer entgegen.

In Nordamerika entstanden bedeutende Forschungszentren wie das Ukrainian Research Institute an der Harvard-Universität und das Canadian Institute of Ukrainian Studies in Edmonton. In Harvard wurde ein Hruschewskyj-Lehrstuhl gegründet, aus dem weitere bedeutende Historiker hervorgingen. In der ukrainischen Historiographie außerhalb der Ukraine ist die nordamerikanische Forschung quantitativ und qualitativ führend.

Mychajlo Hruschewskyj war neben seiner Position als Historiker zugleich auch der führende Kopf der ukrainischen Nationalbewegung zu Beginn des Jahrhunderts und 1917 der erste Präsident der unabhängigen Ukrainischen Volksrepublik. In seiner Funktion als Vorsitzender des Zentralen Rates wirkte er mit, die Ukraine als eigenen, autonomen Staat zu etablieren. So rief der Oberste Rat am 22. Januar 1918 die volle Selbstständigkeit der Ukrainischen Volksrepublik aus.

Der ukrainische Fünfzig-Hrywen-Schein zeigt ein Porträt Hruschewskyjs.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Ein Ueberblick der Geschichte der Ukraina. Verlag des Bundes zur Befreiung der Ukraina, Wien 1914.
  • Die ukrainische Frage in historischer Entwicklung. Verlag des Bundes zur Befreiung der Ukraina, Wien 1915 (online).
  • Istorija Ukraïny-Rusy. 10 Bände. 1904–1936.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lubomyr R. Wynar: Mychajlo Hruševs'kyj: Bibliographische Quelle 1866-1934. München 1984.

Weblinks[Bearbeiten]