Messel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Messel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Messel
Messel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Messel hervorgehoben
49.9369444444448.7444444444444172Koordinaten: 49° 56′ N, 8° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Darmstadt-Dieburg
Höhe: 172 m ü. NHN
Fläche: 14,82 km²
Einwohner: 3815 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 257 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64409
Vorwahl: 06159
Kfz-Kennzeichen: DA, DI
Gemeindeschlüssel: 06 4 32 012
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kohlweg 15
64409 Messel
Webpräsenz: www.messel.de
Bürgermeister: Andreas Larem
Lage der Gemeinde Messel im Landkreis Darmstadt-Dieburg
Erzhausen Weiterstadt Griesheim Pfungstadt Bickenbach (Bergstraße) Alsbach-Hähnlein Seeheim-Jugenheim Modautal Mühltal Ober-Ramstadt Messel Eppertshausen Münster (bei Dieburg) Dieburg Roßdorf (bei Darmstadt) Fischbachtal Groß-Bieberau Reinheim Groß-Zimmern Otzberg Groß-Umstadt Schaafheim Babenhausen (Hessen) Darmstadt Bayern Odenwaldkreis Kreis Bergstraße Kreis Groß-Gerau Landkreis OffenbachKarte
Über dieses Bild

Messel ist eine Gemeinde im Landkreis Darmstadt-Dieburg im Bundesland Hessen, nordöstlich von Darmstadt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt 172 m über NN, 9 km nordöstlich von Darmstadt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Messel grenzt im Norden an die Städte Dreieich und Rödermark (beide Kreis Offenbach) und die Gemeinde Eppertshausen, im Osten an die Gemeinde Münster und die Stadt Dieburg, im Süden an die Gemeinde Groß-Zimmern, letztere alle im Landkreis Darmstadt-Dieburg, sowie im Westen an die kreisfreie Stadt Darmstadt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Messel besteht aus dem Hauptort Messel und dem Wohnplatz Grube Messel (nicht zu verwechseln mit dem UNESCO-Weltnaturerbe Grube Messel).

Geschichte[Bearbeiten]

Urgeschichte[Bearbeiten]

Die Gemarkung von Messel wurde schon vor der Jungsteinzeit von Menschen aufgesucht und ab dem Neolithikum auch dauerhaft besiedelt. Archäologische Funde belegen das, etwa ein Glockenbecher, der an der Moret-Schneise gefunden wurde.

In der Eisenzeit siedelten Kelten auch im Raum Messel. Auch sie haben zahlreiche Spuren hinterlassen. Stark geprägt wurde Südhessen durch die römische Besetzung, das benachbarte Dieburg entwickelte sich zu einem Wirtschaftszentrum. Tonwaren, Münzen und Kunsthandwerk aus dieser Zeit sind erhalten. Eine umfassende Veränderung trat mit dem Beginn der germanischen Völkerwanderung ein. 260 n. Chr. durchbrachen die Alamannen den Limes. Das Römische Reich gab seine rechtsrheinischen Gebiete auf.

Territorialgeschichte[Bearbeiten]

Mit dem Beginn des Frühmittelalters geriet Südhessen zunehmend unter fränkischen Einfluss. Mit der Christianisierung und dem Aufbau der Kirche erhielt das Gebiet – auch um Messel – eine neue Struktur. Das Kloster Lorsch, von den karolingischen Herrschern stark gefördert, bildete das regionale Macht- und Kulturzentrum. So stammt die älteste Erwähnung von Messel aus dem Jahr 800 aus einem Eintrag im Lorscher Codex.[2]

Am Nordwestrand des Ortes im Bereich des heutigen Sportplatzes in der Flur "Ringelwoog" wurde eine Wasserburg errichtet. Sie datiert in die Zeit um 1100. Es liegt ein Hinweis auf den Bau unter Abt Anselm von Lorsch vor. Von der Burg sind obertägig keine Reste mehr erhalten.

Nach der Aufhebung des Klosters Lorsch 1232 fiel dessen gesamter Besitz an das Erzbistum Mainz. 1303 gehörte das Dorf zur Röder Mark. 1403 erhielt Henne Groschlag die Vogtei über den Ort von den Grafen von Katzenelnbogen zu Lehen. 1455 erlaubte Kaiser Friedrich III. dem Erzbischof von Mainz die Erhöhung des Landzolls zu Messel und Hessen. 1490 belehnte Landgraf Wilhelm II. von Hessen Ludwig Groschlag mit Gütern in Messel. 1495 gehörte Oswalt Groschlag ein Teich in Messel. Die Herren von Groschlag kumulierten so eine Reihe von Rechten in Messel und wurden damit bis 1799 Ortsherren, dem Jahr, in dem das letzte männliche Mitglied dieser Familie starb.

Nun wurde Messel als Lehen an den Kurmainzischen Staatsminister Franz Joseph Martin von Albini (1748-1816) vergeben. Den wollten die Messeler als Ortsherren aber nicht anerkennen, sondern sie huldigten am 31. Mai 1799 den Töchtern des letzten aus der Familie Groschlag. Albini erzwang seine Anerkennung allerdings durch die Besetzung des Ortes mit 50 Mainzer Husaren. Allerdings blieb Albini nur bis 1806 Ortsherr, dann fiel der Ort an das Großherzogtum Hessen. Die Albinis waren allerdings bis 1821 Patrimonial- und damit auch Gerichtsherren des Ortes. Seit den Zeiten des Großherzogtums gehörte Messel zu folgenden Verwaltungseinheiten:[2]

Bis 1838 hatte die Pfarrei Ober-Roden den kleinen Zehnten in Messel inne.[2] Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung erheblich zu. Nach mehreren Missernten und Hungersnöten verließen nahezu 10 % der Einwohner ihren Heimatort und wanderten nach Amerika aus.

Eine weitere große Veränderung brachte die Entdeckung der Ölschiefervorkommen, die seit den 1870er Jahren von der Gewerkschaft Messel in der Grube Messel ausgebeutet wurden. Im Anschluss daran entstanden verarbeitende Industrieanlagen, die zusammen mit dem Bergwerk für fast ein Jahrhundert der Hauptarbeitgeber in der Gemeinde wurden.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde das Gemeindegebiet am 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt nach Süden erheblich erweitert. Bis dahin folgte die südliche Gemeindegrenze im Ostteil der nach Südosten gerichteten Zeilharder Grenzschneise durch die Waldungen der Dieburger Mark und im Westteil dem Vorfluter, der den Waldrand nach Südwesten begleitete, rund Hundert Meter südlich des Bahnhofs Messel die Roßdörfer Straße unterquerte und wenige Hundert Meter weiter von rechts in den Sülzbach oder Silzbach mündete, der nach Westen in Richtung Wixhausen fließt. Durch das Gesetz wurden die Gemarkung Zeilharder Wald, in die sich in etwa gleich breiten Streifen von Nord nach Süd die früher selbstständigen Gemeinden Zeilhard, Georgenhausen und Klein-Zimmern teilten, sowie die südlich davon anschließende Gemarkung Spachbrücker Wald, die den Gemeindewald von Spachbrücken bildete, in die Gemeinde Messel eingegliedert.[3] Der knapp 500 Meter breite Waldstreifen der Gemeinde Klein-Zimmern nördlich der Spachbrücker und Klein-Zimmerer Grenzschneise umfasste namentlich das Zentrum der Fossilien-Fundstätte der Grube Messel und die Wohnsiedlung südlich des Bahnhofs Messel an der Roßdörfer Straße mit damals etwa 300 Einwohnern.[4][5]

Historisch Ortsnamen[Bearbeiten]

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt[2]:

  • Massila (800)
  • Massilia (813)
  • Stehelin Mesela (1105)
  • Messela (1303)
  • Messele (1308)
  • Messel (1358)
  • Messeln (1438)
  • Messel (1454)
  • Meschell (1688)
  • Mesßel (1688)
  • Mescheln (1722)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Dokumentierte Einwohnerzahlen sind:[2]

  • 1829: 652 Einwohner
  • 1939: 1178 Einwohner
  • 1961: 1932 Einwohner
  • 1970: 2613 Einwohner
Messel: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
665
1840
  
679
1846
  
707
1852
  
666
1858
  
653
1864
  
689
1871
  
707
1875
  
708
1885
  
728
1895
  
854
1905
  
1.011
1910
  
1.044
1925
  
1.129
1939
  
1.178
1946
  
1.610
1950
  
1.710
1956
  
1.779
1961
  
1.932
1967
  
2.224
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Religionsgeschichte[Bearbeiten]

Wann erstmals eine Kirche in Messel errichtet wurde, ist nicht bekannt. Der Kirchturm der heutige evangelischen Kirche stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Kirche stand unter dem Patronat des Apostels Bartholomäus. Sie war zunächst eine Filialkirche von Ober-Roden. Noch vor 1550 wurde Messel zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Kirchliche Mittelbehörde war in der Frühen Neuzeit das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Rodgau.

Mit der Reformation trat die Messeler Kirchengemeinde zum lutherischen Glauben über, der ebenfalls lutherische Graf von Hanau-Lichtenberg besaß das Präsentationsrecht für den Pfarrer. 1560 wurde Klein-Zimmern – vielleicht deshalb – vom Mainzer Erzbischof aus dem Pfarrverband gelöst.

Eine jüdische Gemeinde gab es in Messel wohl schon seit dem 15. Jh. Ihr Bevölkerungsanteil in Messel schwankte zwischen 10 und 20 %. Die Synagoge von Messel war eine der ältesten im Gebiet des Großherzogtums. 1830 wurde Sie durch einen Neubau in der Holzhäusergasse 20 ersetzt. In der Zeit des Nationalsozialismus profanisiert und privatisiert, wurde das Gebäude, ein Fachwerkhaus, in den 1970er Jahren abgerissen.[6]

Als römisch-katholische Kirche diente zunächst die 1945 eingeweihte Antonius-Kapelle im Ortsteil Grube Messel. 1957 wurde die St.-Bonifatius-Kirche in Messel eingeweiht.

Politik[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 hatte hier folgendes Ergebnis[7]:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
Kommunalwahl in Messel 2011
 %
60
50
40
30
20
10
0
54,8 %
37,0 %
8,2 %
keine
Sonst.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 20
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-18
+19,3 %p
-17,4 %p
+2,3 %p
-4,2 %p
Sonst.
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 54,8 10 35,5 7 42,4 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 37,0 7 54,4 10 49,1 9
FDP Freie Demokratische Partei 8,2 2 5,9 1 8,6 2
FLoM Freie Liste offenes Messel 4,2 1
gesamt 100,0 19 100,0 19 100,0 19
Wahlbeteiligung in % 60,1 59,9 67,6

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Messel liegt im Ortsteil Grube Messel, an der Main-Rhein-Bahn, zwischen Aschaffenburg und Wiesbaden über Darmstadt und Mainz. Der Bahnanschluss besteht seit 1858. Der Bahnhof ist von Messel aus über einen kombinierten Fuß- und Radfahrweg zu erreichen. Vor Ort bestehen Park + Ride-Parkplätze. Außerdem wird der Bahnhof von Linienbussen nach Darmstadt-Kranichstein (dort Anschluss an die Straßenbahn Darmstadt), Darmstadt-Oberwaldhaus und nach Rödermark angefahren. An den Wochenenden bestehen einzelne Busverbindungen nach Heusenstamm über Dreieich-Offenthal.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bekannt ist Messel vor allem durch die Fossilienfundstätte Grube Messel, die von der UNESCO 1995 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Seit 2010 gibt es am Eingang der Grube ein Besucher-Informationszentrum.

Das Fossilien- und Heimatmuseum Messel zeigt eine Ausstellung zu Fossilienfunden, der Bergbau-, Industrie- und Ortsgeschichte von Messel. Das Museum befindet sich im ältesten bekannten Schulhaus der Gemeinde, einem Gebäude, das 1785 errichtet wurde.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29, S. 132.
  • * Siegfried RCT Enders: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen – Landkreis Darmstadt-Dieburg. Braunschweig 1988, S. 300ff.
  • Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 526ff.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 458f.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 143.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Messel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d e Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMessel, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 1. Oktober 2012.
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt vom 26. Juni 1974 (GVBl. I S. 318)
  4. Geodaten online und Gemeindegrenzenkarte des Hessischen Landesvermessungsamtes nach dem Stand vom 1. Juli 1972
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 354.
  6. Thea Altaras: Synagogen in Hessen - Was geschah seit 1945?. Königstein 1994, S. 131. ISBN 3-7845-7790-3
  7. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011