Neue Donau

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Die Neue Donau im Bereich zwischen Kaisermühlen und Floridsdorf; links die Donau.
Blick vom Leopoldsberg auf den Anfang der Donauinsel und das Einlaufbauwerk der Neue Donau.
Blick von der Reichsbrücke auf die Neue Donau mit der Donau City

Die Neue Donau ist ein östlicher Seitenarm der Donau in Wien. Sie ist im Rahmen der Wiener Donauregulierung als Entlastungsgewässer für den Hochwasserschutz konzipiert. Zwischen Neuer Donau und Hauptstrom befindet sich die Wiener Donauinsel.

Baugeschichte und Funktion im Hochwasserschutz[Bearbeiten]

Die Neue Donau verläuft auf einer Strecke von etwa 21 km parallel zum Strom durch das Wiener Stadtgebiet: von der Abzweigung vom Hauptstrom im Gemeindegebiet von Langenzersdorf in Niederösterreich (im Nordwesten) und dann durch den 21. Gemeindebezirk bis zur Einmündung in den Hauptstrom beim Nationalpark Donau-Auen im 22. Bezirk (im Südosten). Wo sich heute die Neue Donau und die Donauinsel erstrecken, befand sich vorher das bei der ersten Wiener Donauregulierung 1868–1875 geschaffene Überschwemmungsgebiet, eine weite Wiesenlandschaft, die bei Hochwasser überschwemmt wurde. Das linke, nördliche Ufer der Neuen Donau sichert der bis 1875 gebaute Hubertusdamm (Marchfeld-Schutzdamm).

Vom 8. bis zum 28. Juli 1954 wurde Wien von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht, welches das stadtseitige Ufer an mehreren Stellen überschwemmte und durch Sickerwasser tagelang die Floridsdorfer Bezirksteile Jedlesee und Schwarzlackenau bedrohte. Der Marchfeldschutzdamm musste mit Sandsäcken erhöht werden, um den Wassermassen standzuhalten, und die Feuerwehr hatte 186 Menschen aus Lebensgefahr zu retten. Nur dem sich bessernden Wetter war es zu verdanken, dass keine Überschwemmungskatastrophe eintrat. Das Ereignis führte die Unzulänglichkeit des Hochwasserschutzes im Wiener Raum vor Augen, der lediglich einer Durchflussmenge von rund 10.000 m³/s standhalten konnte.

1957 wurden mit den Planungen für einen verbesserten Hochwasserschutz begonnen. Es entstand nach jahrelangen Diskussionen ein neuer Donau-Regulierungsplan, der die Schaffung eines Entlastungsgerinnes sowie das Aufschütten einer langgestreckten Insel in der Donau vorsah. Baubeginn war der 29. Mai 1972, erst am 13. Oktober 1987 waren alle Arbeiten abgeschlossen.[1] Der offizielle Name Neue Donau wurde vom zuständigen Gemeinderatsausschuss 1984 beschlossen;[2] in der PR-Arbeit des Rathauses wurde der Name erstmals 1969 verwendet, da sich der Begriff Entlastungsgerinne nicht dazu eignete, das Bauvorhaben populär zu machen.[3]

Durch das neue Bauwerk ist es möglich eine Hochwassermenge von bis zu 14.000 m³/s gefahrlos – der Wasserpegel würde dann einen Meter unter den Dammkronen liegen – abzuführen, was dem Hochwasser des Jahres 1501 entspricht, dem größten bisher in Wien verzeichneten Pegelstand. Die Wassermenge würde sich dabei zu 5.200 m³/s auf die Neue Donau und zu 8.800 m³/s auf den Hauptstrom aufteilen. Die Gesamtkosten für die Errichtung betrugen 4,5 Milliarden Schilling, zusammen mit dem zeitgleich errichteten rechten Donaudamm 7 Milliarden Schilling. Bei den Bauarbeiten wurden rund 30 Millionen Kubikmeter Erde bewegt.[1]

Am Beginn der Neuen Donau befindet sich ein Einlaufbauwerk genanntes Wehr, das im Regelfall geschlossen ist, was die Neue Donau zu einem stehenden Gewässer macht. Bei Hochwasser wird es geöffnet, damit die Donau entlastet und Überschwemmungen vermieden werden können. Dies hat gewöhnlich ein bis zu einige Wochen dauerndes Badeverbot für die Neue Donau zur Folge, bis das Wasser wieder Badewasserqualität hat. Weitere Wehranlagen befinden sich knapp stromaufwärts der Praterbrücke (Wehr 1) und auf der Höhe des Ölhafens Lobau (Wehr 2) ca. 1,5 km vor der Mündung der Neuen Donau in den Hauptstrom.

Nebennutzung für Erholung und Tourismus[Bearbeiten]

Die Neue Donau ist mit den U-Bahn-Linien U6 (Station Neue Donau), U1 (Station Donauinsel) und U2 (Station Donaustadtbrücke), mit der S-Bahn (Stationen Handelskai und Lobau), mit der über die Floridsdorfer Brücke verkehrenden Straßenbahnlinie 31 und mit diversen städtischen Autobuslinien erreichbar. Sie verfügt über Regattastrecken – im September 2009 wurden dort die World Rowing Masters ausgetragen – und einen Wasserskilift. Bekanntester Uferabschnitt ist die bei der Reichsbrücke gelegene Copa Cagrana. Private Motorboote sind auf der Neuen Donau nicht zugelassen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neue Donau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag „Neue Donau“ in: Raimund Hinkel, Kurt Landsmann: Floridsdorf von A-Z, Der 21 Bezirk in 1.000 Stichworten, Wien 1997, ISBN 3-85447-724-4
  2. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 65, Stichwort Donau, Neue
  3. Faltprospekt Wien und die Donau, Hrsg. Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien, Wien 1969, Abschnitt Die „neue Donau“

48.23333333333316.405555555556Koordinaten: 48° 14′ 0″ N, 16° 24′ 20″ O