Ober-Roden
49.97701518.8285427142Koordinaten: 49° 58′ 37″ N, 8° 49′ 43″ O
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Ober-Roden
Stadt Rödermark
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|---|---|
| Höhe: | 142 m ü. NN |
| Einwohner: | 12.749 (30. Jun. 2007) |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1977 |
| Postleitzahl: | 63322 |
| Vorwahl: | 06074 |
Ober-Roden ist ein Stadtteil von Rödermark im Landkreis Offenbach in Hessen.
Inhaltsverzeichnis |
Lage[Bearbeiten]
Ober-Roden liegt südöstlich von Frankfurt am Main und nordöstlich von Darmstadt, ca. 15 km südlich von Offenbach am Main auf dem 50. Breitengrad. Es liegt in einer Höhe von 142 m über NN an dem Flüsschen Rodau.
Geschichte[Bearbeiten]
Territorialgeschichte[Bearbeiten]
786 vermachte die dem fränkischen Hochadel entstammende Aba ihr Eigenkloster Rotaha, ein Nonnenkloster, dem Kloster Lorsch. Die Lage des Klosters auf dem Ober-Rodener Kirchhügel konnte durch archäologische Ausgrabungen nachgewiesen werden. Hier fanden sich neben Kirchenbauten auch Siedlungsbefunde. Diese Siedlung wurde 790 erstmals in einer Schenkung, ebenfalls an das Kloster Lorsch, erwähnt. Auch am 22. April 791 schenkte ein fränkischer Adliger namens Erlulf seinen gesamten Besitz in Ober-Roden, Nieder-Roden und Bieber dem Kloster Lorsch.[1] Weitere Schenkungen datieren aus den Jahren 792[2] ,798[3] und 810.[4] 903 wurde das Kloster Rotaha als Besitz des Lorscher Klosters bestätigt. Die Pfarrkirche in Ober-Roden ist, wie das Kloster Lorsch, dem heiligen Nazarius.
Mit dem in der Urkunde von 786 ebenfalls genannten Niwenhof befand sich im Bereich von Ober-Roden auch eine frühmittelalterliche Burg, die sich später zu einem Herrenhof entwickelte.
1303 und 1331 einigen sich die Herren von Hanau und Siegfried von Eppstein über ihre Rechte und Einkünfte in Ober-Roden. Als Teil des Amtes Steinheim wurde das Dorf 1425 von den Herren von Eppstein an Kurmainz verkauft. Für die nächsten Jahrhunderte war der Erzbischof und Kurfürst von Mainz Landesherr. Hier gehörte es zum Oberen Erzstift, dem Oberamt Steinheim und zur Amtsvogtei Dieburg. 1446 ist der Zehnte im Besitz der Grafen von Hanau. 1576 steht die Oberhoheit in Ober-Roden je zur Hälfte den Grafen von Hanau-Lichtenberg und Kurmainz zu. 1684 tritt Hanau seinen Anteil an Mainz ab.
1786 wurde die Markgenossenschaft Röder Mark, bis dahin ein großer, gemeinschaftlicher Wald, unter den ihr angehörenden Gemeinden Ober- und Nieder-Roden, Urberach, Messel, Dietzenbach, Hainhausen, Jügesheim und Dudenhofen aufgeteilt. Ober-Roden erhielt so seinen Gemeindewald.
Mit der Säkularisation kam Ober-Roden an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, das spätere Großherzogtum Hessen. Nun gehörte es nacheinander zu folgenden Verwaltungseinheiten:
- 1820 Amt Dieburg
- 1821 Landratsbezirk Langen
- 1832 Kreis Offenbach
- 1848 Regierungsbezirk Dieburg
- 1852 Kreis Dieburg
- 1938 Landkreis Dieburg
- 1977 Landkreis Offenbach
Zum 1. März 1958 schloss sich Messenhausen vollständigen an Ober-Roden an, nachdem es bereits seit 1821 der Bürgermeisterei angeschlossen war, aber einen eigenen Gemeindehaushalt behalten hatte. Am 1. Januar 1977 wurde durch Zusammenschluss per Gesetz der bis dahin selbstständigen Gemeinden Ober-Roden und Urberach im Zuge der hessischen Gebietsreform die Gemeinde, seit 23. August 1980 Stadt Rödermark gegründet. Beide Gründungsgemeinden kamen vom Landkreis Dieburg zum Landkreis Offenbach.[5] Oberroden ist heute der größte der fünf Stadtteile von Rödermark.
Historische Namensformen[Bearbeiten]
- Raodora (786)
- Rotaha (790)
- Rotahen superiore et inferiore (791)
- Rotaha (792)
- Rotaher (796)
- Rota (800)
- Rotahe (805-813)
- Rodahe (815)
- Rotaha (10. Jahrhundert)
- Rothaha (903)
- Obir Rota (1303)
- Obern Rodauw (1371)
- Ober Roda (1446)
- Superior Roda (1472)
- Obern Rodawe (1485)
- Ober roden (1550)
- Ober Roden (1716)
Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]
- 1576: 80 Familien
- 1681: 31 Haushaltungen mit 117 Einwohnern
- 1829: 1.295 Einwohner
- 1939: 3.672 Einwohner
- 1961: 6.459 Einwohner
- 1970: 9.257 Einwohner
- 2007: 12.749 Einwohner
Durch die Suburbanisierung der 1960er- und 1970er-Jahre wurde Ober-Roden zu einer Pendlergemeinde.
Kirchengeschichte[Bearbeiten]
Die Pfarrkirche in Ober-Roden, dem heiligen Nazarius geweiht, war Mutterkirche für Urberach, Nieder-Roden, Messel und Dudenhofen. Sie wird erstmals 1303 erwähnt. Das Patronat lag ursprünglich bei den Herren von Hagen-Münzenberg, nach dem Anfall der Münzenberger Erbschaft ab 1256 bei den Herren von Hanau. 1323 wird ein eigener Pfarrer für Ober-Roden erwähnt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war kirchliche Mittelbehörde das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Rodgau.
Zum Ende des ersten Drittels des 16. Jahrhunderts errichtete Reinhard von Hanau-Lichtenberg (1494 - 1537), Pfarrer in Ober-Roden, mit seinem Testament die Ober-Rodener Spendung, eine wohltätige Stiftung, die bis heute besteht.
Die mittelalterliche Kirche wurde 1644 durch Brand zerstört, 1660 wieder aufgebaut.
Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]
Der Bahnhof Rödermark-Ober Roden ist der Bahnhofskategorie 4 zugeordnet und stellt einen lokalen Knotenpunkt im ÖPNV dar.
Eisenbahn[Bearbeiten]
| S-Bahn | |
| Regionalbahn | RB 61 |
| Buslinien | OF-46 OF-95 674 679 684 |
| Nachtbuslinien | n65 n66 |
1896 erhielt Ober-Roden mit der Rodgaubahn, die von Offenbach (Main) Hauptbahnhof über Ober-Roden nach Dieburg an der Main-Rhein-Bahn führt, Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1905 kam die Dreieichbahn über Urberach nach Buchschlag an der Main-Neckar-Eisenbahn hinzu. Heute stellt sich die Anbindung folgendermaßen dar:
- Die S-Bahn-Linie S1 startet hier über Offenbach am Main, und Frankfurt am Main Hauptbahnhof nach Wiesbaden Hauptbahnhof; in der Hauptverkehrszeit besteht ein 15-Minuten-Takt, wobei die Verstärkerzüge nur bis Hochheim am Main verkehren.
- Die Züge der Dreieichbahn dagegen halten hier auf Ihrer Fahrt zwischen Buchschlag und Dieburg.
Bus[Bearbeiten]
- Verschiedene Buslinien verbinden Ober-Roden zudem mit dem Umland:
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- Linie OF-95: Neu-Isenburg - Dietzenbach - Ober-Roden - Urberach
- Linie 674: Ober-Roden – Dieburg - Darmstadt
- Linie 679: Ober-Roden – Dieburg - Groß-Zimmern - Reinheim
- Linie 684: Ober-Roden – Eppertshausen - Münster - Darmstadt
- Seit Dezember 2009 enden 2 Nachtbuslinien in Ober-Roden:
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- Linie n65: Ober-Roden – Rodgau - Offenbach-Marktplatz
- Linie n66: Ober-Roden – Dietzenbach - Offenbach-Marktplatz
- In Offenbach-Marktplatz besteht Anschluss an die Nachtbuslinien n61 und n63 nach Frankfurt.
- Seit August 2012 verbindet der Stadtbus Rödermark den Stadtteil Messenhausen mit Ober-Roden:
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- Linie OF-46: Messenhausen - Ober-Roden Bahnhof - Breidert - Industriegebiet - Bahnhof Westseite - Messenhausen
Kultur und Bildung[Bearbeiten]
Die mächtige neugotische Pfarrkirche St. Nazarius (im Volksmund auch „Rodgaudom“ genannt) und einige Fachwerkhäuser bilden den historischen Stadtkern.
Oberroden besitzt eine Stadtbücherei und eine Kulturhalle
Kinderhort und Grundschule liegen direkt an der Rodau im Zentrum von Ober-Roden. In Ober-Roden befindet sich weiter die Oswald-von-Nell-Breuning-Schule, eine Gesamt- und Europaschule.
Persönlichkeiten[Bearbeiten]
- Reinhard von Hanau-Lichtenberg (1494-1537), Pfarrer in Ober-Roden
- Egon Schallmayer (* 1951), Landesarchäologe von Hessen
- Wilhelm Weber (1876-1959), hessischer Landtagsabgeordneter
Literatur[Bearbeiten]
- Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains. = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29 (1966), S. 141.
- Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940, S. 230ff.
- Friedhelm Jürgensmeier u.a.: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Hessen. = Germania Benedictina 8: Hessen. 2004, S. 891–899.
- Jörg Leuschner, Egon Schallmayer: 1200 Jahre Ober-Roden in der Rödermark. Chronik 786–1986. 1986.
- Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 536ff, 614.
- Karl Pohl: Die wechselvolle Geschichte des Patroziniums der St.Nazarius-Kirche Oberroden - Rödermark. 2009, (e-book) ISBN 978-3-640-39689-4.
- Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform. = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 164.
- Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter. Historische Komm. für Nassau, Wiesbaden 2000, ISBN 3-930221-08-X, S. 367, 374–375, 379.
- Egon Schallmayer: Beispiel Ober-Roden (Stadt Rödermark): Ein Ort erhält Geschichte. Geschichtsschreibung und Archäologie im Zusammenwirken. In: Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters. Bd. 33 (2005), S. 145–162.
- Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach. = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1987, S. 237ff.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Urkunde Nr. 1965 (Reg. 2311) aus dem Codex Laureshamensis
- ↑ Urkunde Nr. 3450 (Reg. 2410) aus dem Codex Laureshamensis
- ↑ Urkunde Nr. 3449 (Reg. 2616) aus dem Codex Laureshamensis
- ↑ Urkunde Nr. 3451 (Reg. 3051) aus dem Codex Laureshamensis
- ↑ Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach vom 26. Juni 1974 In: GVBl.I 1974/22