Nordbayerische Industriestraße

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Die Nordbayerische Industriestraße ist ein 2009 gestarteter Zusammenschluss von 25 Museen zwischen Nürnberg und Regensburg zum Thema Industriegeschichte. Die Industriestraße verläuft von Burgthann b. Nbg. bis Bach an der Donau über eine Gesamtlänge von 315 km.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Industrielle Revolution das neu gegründete Königreich Bayern erreichte, war in Altbayern die Landwirtschaft die vorherrschende Wirtschaftsform. Im Gegensatz dazu hatten sich im fränkischen Nürnberg und im schwäbischen Augsburg seit dem Mittelalter bereits vorindustrielle Strukturen entwickelt.

Besonders im Großraum Nürnberg bestand eine ideale Ausgangsposition, auch wenn die Stadt nach den napoleonischen Kriegen eine enorme Schuldenlast drückte. Zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert hatte Nürnberg seine Blütezeit. Der Erfindungsreichtum der städtischen Handwerker wurde als „Nürnberger Witz“ legendär und im Umfeld der Handelsmetropole konnten auch die kleineren Städte profitieren. Entlang der Pegnitz (Fluss) reihten sich Mühle an Mühle. Allein im Nürnberger Stadtgebiet befanden sich 1601 bereits zwölf Mühlenanlagen mit 131 Wasserrädern. Gleichzeitig begannen sich die Goldschläger in Schwabach einen Namen zu machen. Bereits zu dieser Zeit entwickelte sich ein intensiver Handel mit der Oberpfalz, denn das dort geförderte Eisenerz wurde in Nürnberg und Umgebung weiterverarbeitet.

Die industrielle Revolution verbreitete sich zunächst in dieser Region Bayerns, als man in Nürnberg ab 1820 mit der ersten städtischen Tuchfabrik unzählige neue Firmen gründete, die Massenware produzierten, die in die ganze Welt exportiert wurde. Die mittelfränkische Industrie knüpfte an ihre wirtschaftliche und technische Vorreiterstellung im Spätmittelalter an und entwickelte aus Handwerksberufen wie den Drahtziehern die leonische Industrie. Auch andere metallverarbeitende Unternehmen, wie Eisengießerei und Maschinenfabrik Klett & Co., die einige Jahrzehnte später mit der Maschinenfabrik Augsburg zur M.A.N. fusionierte, gründeten sich zu dieser Zeit. Die Rohstoffgewinnung für diese Betriebe erfolgte aus den Erzbergwerken der Oberpfalz und erhielt gegen Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Gründung der Maxhütte AG industrielle Formen.

Den industrielle Vorsprung Nürnbergs im Vergleich zum restlichen Königreich Bayern zeigen vor allem zwei strukturelle Projekte, die ab den Dreißigerjahren in der Region initiiert worden waren. 1835 fuhr mit dem Adler die erste Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth und ab Juli 1836 begannen die Arbeiten am Ludwig-Donau-Main-Kanal zwischen Bamberg, Nürnberg und Regensburg. Während sich bis 1870 in Franken und Schwaben bereits in einigen Städten das hochindustrielle Zeitalter durchgesetzt hatte, blieb das übrige Bayern in großen Teilen weiter landwirtschaftlich geprägt. Einzig in der Oberpfalz zeigten die Erzhütten und die ersten Braunkohlegruben industrielle Strukturen.

Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 begann in Bayern die zweite Welle der Industrialisierung, die besonders in der Oberpfalz zu spüren war. Die Porzellan- und Glasmanufakturen die zwischen Selb und Weiden zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Hochphase ihrer Produktion bereits hinter sich gelassen zu haben schienen, stellten ihre Produktionsweise nach dem Fund großer Kaolinvorkommen rund um Selb auf Massenfertigung um und produzierten zeitweise 90 Prozent des deutschen Porzellans. Zudem wurde im Wackersdorfer Raum mit der Förderung der Braunkohle begonnen.

Die industrielle Vormachtstellung Mittelfrankens konnte sich im 20. Jahrhundert zunächst ebenso halten, wie die Bedeutung der Oberpfalz als Rohstoffquelle Bayerns. Besonders die Motorrad- und Blechspielwarenindustrie hatte sich in Nürnberg einen Namen gemacht und für ein deutliches Bevölkerungswachstum gesorgt. Erst mit den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und dem anschließenden Wiederaufbau überholte München schließlich Nürnberg als führender bayerischer Wirtschaftsstandort. Dennoch konnte sich auch die Nordbayerische Industrie wieder erholen, schloss ab nie wieder an die wirtschaftlichen Erfolge des 19. Jahrhunderts an.

Beteiligte Museen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]