Leopoldsberg

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Leopoldsberg
Leopoldsberg im Herbst

Leopoldsberg im Herbst

Höhe 425 m ü. A.
Lage Wien, Österreich
Gebirge Wienerwald
Koordinaten 48° 16′ 44″ N, 16° 20′ 43″ O48.27888888888916.345277777778425Koordinaten: 48° 16′ 44″ N, 16° 20′ 43″ O
Leopoldsberg (Wien)
Leopoldsberg

Der Leopoldsberg ist ein 425 Meter hoher Berg im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling. Er liegt am nördlichsten Punkt des gebirgigen Westrands Wiens steil über der Donau und bildet mit dem 5 km nördlicheren Bisamberg die sogenannte Wiener Pforte des Stromes, wo er den Wienerwald durchstößt und ins Wiener Becken eintritt.

Nachdem um 2010 ein Wiener Architekt ein 100-jähriges Baurecht bekommen hat, sind das Burgareal und die Kirche wegen angeblicher „Restaurierungsarbeiten“ nicht mehr öffentlich zugänglich.[1]

Geografie[Bearbeiten]

Der Leopoldsberg ist ein nordöstlicher Ausläufer der Alpen, geologisch zur Flyschzone gehörig und ein beliebter Aussichtsberg im Wienerwald. Er fällt mit einer Hangneigung von 50 bis 70 % steil zur Donau ab („Nase“). Vom Gipfel ist das Flussufer bei rund 260 Meter Höhenunterschied nur 400 Meter entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf dem Berg entstand vermutlich schon während der jüngeren Urnenfelderkultur (9. Jahrhundert v. Chr.) eine kleine Höhensiedlung, die mit Ausnahme von nur geringen Unterbrechungen bis zur frühen La-Tène-Zeit (5. Jahrhundert v. Chr.) bestand. Anschließend kam es zu einer Siedlungsunterbrechung bis ins 2. Jahrhundert v. Chr., als eine spätkeltische Besiedelung bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. begann.[2]

Weder bei den Erstgrabungen 1905 durch Jaroslaw Czech von Czechenherz[3] noch beim Bau der Wiener Höhenstraße 1935 konnten prähistorische Wall- oder andere Verteidigungsanlagen gefunden werden. Die von Czech dabei entdeckten Wälle haben sich später als frühneuzeitliche Klaubstein-Weingartenstützmauern entpuppt. In den Jahren 1990 bis 1998 fanden Grabungen der Universität Wien und der Stadtarchäologie Wien unter der Leitung von Otto Helmut Urban statt, die ebenfalls keine Wallanlagen aus der Bronze- oder Eisenzeit zu Tage brachten. Vermutungen, dass durch die mittelalterlichen Burgenbauten ältere Befestigungen zerstört wurden, sind noch unbelegt.[4]

Der Fundbereich erstreckt sich vom Gipfel über den Westrücken und die Südterrasse (heutige Flur „Öde Weingärten“) in einer Breite von 250 und einer Länge von 500 m. Die Hallstattzeit zeigt Grubenbauten im Burgbereich und Hangverbauungen an der Südterrasse, deren Verfüllungen einige beschädigte Objekte enthielten (verschieden Fibeln). Die spätere Phase zeigt Pfostenbauten mit Resten einer vielfältigen Handwerkstätigkeit (Fehlgüsse, Schlacken, Mühlsteinfragmente) sowie von Pferdegeschirren und eisernen Reiter-Sporen auf der Südterrasse. Obwohl der Leopoldsberg als einer der zentralen Siedlungsorte der Hallstatt- und Spätlatènezeit im Wiener Raum gesehen werden muss, weist die geringen Ausdehnung der benutzten Fläche und das offensichtliche Fehlen von Befestigungen auf ein lokales Zentrum hin. Die früheren Theorien, auf dem Leopoldsberg habe sich ein wichtiges keltisches Oppidum befunden, das der Vorgänger des römischen Vindobona gewesen sein soll (eine These von Oswald Menghin, die sich bis 2000 in der Lokaltradition hielt), ist lediglich eine verfehlte Auslegung der Fundsituation.[4]

Gedenktafel für Markgraf Leopold

Erstmals urkundlich erwähnt wurde er als de Chalwenberge zwischen 1130 und 1136. Er erhielt seinen Namen, Kahlenberg, vermutlich durch den kahlen Felsabhang zur Donau hin oder durch den aus Verteidigungsgründen oben kahl gehaltenen Burgberg. Andere alte Schreibweisen sind Kalenberg, Kallenberg, und Chalenberg. Im 12. Jahrhundert ließ Leopold III. eine Burg am Kahlenberg gegen die Einfälle der Magyaren erbauen. Leopold selbst starb 1136 in der Burg.

Im Vordergrund die Kirche St. Leopold, im Hintergrund der Stift Klosterneuburg - Luftbild

Früh entstanden auf dem nördlichen Abhang des Kahlenbergs Weingärten, die erstmals 1304 belegt sind. Die Burg auf dem Kahlenberg wechselte in der Folge oft den Besitzer. 1253 bis 1258 war sie in Besitz von Ottokar II. Přemysl, 1287/88 verschanzte sich hier Albrecht I. vor den aufständischen Wienern und erweiterte sie mehrmals. 1484 wurde sie von Matthias Corvinus erobert, 1498 fiel sie wieder an die Habsburger. 1529 wurde die Burg vor dem Eintreffen der Türken in Brand gesteckt, die Reste wurden später gesprengt. Kaiser Leopold I. stiftete gemäß einem Gelübde zur Abwendung der Pest 1679 die Leopoldskapelle auf dem Berg. 1683 wurde der fertiggestellte Teil aber von den Türken vernichtet. Nach dem Sieg gegen die Türken bei der Schlacht am Kahlenberg (12. September 1683) ließ Leopold die Kapelle wieder errichten und 1693 dem Heiligen Leopold weihen, woraufhin der Berg den Namen Leopoldsberg erhielt.

Der benachbarte Sauberg wurde darauf in Kahlenberg umbenannt. Unter Joseph II. wurde die Kirche des Leopoldsberges entweiht und 1798 vom Stift Klosterneuburg wieder konsekriert. Ein 1718 errichtetes Schloss brannte 1891 ab.

Vom Leopoldsberg ist das Donautal bei Wien zu überblicken (links außen Mitte, mit Trasse der Standseilbahn), um 1872 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Lage der Standseilbahn (hier: Drahtseilbahn), 1876 dargestellt in Zusammenhang mit den jährlich wiederkehrenden Rutschungen am Kahlenberg-Gehänge längs der Donau[5]
Das Plateau des Leopoldsbergs von Südwesten aus gesehen mit der Leopoldsbergkirche, dem Heimkehrer-Gedächtnismal und der Leopoldsbergburg

Im August 1872 wurde mit dem Bau einer ab 1873, dem Jahr der Wiener Weltausstellung, über die Nordflanke des Leopoldsbergs Richtung Kahlenberg führenden Standseilbahn begonnen, wobei es vorab nötig war, zur Herbeischaffung des Baumaterials eine provisorische Drahtseilbahn zu errichten.[6]

Die Talstation der Standseilbahn befand sich etwa an der heutigen Grenze zwischen Wien und Niederösterreich und hatte ab 31. August 1873[7] über einen heute nicht mehr existenten Bahnhof[Anm. 1] Anschluss an die Kaiser-Franz-Josephs-Bahn und eine eigene Schiffsanlegestelle der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (DDSG). 1876 wurde sie von der Kahlenbergbahn Gesellschaft aufgekauft und, aus Konkurrenzgründen,[8] stillgelegt.[9]

Mehrmals geplant aber nie ausgeführt war eine Ruhmes- oder Kriegshalle, ähnlich von der Idee wie Walhalla.

Seit 1935 führt die Wiener Höhenstraße vom Kahlenberg auf den Leopoldsberg, öffentlich ist er aus Heiligenstadt mit der Autobuslinie 38A zu erreichen.

1948 wurde das Heimkehrer-Gedächtnismal errichtet, das an das Leid der Kriegsheimkehrer aus dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Es ist mit einer großen Feuerschale ausgestattet, die früher zum Gedenken an die in Kriegsgefangenschaft Verstorbenen entzündet wurde und weit ins Land leuchtete.

Im Zuge einer planmäßigen Zwischenlandung in Wien kollidierte am 10. Oktober 1955 im dichten Nebel eine Convair CV-340-58 (YU-ADC) der Jugoslovenski Aerotransport (JAT), auf ihrem Weg von Belgrad nach London am Leopoldsberg mit dem Gelände. Die Maschine stürzte in der Nähe der Josefinenhütte ab. Von den 29 Insassen überlebten 7 Personen den Unfall nicht. An der Absturzstelle wurde vom Österreichischen Touristenklub ein Gedenkstein errichtet. (Siehe auch: Flugunfall auf dem Leopoldsberg von 1955)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto H. Urban, Brigitte Cech (Beiträge): Der Leopoldsberg. Archäologische Forschungen auf dem Wiener Hausberg (mit mehreren Beiträgen), Wiener Archäologische Studien, Bd. 2, ZDB-ID 2217200-2. Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie, Wien 1999, ISBN 3-9500492-5-8.
  • Karl Kothbauer: Döbling und seine Ried- und Flurnamen. Dissertation. Universität Wien, Wien 2001, OBV.
  • Christian F. Winkler, Alfred Hengl: Vom Leopoldsberg zum Hermannskogel. Geschichte des Kahlengebirges. Sutton, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-097-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leopoldsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiener Zeitung: Plan B für Leopoldsberg?; abgerufen am 3. Dez. 2012
  2. Otto Helmut Urban: Archäologie auf dem Leopoldsberg. In: science.orf.at, abgerufen am 20. Januar 2014.
  3. 1. Ausgrabungen. In: Otto H(elmut) Urban: Archäologie auf dem Leopoldsberg. (Vortragsfolien). Institut für Ur-und Frühgeschichte der Universität Wien, Wien 2007, Folie 5. – Online (PDF; 6,5 MB).
  4. a b Susanne Sievers, Otto Helmut Urban, Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K, L–Z. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 1151 f.
  5. H(einrich) Wolf: Aufsätze. Die Rutschungen am Kahlenberg-Gehänge längs der Donau. In: Wochenschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, Jahrgang 1876, Nr. 15/1876, 8. April 1876 (I. Jahrgang), S. 149–152. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/ina.
  6. Volkswirthschaftliche Zeitung. (…) Bahn auf den Leopoldsberg. In: Das Vaterland, Nr. 239/1873 (XIII. Jahrgang), 1. September 1872, S. 5 (unpaginiert), Spalte 3 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/vtl.
  7. Handel, Industrie, Verkehr und Landwirthschaft. (…) Drahtseilbahn. In: Wiener Zeitung, Nr. 206/1873, 4. September 1873, S. 788, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  8. Geschichte der Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band: 1,2. Karl Prochaska, Wien 1898, S. 552
  9. Martin Fuchs: Bergbahnen im Wienerwald. Zahnradbahn – Drahtseilbahn – Knöpferlbahn. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. M. Fuchs, Wien 2004, OBV, S. 34ff.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Im Herbst 1883 dürfte das aufgelassene Stationsgebäude, zumindest in Teilen, noch vorhanden gewesen sein. – Siehe: Locales. Auf den Schienen. In: Wiener Zeitung, Nr. 240/1883, 18. Oktober 1883, S. 4 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.